Zu Gast im Riverboat Thomas Thieme: "Ich war wohl nicht ganz talentfrei"

Man kennt Thomas Thieme aus Filmen wie "Das Leben der Anderen" oder "Der Untergang". Dank seiner markanten Erscheinung konnte er auch seine Rollen als Uli Hoeneß oder Helmut Kohl hervorragend ausfüllen. Nicht zu vergessen, auch seine Darstellung am Theater wurde hochgelobt und Thieme dafür im Jahr 2000 zum "Schauspieler des Jahres" gekürt. Nun besucht uns der Schauspieler im Riverboat.

Thomas Thieme bei der MDR-Hörspielproduktion "Bachs Reich" am 20.08.2009 im MDR-Hörspielstudio in Halle
Thomas Thieme bei der MDR-Hörspielproduktion "Bachs Reich" Bildrechte: MDR/Marco Prosch

Der Schauspieler Thomas Thieme ist gebürtiger Weimarer, am 29. Oktober 1948 wurde er in der Klassikerstadt geboren. Mittlerweile lebt er, neben seinem Wohnsitz in Berlin,  auch wieder in der thüringischen Stadt. Doch als ihm Weimar in diesem Jahr einen Kulturpreis für Verdienste um die Stadt verleihen wollte, lehnte Thieme dies ab. Eine geradlinige Entscheidung, immerhin ist die Auszeichnung mit 5.000 Euro dotiert. Er begründete die Ablehnung mit persönlichen Gründen.

Ich sah keine Gemeinsamkeit zu vorherigen Preisträgern und wollte auch nicht als der ewige Weimarer in die Geschichte eingehen.

Thomas Thieme
Thomas Thieme als 'Er', 2007
Bei den Salzburger Festspielen spielte Thieme 2007 in dem fünfstündigen Stück "Molière-Passion" die Hauptrolle Bildrechte: dpa

In Weimar hatte Thiemes Liebe für die Schauspielkunst begonnen. Am Theater hatte er schon als Kind in den Zuschauerrängen die Geschehnisse auf der Bühne verfolgt und dort später als Kulissenschieber gearbeitet. Später hat er es als Schauspieler nicht nur in wichtige Schauspielhäuser geschafft, sondern auch in die Kinosäle, etwa in seiner Rolle als DDR-Minister im Oscar-prämierten Film "Das Leben der Anderen" oder als Nazi-Scherge in Oliver Hirschbiegels Führerbunker-Drama "Der Untergang".

Ich habe Glück gehabt mit meinen Rollen, aber die Schauspielerei ist auch ein Talentberuf - und ich war wohl nicht ganz talentfrei.

Thomas Thieme

Dabei ging er auch Umwege. So verließ er 1984 die DDR und reflektiert später darüber: "Mit der Systemtreue hatte ich es nicht so, aber es gab - soweit ich weiß - auch keine Anstalten, aus mir einen Systemmann zu machen." Seine Laufbahn verlief weiterhin erfolgreich, er spielte am Burgtheater in Wien, an der Schaubühne in Berlin oder am Deutsche Schauspielhaus in Hamburg. Auf dem Programm standen Brecht, Goethe und immer wieder Shakespeare-Stücke. Für seine Darstellung des Richard III. in Luk Percevals "Schlachten!"-Epos wurde er im Jahr 2000 zum "Schauspieler des Jahres" gekürt.

Korpulente Männer

Thomas Thieme als Handlungsreisender Willy Loman, 2006
Thomas Thieme als Handlungsreisender Willy Loman, 2006 Bildrechte: dpa

Breite Popularität erlangte er auch für seine Filmrollen. So stellte er den Fußball-Manager Uli Hoeneß und den Altkanzlers Helmut Kohl dar. Beide Rollen schienen ihn auf den Leib geschneidert - im wahrsten Sinne des Wortes, denn Thieme ist ihnen auch in seiner optischen Erscheinung recht nah. Das ist für den Schauspieler jedoch kein Problem, er sagt dazu: "Ich muss ja irgendwie aussehen! Es gibt tolle Kollegen, an denen schaut man vorbei - eine Katastrophe für einen Schauspieler!" Thieme hebt an seinem Äußeren den Wiedererkennungswert hervor.

Ich bin einfach nicht so eitel, wenn es um die Optik geht - sonst schon.

Thomas Thieme

Überhaupt zieht es ihn schon eine ganze Weile mehr vor die Kamera als auf die Theaterbühne. Vor zwölf Jahren sei es ihm mit dem Theater zu viel geworden, erklärt er, und weiter "Ich hatte schon vieles gespielt und nicht mehr so viel Freude an der Bühne." In Dutzenden Filmproduktionen hat er seitdem mitgespielt, darunter Erfolgsserien wie "Tatort", "Rosa Roth" und zuletzt der aufsehenerregende Mehrteiler "Babylon Berlin".

Freundschaft mit Jimmy Hartwig

Ende der 90er lernte Thieme Ex-Fußballer Jimmy Hartwigzufällig in Berlin kennen, schon am ersten Abend war Schauspieler und Regisseur Thieme überzeugt: Jimmy Hartwig muss auf die Bühne. Obwohl dessen erster Gedanke: „Brecht – hat der bei Real Madrid gespielt?“ gewesen sei, habe er sehr fasziniert ein Buch des großen deutschen Dramatikers gelesen. 2002 stand der Ex-Kicker Jimmy Hartwig schließlich erstmals in einer Thieme-Inszenierung auf der Bühne des altehrwürdigen Deutschen Nationaltheaters Weimar. Wie aus dieser Zusammenarbeit eine Freundschaft wurde, erzählen die beiden am 1. Mai bei Riverboat.

Ich muss jetzt mehr darauf achten, dass ich nicht mehr so fressen und saufen kann wie früher.

Thomas Thieme über das Altern

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Riverboat | 01. Mai 2020 | 22:00 Uhr