Uniklinikum Dresden Seelsorger in Schutzkleidung

Wie Christoph Behrens Sterbenden auf Corona-Stationen beisteht

Die Corona-Stationen in den Krankenhäusern füllen sich wieder. Wer hier stirbt, stirbt oft einsam. Denn Angehörige dürfen nicht hinein – zu groß ist die Gefahr einer Ansteckung. Dann sind Schwestern, Pfleger, Ärzte oder Seelsorger die einzigen Begleiter – auch auf dem letzten Weg. Christoph Behrens, katholischer Priester und Klinikseelsorger vom Dresdner Universitätsklinikum versucht seit dem Beginn der Pandemie, sterbenden Corona-Patienten nahe zu sein.

Eine Kerze in der Kapelle der Dresdner Uniklinik – Pfarrer Christoph Behrens blickt lange in ihre Flamme. Seit 19 Monaten brennt das Licht – seit das Corona-Virus das Krankenhaus erreichte.

Die Pandemie ist nicht vorbei. Wieder zieht Christoph Behrens - katholischer Priester und Klinikseelsorger - den Kittel und die Schutzbrille an, streift Handschuhe und Kopfbedeckung über. Die vierte Welle der Corona-Pandemie hat die Dresdner Uniklinik längst mit voller Wucht erreicht. Hier wird klar, was die hohen Inzidenzzahlen bedeuten: Kranke, Sterbende. Und Pflegende am Limit. Seit Beginn der Pandemie ist Christoph Behrens an ihrer Seite.

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MDR KULTUR - Das Radio Fr 19.11.2021 13:41Uhr 04:21 min

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In den Stationen des Uniklinikums herrscht strenges Besuchsverbot. Zu groß ist die Infektionsgefahr. Selbst zu Sterbenden dürfen keine Angehörigen – nur Ärzte, Pfleger und Seelsorger wie Christoph Behrens.

Ich habe da die Scheu auch ein bisschen verloren. Ich bin nicht unvorsichtig, aber ich nehme die Hand und lasse sie in meiner Hand – auch wenn da ein Gummihandschuh dazwischen ist. Es ist doch spürbar, dass manche danach greifen, obwohl man dachte: Die merken gar nichts mehr.

Christoph Behrens, katholischer Priester und Klinikseelsorger

Trost auch für Angehörige

Auch für Angehörige kann das eine große Hilfe sein. So wie für eine Frau, deren Großmutter erst vor wenigen Tagen in der Klinik mit Corona starb – und die es jetzt tröstet, dass wenigstens Seelsorger Christoph Behrens an ihrer Seite war.

Das war irgendeine Sicherheit für uns gewesen. Das hat viel Ruhe auf einmal gebracht. Und Angst genommen. Das war das Wichtigste: für die Seele Ruhe bringen.

Angehörige
Ärzte und Intensivpfleger auf einer Covid-Intensivstation in der Uniklinik Dresden Bildrechte: imago images/Max Stein

Der Corona-Virus fordert einen Sicherheitsabstand – doch Sterbende brauchen oft menschliche Nähe. Die will Seelsorger Christoph Behrens ihnen geben.

Im Angesicht des Leidens und Sterbens auf den Corona-Stationen verzichtet der katholische Priester meist auf fromme Worte. Gott ist für ihn mitten unter den Patienten – und auch unter den Pflegenden und Ärzten.

In jedem Menschen, der im Bett vor mir liegt, sehe ich Christus. Vielleicht bin ich ein schlechter Priester, aber ich rede kaum von Gott – ich vertraue Gott, dass er alles in der Hand behält, und dass er mehr tun kann als ich bei den Menschen in dieser Situation.

Christoph Behrens

Wichtiger Gedenkort

In der Kapelle des Dresdner Uniklinikums richtete Christoph Behrens dieser Tage einen Corona-Gedenkort ein: für die Verstorbenen, die Angehörigen – aber auch die Pflegenden und das ärztliche Personal.

An diesem Corona-Gedenkort wollen wir dazu einladen, dass man Vornamen von Verstorbenen draufschreibt und auch hier anheftet und so ein Zeichen setzt, dass die Verstorbenen nicht in Vergessenheit geraten.

Die Corona-Kerze hat der Seelsorger aus der Krankenhauskapelle an den Erinnerungsort für die Verstorbenen gestellt. Christoph Behrens weiß, dass sie noch lange brennen wird.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Religion und Gesellschaft | 21. November 2021 | 09:15 Uhr