Studie Religion und Verschwörungsmythen

Gläubige Menschen sind einer Studie zufolge nicht anfälliger für Verschwörungstheorien. Die Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft scheint sogar vor Verschwörungsmythen zu schützen. Das ergab eine Online-Studie der Uni Münster. Ein Problem hat aber, wer allein seine Religion im Recht sieht.

Teilnehmer einer Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen der Bundesregierung haben sich vor dem Brandenburger Tor versammelt und halten neben einem Kreuz ein Plakat mit der Aufschrift "Wir sind das Volk! Ihr seid das Pack" als sie Polizisten gegenüberstehen.
Auf einer Demonstration gegen Corona-Einschränkungen in Berlin Bildrechte: dpa

Der Glaube an Verschwörungsmythen hängt einer Studie zufolge mit der Einstellung zur eigenen Religion zusammen.

Menschen, die ein exklusives Verständnis von Religion haben, neigen laut Befragung eher zu Verschwörungstheorien, erklärte die Münsteraner Politikwissenschaftlerin Carolin Hillenbrand am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Das bedeutet, dass Menschen die anfällig für Verschwörungsmythen sind, Aussagen wie "Meine Religion ist die einzig akzeptable" und "Wenn sich Religion und Wissenschaft widersprechen, ist die Religion im Recht" zustimmten. In der Studie bejahten vor allem evangelikal-freikirchliche Christen diese Sätze.

Haltung zur Religion ist entscheidend

Die Wissenschaftlerin Carolin Hillenbrand betonte jedoch, dass Religiosität den Glauben an Verschwörungsmythen nicht befördere. Es gehe eher um Persönlichkeitsmerkmale, die sowohl die Haltung zu Religion als auch zu Verschwörungsmythen prägten. Das zeigten auch Ergebnisse aus anderen Untersuchungen: Menschen, die im Wesen eher unsicher sind, würden sowohl von fundamentalistisch-dogmatischen Glaubensrichtungen, als auch von Verschwörungstheorien angezogen werden.

Meist pessimistische Weltsicht

Nach Aussage der Forscherin liegt dem Verschwörungsglauben meist eine pessimistische Weltsicht zugrunde. "Da gibt es keine Erlösungsvision - und das bringen die Religionen eigentlich immer mit", sagte sie. So ende die Erzählung des Christentums eben nicht mit dem Tod Jesu am Kreuz, sondern mit seiner Auferstehung.

Auch unter Muslimen haben laut Hillenbrand viele ein exklusives Verständnis von Religion. Allerdings stimmten Muslime dem Satz "Hinter der Corona-Pandemie stecken böse, verborgene Mächte" - im Gegensatz zu evangelikal-freikirchlichen Christen - eher nicht zu.

Auch Katholiken und Protestanten hingen dem Verschwörungsglauben nicht an. Befragte hingegen, die juden- und islamfeindliche Einstellungen aufzeigten, schenkten dem Mythos von den bösen Mächten im Hintergrund oft Glauben. Studienteilnehmer, die vor allem privat beten, zeigten sich eher für diese Theorien anfällig - anders als Gläubige, die in Gemeinschaften eingebunden sind und Gottesdienste besuchen.

 

Carolin Hillenbrand, forscht am ...

... Exzellenzcluster "Religion und Politik" der Universität Münster

Die Wissenschaftler betonen, die Studie ist nicht repräsentativ und bezieht sich auf Daten von 2.032 Teilnehmenden, die zwischen Juli und Dezember vergangenen Jahres den Online-Fragebogen ausfüllten.

Mitgemacht hatten: 911 Katholiken, 440 Protestanten, 199 evangelikal-freikirchliche Christen, 82 Muslime, 257 nichtreligiöse und 80 Menschen, die sich als spirituell bezeichnen, aber keiner Religion angehören. Der Rest hatte eine andere Religion oder machte keine Angaben.

Der Fragebogen ist nach wie vor online auf den Seiten des Exzellenzclusters "Religion und Politik" erreichbar. Die Forscherin hofft, mehr Angehörige weiterer Religionsgruppen, etwa Juden, zu erreichen.

Quelle: KNA