Waldbrandgefahr steigt Weitere Osterfeuer wegen Trockenheit abgesagt

Osterfeuer gehören zu Ostern wie die Suche nach bunten Eiern. In Sachsen-Anhalt muss es in diesem Jahr aber in einigen Orten ohne gehen. Wegen anhaltender Trockenheit und steigender Temperaturen wächst die Waldbrandgefahr. Erneut haben Städte und Landkreise deshalb Osterfeuer abgesagt. Vielerorts finden sie aber trotzdem statt.

Raum Stendal

Nach der Stadt Stendal haben am Donnerstag die Städte Salzwedel und Arendsee sämtliche Osterfeuer in ihrem Zuständigkeitsbereich verboten. Auch die Gemeinden Bismark, Tangerhütte, Arneburg-Goldbeck und Elbe-Havelland haben sämtliche Feuer verboten.

Anders in Seehausen in der Altmark: Eine Sprecherin sagte MDR SACHSEN-ANHALT, keines der angemeldeten Feuer sei in Waldnähe, deswegen dürften alle abgebrannt werden. Allzu große Holzhaufen seien aber verkleinert worden.

Vom Ordnungsamt in Kalbe (Milde) hieß es am Mittwoch, da die Böden und Wälder noch immer sehr trocken seien, habe man in diesem Jahr besonderes Augenmerk auf die Sicherheit der Osterfeuer gelegt. Jedes einzelne angemeldete Feuer sei im Vorfeld begutachtet worden. Da allen Anforderungen des Amtes nachgekommen sei, könnten alle Osterfeuer in der Stadt abgebrannt werden.

Die besten Bilder aus Apolda
Der Brauch des Osterfeuers fällt in Sachsen-Anhalt in diesem Jahr in vielen Orten aus. Bildrechte: MDR JUMP/Hagen Wolf

Raum Magdeburg

Die Stadt Wernigerode hat bisher nur ein Feuer abgesagt, das große Osterfeuer in der Stadt kann laut Ordnungsamt aber abgebrannt werden. Die Stadt Halberstadt hat bisher keine Feuer untersagt, lässt kritische Fälle aber nochmal von der Feuerwehr kontrollieren. Absagen seien daher in den Ortsteilen noch möglich, sagte ein Sprecher.

Die Landeshauptstadt Magdeburg hat die Bürger dazu aufgerufen, auf private Osterfeuer zu verzichten. Die öffentlichen Feuer im Stadtgebiet dürften aber stattfinden, sagte ein Sprecher.

Das Jerichower Land hat neben dem Landkreis Stendal landesweit aktuell die höchste Waldbrandgefahrenstufe, die 4. Insgesamt gibt es fünf Waldbrandgefahrenstufen. Ein Sprecher der Stadt Burg teilte MDR SACHSEN-ANHALT mit, man habe deshalb den Stadtwehrleiter beauftragt, alle Feuerstellen noch einmal zu untersuchen. Kurzfristige Absagen seien in den Ortsteilen möglich, in der Stadt selbst aber eher unwahrscheinlich. Der Bürgermeister der Stadt Möckern, Frank von Holly, sagte, private Feuer seien untersagt, bei den öffentlichen Feuern seien die Wehrleiter der Ortsteile aufgerufen, die Holzhaufen noch einmal zu begutachten und womöglich zu verkleinern oder umzusetzen. Aus der Stadt Genthin hieß es, die Beurteilung der Lage laufe noch. Kurzfristige Absagen seien möglich.

Keine Absagen gibt es bisher im Landkreis Börde. Hier ist die Waldbrandgefahr landesweit am geringsten (Gefahrenstufe 2). Sprecher der Gemeinden sagten auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT, alles sei gut. Dennoch seien die Feuerwehren vor Ort, um im Notfall sofort eingreifen zu können.

Das bedeuten die Waldbrandgefahrenstufen

Trockenheit im Wald
Waldbrandgefahrenstufe 1
Der Wald kann ohne Einschränkungen betreten werden und die Waldbrandwarnung ist aufgehoben. 
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Trockenheit im Wald
Waldbrandgefahrenstufe 1
Der Wald kann ohne Einschränkungen betreten werden und die Waldbrandwarnung ist aufgehoben. 
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Trockenheit
Waldbrandgefahrenstufe 2
Es gibt keine grundsätzliche Einschränkung beim Betreten des Waldes. Um Zündquellen zu vermeiden, ist erhöhte Vorsicht geboten. Fahrzeuge dürfen weiter auf Waldparkplätzen abgestellt werden. Wege mit trockener Bodenvegetation nur im unbedingten Notfall befahren.
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Eine Waldbrand-App auf einem Smartphone
Waldbrandgefahrenstufe 3
Es besteht eine erhöhte Waldbrandgefahr. Die zuständige Behörde darf den Wald sperren. Das Betreten des Waldes ist weiterhin erlaubt, aber bei der Nutzung von Waldparkplätzen ist erhöhte Vorsicht geboten (Stichwort: heiße Auspuffanlagen). Öffentliche Feuerstellen oder Grillplätze im und am Wald dürfen nicht mehr genutzt werden.
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von der Trockenheit bedrohte Pflanzen auf dem Waldboden
Waldbrandgefahrenstufe 4
In Waldgebieten sollten öffentliche Straßen und Wege, sowie Waldwege aller Art nicht verlassen werden. Die Forstbehörde kann ausgewiesene Parkplätze, sowie touristische Einrichtungen im Wald sperren. Die zuständigen Behörden treffen gegebenenfalls zusätzliche Brandschutzmaßnahmen.
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Alle (4) Bilder anzeigen
Eine Waldbrand-App auf einem Smartphone
Waldbrandgefahrenstufe 3
Es besteht eine erhöhte Waldbrandgefahr. Die zuständige Behörde darf den Wald sperren. Das Betreten des Waldes ist weiterhin erlaubt, aber bei der Nutzung von Waldparkplätzen ist erhöhte Vorsicht geboten (Stichwort: heiße Auspuffanlagen). Öffentliche Feuerstellen oder Grillplätze im und am Wald dürfen nicht mehr genutzt werden.
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Raum Halle

Im Burgenlandkreis hat die Stadt Zeitz sämtliche Osterfeuer verboten. Im Saalekreis kommen Absagen aus Leuna und Schkopau. Sie gelten immer auch für die umliegenden Ortsteile. Im Landkreis Mansfeld-Südharz ist bisher nur das Feuer in Wettelrode abgesagt worden, wie Ortsbürgermeister Tim Schultze sagte.

Raum Dessau

In Dessau wird es laut Verwaltung wahrscheinlich keine Absagen geben, da alle Feuer im innerstädtischen Bereich geplant seien. Kurzfristige Absagen hielt sich ein Sprecher trotzdem offen. Das Umweltamt werde am Samstag stichprobenartig alle Feuerstellen begutachten und gegebenenfalls das eine oder andere Osterfeuer untersagen.

Anders ist die Lage in Zerbst: Wegen der Waldbrandgefahr sind hier alle Osterfeuer im Gemeindegebiet abgesagt. Ein Sprecher sagte, sollte es nach Ostern regnen und sich die Situation entspannen, dürften die Feuer genehmigungsfrei abgebrannt werden. Feuerschalen seien grundsätzlich nicht anmeldungspflichtig und daher auch zu Ostern erlaubt. In Coswig im Landkreis Wittenberg sowie in Aken im Landkreis Anhalt-Bitterfeld wurden die Osterfeuer bereits am Mittwoch abgesagt. Die Feuerwehr in Wittenberg hat noch kein Feuer abgesagt, wies aber darauf hin, äußerste Vorsicht walten zu lassen.

Kein Regen bis Ostern

Auf einem Hinweisschild werden die Kraftfahrer gebeten, die Zigarettenkippen nicht aus dem Fahrzeug zu werfen.
Das Rauchen in Wäldern im Harz ist bis Ende Oktober verboten. Bildrechte: dpa

Weitere Absagen von Osterfeuern sind wahrscheinlich. Lutz Meyer vom Landeszentrum Wald sagte MDR SACHSEN-ANHALT, bis Ostern sei kein Regen zu erwarten. Die im Moment geltenden Waldbrandgefahrenstufen würden sich in den nächsten Tagen erhöhen. Sie schätzten allerdings nur die Lage in und nahe den Wäldern ein. Osterfeuer an anderen Orten müssten von den Veranstaltern mit den Städten und Gemeinden sowie den jeweiligen Revierförstern abgestimmt werden. Hier gelte die Gefahrenabwägung im Einzelfall.

Die Nationalparkverwaltung Harz wies daraufhin, dass die Vegetation in den mittleren und oberen Lagen des Gebirges noch nicht grün sei. Trockenes Gras und Laub lägen noch auf dem Boden. Auf keinen Fall dürfe offenes Feuer im Wald oder in Waldnähe gemacht werden. Grillen sei nur an den dafür freigegebenen Plätzen erlaubt. Außerdem gelte bis zum 31. Oktober im Wald ein allgemeines Rauchverbot.

Dürre hält an – Bauern in Sorge

Seit Jahresbeginn hat es viel zu wenig geregnet. Deshalb sei für die Landwirtschaft die Situation weiter ernst, sagt Kerstin Ramminger vom Kreisbauernverband Stendal. Seit vergangenem Jahr seien keine Wasservorräte aufgebaut worden. Am Raps sehe man besonders, dass Wasser fehle, so Ramminger. Der sei sonst um die Zeit gelb. Derzeit kämen aber nur einzelne Pflanzen hoch und die seien nicht grün, sondern eher grau.

Wir haben eigentlich nicht nach der Dürre, sondern sind immer noch in der Dürre drin.

Kerstin Ramminger, Kreisbauernverband Stendal

Agrarexperte Stephan Winter aus Iden bestätigt, durch die fehlenden Niederschläge habe er im Getreide schon Zonen entdeckt, wo das Wachstum ausbleibe. Der Winter habe einfach zu wenig Niederschlag gebracht, um das Defizit auszugleichen. Auch Biobauer Michael Dihlmann, der im ehemaligen Überflutungsgebiet der Elbe wirtschaftet, sagt, sein Acker sei alles andere als feucht: "Wir brauchen dringend Niederschlag."

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 18. April 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. April 2019, 16:24 Uhr

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2 Kommentare

20.04.2019 21:50 lummox 2

ein richtiger schritt in die richtige richtung, nun muß aber auch endlich schluß sein mit der umweltschädlichen pellets-verfeuerung und dem grillwahn. besonders bei ungünstigen windverhältnissen können diese unsitten atemberaubend wirken.

18.04.2019 15:34 Leser 1

Wettelrode in mansfeld südharz auch abgesagt.