Abgabe für Grundstücksbesitzer Steuerzahlerbund: Große Unterschiede bei Grundsteuer

Zahlreiche Kommunen in Sachsen-Anhalt haben in den vergangenen fünf Jahren den Grundstücksbesitzern immer tiefer in die Tasche gegriffen. Sie haben die Grundsteuer angehoben, die Abgabe, die jeder Grundstücksbesitzer zahlen muss. Spitzenreiter ist Barleben im Landkreis Börde.

Mehr als 70 der 100 größten Städte und Gemeinden in Sachsen-Anhalt haben in den vergangenen fünf Jahren die Grundsteuer angehoben. Das geht aus Zahlen hervor, die der Steuerzahlerbund ausgewertet hat. Die Grundsteuer ist die Abgabe, die jeder Grundstücksbesitzer zahlen muss.

Im Zeitraum 2012 bis 2017 hat die Gemeinde Barleben im Landkreis Börde den Hebesatz der Grundsteuer – also den Faktor, der zur Ermittlung der Steuerschuld verwendet wird – um 50 Prozent angehoben. Das ist mehr als in jeder anderen Gemeinde. Ebenfalls deutlich gesteigert wurde der Hebesatz in Biederitz (+48,6 Prozent) und Köthen (+ 29,1 Prozent). Ganz anders dagegen in den Gemeinden Leuna (Saalekreis) und Sülzetal (Landkrei Börde): Hier sind die Hebesätze seit Jahren unverändert auf dem landesweit niedrigsten Niveau.

Eine der wichtigsten Einnahmen für Kommunen

Ralf Seibicke, Vorstandsmitglied im Bund der Steuerzahler, bestätigt MDR SACHSEN-ANHALT die Annahme, dass die Grundsteuer die beliebteste und größte kommunale Steuerschraube ist. Die Ursachen für eine Anhebung seien vielfältig: "Zum einen hängen sie zusammen mit Anstrengungen zur Haushaltskonsolidierung." Die Gemeinde Barleben etwa habe jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt und müsse jetzt die Haushalte ausgleichen.

Es gibt aber auch Unterschiede bei den übrigen Einnahmen, etwa bei der Körperschaftssteuer, wie Seibicke erklärt. Diese hängt ab von der wirtschaftlichen Lage der Kommunen und von den Ansiedlungen im Umfeld. So könne sich die Stadt Leuna aufgrund anderer großer Einnahmen auch einen niedrigeren Grundsteuer-B-Satz leisten.

Steuerzahlerbund fordert nachvollziehbare Berechnung

Angesichts der anstehenden Reform der Grundsteuer fordert der Steuerzahlerbund, dass der Bürger nicht abgezockt wird im Rahmen der Reform: Es dürfe nicht zu heimlichen oder tatsächlichen Steuererhöhungen kommen, sagte Seibicke. Fast genauso wichtig sei es aber, ein Modell zu finden, das der Bürger nachvollziehen könne – ein einfaches Flächenmodell, etwa bestehend aus der Grundstücksfläche und der Wohnfläche.

Allerdings denken laut Steuerzahlerbund viele Länder darüber nach, ein so genanntes Kostenwertmodell einzuführen. Das sei aber sehr kompliziert und würde dazu führen, dass viele Bürger das nicht mehr nachvollziehen könnten. Seibicke sagte, man wolle nicht, dass der Bürger seine Steuererklärung für sein Grundstück nicht selber machen könne. "Er soll es verstehen und auch selber machen können und nicht einen Steuerberater bemühen müssen."

So unterschiedlich sind die Hebesätze in den Gemeinden

Zur Ermittlung der Grundsteuer wird der sogenannte Einheitswert mit der Steuermesszahl multipliziert. Das ergibt den Grundsteuermessbetrag. Diesen multipliziert die Gemeinde mit ihrem Hebesatz. Ein Hebesatz von 400 Prozent bedeutet Faktor 4.

Ein Rechenbeispiel: Eine Eigentumswohnung hat einen festgesetzten Einheitswert von 10.000 Euro. Dieser Wert wird mit der Steuermesszahl 3,5 von Tausend multipliziert. Das ergibt den Grundsteuermessbetrag von 35 Euro. Multipliziert mit einem Hebesatz von 400 Prozent (also Faktor 4) ergibt das eine Jahresgrundsteuer von 140 Euro.

Quelle: MDR/cw,mg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 04. September 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. September 2018, 20:58 Uhr

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3 Kommentare

06.09.2018 17:36 Werner 3

Entschuldigung - verwechselt. Auf keinem meiner Steuerbescheide ist dieser Einheitswert angegeben. Somit kann ich nur mit dem MDR-Wert über einem Faktor rechnen, was die Stadt an Einheitswert ansetzt. Der reine Bau hat aber etwa das 8-fache gekostet. Interessant wäre, wie die Städte den Einheitswert errechnen? Wer eine ETW kaufen, oder Haus bauen möchte, zahlt etwa 1000 EUR pro QM - je nach Ausstattung. Unabhängig davon wird die Erhöhung dieser Steuer 1:1 auf die Mieter umgelegt. Meist ohne Gegenleistung, und das ist das eigentliche Problem: einerseits wird die Binnennachfrage als Kaufkraft der Menschen immer mehr geschmälert = Lohnerhöhungen aufgefressen, die Mieten steigen immer mehr = die Mietpreisbremse hat nicht die gewünschte Wirkung, und trotzdem hängt es an Allem, was Kultur, Bäder, Schulen, Lehrer, Straßen... betrifft. Meine Erkenntnis: die Politik ist nicht mehr für die Menschen da, sondern die Menschen für politische Show-Projekte und Experimente... siehe Ergebnis Null-Zins.

05.09.2018 14:10 Werner 2

Gut, das war frech. Der Staat braucht Geld - viel Geld - wo sollen die 50 gezauberten Miilliarden sonst herkommen? Und das mit GR bei den dt. Banken versenkte Geld ist auch weg. Wo holt er es sich? Bei Denen, die viel zu viel Geld haben, und die sich nicht wehren können. Bei Widerstand muss man sie zu den Nazis und Rechten und Pöblern und Demokratiefeinden erklären - ganz einfach geht das, wie man an praktischen Beispielen jeden Tag erleben kann. Das Beispiel mit den 10.000 EUR für etwa 10 qm steht ja immer noch da. Zahlenmanipulation mit Veräppel-Effekt. Geld macht nicht Glücklich. Deshalb mein Motto: Ich gebs gerne - aus Solidarität und Nächstenliebe und weil wir das schaffen und BlaBla - auch wenn Viele ab der Rente einen Nebenjob als Flaschensammler annehmen WERDEN MÜSSEN - Wie geschrieben: lieber arm und krank und glücklich, als reich und gesund und unglücklich. Da möchte ich auch lieber zu den vielen Glücklichen gehören - manchmal ist in den Flaschen sogar ein Rest drin - Prost!

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:

Ja, die 10.000 Euro stehen da noch, weil, wie in Ihrem vorhergegangenen Post erwähnt: Der Kaufpreis pro Quadratmeter ist nicht gleichzusetzen mit dem sogenannten „Einheitswert“. Dieser Wert ist völlig veraltet, wird aber immer noch verwendet.

05.09.2018 10:09 Werner 1

"Eine Eigentumswohnung hat einen festgesetzten Einheitswert von 10.000 Euro. Dieser Wert... Steuermesszahl 3,5 von Tausend multipliziert... Grundsteuermessbetrag von 35 Euro. Multipliziert mit einem Hebesatz von 400 Prozent (also Faktor 4)... Jahresgrundsteuer von 140 Euro."
Der übliche Kaufpreis pro Quadratmeter ist um die 1000 EUR, und die Damen und Herren Journalisten wissen das sicher von ihrem eigenen Kredit zum Eigenheim/ Eigentumswohnung. Wer wohnt oder kauft eine 10 qm Eigentumswohnung? Gibt es so eine Wohnungsgröße überhaupt? Aber 140 EUR sehen erst mal gut aus.... Man will ja auch Niemanden erschrecken, verunsichern oder gar besorgen - da gibts ja schon ganz viele, die dann als "Rechte" auf der Strasse marschieren und Parolen grölen... um im üblichen Jargon zu bleiben. Gebühren, Steuern, Abgaben und Zuzahlungen (Hilfsmittel Krankenkasse...) steigen, aber es wird ja Niemandem was weggenommen - sagen Alle - außer dem bissel Geld... Lieber arm und krank, als reich und gesund.

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:
Der Kaufpreis pro Quadratmeter ist nicht gleichzusetzen mit dem sogenannten „Einheitswert“. Dieser Wert ist völlig veraltet, wird aber immer noch verwendet. Weitere Infos zum Thema finden Sie hier: https://www.mdr.de/nachrichten/politik/inland/grundsteuer-in-deutschland-100.html