Appell Welt-Alzheimertag: "Demenzkranke nicht vergessen"

Eine ältere und eine junge Frau stehen nebenenander und schauen auf einen Plan.
Gegen die Einsamkeit: Appell zum Welt-Alzheimertag gestartet Bildrechte: Colourbox.de

Demenzkranke in Zeiten der Covid-19-Pandemie nicht zu vergessen, das fordern Mediziner und Interessensverbände. Sollte eine neue Welle kommen, müsse sichergestellt werden, dass beispielsweise Heimbesuche weiter möglich seien, erklärte die Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, Monika Kaus, aus Anlass des Welt-Alzheimertages am 21. September.

"Krankmachende Isolation"

Ähnlich äußerte sich der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie, Michael Rapp, der davor warnte, erneut "alle Heime zu schließen und die alten Menschen weiter in eine krankmachende Isolation zu bringen". Unter Einhaltung der Hygieneregeln sollten zumindest für engste Familienangehörige Besuchsmöglichkeiten möglich gemacht werden.

Jährlich erkranken etwa 300.000 Menschen in Deutschland neu an Demenz, zumeist Alzheimer. Aktuell gibt es 1,6 Millionen Betroffene. Bis 2050 rechnen Experten mit einem Anstieg auf bis zu 2,8 Millionen Menschen. Zum Krankheitsbild gehören unter anderem Gedächtnis-, Orientierungs- und Sprachstörungen sowie Veränderungen der Persönlichkeit. Nur in seltenen Fällen sind die Betroffenen jünger als 60 Jahre.

"Nationale Demenzstrategie"

Um die Aufmerksamkeit auf die Erkrankung zu richten, gibt es seit 1994 den Welt-Alzheimertag. In Deutschland soll eine nationale Initiative das Wissen der Spezialisten zusammenführen und die Akteure mit den Betroffenen besser vernetzen. Mit Blick auf die Forschung erklärte die Vorsitzende der Hirnliga, Isabella Heuser, dass die Pandemie auch hier zu Beeinträchtigungen geführt habe. Ziel der Nationalen Demenzstrategie soll die bessere Versorgung von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen sein. Am 1. Juli wurde sie vom Bundeskabinett verabschiedt, am 23. September wird sie der Öffentlichkeit vorgestellt.

Als Kooperationsprojekt haben die deutschprachigen Alzheimer-Gesellschaften einen neuen Sprachleitfaden herausgegeben, der für mehr Sensibilität in der Sprache werben und der Stigmatisierung von Demenz entgegenwirken soll.

Alzheimer: Ursachen, Symptome, Vorbeugung

Ursachen und Symptome: Bei der Alzheimer-Erkrankung kommt es zum fortschreitenden Verlust von Hirn-Nervenzellen sowie zu Ablagerungen. Die ersten Symptome von Alzheimer werden oft nicht mit der Krankheit in Verbindung gebracht: Kopfschmerzen, leichte Depressionen, Leistungsschwäche. Bald kommt es zu ersten Ausfallerscheinungen des Gehirns.

Frühwarnzeichen

1. Der Betroffene wiederholt immer wieder die gleiche Frage.

2. Er oder sie erzählt ständig dieselbe Geschichte mit denselben Worten.

3. Es gelingt nicht mehr, alltägliche Verrichtungen (Kochen, Kartenspielen, Benutzung der Fernbedienung) vorzunehmen.

4. Der Umgang mit Geld, Rechnungen und Überweisungen klappt nicht mehr.

5. Gegenstände werden verlegt oder unbewusst versteckt, Angehörige werden verdächtigt, sie weggenommen zu haben.

6. Der Patient weigert sich, sich zu waschen oder frische Kleider anzuziehen und behauptet fälschlich, dies gerade erst getan zu haben.

7. Er wiederholt an ihn gerichtete Fragen.

Mit dem Fortschreiten der Krankheit nimmt das Orientierungsvermögen stark ab, die sprachlichen Fähigkeiten verkümmern, die Persönlichkeit beginnt zu zerfallen. Im späten Stadium der Krankheit baut der Körper stark ab. Betroffene können ihren Alltag ohne ständige Pflege nicht mehr meistern. Nach der Diagnose leben die Betroffenen meist noch zwischen acht und zehn Jahren. Heilung ist bislang nicht möglich. Mit Medikamenten werden die Symptome behandelt. Das Voranschreiten der Krankheit wird so verlangsamt.

Vorbeugung: Einige Verhaltensweisen können laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, senken. Dazu gehören körperliche, geistige und soziale Aktivität; eine ausgewogene, cholesterin- und fettarme Ernährung; die Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes Mellitus.

Eine von Peter Gaymanns Karikaturen für das Projekt Demensch"
Bildrechte: Atelier Peter Gaymann

Ausstellungstipp "DEMENSCH - Alltagssituationen von Menschen mit Demenz" anlässlich des Welt-Alzheimertages

Die Wanderausstellung nähert sich dem Thema Demenz mit Humor. Sie zeigt 25 Zeichnungen des
Cartoonisten Peter Gaymann mit Situationen aus dem Alltag von
Menschen mit Demenz.

Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz-
14467 Potsdam
Henning-von-Tresckow-Straße 2-13 Haus S, Foyer

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 21. September 2020 | 11:00 Uhr