Ein Paar sitzt in einer leeren Wohnung.
Über 700.000 Menschen zogen seit der Wiedervereinigung von Sachsen-Anhalt aus nach Westdeutschland. Bildrechte: imago/Westend61

Wanderung zwischen Ost und West So viele Sachsen-Anhalter zogen nach Westdeutschland

Seit der Wende sind weit mehr Menschen aus Sachsen-Anhalt in die alten Bundesländer gezogen als umgekehrt. Erstmals ist nun sichtbar, wohin genau die meisten zogen, welcher Kreis wie stark von der Abwanderung betroffen war und aus welchen Regionen die Menschen nun nach Sachsen-Anhalt kommen. Ein Überblick.

Manuel Mohr
Bildrechte: BR/Philipp Kimmelzwinger

von Manuel Mohr, MDR SACHSEN-ANHALT

Ein Paar sitzt in einer leeren Wohnung.
Über 700.000 Menschen zogen seit der Wiedervereinigung von Sachsen-Anhalt aus nach Westdeutschland. Bildrechte: imago/Westend61

Arbeits- und Perspektivlosigkeit, Ausbildung oder bessere Verdienstmöglichkeiten: Gründe, warum seit der Wiedervereinigung bis 2017 mehr als 714.000 Sachsen-Anhalter ihre Heimat verlassen und in die alten Bundesländer gezogen sind, gibt es viele. Umgekehrt kamen im selben Zeitraum mit rund 436.000 Menschen weit weniger aus Westdeutschland nach Sachsen-Anhalt. Das geht aus einer umfangreichen Daten-Analyse von Zeit Online hervor.

Unterm Strich bleiben damit etwa 278.000 mehr Wegzüge als Zuzüge – eine gewaltige Lücke, die sich auch in allen Regionen des Landes widerspiegelt. Denn von den 14 Kreisen und kreisfreien Städten in Sachsen-Anhalt kann keine Region ein positives Saldo vorweisen – also dass mehr Menschen aus West nach Ost kamen als umgekehrt.

Wohin die Sachsen-Anhalter gezogen sind

Rund 42.000 Menschen aus Sachsen-Anhalt – mit Abstand die meisten – zogen im Laufe der Jahre nach Hannover und in die umliegenden Gemeinden. Beliebte Städte waren außerdem Hamburg, Braunschweig, München und Goslar. Nach Rheinland-Pfalz hingegen zogen über die Jahre nur wenige Sachsen-Anhalter:

Welcher Kreis wie viele Zuzüge aus Sachsen-Anhalt zu verzeichnen hat, erfahren Sie durch einen Klick auf die Karte.

Von wo Menschen nach Sachsen-Anhalt gezogen sind

Aus Westdeutschland nach Sachsen-Anhalt wiederum kamen im Zeitraum von 1991 bis 2017 die meisten Menschen (rund 31.000) aus dem Landkreis Göttingen, unter anderem auch wegen des dort ansässigen Grenzdurchgangslagers in Friedland. Nach der Wiedervereinigung wurden von dort aus viele Spätaussiedler in die neuen Bundesländer umgesiedelt – auch nach Sachsen-Anhalt. Weitere Regionen mit vielen Zuzügen nach Sachsen-Anhalt sind die Region Hannover sowie die Städte Osnabrück, Goslar und Helmstedt.

Entwicklung in Ihrer Region

Altmarkkreis Salzwedel

Wohin die meisten Menschen gezogen sind:

  • Lüchow-Dannenberg: 3.435
  • Gifhorn: 3.413
  • Region Hannover: 2.979
  • Uelzen: 2.943
  • Hamburg: 2.082


Woher die meisten Menschen kamen:

  • Gifhorn: 2.945
  • Lüchow-Dannenberg: 2.735
  • Uelzen: 1.850
  • Göttingen: 1.469
  • Region Hannover: 1.408

Anhalt-Bitterfeld

Wohin die meisten Menschen gezogen sind:

  • Region Hannover: 1.927
  • München, Landeshauptstadt: 1.693
  • Hamburg, Freie und Hansestadt: 1.145
  • Stuttgart, Stadtkreis: 616
  • Köln, Stadt: 605


Woher die meisten Menschen kamen:

  • Göttingen: 2.123
  • Region Hannover: 867
  • Osnabrück: 789
  • München: 658
  • Hamburg: 477

Börde

Wohin die meisten Menschen gezogen sind:

  • Helmstedt: 7.436
  • Region Hannover: 3.917
  • Braunschweig: 2.540
  • Wolfsburg: 2.336
  • Gifhorn: 1.403


Woher die meisten Menschen kamen:

  • Helmstedt: 6.055
  • Göttingen: 2.347
  • Region Hannover: 2.119
  • Wolfsburg: 1.975
  • Braunschweig: 1.624

Burgenlandkreis

Wohin die meisten Menschen gezogen sind:

  • München: 1.479
  • Region Hannover: 1.066
  • Hamburg: 853
  • Nürnberg: 614
  • Frankfurt am Main: 568


Woher die meisten Menschen kamen:

  • Göttingen: 2.632
  • Osnabrück: 1.040
  • München: 665
  • Region Hannover: 423
  • Hamburg: 372

Dessau-Roßlau

Wohin die meisten Menschen gezogen sind:

  • Region Hannover 1133
  • München, Landeshauptstadt 892
  • Hamburg, Freie und Hansestadt 848
  • Köln, Stadt 436
  • Stuttgart, Stadtkreis 412


Woher die meisten Menschen kamen:

  • Göttingen: 586
  • Region Hannover: 472
  • Hamburg: 338
  • München: 332
  • Osnabrück: 312

Halle (Saale)

Wohin die meisten Menschen gezogen sind:

  • Region Hannover: 3.151
  • München: 3.119
  • Hamburg: 2.820
  • Frankfurt am Main: 1.544
  • Köln: 1.533


Woher die meisten Menschen kamen:

  • Göttingen: 2.826
  • Region Hannover: 1.735
  • München: 1.586
  • Hamburg: 1.482
  • Köln: 898

Harz

Wohin die meisten Menschen gezogen sind:

  • Goslar: 9.932
  • Region Hannover: 5.761
  • Braunschweig: 4.413
  • Wolfenbüttel: 3.415
  • Göttingen: 2.651


Woher die meisten Menschen kamen:

  • Goslar: 7.012
  • Göttingen: 4.879
  • Region Hannover: 2.967
  • Wolfenbüttel: 2.604
  • Braunschweig: 2.476

Jerichower Land

Wohin die meisten Menschen gezogen sind:

  • Region Hannover: 2.313
  • Hamburg: 789
  • Braunschweig: 657
  • München: 396
  • Hildesheim: 350


Woher die meisten Menschen kamen:

  • Region Hannover: 1.202
  • Göttingen: 1.087
  • Braunschweig: 400
  • Osnabrück: 389
  • Hamburg: 366

Magdeburg

Wohin die meisten Menschen gezogen sind:

  • Region Hannover: 6.700
  • Braunschweig: 3.292
  • Hamburg: 3.159
  • München: 1.934
  • Helmstedt: 1.662


Woher die meisten Menschen kamen:

  • Region Hannover: 4.038
  • Göttingen: 2.556
  • Braunschweig: 2.235
  • Hamburg: 1.775
  • Helmstedt: 1.477

Mansfeld-Südharz

Wohin die meisten Menschen gezogen sind:

  • Region Hannover: 2.022
  • Göttingen: 1.459
  • München: 1.024
  • Hildesheim: 787
  • Hamburg: 782


Woher die meisten Menschen kamen:

  • Göttingen: 2.329
  • Region Hannover: 774
  • Osnabrück: 663
  • München: 367
  • Hildesheim: 358

Saalekreis

Wohin die meisten Menschen gezogen sind:

  • München: 1.380
  • Region Hannover: 1.232
  • Hamburg: 920
  • Stuttgart: 651
  • Göttingen: 569


Woher die meisten Menschen kamen:

  • Göttingen: 2.436
  • Osnabrück: 1.086
  • München: 649
  • Region Hannover: 594
  • Hamburg: 398

Salzlandkreis

Wohin die meisten Menschen gezogen sind:

  • Region Hannover: 4.771
  • Hamburg: 1.807
  • Braunschweig, Stadt 1.332
  • Goslar: 1.074
  • München: 1.045


Woher die meisten Menschen kamen:

  • Göttingen: 3.177
  • Region Hannover: 2.029
  • Osnabrück: 1.219
  • Hamburg: 649
  • Braunschweig: 627

Stendal

Wohin die meisten Menschen gezogen sind:

  • Region Hannover: 4.188
  • Hamburg: 2.403
  • Uelzen: 1.160
  • Lüchow-Dannenberg: 1.154
  • Gifhorn: 862


Woher die meisten Menschen kamen:

  • Region Hannover: 1.708
  • Göttingen: 1.351
  • Hamburg: 1.116
  • Lüchow-Dannenberg: 803
  • Uelzen: 686

Wittenberg

Wohin die meisten Menschen gezogen sind:

  • Region Hannover: 1.377
  • München: 949
  • Hamburg: 933
  • Frankfurt am Main: 404
  • Stuttgart: 384


Woher die meisten Menschen kamen:

  • Göttingen: 1.647
  • Osnabrück: 670
  • Region Hannover: 653
  • Hamburg: 429
  • München: 408
  • Köln: 199

Abwanderung teilweise gestoppt

Betrachtet man alle neuen Bundesländer zusammen, so war die Abwanderung nach Westdeutschland seit Jahren rückläufig. 2017 war sie erstmals sogar kleiner als der Zuzug in den Osten. Von diesem profitieren aber vor allem die großen Städte wie Leipzig oder Potsdam. In die ländlichen Regionen – und damit auch in weite Teile Sachsen-Anhalts – zieht es nach wie vor nur wenige.

Mit Menschen, die nach der Wende weggezogen sind und jetzt wieder in die ostdeutsche Heimat zurückkehren wollen, beschäftigt sich das MDR FERNSEHEN am Montag, 17. Juni ab 20:15 Uhr in einer TV-Reportage und anschließendem Bürgertalk live aus dem Landesfunkhaus in Magdeburg.


Daten und Methodik

Die Daten zeigen, wie viele Menschen seit der Wiedervereinigung aus Sachsen-Anhalt in die alten Bundesländer gezogen sind – und wie viele Menschen im Gegenzug im gleichen Zeitraum aus den alten Bundesländer nach Sachsen-Anhalt kamen. Umzugsbewegungen innerhalb der neuen Bundesländer oder dem Ausland sind nicht Gegenstand dieser Betrachtung. Alle Daten wurden MDR SACHSEN-ANHALT von Zeit Online zur Verfügung gestellt. Vielen Dank.

Die Zahlen umfassen den Zeitraum von 1991 bis einschließlich 2017 auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte.

  • Ausnahme 1: Für das Jahr 1993 lagen keine Daten vor.
  • Ausnahme 2: Da Berlin nur als gesamte Stadt in der offiziellen Statistik geführt wird und daher nicht eindeutig Ost oder West zugeordnet werden kann, ist Berlin aus allen Berechnungen ausgeschlossen.

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Eine Grafik mit dem Schriftzug FAKT IST! Bürgertalk.
Bildrechte: MDR/Thorsten Kügler
Nadine und Ronny Festerling wollen zurück in ihre alte Heimat.
Bildrechte: MDR/Julian Kanth

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | "FAKT IST!"-Bürgertalk | 17. Juni 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juni 2019, 10:29 Uhr

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19 Kommentare

17.06.2019 09:01 Denkschnecke 19

@17 Frank "Kaum einer wollte diese angebliche Wiedervereinigung"
Ach so? Kaum einer hat 1990 gerufen: "Kommt die D-Mark bleiben wir, kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr." Oder wie?
@16 Bernd "Die Krankenhäuser der DDR waren auf dem neuesten stand, ganz besonders die Universitätskliniken." Ich kann Ihnen Bilder zeigen, wie in einer ostdeutschen Universitätsklinik der Mangel durch Selbstgebasteltes kompensiert wurde. In zum Teil beeindruckender Qualität, zugegeben, aber alles andere als der "neueste Stand".

15.06.2019 23:52 Andy 18

15.06.2019 12:54 Mediator an 007 (11)
Überlegen Sie eigentlich bevor Sie etwas schreiben? Ich glaube kaum!

15.06.2019 18:54 Frank 17

15.06.2019 10:39 Mediator
Man sollte nur zu Themen schreiben, bei denen man auch mitreden kann. Bei Thema DDR können Sie z.B. nicht mitreden. Man hat un unser Land genommen, so einfach ist das. Kaum einer wollte diese angebliche Wiedervereinigung. So sind von angeblich 1 Million Teilnehmern bei den Montags-Demos in Leipzig im Jahr 2016 nur noch 70.000 übrig geblieben. Was meinen Sie denn aus welchem Grund der Westen eine schnelle, wie sie es nannten Vereinigung wollte? Das Zauberwort heißt Fachkräftemangel. Seit 1990 wurden nachweislich mehr als 3 Millionen Fachkräfte für Westgeld in den Westen abgeworben. Am Donnerstag kam nicht zum ersten Mal ein Beitrag im Fernsehen, wo gesagt wurde, dass die angeblich marode Wirtschaft der DDR bei Weitem nicht so marode war, wie sie hingestellt wurde. Ich war dabei, als ganze Werkhallen im Osten ab und im Westen wieder aufgebaut wurden.

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