Oberlausitz Wie Christen aus der Lausitz Flüchtlingen in Moldau helfen

Hunderttausende ukrainische Flüchtlinge suchen Schutz in Moldawien – dabei ist es eines der ärmsten Länder Europas. In dieser Woche haben 47 Staaten auf einer Geberkonferenz in Berlin Hilfen in Höhe von 695 Millionen Euro für Moldau beschlossen. Auch in der Oberlausitz packten Menschen Hilfspakete für die Geflüchteten. Ein Bautzener Spediteur startete diese Initiative.

Etwa 1.800 Kilometer ist Moldau von der Oberlausitz entfernt und auch Thomas Wenzel wusste nicht viel über das kleine Land im Osten Europas. Doch als er die Nachrichten von der Not der ukrainischen Flüchtlinge sieht, überlegte der Transportunternehmer nicht lange. Für ihn ist es eine Herzensangelegenheit zu helfen, auch weil Vorfahren seiner Familie selber Flüchtlinge waren.

Helfen trotz eigener Schwierigkeiten

Eigentlich hat Thomas Wenzel in seinem Bautzener Familienunternehmen gerade alle Hände voll zu tun: Die Dieselpreise gehen durch die Decke, andere Kosten auch. Trotzdem stellt er Ende März zwei Container in Räckelwitz und im Bildungsgut Schmochtitz auf und bittet zusammen mit dem katholischen Bistum Dresden-Meißen um Spenden für Moldawien.

Wir Christen sollten nicht nur auf dem Papier Christen sein, sondern das auch in die Tat umsetzen.

Thomas Wenzel

23 Tonnen Hilfsgüter kommen zusammen und diese schickt der Spediteur im firmeneigenen LKW nach Moldau: Schlafsäcke, medizinisches Material, Kinderkleidung, Windeln, Decken, Kekse. Gespendet von Menschen und Unternehmen aus der Region.

Man kann etwas bewegen

Ein Gut mit mehreren Höfen aus der Vogelperspektive
Das katholische Bildungsgut Schmochtitz Bildrechte: Bildungsgut Schmochtitz

So viel bürgerschaftliches Engagement beeindruckt Sebastian Kieslich, Leiter des katholischen Bildungsguts Schmochtitz: "Das war ganz stark. Und das hat einen selber bestärkt in einer Zeit, wo man die Bilder aus der Ukraine sieht und denkt: Man ist so hilflos und kann gar nichts machen. Und diese Hilfsbereitschaft zeigt, dass man gegen Gewalt und Krieg doch etwas bewegen und Menschen in Not helfen kann."

Im kleinen Moldawien gibt es gerade besonders viele Hilfsbedürftige. Sie fliehen vor dem Krieg in der benachbarten Ukraine – und landen in einem der ärmsten Länder Europas. Die meisten Einwohner leben hier unter der Armutsgrenze, die Kindersterblichkeit ist hoch. Die katholische Kirche versucht zu helfen, berichtet Sebastian Kieslich.

Die moldauische Kirche nimmt die Flüchtlinge in ihren Einrichtungen auf. Sie kümmert sich auch, dass sie ins Gesundheitssystem und in Schulen kommen.

Sebastian Kieslich

Engere Partnerschaft durch den Krieg in der Ukraine

Das katholische Bistum Dresden-Meißen hat eine Partnerschaft mit dem Bistum in Moldau. Lange wusste man wenig voneinander, mit dem Krieg und den Flüchtenden ändert sich das. In dem mehrheitlich orthodoxen Land sind die rund 25.000 Katholiken eine Minderheit.

Sie kommen jetzt an die Grenzen ihrer Möglichkeiten, hört Sebastian Kieslich von den moldawischen Partnern seines Bistums: "Da ist die Kirche erst einmal auf sich allein gestellt. Die Politiker sind zwar froh, dass die Kirche jetzt auch etwas anbietet – aber sie geben keine weitere Unterstützung."

Bis an die moldawische Grenze brachte Thomas Wenzel die Spenden aus der Oberlausitz, dann übernahmen die Katholiken aus Moldau. Den Bautzener Fuhrunternehmer bewegt das Schicksal dieses Landes und der Geflüchteten noch immer.

Bemerkenswert sind ja auch die Dimensionen in Moldawien: Bei 2,6 Millionen Einwohnern gab es zuletzt 340.000 Flüchtlinge – das wären umgerechnet auf Deutschland über zehn Millionen Flüchtlinge. Da mag ich mir gar nicht ausmalen, wie die Situation bei uns wäre.

Thomas Wenzel

Unternehmer Wenzel und Sebastian Kieslich vom Bildungsgut Schmochtitz hoffen auf ein schnelles Ende des Krieges in der Ukraine. Vorsichtshalber denken sie schon über einen neuen Hilfstransport nach.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. April 2022 | 08:15 Uhr