Kritik von Arbeitgebern in Sachsen-Anhalt Corona-Quarantänebescheide kommen erst nach Tagen an

Verspätete Quarantäneanordnungen in Corona-Fällen sind ein Problem für Arbeitgeber. Gesundheitsämter informieren Betroffene zunächst per Telefon. Schriftliche Anordnungen kommen teilweise erst zum Ende der Quarantäne an. Der Arbeitgeberverband Sachsen-Anhalt fordert mehr Personal in Gesundheitsämtern.

Briefbescheid Anordnung häuslicher Quarantäne
Das Ordnungsamt informiert Betroffene per Brief offiziell über die angeordnete Quarantäne. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

Die Arbeitgeber in Sachsen-Anhalt fordern die Gesundheitsämter auf, Quarantäne-Bescheide schneller auszugeben. Nach Recherchen von MDR SACHSEN-ANHALT werden die Schreiben den Betroffenen oft erst viele Tage später zugestellt.

Arbeitgeberverband fordert mehr Personal in Gesundheitsämtern

Die Landesgeschäftsführerin des allgemeinen Arbeitgeberverbandes, Sigrun Trognitz, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, das sei eine unmögliche Situation. Die Arbeitgeber müssten Abläufe in der Produktion und Verwaltung planen. Der Zustand, wie er jetzt ist, sei unhaltbar. Die Kette der langen Bearbeitungsfristen müsse verkürzt werden. Trognitz appellierte, dafür mehr qualifiziertes Personal an den Gesundheitsämtern einzusetzen.

Bei einem Corona-Verdachtsfall informieren die Gesundheitsämter die Betroffenen oft schnell via Telefon. Die schriftlichen Quarantäne-Bescheide werden dann später per Post nachgesendet. Arbeitgeber benötigen die Information allerdings schriftlich, wenn ihr Arbeitnehmer in Quarantäne geschickt wurden. Die Betriebe schießen erst einmal den Lohn für den Beschäftigten vor, können sich aber mit dem Schreiben des Gesundheitsamtes den Verdienstausfall vom Land zurückholen.

Quarantänebescheid am Ende der Isolierungszeit

Auf Facebook teilte eine Nutzerin beispielsweise das Foto einer Quarantäneanordnung, die ihr vom Salzlandkreis erst am vorletzten Tag der tatsächlichen Quarantänezeit zugestellt wurde.

Bereits Mitte August wurde deutlich, dass Gesundheitsämter im Land überlastet waren und dass sie Vorgaben vom Bund zu Personalzahlen nicht einhalten konnten. Im August hatten unter anderem Reiserückkehrer eine Rolle bei der hohen Arbeitsbelastung gespielt.

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Gesundheitsamt Anhalt-Bitterfeld weist Vorwürfe zurück

Das Gesundheitsamt in Anhalt-Bitterfeld weist die Vorwürfe der Arbeitgeber zurück. Leiterin Claudia Ludwig sagte MDR SACHSEN-ANHALT, das wolle man so nicht stehen lassen. Das Gesundheitsamt schreibe bis zu 200 Quarantäne-Verfügungen pro Tag.

Bis eine Quarantäne verfügt wird, laufen laut Ludwig viele Prozesse ab: Der Sachverhalt müsse erst vollständig ermittelt sein, dann würden die Daten an das Amt gesendet. Der Postweg dauere zudem mindestens einen Tag. Ludwig verwies darauf, dass die Gesundheitsämter Betroffene immer zuerst per Telefon informieren. Telefonisch werde der genaue Quarantänezeitraum genannt. Das könnten die Betroffenen ihren Arbeitgebern übermitteln.

Quelle: MDR/jh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 12. November 2020 | 07:10 Uhr

2 Kommentare

Mediator vor 2 Wochen

Im Zweifelsfall ist es erst einmal wirksam um seine Mitmenschen zu schützen.
Es ist ja nicht so, dass es keine amtlichen Testunterlagen gibt und man sich keine Angaben bestätigen lassen kann.

Im Zweifelsfall riskiert aktuell wohl kein Arbeitgeber einen potentiellen Verdachtsfall in die Firma zu holen.

winfried vor 2 Wochen

(Gesundheitsamt)Info per Telefon ... ist das im Zweifel "gerichtsfest" ?

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