Leben ohne Alkohol Der Trocken-Doc: Endlich raus aus der Sucht

"Trocken-Doc" Bernd Thränhardt besucht nach zwei Jahren noch einmal Dirk, Annette und Peter, in deren Leben viel passiert ist. Dirk hat eine Langzeit-Therapie hinter sich, Annette gründete eine Selbsthilfegruppe und auch Peter überrascht 2018 Trocken-Doc Bernd Thränhardt mit seiner Geschichte.

Übermäßiger Alkoholkonsum ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Soziale Grenzen gibt es dabei nicht, zuviel getrunken wird überall. Dem Alkohol zu entsagen, ist dagegen schwer. Alkoholerkrankte brauchen eine Therapie. Denn eine Entgiftung geht zwar schnell, doch die Entwöhnung dauert lange. Das Problem: Viele der Alkoholiker werden rückfällig, sind in einem Teufelskreis aus Abhängigkeit und Abstinenz. Bernd Thränhardt war als "Trocken-Doc" bereits 2016 in Mitteldeutschland unterwegs zu Alkoholikern, um ihnen zu helfen und Erfahrungen weiterzugeben, wie man aus der Sucht dauerhaft herauskommen kann. 2018 hat er Dirk, Annette und Peter wiedergetroffen und mit ihnen über ihre Erfahrungen mit der Alkoholkrankheit gesprochen.

Schützen Therapien vor einem Rückfall?

Bernd Thränhardt fährt zunächst nach Wittenberg, um den Mittfünfziger Dirk zu treffen. 2016 war der gelernte Gärtner in einem schlechten Zustand, musste immer wieder in den Entzug, wurde immer wieder rückfällig. Dann hat Dirk eine Langzeittherapie hinter sich. Er hat sich gut gemacht, sagen die Ärzte. Doch hat er damals auch durchgehalten, oder ist er wieder rückfällig geworden?

Wie steinig der Weg aus der Alkoholsucht ist, wie schwer es ist, eine Alkoholerkrankung zu besiegen, weiß auch Bernd Thränhardt. Er ist selbst trockener Alkoholiker - seit fast 20 Jahren - und hat seinen Weg aus der Sucht gefunden. Der beginnt meist in einer Klinik mit Entzug und Therapie.

Auf vielen Wegen zu sich selbst finden

Älterer Mann
Dr. Klaus von Ploetz Bildrechte: MDR/Mia Media Leipzig GmbH

Im "Gezeiten Haus" nahe Magdeburg trifft Bernd einen erfahrenen Arzt und Therapeuten bei Suchterkrankungen, Dr. Klaus von Ploetz. In seine Klinik kommen vor allem Patienten mit höherer Bildung und höherem ökonomischen Status. Und das entspricht auch der Statistik, denn gerade in dieser Bevölkerungsgruppe haben Alkoholerkrankungen in den letzten Jahren stetig zugenommen. Die Behandlung in der Klinik ist vielfältig. Meditation, Klangschalentherapie, Traditionelle Chinesische Medizin. Patienten können hier auf vielen Wegen zu sich selbst finden. Doch sind sie so auch vor einem Rückfall gefeit, gibt es gar hoffnungslose Fälle?

Ich kann nicht ausschließen, dass es hoffnungslose Fälle gibt. Weil eine fortschreitende Alkoholerkrankung mentale Schäden macht. Aber wir sehen, dass jede Behandlung trotzdem den Motivationsweg stärkt.

Dr. Karl von Plötz, Chefarzt "Gezeiten Haus"

Die Zahnärztin Annette hat vor kurzem ihre Zusatzausbildung abgeschlossen. Sie ist jetzt Heilpraktikerin für Psychotherapie und Suchtberaterin. Und sie hat eine eigene Selbsthilfegruppe aufgebaut, die Orientierung in ein suchtfreies Leben geben will. Seit 15 Jahren ist Annette nun schon trocken. Für sie sei damals ein Ziel, höher und stärker als die Sucht, wichtig gewesen, sagt sie.

Bei mir war es das Leben. Ich wollte leben, ich wollte mich nicht leben lassen.

Annette
Trocken-Doc Bernd Thränhardt trifft erneut auf Peter Gerick
Thränhardt trifft erneut auf Peter Gerick. Bildrechte: Mia Media Leipzig GmbH

Auch Peter aus Leipzig, inzwischen Rentner, schaffte Entzug und Entwöhnung. 20 Jahre lang war er alkoholfrei, wurde dann aber wieder rückfällig. Er glaubte, den Alkoholkonsum kontrollieren zu können, und wusste alles über die Folgen. Nun hilft ihm ein Medikament, und Peter hofft, dass er und seine Frau Claudia bald wieder normal miteinander umgehen können.

Ich wusste, was auf mich zukommt. Jedoch ist es ein Unterschied, wenn es oben im Kopf da ist. Bis es hier zum Herzen kommt, ist es ein langer, langer Weg. Und dieser Weg hat bei mir nicht geklappt.

Peter

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 30. Januar 2020 | 22:35 Uhr