Ein Fahrgast der Deutschen Bahn informiert sich an einem Fahrplan über die Zugverbindungen
Der Fahrplan 2019 hält für Sachsen-Anhalt zahlreiche Änderungen bereit. Bildrechte: dpa

Fahrplanwechsel am 9. Dezember Das bringt der Bahn-Fahrplan 2019 Sachsen-Anhalt

Am 9. Dezember wechselt der Jahresfahrplan bei der Bahn. In Sachsen-Anhalt ändern sich im Regionalverkehr viele Details: Der Privatbahn-Anbieter Abellio übernimmt zahlreiche Strecken. Halle profitiert von weiteren ICE-Sprinterzügen zwischen München und Berlin. Zu großen Einschränkungen im Nah- und Fernverkehr kommt es ab Mitte 2019 jedoch wegen der Vollsperrung des Bahnhofs Köthen.

von André Plaul, MDR SACHSEN-ANHALT

Ein Fahrgast der Deutschen Bahn informiert sich an einem Fahrplan über die Zugverbindungen
Der Fahrplan 2019 hält für Sachsen-Anhalt zahlreiche Änderungen bereit. Bildrechte: dpa

Änderungen im Nahverkehr

In der Nahverkehrs-Landschaft Sachsen-Anhalts gibt es ab dem 9. Dezember viele Veränderungen. Mit der Übernahme von weiteren Linien im Regionalverkehr wird das Privatbahn-Unternehmen Abellio etwa so stark auf den Schienen vertreten sein wie die Deutsche Bahn mit ihren Regionalzügen und S-Bahnen. Laut Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA), die den Schienennahverkehr im Auftrag des Landes bestellt, wird Abellio 2019 etwa 12 Millionen Zugkilometer fahren, die DB Regio AG etwa 13,5 Millionen. Zudem fährt die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG) weiterhin einige Regionalexpress-Züge zwischen Stendal und Berlin. Die Regionallinie Stendal-Schönhausen-Rathenow geht zum Fahrplanwechsel hingegen an die Hanseatischen Eisenbahn GmbH. Der neue Vertrag gilt bis Ende 2022.

AusgeHEXt zwischen Harz, Börde, Magdeburg und Halle

Die S7 Der Müngstener , Alstom Coradia LINT 41, von Abellio auf freier Strecke zwischen Solingen Hauptbahnhof und Solingen Mitte
Schwarz-grau statt weiß-blau: Die neuen Dieselzüge von Abellio sind klimatisiert und mit WLAN ausgestattet. Bildrechte: IMAGO/Deutzmann

Nach 13 Jahren endet eine Art Ära im Bahnnetz im und um den Harz. Die weiß-blauen Züge der Marke "HEX" verschwinden: Ab Fahrplanwechsel übernimmt Abellio 13 Linien im Dieselnetz Sachsen-Anhalts und damit auch die Strecken der Transdev, ehemals Veolia, die den Harz-Elbe-Express betrieben hat. Abellio-Züge sind ab dem 9. Dezember unter anderem zwischen Stendal und Wolfsburg, Magdeburg und Wolfsburg, Magdeburg und Erfurt, Halle und Halberstadt, Naumburg und Wangen, Dessau und Aschersleben sowie Thale und Berlin unterwegs. Testweise waren die fabrikneuen Dieselzüge des Herstellers Alstom schon im Regelbetrieb im Einsatz, um Lokführer zu schulen. Dies hatte zuletzt Lücken in Abellios Dienstpläne gerissen und für Zugausfälle im Süden Sachsen-Anhalts gesorgt, wo die Tochter der niederländischen Staatsbahn bereits unterwegs ist.

Zwei Bahnhofsschilder mit der Aufschrift "Blumenberg".
Wird nach 175 Jahren aus dem Fahrplan gestrichen: Im Bördedorf Blumenberg hält ab Dezember kein Zug mehr. Bildrechte: MDR/André Plaul

Zeitgleich mit dem Fahrplanwechsel wird der Bahnhof Blumenberg in der Börde vom Nahverkehr abgeschnitten und auf der Strecke Magdeburg-Halberstadt nicht mehr angefahren. Der Bahnhof war einst ein wichtiger Eisenbahnknoten. Grund für den Wegfall des Bahnhaltes Blumenberg sind laut NASA zu wenige Fahrgäste. Die Bahnanlagen sind zudem längst in die Jahre gekommen, zum Teil zerstört und nicht barrierefrei zugänglich. Der letzte Zug wird den Bahnhof Blumenberg laut Fahrplan am 8. Dezember um 23:41 Uhr in Richtung Halberstadt verlassen.

Knoten Köthen wird monatelang stillgelegt

Mitte 2019 löst eine Eisenbahn-Großbaustelle die nächste ab: Ab Mai soll der Magdeburger Hauptbahnhof mit neuen Bahnbrücken und Bahnsteigen wieder deutlich mehr Kapazität haben. Fast zeitgleich wird aber der Bahnknoten Köthen schrittweise stillgelegt, um ihn zu modernisieren. Ab Mitte Mai bis Mitte Dezember fahren nach den Plänen der Bahn zwischen Köthen und Bernburg nur noch Busse statt Züge.

Ab Mitte Juni wird auch die Bahnlinie Magdeburg-Halle gekappt: Zwischen Sachsendorf und Halle fährt bis Ende des Jahres nur Schienenersatzverkehr, was deutlich längere Reisezeiten bedeutet. Als Alternative wird eine Linie RE8 die Strecke Magdeburg-Dessau-Halle befahren. Zusätzlich wird es eine weitere durchgehende Verbindung zwischen Magdeburg und Halle geben, weil die Züge der Linien Magdeburg-Bernburg und Bernburg-Halle vergebunden werden. Zeitliche Reisevorteile bietet die Verbindung aber nicht. Zwischen Köthen und Dessau wird während des diesjährigen Bauabschnitts in Köthen der Zugverkehr aufrechterhalten. Die Bahn will ab Mitte Mai einen halbstündlichen Takt einrichten, zum Teil als Direktverbindung.

Ein E-Lok steht unweit eines Wasserturmes im Bahnhof der Stadt Köthen im Kreis Anhalt-Bitterfeld
Die Anlagen im Bahnhof Köthen entsprechen längst nicht mehr dem Stand der Zeit. Bildrechte: dpa

Der Bahnknoten Köthen Der Eisenbahnknoten Köthen in der Mitte Sachsen-Anhalts verbindet die stark genutzte IC- und Regionalverbindung Halle-Magdeburg mit den Bahnstrecken nach Bernburg, Dessau und Aken. Die Bahnanlagen stammen nach Angaben der Deutschen Bahn aus dem frühen 20. Jahrhundert und entsprechen nicht mehr den Anforderungen. Teile der Anlage können aus Sicherheitsgründen derzeit nur noch mit 30 Stundenkilometern durchfahren werden.

Daher sollen der Bahnhof selbst, der Streckenabschnitt Köthen-Zöberitz, die Stellwerkstechnik (neue Stellwerke in Niemberg, Stumsdorf und Köthen) und zwei Brücken in Wulfen und Zöberitz erneuert werden. Allein im Bahnhof Köthen geht es um vier Kilometer Gleise, 39 Weichen und 20 Kilometer Oberleitung. Die Bahnsteige und Brücken im Bahnhof Köthen sollen nach 2019 erneuert werden.

Mit mehr Geduld nach Burg und Berlin

Die Bauarbeiten im Knoten Köthen ab Juni 2019 beeinflussen auch den Regionalverkehr zwischen Magdeburg und Burg/Berlin. Hintergrund sind die geplanten Umleitungen vieler Züge nach Dessau, was den Streckenabschnitt Magdeburg-Biederitz an seine Kapazitätsgrenzen bringt. Laut NASA entfallen ab Mitte Juni nahezu alle Regionalbahnen der Linie 40 zwischen Magdeburg und Burg. Dafür hält der RE1 Magdeburg-Berlin bis Burg auf allen Unterwegsbahnhöfen. Die Fahrzeit verlängert sich dadurch um 20 Minuten. Außerdem werden die Abfahrtszeiten ab Berlin beziehungsweise Magdeburg angepasst.

Halle und Jena besser verbunden

Regionalexpress
Mit Doppelstockzügen geht es ab Dezember ohne Umstieg von Halle nach Jena. Bildrechte: Deutsche Bahn AG/Kai Michael Neuhold

Für Fahrgäste zwischen Halle und Jena gibt es ab Fahrplanwechsel kleine Veränderungen: Nach einer europaweiten Ausschreibung übernimmt hier nach Abellio nun die Bahn-Tochter DB Regio bis 2023 die Expressverbindung RE18 zwischen den Saalestädten. Es bleibt bei einem Zweistundentakt mit einer Reisezeit von knapp 60 Minuten. Die Züge halten in Bad Kösen, Naumburg, Weißenfels und Merseburg – aber nicht mehr in Leißling. Die Expresslinie ist zudem nicht mehr bis ins thüringische Saalfeld durchgebunden. Zum Einsatz kommen laut Bahn klimatisierte Doppelstockzüge mit WLAN und Steckdosen sowie Platz für bis zu 30 Fahrräder.

Zudem ändern sich baustellenbedingt einige Verläufe von Regionalbahn-Linien im Süden Sachsen-Anhalts, so dass sich mit der RB25-Linie eine stündliche weitere Direktverbindung Halle-Jena ergibt. In Naumburg ist der NASA zufolge dabei ein Übergang zur RB20-Linie nach Leipzig sowie Erfurt und Eisenach vorgesehen.

Zusätzlich zur stündlichen Verbindung von Naumburg und Weißenfels mit Leipzig durch die RB20 gibt es ab Dezember zweistündlich den Regionalexpress 42 aus Nürnberg, der über Jena hinaus durch Sachsen-Anhalt nach Sachsen verlängert wird.

Halle-Leipzig werden mit mehr S-Bahnen verbunden

Pendler zwischen Halle und Leipzig profitieren ab Dezember von zusätzlichen S-Bahn-Verbindungen. Laut NASA wird die Linie S5 über den Flughafen Leipzig/Halle hinaus nach Halle verlängert. Dies entspreche dem Wunsch vieler Fahrgäste, die sich mit Vorschlägen einbringen können. Somit ergibt sich mit der Linie S5X ein halbstündliches S-Bahn-Angebot über den Flughafen. Zusammen mit der Linie S3 über Schkeuditz fahren somit vier S-Bahn-Verbindungen je Stunde und Richtung zwischen Halle und Leipzig. Im Früh- und Nachmittagsverkehr sollen Montag bis Freitag drei zusätzliche Fahrten für weitere Entlastung der oft vollen Pendlerzüge bringen.

Änderungen im Fernverkehr

Von den Fernverkehrsplänen 2019 wird erneut Halle am meisten profitieren: Wegen der starken Nachfrage der im Dezember 2017 eröffneten Schnellfahrstrecke Berlin-München erhöht die Bahn die Taktdichte ihrer ICE-Züge auf der Trasse. So werden ab Dezember 2019 täglich fünf statt drei sogenannte Sprinter-Züge je Richtung unterwegs sein. Diese halten auch in Halle. Außerdem kommen zwischen Berlin-Halle-München erstmals ICE-Züge der vierten Generation zum Einsatz, in denen auch Fahrräder mitgenommen werden können.

Von Halle nach Wien im ICE

Neu wird eine tägliche ICE-Verbindung zwischen Halle und Wien über Passau sein, mit einer Fahrzeit von unter sieben Stunden. Solch eine Verbindung gab es zuletzt im Nachtzugverkehr 2005, mit einer Fahrzeit von neuneinhalb Stunden. Nach einem Jahr Pause wird es auch wieder eine Fernverkehrsverbindung Basel-Halle geben, ab Mitte Juni mit einem InterCity-Zug pro Woche. Einzelne ICE-Züge werden auch wieder Halle mit Warnemünde verbinden, dies war zuletzt 2015 der Fall. Ebenfalls neu wird eine ICE-Direktverbindung Saarbrücken-Halle-Berlin sein. Sie soll Montag bis Freitag je ein Mal pro Richtung gefahren werden. So eine Verbindung gab es zuletzt 1990.

Magdeburg verliert Direktverbindung ins Allgäu

Nach 13 Jahren wird es ab Dezember 2018 keine Direktverbindung Magdeburg-Oberstdorf mehr geben. Die IC-Züge 2012/2013 mit dem Namen "Allgäu", die laut Bahn die drittlängste Fernverkehrsverbindung in Deutschland gefahren haben, werden zum Fahrplanwechsel in ihrer Strecke reduziert. Sie fahren nur noch bis beziehungsweise ab Dortmund in Richtung Magdeburg. Mit einer Fahrzeit von über 12 Stunden war die Direktverbindung von Sachsen-Anhalt zu Deutschlands südlichstem Bahnhof aus zeitlicher Sicht ohnehin nicht die erste Wahl: Mit Umsteigen ist das Ziel Oberstdorf von Magdeburg aus in etwa acht Stunden per Bahn erreichbar.

ICE-Verkehr bleibt für die Landeshauptstadt auch 2019 die Ausnahme, er wird sogar weiter reduziert. Was bleibt, ist eine tägliche Nacht-ICE-Verbindung Berlin-Magdeburg-Köln und zurück. Außerdem wird weiterhin am frühen Montagmorgen ein ICE Berlin-München über Magdeburg geleitet, in der Gegenrichtung jedoch nicht. In den Sommermonaten wird es am Wochenende weiterhin eine Direktverbindung Magdeburg-Binz geben, jedoch wieder mit IC- statt ICE-Zügen, dafür aber mit Bordbistro und Fahrradstellplätzen. Neu ist ein IC-Zug pro Woche zwischen Stuttgart und Berlin, der Januar bis Mai freitags in Magdeburg hält, aber nicht in der Gegenrichtung.

Bahn erhöht die Ticketpreise

Mit Fahrplanwechsel steigen teilweise auch die Preise für Fahrten im Fernverkehr. Laut Bahn werden Tickets zum Flexpreis 1,9 Prozent teurer. Für Zeitkarten sowie die BahnCard 100 müssen im Schnitt sogar 2,9 Prozent mehr gezahlt werden. Das Fahren in Regionalzügen hingegen wird im Durchschnitt 1,5 Prozent teurer. Wer seine Reise noch vor dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember bucht, fährt noch zu den alten Preisen. Ausgenommen von Preiserhöhungen sind Fahrten innerhalb von Verkehrsverbünden, wie marego oder dem MDV, da hier eigene Tarife gelten.

Der Fahrplanwechsel findet bei vielen europäischen Bahnen am zweiten Sonntag im Dezember statt. Die neuen Pläne werden je nach Land aber unterschiedlich früh bekanntgegeben. Der Fahrgastverband PRO BAHN etwa kritisiert die kurzfristige Information in Deutschland mit nicht einmal zwei Monaten Vorlauf. Für Reisen rund um Weihnachten und Silvester müsse eine frühe Planbarkeit gewährleistet werden, heißt es.

MDR SACHSEN-ANHALT Autor Reporter Radio Online André Plaul
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Der Autor Aus der Altmark in die Landeshauptstadt: André Plaul gehört seit 2010 zum Team von MDR SACHSEN-ANHALT. Zuvor konnte sich der gebürtige Stendaler bereits ein Journalistik-Studium und ein multimediales Volontariat beim MDR in Leipzig in den Lebenslauf schreiben. Bei MDR SACHSEN-ANHALT betreut André mit Leidenschaft das Frühprogramm im Radio – und die Nachrichtenseiten im Netz. Seine Freizeit widmet er mit Vorliebe dem Thema Eisenbahn. So ist er auch im Funkhaus in diesen Dingen Ansprechpartner Nummer eins.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 16. Oktober 2018 | 05:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Oktober 2018, 12:16 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

1 Kommentar

16.10.2018 12:42 Thomas Porada 1

Des Weiteren erfolgt eine mehr als 50%ige Ausdünnung des Angebotes seitens Abellio und der NASA auf der Strecke: Halle - Quedlinburg über Halberstadt. Tagesreisende, Pendler und Urlauber schauen in die Röhre.