MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE Glückssucher in Sachsen-Anhalt

Kleine Glücksmomente im täglichen Leben oder die Erfüllung eines Lebenstraums – Glück bedeutet für jeden etwas anderes. Wie vielfältig dieses Glück sein kann, erzählen und zeigen Ihnen die Menschen, die wir in unserer Reihe "Glückssucher" vorstellen.

Auf grünen vierblättrigen Kleeblättern steht geschrieben: -Die Glückssucher-.
In einer neuen Reihe stellt MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE "Glückssucher" vor. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Mit jedem neuen Jahr wünscht man sich gegenseitig Glück für den neuen Lebensabschnitt – heute mehr denn je. Und: Die Sachsen-Anhalter sind, nach dem "Glücksatlas" der Deutschen Post, die glücklichsten Menschen im Osten (nach Schleswig-Holstein, Hamburg, Baden-Württemberg, NRW und Bayern schafft es erstmals auf Platz 6 ein ostdeutsches Bundesland vor einer westdeutschen Region).

Doch für jeden bedeutet "Glück" etwas anderes. Die einen wollen sich ihren Lebenstraum erfüllen, die anderen schätzen die kleinen Glücksmomente, die das Leben so ungemein bereichern. In unserer neuen Porträtreihe stellen wir "Glückssucher" vor: Menschen, die ihr Glück suchen oder schon gefunden haben oder immer wieder damit neu beginnen.

19. Folge am 9. Mai | Andreas Brüggemann – Die Kunst nichts wegzuwerfen

Die Kunst nichts wegzuwerfen hat Andreas Brüggemann perfektioniert. Er kauft nur noch gebraucht. Upcycling ist sein Motto. Er kann nichts wegwerfen und so haucht er scheinbar unnützen Dingen wieder Leben ein. Ihm geht es darum, Kunst und Funktion in Einklang zu bringen und Rohstoffe sinnvoll zu nutzen. Aus nichts wird alles.

Der 38-Jährige lebt mit seiner Familie in Eilenstedt bei Halberstadt von seiner Upcycling-Kunst, die er online verkauft – von Eilenstedt in die Welt. 

schwarz-weiß-Aufnahme von Andreas Brüggemann
Macht aus Dingen, die andere wegwerfen, Kunst: Andreas Brüggemann. Bildrechte: Andreas Brüggemann

18. Folge am 2. Mai | Traumberuf Filmkomponist – Sean Wuest aus Hohenwarthe

Sean Wuest aus Hohenwarthe hatte bisher schon recht viel Glück in seinem Leben. Der 15-Jährige hat eine liebe Oma in Kanada, die ihm das Klavierspielen nahegebracht hat. Talent hat er auch und Eltern, die ihn unterstützen. Der Gymnasiast hat einen großen Traum: Er möchte Filmmusik schreiben.

Den Weg dorthin hat er schon eingeschlagen, denn er komponiert schon eigene Musikstücke. Unterstützt wird er dabei unter anderem von seinem Musiklehrer am Gymnasium Burg. Sean steht noch am Anfang seiner Glückssuche, aber er weiß genau, was Glück bedeutet.

Blonder junger Mann sitzt vor einem Teich am Klavier
Sean Wuest hat das Klavierspielen von seiner Oma in Kanada. Bildrechte: MDR/Anja Höhne

17. Folge am 25. April | Outdoor-Fan und Tüftler René Stolte

René Stolte sagt selber über sich: "Ich bin ein Abenteurer." Seit vielen Jahren ist der 40-Jährige abseits von Touristenströmen unterwegs. Off-Road, da wo sonst niemand ist, allein in der Natur, zum Beispiel nördlich des Polarkreises - Lappland hat es ihm angetan. Das ist die Form von Urlaub und Abenteuer, die René Stolte sucht und braucht.

2015 hatte der Ingenieur, der in Aschersleben wohnt, eine Idee: Warum nicht seinen Erfindungsreichtum und seine Abenteuerlust zusammenbringen? Er gründete sein eigenes kleines Start-Up und baute von nun an Dachzelte und andere Auto-Aufbauten für Menschen, die das gleiche wollen wie er: Abenteuer inmitten der Natur - ganz weit weg von allem! Wenn die Zeit gekommen ist, dann möchte René Stolte mit einem selbst gebauten Dachzelt die Panamericana fahren - von Alaska nach Feuerland. Ein Traum für Abenteurer wie ihn! 

Mann sitzt mit Hunden an Ufer eines Sees.
Abenteurer durch und durch: René Stolte Bildrechte: MDR/André Strobel

16. Folge am 18. April | Isabell und Benjamin glücklich im Bio-Garten

Die Sächsin Isabell Merdon und der Holländer Benjamin Smids wagten vor zwei Jahren das Experiment: Sie übernahmen die Börde-Gärtnerei in Erxleben. So sind sie in der Börde gelandet – und total zufrieden.

Das Paar lebt in einem alten Haus, hält Schafe, Schweine und Hühner und ist glücklich: "Wir haben alles richtig gemacht". Sie beliefern Kunden zwischen Magdeburg und Wolfsburg. Ihr Gemüse, das Obst, die Kräuter und Blumen wachsen auf bestem Börde-Boden, frei von Gentechnik und ohne chemische Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Das wollen Isabell und Benjamin auch dem Nachwuchs vermitteln – die Biogärtnerei als Entdeckungs- und Lernort für Schulklassen.

Junges Paar sitzt nebeneinander in einem Gewächshaus mit Pflanzen
Zufrieden und glücklich in der Börde: die Jung-Gärtner Isabell und Benjamin Bildrechte: Susann Häfke-Rook

15. Folge am 11. April | Sixtina und Thomas Meyer – die Traumhaus-Bauer

Wenn Sixtina und Thomas Meyer am Ufer des Kamernschen Sees kurz vor Havelberg stehen und aufs Wasser blicken, geraten sie ins Schwärmen: "Es ist wie ein Schalter, den man umlegt, diese Ruhe verzaubert einen." Am See-Ufer steht ihr eigenes Haus, ein ziemlich kleines, so heißt es auch: Tiny House, kommt aus dem Englischen, bedeutet so viel wie "Bewegung für winzige Häuser" - ein Trend in Deutschland, kommt aus den USA.

Ihr erstes gebautes Haus ist gerade mal knapp über 16 Quadratmeter groß und steht auf Rädern, ursprünglich war nur ein Spielhaus für die Kids geplant. Doch das Ehepaar hatte größeres vor, so malte und plante Sixtina, die frühere Sozialversicherungsfachangestellte, das Mini-Haus am Computer, und Thomas, der Tischler, baute, zuerst ein Modell, dann in Echt-Größe, die ganze Familie half mit. Vor vier Jahren war das erste Haus fertig, sie hätten es für viel Geld verkaufen können, haben sie aber nicht, sie fuhren es auf den kleinen Campingplatz am Kamernschen See, ein zweites Haus steht hier auch, Haus drei könnte im nächsten Jahr folgen.

Hier können die voll eingerichteten Mini-Häuser gemietet werden. Werden sie, tatsächlich von Gästen aus ganz Europa, die so ganz nebenbei die wunderschöne Altmark entdecken. "Einfach einen Traum haben und sich diesen erfüllen", sagen Thomas und Sixtina, die gebürtigen Altmärker, "und so können wir unsere Region bekannt machen. Die Altmark ist so ein verstecktes Paradies, hier gibt’s noch Flecken, da ist es nachts so dunkel wie sonst nirgends, das muss man einfach mal erleben."

Pärchen, beide blond und in schwarz, stet Arm in Arm vor einem grauen Haus
Thomas und Sixtina Meyer bauen und vermieten Mini-Häuser. Bildrechte: MDR/Andreas Weichold

14. Folge am 4. April | Susi Weisel, die "Glücks-Fotografin"

Susi Weisel aus Seehausen in der Börde hat das Fotografieren eher zufällig entdeckt. Früher hat ihr Mann Jörg immer die Urlaubsfotos gemacht, aber irgendwann hat sie es selbst mal probiert und Feuer gefangen. Sie merkte, dass es ihr guttut. Als ihre Mutter vor 11 Jahren schwer krank wurde und schließlich verstarb, lenkte sich Susi mit dem Fotografieren ab. Vor vier Jahren wurde sie von der Mitteldeutschen Kinderkrebsforschung angefragt, ob sie Fotos bei einem Benefizlauf machen würde. Das war ihr Schlüsselerlebnis. Sie entdeckte, wie wichtig es ist, einfach nur gesund zu sein.

"Glück ist, gesund zu sein", weiß sie seitdem und lebt danach. Sie fotografiert für Vereine, die krebskranken Kindern helfen. Sie will unterstützen, wo es nur geht. Während der Corona-Pandemie kann sie natürlich keine Bilder von erkrankten Menschen machen. Die Zahnarzthelferin fotografiert momentan mit Vorliebe Tiere. Sie sagt: "Wenn jemand mal einen Sch***tag hat, sieht er sich einfach Nutrias, Frösche & Co. an. Das macht glücklich."

Kurzhaarige Frau mit roter Brille und großer Kamera in Jeansjacke an einem Teich
Susi Weisel fotografiert unter anderem für Vereine, die krebskranken Kindern helfen. Bildrechte: MDR/Anja Höhne

13. Folge am 28. März | Frank Trostheide, der Schatzsucher aus der Börde

Frank Trostheide (60) ist ein Schatzsucher und meist hat er auch Glück dabei. Fossilien haben es ihm angetan und das schon seit seiner Kindheit. Rund 20.000 Fossilien hat er in den vergangenen 50 Jahren nicht nur gesammelt, sondern auch präpariert und inventarisiert. Eine vollständig erhaltene Schildkröte aus dem Jura oder Skelettreste eines Hais aus dem Tertiär zählen zur Sammlung Trostheide, eine der bedeutendsten paläontologischen Sammlungen Deutschlands, die er dem Naturkundemuseum Leipzig vor ein paar Monaten übergeben hat.

Doch davon lassen kann Frank Trostheide nicht, er sucht weiter. Der Mammendorfer Steinbruch in der Börde ist ein wahres Füllhorn und hier wird er immer wieder fündig: versteinerte Kratzspuren von Hundzahnsauriern. Wenn er was entdeckt, dann ist das Adrenalin pur, sagt er, dann ist er voll elektrisiert. Natürlich hat er den fachmännischen Blick, aber immer gehört auch die gewisse Portion Glück dazu. Und die hatte er auch im Leben. Nach der Wende hat der 34-Jährige im Bergbau Zielitz seine unbefristete Stelle gekündigt und eine Ausbildung zum geologischen Präparator begonnen und damit sein Hobby zum Beruf gemacht. Heute arbeitet er im Naturkundemuseum in Magdeburg – ein wahrer Glückstreffer.

Mann sitzt zwischen Fossilien auf Boden einer Werkstat
Machte sein Hobby zum Beruf: Frank Trostheide. Bildrechte: MDR/Susann Rook

12. Folge am 21. März | Konrad Behrends verzuckert die Altmark

Konrad Behrends stand schon mit 13 in der Backstube seines Vaters und half fleißig beim Backen mit. Heute gehört ihm die Konditorei in Osterburg. Die gibt's seit 1856, Konrad führt sie in sechster Generation.

Der Konditor hatte aber eigentlich ganz anderes vor: Nach der Konditorlehre begann er die Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr. Aber als sein Vater schwer erkrankte, überlegte Konrad nicht lange. Er zog zurück in die Altmark, übernahm die Konditorei in Osterburg und rettete so den Familienbetrieb. Seine Schwester hat eine Konditorei in Berlin – Konrad bleibt der Heimat aber treu und verzuckert seine Kunden hier mit unglaublich leckeren Kreationen mit viel Schokolade, Zucker oder Baiser.

Mann mit Brille hinter einem Tisch mit Backzutaten
Konrad Behrends bleibt der Altmark treu. Bildrechte: MDR/Mandy Kümpel

11. Folge am 14. März | Behzad will Lehrer werden

Vor fast sechs Jahren kam Behzad mit seinem Bruder aus Syrien nach Deutschland. Seitdem ist viel passiert im Leben des heute 30-Jährigen, der nun Dessau sein Zuhause nennt. Die Geschichte von Behzad Ahmed könnte man mit dem Label "Integration geglückt" stempeln. Wer mit dem jungen Mann redet, der hört kaum noch Schwierigkeiten beim Deutsch sprechen und damit nicht genug: Behzad hat Ziele und Träume, an deren Verwirklichung er pausenlos arbeitet. Er möchte Sekundarschullehrer werden.

Am 1. April ist es geschafft: Dann beginnt sein Lehrer-Dasein. Kurz vorher haben wir ihn mit der Kamera besucht. Man merkt gleich: Behzad ist angekommen in Deutschland, fühlt sich wohl und engagiert sich auch ehrenamtlich. Er ist Abteilungsleiter im Fußballverein, kickt auch selbst noch ein bisschen, und er hat eine deutsche Freundin, die an der Hochschule Anhalt arbeitet. Zurück nach Syrien will er nicht mehr, dort sei die Lage katastrophal und die Chance ein gutes Leben zu führen hier einfach viel größer.

Mann steht vor Gebäude mit Zaun
Behzad will in Deutschland ein gutes Leben führen. Bildrechte: André Strobel

10. Folge am 7. März | In der Altmark ihr Glück gefunden: Silvio und Jörg

Berlin ist ihnen zu voll geworden. Silvio und Jörg Kästner, beide Vollzeit in der Reisebranche beschäftigt, wollten raus aus der großen Stadt, nur mal übers Wochenende. Sie haben nicht in der Altmark gesucht, aber genau dort ihr Glück gefunden. Ein hübsches Haus in Wahrenberg, zunächst als Wochenend-Refugium und als Ferienwohnung für Gäste gedacht, ist seit dem ersten Lockdown auch ihr zweites Zuhause geworden. 

Sie haben hier alles, was sie brauchen: Ruhe, drei Lämmchen, fünf Hühner, nette Nachbarn und Störche. Ihr Feriendomizil haben sie konsequenterweise auch "Adebar & Adebarbara" genannt. Der Höhepunkt ihrer Zeit in der Altmark: Sie haben in Seehausen geheiratet und alle Freund*innen aus der ganzen Welt und die Bewohner*innen aus Wahrenberg eingeladen und zusammen gefeiert. 

Das Paar ist hier angekommen – inzwischen auch Silvios Mutti, die ursprünglich aus dem Erzgebirge kommt, in den letzten Jahren aber in Baden-Württemberg und München gelebt hat. Jetzt kümmert sie sich mit um die Ferienwohnungen und die Tiere.

Zwei junge Männer mit grauen Haaren und und Bart in warmen Jacken vor einem Holztor
Raus aus der Stadt – rein in die Altmark. Zum Glück. Bildrechte: MDR/Anja Höhne

9. Folge am 28. Februar | Geschwister und Jung-Landwirte Madleen und Matthias Schmidt aus Balgstädt

Die Sonne schiebt sich gerade erst über die sanften Hügel, die das Unstruttal im Süden Sachsen-Anhalts begrenzen, da schaut Madleen Schmidt zum ersten Mal zu ihren Hühnern. 250 sind es in dem neu angeschafften Hühnermobil - bis zu 230 Eier legen die am Tag. Das ist die Art von Landwirtschaft, wie sie Madleen machen möchte: im Einklang mit der Natur, nachhaltig, wertvoll.

Die 23-Jährige hat gerade erst ihr Studium der Agrarwissenschaften beendet und steigt nun so richtig ein in den elterlichen Betrieb. Gemeinsam mit ihrem Bruder Matthias will sie diesen Stück für Stück übernehmen. Die beiden haben sich entschieden hier in ihrer Heimat zu und der Landwirtschaft treu zu bleiben - so schwer das in dieser Zeit mit all den Beschränkungen und Regeln auch sein mag.

Madleen und Matthias bewirtschaften dann 850 Hektar Land und haben viele Ideen im Kopf, wie sie sich breiter aufstellen möchten: Die ersten Strauße laufen auf einem Feld umher, bald kommt ein zweites Hühnermobil und sie produzieren ihr eigenes Rapsöl. Zwei junge Menschen, die ihr Glück Zuhause gefunden haben. 

Junge Frau und Mann sitzen auf Zaun in Getreide-Silo
Die Geschwister Madleen und Matthias Schmidt stehen für nachhaltige Landwirtschaft und haben viele Ideen für eine Zukunft Zuhause im Burgenlandkreis. Bildrechte: MDR/André Strobel

8. Folge am 21. Februar | Steinmetz Dominik Patté erobert die Bühne

Dominik Patté nimmt Hammer und Meißel in die Hand und fängt an. Der Grabstein, den er gerade bearbeitet, soll bald auf dem BUGA-Gelände in Erfurt stehen. Zwei Entwürfe des 36-jährigen Steinmetzes haben die Jury überzeugt und werden dort ab Ende April ausgestellt. Dominik Patté hat sein Glück im elterlichen Betrieb gefunden, dabei ist er auch ein "Mann des Theaters", wie er sagt. Als er jünger war, da wollte Dominik Patté Theaterschauspieler werden. Lange wusste er nicht so recht, wo die Reise hingehen soll.

Am Ende entschied er sich mit seinem Bruder den Betrieb des Vaters zu übernehmen, den dieser 1980 gründete. Doch nebenbei arbeitete Dominik Patté weiter an seiner Bühnenkarriere. Schon als 16-Jähriger gründete er mit ein paar Freunden ein Kabarett-Ensemble in seiner Heimatstadt Burg. Bis heute gibt es das, 20 Programme haben sie auf die Bühne gebracht. Für den Steinmetz ist Theater eine Art Fluchtort, denn hier kann er in eine Rolle springen. Und das Gefühl, den Zuschauern ein Lachen auf die Lippen zu zaubern und sie so ein wenig glücklicher zu machen, will er nie mehr missen müssen.

Dominik Patté, Steinmetz mit Werkzeug in den Händen
Neben der Arbeit pfeilt Dominik Patté an seiner Bühnenkarriere. Bildrechte: MDR/André Strobel

7. Folge am 14. Februar | Colin Kleidt und seine Reise in ein neues Leben

Mit 14 Jahren hat Colin Kleidt im Fernsehen den Menschen gesehen, von dem er sofort wusste: "Er kann mich retten." Der inzwischen 21-jährige Colin hat viel durchgemacht, in der Schule in einem kleinen Ort in Nordrhein-Westfalen wurde er gemobbt, körperlich und psychisch angegriffen. Als er den Friseur Sebastian Böhm in einer TV-Sendung sah, beschloss er: "Da will ich hin. Ich will kreativ sein, Menschen glücklich und schön machen - ich werde Friseur."

Also setzte er sich in den Zug und begann seine aufregende Reise in ein neues Leben. In Magdeburg hat er seinen Traumjob, Freund*innen und eine zweite Familie gefunden. Und seine alte Familie hat er gleich mitgebracht. Seine Mama ist ihrem geliebten Sohn gefolgt und macht sein Glück perfekt.

Mann steht an Bilderwand neben Waschbecken
Der gebürtige Westfale Colin hat sein Glück in Magdeburg gefunden. Bildrechte: MDR/Anja Höhne

6. Folge am 7. Februar | Ulrike Wehrspohn – die junge Schäferin aus Strenzfeld, die durch die Welt tingelte

"Ich bin eine richtig echte selbständige Schäferin", sagt Ulrike Wehrspohn und lacht. Dass die gebürtige Thüringerin überhaupt hier in Strenzfeld bei Bernburg gelandet ist, hat sie ihrem Hütehund "Rocky" zu verdanken. Als sie den bei sich aufnahm, erfuhr sie auch von der Schäferei, die zum Verkauf stand. Sie schlug zu, ohne groß nachzudenken – denn das war schon immer ihr Traum. Eineinhalb Jahre ist das nun her. Inzwischen hat sie eine Angestellte und einen syrischen Flüchtling, die beide auf ihrem Schafhof mitarbeiten.

Mit gerade einmal 28 Jahren hat sie schon einiges erlebt und viel zu erzählen. Direkt nach der Schule tingelte Ulrike Wehrspohn quer durch die Welt: Neuseeland, Schweden, Chile, Kanada. Überall, wo sie war, machte sie was mit Schafen. Das hatte sie sich vorher auch so vorgenommen und auf jeder Station lernte sie etwas Neues dazu. Mit all diesen Erinnerungen und Erfahrungen im Gepäck versucht sie nun in Strenzfeld mit ihrer eigenen Schäferei ihr Glück. 

Schäferin Ulrike Wehrspohn auf einer schneebedeckten Wiese mit zwei Hunden
Einmal um die Welt und nun in Strenzfeld bei Bernburg zu Hause: die leidenschaftliche Schäferin Ulrike Wehrspohn Bildrechte: MDR/André Strobel

5. Folge am 31. Januar | Lukas Gotter – der Pastor aus Halle, der Schlagzeug spielt, American Football guckt & in Quiz-Shows mitspielt

Lukas Gotter, 33, aus Halle ist nicht irgendein Pastor. Der fällt auf. Nicht nur wegen seines legeren Outfits, das trägt er auch zum Gottesdienst. Er sitzt leidenschaftlich gern am Schlagzeug und guckt sich American Football an. Er produziert Podcasts und seine Gottesdienste gehen via YouTube um den Erdball. Und dennoch ist genug und viel Platz für Gott und die Welt.

Lukas kommt aus Crimmitschau, die Eltern haben eine christliche Buchhandlung, der Papa spielt in einer Kirchenband. "Das war schon anders als in den traditionellen Gottesdiensten, wenn die Band spielte, da bin ich hineingewachsen, hab als Teenager viel Gutes mitbekommen, da war schnell klar, ich will Berufschrist werden."

Lukas studierte Theologie an den Franckeschen Stiftungen in Halle. An der Saale bleibt er dann auch. Sein Zuhause wird die Evangeliumsgemeinde, die ihren Sitz in der St. Georgenkirche in Halle hat. Hier, in der Vorgängerkirche, predigte schon der Theologe und Pädagoge August Hermann Francke. Jetzt steht Lukas hier mit den anderen Pastoren vor seiner Gemeinde zum Gottesdienst, lebendig, natürlich, irgendwie anders, besonders.

Und besonders war auch sein Auftritt in der Quiz-Show "Wer wird Millionär": 750.000 Euro räumte der verheiratete Pastor hier ab. Mit einem Teil des Geldes unterstützt er die Gemeinde und will eine Stiftung gründen. Den Rest bekommt die Familie, immerhin gibt's hier bald Nachwuchs.

Junger Mann im Hemd und mit Basecap.
Bildrechte: Helge Eisenberg

Wir haben so einen heiligen Moment, kurz vor dem Gottesdienst, da kommen alle rein in die Kirche, die Türen gehen auf und zu, man hört die Stimmen, die Kinder schreien, die Gemeinde ist hörbar und lebendig und dann steht man vor ihnen, sieht Menschen, die man seit 10 Jahren kennt oder erst seit einer Woche, wir sind in diesem Moment zusammen, das ist wunderbar zu erleben, und mich erfüllt das mit Dankbarkeit, Glück und Freude.

4. Folge am 24. Januar | Knackt auch die "Stiesel": der Lokalreporter vom Elbe-Saale-Winkel

Er ist immer mit seiner Kamera auf dem Fahrrad unterwegs: Thomas Linßner. Der Lokalreporter, der immer auf der Suche war nach den besonderen Geschichten, in und um Barby im Salzlandkreis. Seit der Wende ist der heute 65-jährige Journalist dabei, eigentlich ist er gelernter Elektriker. Nach einem kurzen "Reinschnuppern" gelingt ihm der Quereinstieg in den Journalismus. 30 Jahre berichtete Thomas Linßner über die Menschen im Elbe-Saale-Winkel und schaffte es dabei immer wieder sehr persönliche Geschichten zu erzählen. Mit seiner offenen und herzlichen Art schaffte er es, die Leute, die hier mitunter auch "stieselig" sein können, zu "knacken". 

Nun hört er auf – nach 30 Jahren – wahrscheinlich Hunderttausenden Fotos und Tausender Storys. Gemeinsam mit Thomas Linßner drehen wir eine Runde auf dem Rad und schauen uns in seinem riesigen Foto-Archiv um. Dort verbergen sich unzählige Schätze, zu denen der charismatische Presse-Mann auch immer die passende Anekdote parat hat. 

Mann mit Fotokamera um den Hals steht auf Aussichtsplattform, unten sind Häuser und Straßen zu sehen
Thomas Linßner war 30 Jahre lang als Lokalreporter im Elbe-Saale-Winkel unterwegs. Bildrechte: MDR/André Strobel

3. Folge am 17. Januar | Lokführer und "Bahnchef": Michael Frick und seine Bahn

Michael Frick aus Buchhorst in der Börde steht vorn im Führerhaus auf einer Lok. Er rangiert sie in Celle an einen Waggon. Den soll er einmal quer durch Deutschland transportieren. Frick ist Bahn-verrückt, das war er schon immer. Und er träumte immer von seinem eigenen kleinen Bahnunternehmen.

Als sich vor mehr als zehn Jahren die Chance bot, Teile des Oebisfelder Bahnhofs und des dazugehörigen Schienennetzes zu kaufen, schlug er zu. Seitdem baut er dort beharrlich seine eigene Bahn auf. Er kauft Triebwagen, Waggons und errichtet Werkstätten und Lagerhallen.

Ganz fertig ist er mit alldem noch nicht, aber er fährt schon und transportiert alle möglichen Waren und Güter durch Deutschland. Dafür mietet er die Gleise, die er für seine Nutzungsdauer befährt, von der Deutschen Bahn an. Michael Frick hat es geschafft – seinen Traum hat er in die Wirklichkeit umgesetzt. Nun ist er Lokführer und Inhaber seines eigenen kleinen Güterverkehrsunternehmens mit dem Namen "Altmark-Rail".

Ein Mann steht vor einer Lok.
Michael Frick hat seinen Traum wahr werden lassen: Er ist Lokführer. Bildrechte: MDR/André Strobel

2. Folge vom 10. Januar | Marcel, der "Goldfinger" von Magdeburg

"Der Kunstunterricht an der Schule war furchtbar", lacht Marcel Syllwasschy (40). Da war kein Freiraum für Kreativität. Aber gerade das liebt der Magdeburger. Bis er an der Staffelei steht, arbeitete Marcel als Kaufmann. Das macht ihn krank, zweimal sogar erkrankt er am Burn-out. Er holt sich Hilfe bei einem Heilpraktiker für Psychotherapie. Der fragt ihn, was er denn gerne mache, daraufhin schwärmt Marcel von der Malerei. Der Arzt rät ihm, genau das zu tun. Marcel kann sein Glück kaum fassen:

Das war die beste Entscheidung meines Lebens.

Oft malt er nun Bilder vom und übers Meer. Da ein Künstlername gesucht wird, denkt sich sein 10-jähriger Sohn den Namen "Marcel de Well" (von Meeres"welle") aus.

Die malt er nun nicht mehr. Aus Landschaftsgemälden wird abstrakte Kreativität, meist in schwarz und gold. Der Magdeburger Dom, geheimnisvoll im goldenen Nebel verhüllt, wird sein erstes Bild. Und es folgen viele weitere. Die hängen in öffentlichen Einrichtungen und Cafés in und um Magdeburg, werden auch als Souvenir verkauft oder als Auftragsarbeit entworfen.

Wenn er über seine Werke, über Farben und Schauplätze redet, dann leuchten Marcels Augen. Seine Bilder entstehen im heimischen Wohnzimmer. Da müssen Ehefrau und die beiden Kinder schon mal Rücksicht nehmen – machen sie auch, sie sind stolz auf Ehemann und Papa.

Marcel de Well
Malt Bilder und ist jetzt glücklich: "Marcel de Well". Bildrechte: Blendwerk24.com/Tino Reinhold

1. Folge vom 3. Januar | Von einem der auszog … Lukas, der coole Schmied im Burgenland

Der junge Mann streicht vorsichtig mit seinen Fingern über das scharfe Metall. Zufriedenes Lächeln bei Lukas Nelkenbrecher (32). Das von ihm geschmiedete Messer ist perfekt. Lukas ist Schmied. Hört sich erstmal nicht aufregend an, ist es aber. Schon mit 14 war er fasziniert von Feuer und Eisen und wie das alles zusammenpasst. Lukas ging in seiner Ausbildung als Metallgestalter sogar auf die Walz.

2013 zog ich die Kluft an, schnürte mein Bündel und zog in die Welt hinaus um von denen zu lernen, die im Schmieden nicht nur ein Hobby sehen, sondern eine Berufung.

Lukas Nelkenbrecher

Lukas lernte und arbeitete in mehr als 20 Firmen in sieben Ländern auf drei Kontinenten. Er fertigte Äxte, Speere, Messer in Schottland, Namibia, in Chile und in Kanada.

Der coole Schmied ist mit seiner Erfahrung wieder zurück – in Pretzsch im Burgenlandkreis, zwischen Zeitz und Weißenfels. Hier hat er vor einem Jahr die alte Dorfschmiede erworben und daraus seine "Burgenlandschmiede" gemacht. Damit erfüllte sich Lukas Nelkenbrecher einen Traum. Hier will er Messer, Stahlobjekte und Kunst entwerfen, Workshops soll es auch geben.

Junger Schmied an offenem Feuer - Lukas Nelkenbrecher.
Erfüllt sich mit seiner "Burgenlandschmiede" einen Traum: Lukas, der Schmied. Bildrechte: Florian Kneist

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 09. Mai 2021 | 19:00 Uhr