Streit zwischen Verdi und Klinikbetreiber Kündigungen bei Ameos: Wer was sagt

20 Mitarbeiter der Ameos-Kliniken wurden gekündigt. Der Grund: Warnstreiks haben zu Erlösausfällen geführt. Verhandlungen mit Verdi gibt es keine, Mitarbeiter sollen bis Ende des Jahres ein Angebot unterschreiben. Ein Überblick.

Ein weißes Schild mit der Aufschrift "AMEOS" steht vor einem Gebäudekomplex.
Zwischen Ameos und Verdi herrscht Funkstille. Derzeit gibt es keine Verhandlungen. Bildrechte: dpa

Die Ausgangslage

3.900 Angestellte arbeiten an den Ameos-Kliniken in Aschersleben-Staßfurt, Bernburg, Schönebeck, Haldensleben und Halberstadt. Belegschaft und Klinikleitung tragen zurzeit einen Konflikt aus: Die Gewerkschaft Verdi fordert mehr Lohn und einen Tarifvertrag für die Beschäftigten. Es gab Warnstreiks. Zeitgleich will Ameos Angebote bündeln und Schwerpunktzentren schaffen. Also: Leistungen neu aufstellen.

Der Konflikt

Auf der einen Seite steht der Tarifstreit, auf der anderen der geplante Ausbau der Angebote der Kliniken. Die Geschäftsleitung möchte beide Szenarien miteinander verknüpfen. Ameos bietet den Angestellten etwas mehr Geld und einen Kündigungsschutz. Das Angebot liegt allerdings deutlich unter Verdi-Forderungen. 85 Prozent der Mitarbeiter sollen das Zukunftspaket  – so nennt  Ameos das Angebot – unterschreiben. Bis zum 27. Dezember. Das Angebot umfasst eine Steigerung des Gehalts um zehn Prozent und einen fünfjährigen betriebsbedingten Kündigungsschutz.  Wenn genügend Angestellte unterschreiben, dann will Ameos nach eigenen Angaben Angebote spezialisieren – ohne große Einschnitte.

Das sagt Verdi

Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten mehr Geld. Sie verdienten im Schnitt 500 Euro pro Monat weniger als Kollegen an anderen Kliniken. Der Ameos-Konzern ist laut Verdi nicht zu Verhandlungen bereit. In den vergangenen Wochen hatte es an den Ameos-Kliniken in Schönebeck, Aschersleben-Staßfurt, Bernburg und Haldensleben Warnstreiks gegeben. Mehr als 1.800 Beschäftigte hatten der Gewerkschaft zufolge die Arbeit niedergelegt, um bessere Bezahlung zu erreichen.

Ameos hatte streikende Mitarbeiter in einer Mail auf mögliche Konsequenzen hingewiesen. Die Mail lag MDR SACHSEN-ANHALT vor. Darin hieß es, ein Streik werde den Erhalt von Fachabteilungen und Arbeitsplätzen gefährden. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sprach damals von einer "harten Drohung und erpresserischem Druck".

Das sagt Ameos

Lars Timm, Regionalgeschäftsführer AMEOS Ost
Lars Timm, Ameos-Regionalleiter Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Lars Timm, Ameos-Regionalleiter, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Verdi verbreite Falschmeldungen. Er nennt als Beispiele den Vorwurf auf die entsprechenden Ankündigungsschreiben überhaupt nicht geantwortet zu haben und den Mitarbeitern schlechtere Arbeitskonditionen als bisher anzubieten. "Das sind feige Lügen", so Timm. Verdi sei kein Verhandlungspartner, dem man auf Augenhöhe begegnen könne.

Als über die bevorstehenden Streiks informiert wurde, habe man die Mitarbeiter darüber informiert, was ein solcher Streik bewirken könne.  "Das war von mir überhaupt nicht als Drohung zu bezeichnen, sondern einfach als Hinweis, was wir im Bereich der Betriebswirtschaft dann machen müssen", so Timm. Die Warnstreiks hätten teilweise zu Erlösausfällen geführt. Diesen müsse das Unternehmen nun mit Kostensenkungsmaßnahmen begegnen.

Das sagen die Mitarbeiter

Eine Mitarbeiterin von Ameos
Petra Samtleben wurde von Ameos gekündigt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

20 Mitarbeiter wurden laut Ameos gekündigt. Petra Samtleben ist eine von ihnen. Sie sagt: "Bei mir in der Kündigung stand nur 'aus wichtigem Grund'. Das sagt mal so gar nichts aus." Der Betriebsrat habe die Information "Störung des Betriebsfriedens" als Begründung erhalten. "Nach außen wurde publiziert, dass durch die Erlösminimierung der letzten Tage fristlos aus betrieblichen Gründen gekündigt werden musste. Das sind zwei völlig unterschiedliche Sachen. Herr Timm muss sich da noch ein bisschen festlegen."

Das passiert, wenn zu wenige Mitarbeiter das Angebot unterschreiben

Sollten zu wenige Mitarbeiter das Angebot annehmen, müsste man bündeln, konzentrieren und zusammenführen, so Timm. "Das hat dann Auswirkungen auf den Einzelnen." Es könne sich dann aber kein Mitarbeiter beschweren, dass Ameos nicht offen gesagt hätte, wie man sich hätte entscheiden können.

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Quelle: MDR/ff

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 21. Dezember 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Dezember 2019, 11:44 Uhr

13 Kommentare

Kiel_oben vor 5 Wochen

Unsinn der der Angstmacher und Berufspessimisten. Zukunft willst nicht positiv und proaktiv gestalten sondern so tun, als als könne alles so bleiben wie es ist oder noch besser wieder so werden wie es angeblich vor 30 Jahren einmal war.

Kiel_oben vor 5 Wochen

Kliniken wie lins der Isar arbeiten wirtschaftlich und professionell. Da fühlt sich jeder Patient von Henry Maske bis Thomas Gottschalk wohl. Die Ameos sollte Geschäftsmodell umbauen!

Norbi vor 5 Wochen

Wertschätzung der Mitarbeiter bei Ameos Fehlanzeige.
Und das in Zeiten wo Pflegepersonal Mangelware ist.
Die Gier des Vorstands bei Ameos ist scheinbar Unersättlich.

Liebe Mitarbeiter wert Euch,denn ohne Euch geht es nicht.

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