Francois Botha und Axel Schulz
Bildrechte: dpa

Axel Schulz kommt ins Riverboat Der annulierte WM-Kampf

Axel Schulz war ein Ausnahme-Boxer. Die ganz großen seiner Kämpfe gingen allerdings alle verloren. Wir werfen in drei Teilen einen nostalgischen Blick auf die wichtigsten Fights des Brandenburgers.

Francois Botha und Axel Schulz
Bildrechte: dpa

Teil 2: Schulz versus Botha

Ein halbes Jahr kann schnell vorbei gehen oder sich wie eine Ewigkeit anfühlen. Für Axel Schulz war es vermutlich eher eine Ewigkeit, nachdem er im April des Jahres 1995 gegen George Foreman mit einer Niederlage und ohne Weltmeister-Gürtel aus den USA nach Hause kam. Ein gutes halbes Jahr später und auf den Tag einen Monat nach seinem 27. Geburtstag hatte er dann die Möglichkeit, sich selbst ein nachträgliches und riesengroßes Geburtstagsgeschenk zu machen: Da Foreman nach seinem durch die Punktrichter entschiedenen und höchst umstrittenen Sieg gegen Schulz nicht mehr gegen den Brandenburger zum Rückkampf antreten wollte, war der Weltmeistertitel im Schwergewicht des Boxverbands IBF wieder frei und Schulz war Anwärter Nummer Eins. Gegner sollte der weitgehend unbekannte Südafrikaner Francois Botha sein, auch genannt: "The White Buffalo".

Der Büffel kann boxen

Francois Botha und Axel Schulz
Francois Botha und Axel Schulz vor ihrem Kampf mit dem Objekt der Begierde: dem WM-Gürtel. Bildrechte: dpa

Die Begeisterung in Deutschland für den Kampf stieg im Vorfeld ins Unermessliche an. Axel Schulz, der in den Augen vieler Fans und auch Experten den Kampf gegen Foreman zu Unrecht verloren hatte, sollte nun endlich seine verdiente Krönung als Weltmeister bekommen. Dem Gegner aus der Stadt Witbank, die heute eMalahleni heißt, wurden nur Außenseiter-Chancen eingeräumt. 18 Millionen Menschen verfolgten in Deutschland das Spektakel im Fernsehen, tausende waren live in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle dabei. Der Kampf sollte dann einige überraschen: Axel Schulz konnte weder seinen Heimvorteil nutzen, noch konnte er seiner Favoritenrolle gerecht werden. Schulz boxte zu zurückhaltend und konnte Botha nicht genug unter Druck setzen - dieser zeigte sich stärker als erwartet. Je länger der Kampf dauerte, desto mehr merkte man beiden Kämpfern die Erschöpfung an.

Francois Botha und Axel Schulz 1995 in der Stuttgarter Schleyer-Halle
Francois Botha jubelt - er hat gerade den WM-Kampf gegen Axel Schulz gewonnen. Bildrechte: dpa

Und wieder eine umstrittene Entscheidung

Wie schon gegen Foreman musste auch dieser WM-Kampf durch die Punktrichter entschieden werden. Sie votierten ganz knapp für Botha - sehr zum Missfallen der Zuschauer in der Halle: Flaschen und Gläser flogen in den Ring. Doch es half alles nichts: Die Entscheidung der Punktrichter stand und Francois Botha war Weltmeister...oder doch nicht?

"No Contest"

Der WM-Titel sollte nicht lange bei Francois Botha bleiben. Nur einige Tage nach seinem umstrittenen Sieg gegen Schulz wurde Botha Doping durch das anabole Steroid Nandrolon nachgewiesen. Nun hatte zwar Botha den Titel nicht mehr, Schulz bekam ihn aber auch nicht zuerkannt. Der Titelkampf in Stuttgart stand fortan unter der Bezeichnung "no contest" - Kampf ohne Ergebis.

Entschuldigung

Francois Botha und Axel Schulz
Zeit heilt alle Wunden: Francois Botha und Axel Schulz lachen gemeinsam. Bildrechte: dpa

Es sollte lange dauern, bis es zu einer Aussprache zwischen den beiden Boxern kam. Jahre später besuchte Botha Axel Schulz in Brandenburg und brachte etwas zur Entschuldigung mit: einen symbolischen WM-Gürtel, den er an Schulz überreichte. Dabei hätte Axel Schulz auch nach dem annulierten Kampf gegen den Südafrikaner noch einmal die Chance gehabt, den Gürtel in die Luft zu recken - 1996 bekam er die dritte Chance, sich endlich in die Geschichtsbücher des Boxens als Champion einzutragen - gegen den Amerikaner Michael Moorer aus New York...

Hier geht es zu Teil 1 und 3 der wichtigsten Axel Schulz-Kämpfe

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Riverboat | 30. November 2018 | 22:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. November 2018, 18:13 Uhr