Vorab nicht vereinbarte Bedingung Ameos-Kliniken: Noch keine Einigkeit über Corona-Zwischenlösung für Mitarbeiter

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Seit Monaten fordern die Mitarbeiter der Ameos-Kliniken einen Tarifvertrag. Durch das Coronavirus gab es eine Verhandlungspause. Darum soll es jetzt eine Zwischenlösung für die Mitarbeiter geben – aber auch über die wird noch gestritten.

Ein weißes Schild mit der Aufschrift "AMEOS" steht vor einem Gebäudekomplex.
Der Streit bei den Ameos Kliniken im Land ist noch immer nicht vorbei. Es gibt noch keine Einigung. Bildrechte: dpa

Seit Anfang des Jahres fordern die Mitarbeiter der Ameos-Kliniken einen Tarifvertrag. Wegen des Coronavirus sind die Tarifverhandlungen pausiert worden, stattdessen soll es eine Zwischenlösung für die Mitarbeiter geben. Doch auch über die wird noch gestritten: Eine zusätzliche Forderung von Ameos verhinderte die geplante Unterschrift.

Vor der Corona-Krise hatten sich beide Seiten auf Gespräche zu Tarifverhandlungen geeinigt – ein erster Erfolg. Ein laufender Streik der Beschäftigten wurde nach der Einigung im Februar vorerst ausgesetzt.

Eine Zwischenlösung wegen Corona

Um die Arbeit der Kliniken in der Corona-Zeit nicht zu gefährden, sei zügig eine schnelle Zwischenlösung vereinbart wurden, sagt der Oberarzt der urologischen Klinik, Holger Waack. Inhalte des Pakets seien unter anderem eine gestaffelte Gehaltssteigerung bis Sommer 2021 gewesen und die Verpflichtung, die Tarifverhandlungen sobald möglich wieder aufzunehmen, erklärt Waack, der auch stellvertretender Betriebsratsvorsitzender ist.

Die Inhalte der Zwischenlösung


  1. die zielorienteierte und zeitnahe Fortsetzung der Tarifverhandlungen
  2. festgelegte Verhandlungstermine für 2020/2021
  3. eine gestaffelte Gehaltserhöhung von insgesamt acht Prozent in drei Phasen, bis Sommer 2021
  4. besondere Entgelte, wie Bereitschaftsdienstentgelte, werden ebenfalls gestaffelt angepasst
  5. zwei Sonderzahlungen für das Jahr 2020 von je 350 bis 400 Euro


Quelle: Verdi

Bei der Abstimmung über die Corona-bedingte Zwischenlösung hätten 96 Prozent der teilnehmenden Gewerkschaftsmitglieder den ausgehandelteten Inhalten zugestimmt. Doch aus der Lösung sei noch nichts geworden, erzählt der Oberarzt. Er wirft Ameos vor, sie hätten zuvor nicht vereinbarte Bedingungen in ihrem Vorschlag untergebracht.

Ein Mann steht vor einer Mauer.
Holger Waack wünscht sich eine Zwischenlösung. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

Ich bin maßlos enttäuscht von [Ameos-Regionalgeschäftsführer, Anm.d.Red.] Herrn Wiener – als Mensch und Geschäftsführer.

Holger Waack, stellvertretender Betriebsrat

Verdi: "Das war so nicht abgesprochen"

Bernd Becker von der Gewerkschaft Verdi erzählt, dass bei der Unterzeichnung der Zwischenlösung auf einmal eine vorab nicht vereinbarte Bedingung im Vorschlag von Ameos gestanden habe. Diese Bedingung wäre gewesen, dass 95 Prozent der Beschäftigten erklären müssten, dass sie für die vergangengen Jahre einen statischen Tarifvertrag anerkennen. "Das war so nicht im Vorfeld abgesprochen", sagt Becker. Die Mitarbeiter würden mit dieser Erklärung mögliche Ansprüche auf Zahlungen verlieren, die sie sich sonst rückwirkend erklagen könnten.

Im schlimmsten Fall müssen wir wieder in den Arbeitskampf – aber davon gehe ich jetzt erstmal nicht aus.

Bernd Becker, Verdi
Menschen laufen mit Transparenten
Bernd Becker hofft auf eine Lösung, damit es nicht wieder zu Streiks kommt. Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Als Reaktion hat die Gewerkschaft der Geschäftsführung von Ameos den ursprünglichen Vorschlag, den beide Seiten abgesegnet hätten, erneut unterbreitet – mit einer Deadline, diesen bis zum 15. Juli 2020 unterschrieben zurückzuschicken. Wenn das nicht passiere, werde neu beraten, erklärt Verdi-Gewerkschafter Becker. Ziel sei es aber, dass beide Seiten wieder zum Verhandlungstisch zurückkehrten.

Ameos will eine Lösung für alle Beschäftigten

Ameos wiederum sieht in der aktuellen Entwicklung kein Stresspotential. Inhaltlich sei man sich einig, es gehe jetzt um die finale Fassung, erklärt Ameos-Regionalgeschäftsführer Frank-Ulrich Wiener. Dabei seien die Meinungen auseinander gegangen. Ameos habe intern einen weiteren Anpassungsvorschlag erarbeitet und wolle diesen mit der Gewerkschaft besprechen. "Wir glauben, damit können beide Seiten leben", meint Wiener.

Wir wollen nicht, dass es zu einem Spaltungsprozess bei uns kommt.

Frank-Ulrich Wiener, Regionalgeschäftsführer Ameos

Für Ameos gehe es aktuell darum, alle Mitarbeiter in dieser Vereinbarung abzubilden. "Deswegen haben wir gefordert, dass 95 Prozent der Mitarbeiter diese Forderung akzeptieren. Wir wollen dadurch erreichen, dass für alle Mitarbeiter die gleichen Regelungen gelten", sagt Wiener. Er erklärt, wenn das nicht der Fall sei, könnte es zu einer Welle an Individualverträgen nach einer getroffenen Vereinbarung kommen.  

Frank-Ulrich Wiener vor Schreibtisch
Bildrechte: MDR/Christian Uhlisch

Deswegen möchte das Unternehmen eine Rechtssicherheit haben, so der Regionalgeschäftsführer. Mitarbeiter mit einem abgeschlossenen Tarifvertrag könnten keine gesonderten Vereinbarungen einklagen. Ziel des Unternehmens sei es, das alles bis Anfang nächster Woche geklärt sei.

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Kevin Poweska arbeitet trimedial im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT. Aktuell ist er im sechsten Semester seines Bachelor-Studiengangs Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Während seines Studiums absolvierte er bereits ein Praktikum bei der Braunschweiger Zeitung.

In seiner Freizeit ist er gerne sportlich aktiv: Seine Hauptambitionen liegen in den Sportarten Basketball, Tennis und Fußball - aber auch da probiert er sich gerne immer wieder neu aus. Zudem ist er journalistisch sportlich voll dabei: Kevin Poweska führt einen Blog zu den Deutschen Tennisherren und steht dabei mit den Spielern für Postgame-Interviews in regem Kontakt.

Quelle: MDR/pow

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 09. Juli 2020 | 12:00 Uhr

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