SMART-Prinzip soll helfen Virologe Alexander Kekulé im Kampf gegen Corona

Er gehört neben Christian Drosten und Hendrik Streeck zu den meistbefragten Virologen zur Corona-Pandemie. Seit März 2020 produzieren Prof. Dr. Alexander Kekulé und der MDR den Podcast "Der Corona-Kompass", bei dem Kekulé die wichtigsten Fragen zur Corona-Pandemie beantwortet. Nun hat er das Buch "Der Corona-Kompass. Wie wir mit der Pandemie leben und was wir daraus lernen können" geschrieben und hofft auf schnelle Aufklärung in der Bevölkerung.

In seinem Buch wirft Kekulé der Politik und auch der WHO schwere Fehler bei der Bekämpfung der Pandemie vor. Obwohl man seit vielen Jahren wisse, wohin die Reise geht, was Pandemien angeht und wie sich die Staaten und Gesundheitssysteme darauf vorbereiten sollten, sei im Grunde von politischer Seite nichts geschehen.

"Jeder denkbare Fehler wurde gemacht."

Alexander S. Kekule "Der Corona-Kompass. Wie wir mit der Pandemie leben und was wir daraus lernen können"

Kekulé selbst hatte bereits am Anfang der Pandemie ein Konzept der Grenzschließungen und Abschottungen vorgeschlagen, welches jedoch keine Beachtung fand. Das Wechselbad von Verboten und Lockerungen, sei ineffizient und schade mehr, als es nütze. Kekulé selbst schlägt ein Konzept vor, dass er SMART nennt und das auf 5 Elementen beruht:

Epidemische Viruspartikel, Konzeptgrafik
Epidemische Viruspartikel, Konzeptgrafik Bildrechte: imago images/Panthermedia

S - Schutz von Risikogruppen

Der sei besonders in Alten- und Pflegeheimen wichtig. Der Schutz müsse aber auch für die Mitarbeiter greifen. Dazu gehören mindestens wöchentlich Tests auf das neue Coronavirus. Besucher müssten FFP-2-Masken tragen und ein negatives Testergebnis vorweisen.

Zweitens müsse der Staat auch Menschen mit besonderem Risiko die Möglichkeit zur Teilhabe am öffentlichen Leben geben: etwa einkaufen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, in Bibliotheken und auf Behörden gehen.

"Wir müssen für diejenigen, die in diesen Bereichen arbeiten, quasi den roten Teppich ausrollen. Wir müssen sie und ihre Familien konsequent vor Ansteckungen schützen."

Alexander S. Kekule "Der Corona-Kompass. Wie wir mit der Pandemie leben und was wir daraus lernen können"

M - Masken

Es sollte eine Maskenpflicht in geschlossenen Räumen im öffentlichen Bereich geben, etwa in Behörden oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Wer sich besonders schützen will, solle FFP-2-Masken tragen. Damit könnten sich auch Menschen mit erhöhtem Risiko frei bewegen.

A - Aerogene Übertragung

In geschlossenen Räumen mit schlechter Belüftung und vielen Personen besteht das Risiko von "Superspreading". Um es zu vermeiden, müssten Zusammenkünfte ab einer bestimmten Personenzahl registriert werden. Allerdings sollte diese Registrierung nicht durch die Behörden, sondern von den Veranstaltern selbst erfolgen. Zusätzlich sollte die Pflicht bestehen, entweder Masken zu tragen oder alle Teilnehmer vorher zu testen.

R - Reaktionsschnelle Nachverfolgung

Gesundheitsämter sollten Kontakte schnellstmöglich verfolgen können. Die Möglichkeiten der Nachverfolgung haben sich seit März deutlich verbessert. Nur die Corona-Warn-App als Teil der Nachverfolgung bringt bisher nichts. Da gibt es zu viele technische Schwierigkeiten, die nicht offen kommuniziert werden.

T - (Schnell)Test

Bei den Antigen-Schnelltests wünscht sich Kekulé dass sie auch in Deutschland für jeden frei verkäuflich zu haben wären. Entscheidend sei bei allem: Auf Freiwilligkeit zu setzen, statt auf staatliche Auflagen und Verboten da die Kollateralschäden auf Dauer zu hoch wären. Welche Tipps und Hinweise der Professor noch mitbringt, erfahren wir am 29. Januar ab 22.00 Uhr im Riverboat.

Dies sind die weiteren Riverboat-Gäste am 29. Januar:

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Riverboat | 29. Januar 2021 | 22:00 Uhr