Kommentar zur OB-Wahl in Halle Der Neue ist der Alte

Bernd Wiegand bleibt weitere sieben Jahre Oberbürgermeister von Halle. Gut zwei Drittel der abgegebenen Stimmen konnte er bei der Stichwahl für sich verbuchen. Besonders spannend wird wohl seine künftige Zusammenarbeit mit dem Stadtrat. Eine Einschätzung.

Der Oberbürgermeister von Halle (Saale), Bernd Wiegand (parteilos), vor Beginn der Verhandlung am Landgericht in Halle (Sachsen-Anhalt).
Der neue Oberbürgermeister von Halle bleibt der alte. Bildrechte: dpa

Am Ende ging alles schnell, schon bei der Auszählung der ersten Wahllokale lag Bernd Wiegand deutlich vor seinem Herausforderer Hendrik Lange. Nur eine Stunde später waren alle 41.273 Stimmen gezählt, die für den 62-jährigen abgegeben wurden. Bis zur Verkündung des vorläufigen Endergebnisses hatte er seinen Vorsprung verteidigt – zwei Drittel der Wähler hatten sich für den alten Neuen entschieden.

Erleichterung und Enttäuschung bei den Kandidaten

Hendrik Lange, gemeinsam aufgestellt von den Linken, den Grünen und den Sozialdemokraten hat es also nicht geschafft, den Rathaus-Chefposten einzunehmen. Die Reaktionen der beiden Kontrahenten waren vorauszusehen. Erleichterung bei Wiegand: "Ich habe noch einmal acht Prozent zugelegt, das zeigt doch, dass meine Politik bei den Bürgern angekommen ist!" Enttäuschung bei Lange: "Wir haben alles gegeben, Danke an mein Team, aber es hat eben nicht gereicht."

Und zum Wundenlecken gehört eben auch die Suche nach weiteren Gründen für die Niederlage. So schiebt SPD-Stadt-Vorsitzender Andreas Schmidt zerknirscht den Schwarzen Peter gleich an die CDU/FDP weiter. Die hätten Wiegand "den Steigbügel gehalten". Sie seien eben nicht über ihren Schatten gesprungen und hätten nach dem Scheitern des eigenen Kandidaten eben nicht den Linken unterstützt.

Dialog sei nicht die Stärke von Wiegand

Aber noch in der Wahlnacht schaute die rot-rot-grüne Kandidaten-Koalition auf die kommenden Jahre im Stadtrat. Dort würde die Situation nicht einfacher, meinten die Stadträte. Die liegen im Dauerclinch mit dem OB, der "uns immer wieder vor vollendete Tatsachen stellt", meint Bodo Meerheim von den Linken.

Dabei stünde man aber vor großen Herausforderungen, denn allein der städtische Haushalt hätte Millionen-Löcher, die nicht so einfach zu stopfen seien. "So etwas gelingt nur im Dialog." Und genau das sei eben nicht die Stärke von Bernd Wiegand. 

Keine Handreichung zwischen Sieger und Unterlegenem

Auch der Oberbürgermeister sieht große Aufgaben vor der Stadt Halle, verweist dabei auf weitere Projekte, die "in der Pipeline" seien. Das bezieht sich wohl vor allem auf  Unternehmensansiedlung und Stadtsanierung besonders auch im Schulbereich. Auf sein schwieriges Verhältnis zu einigen Fraktionen im Stadtrat angesprochen, sieht er freilich die Sache anders. Aus seiner Sicht sei die Zusammenarbeit notgedrungen kontrovers, aber stets konstruktiv und gehöre zur Demokratie dazu.

Zur Demokratie gehört aber auch, dass an einem solchen Abend der Sieger dem Unterlegenen die Hand reicht. Gestern aber kam es nicht zu einer Begegnung der beiden Kontrahenten. Wiegand begründete das, mit einem "sehr linken Wahlkampf" von Lange und feiert lieber in einer halleschen Bar, ohne sich im Stadthaus blicken zu lassen.  Das zumindest war neu in der Geschichte der nachwendischen Oberbürgermeister-Wahlen in Halle.

Quelle: MDR/mx

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 28. Oktober 2019 | 07:00 Uhr

6 Kommentare

Heimatloser vor 30 Wochen

@Udo,
"Oder liegt die Wahl Bürger darin......"
Es könnte so sein.Das wäre dann aber ein Alarmzeichen,das wohl die wenigsten
Hallenser wahrnehmen würden.

Udo vor 30 Wochen

Die Stichwahl fiel mehr als eindeutig für Herrn Wiegand aus, also müssen doch die Bürger von Halle mit seiner Tätigkeit in den vergangenen Jahren zufrieden gewesen sein.
Selbst die von lokalpatriot Kritikpunkte scheinen nicht gestört zu haben.
Oder liegt die Wahl der Bürger darin begründet, auf jeden Fall einen Bürgermeister zu verhindern, der von den Linken, den Grünen und den Sozialdemokraten unterstützt wird?

MDR-Team vor 30 Wochen

Das war ja auch die Stichwahl. Zuvor hatten sich insgesamt acht Kandidaten zur Wahl gestellt, bzw. waren zur Wahl zugelassen worden. Nach Angaben der Stadt (vorläufiges Endergebnis) haben 35,84 Prozent der Wahlberechtigten (67.820) ihre Stimmen abgegeben. Gültig davon waren 67.195 Stimmen. Auf Bernd Wiegand kamen 41.273 und auf Hendrik Lange 25.922 Stimmen.

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