Trend in vielen Branchen Apotheker finden keine Nachfolger

Apotheker in Sachsen-Anhalt haben es immer schwerer, einen Nachfolger für ihr Geschäft zu finden. Wirtschaftlich ist die Konkurrenz durch Versandapotheken groß. Doch anders als bei der Apotheke vor Ort, gibt es dort keine persönliche Beratung.

Kollegen in einer Apotheke (Symbolfoto)
Für das Fehlen von Apotheker-Nachwuchs gibt es viele Ursachen. Bildrechte: IMAGO

Viele Apotheker in Sachsen-Anhalt suchen händeringend nach einem Nachfolger. Wie der Präsident der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt, Jens-Andreas Münch, sagte, scheuen viele junge Apotheker zunehmend das Risiko der Selbstständigkeit.

Er sehe dafür verschiedene Ursachen. Zum einen sei die wirtschaftliche Perspektive momentan schwer abschätzbar, unter anderem wegen der Konkurrenz durch Versandapotheken. Hinzu komme die demografische Entwicklung, vor allem in ländlichen Gebieten. Und auch die Work-Life-Balance spiele gerade für Jüngere eine immer wichtigere Rolle. Viele wechselten in Tätigkeitsgebiete außerhalb der Apotheke und ließen sich zum Beispiel mit gut bezahlten Jobs in die Industrie locken.

Konkurrenz aus dem Internet ist groß

Eine Frau hält 2012 einen Blister mit Tabletten vor einen Bildschirm, auf dem ein Teil des Internetauftritts der Online-Apotheke 'Europa Apotheek Venlo' zu sehen ist.
Auch rezeptpflichtige Medikamente gibt es im Internet – allerdings ohne Beratung. Bildrechte: dpa

Unter Druck sehen sich die öffentlichen Apotheken vor allem durch die Konkurrenz aus dem Internet. "Das macht uns doch ganz schön zu schaffen", sagte Münch. Bei den frei verkäuflichen Medikamenten hätten die Versender in den letzten drei Jahren ihren Umsatz um zehn Prozent pro Jahr gesteigert. Bei den derzeitigen Rahmenbedingungen erwarte er künftig auch einen Anstieg bei den verschreibungspflichtigen Medikamenten.

Die deutschen Apotheken machen über 80 Prozent ihres Umsatzes mit Rezepten. Diese wandern zunehmend zu den Versandapotheken.

Jens-Andreas Münch, Präsident der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt

Ausländische Versandapotheken dürften rezeptpflichtige Arzneien mit Rabatten verkaufen. Münch kritisierte, dass der Gesundheitsschutz auf der Strecke bleibe, wenn Patienten durch finanzielle Anreize der Versender auf den persönlichen Apothekenbesuch verzichten.

Die Apotheker-Verbände fordern seit längerem ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Medikamenten. "Immerhin in 21 von noch 28 EU-Ländern gilt das Verbot", sagte Münch. 

Persönliche Beratung bleibt auf der Strecke

Eine Kundin bekommt von einem Apotheker ihre Medikamente
Anwendung, Einnahme, Wechselwirkungen – ein Apotheker weiß auf alles Rat. Bildrechte: colourbox.com

"Anders als die Apotheke vor Ort müssen ausländische Versandhandelskonzerne keine persönliche Beratung anbieten, Notdienste leisten, individuelle Rezepturen herstellen oder bestimmte Arzneimittel für den Notfall ständig bereithalten", sagte Münch. Auch an die weiteren strengen Anforderungen des deutschen Gesetzgebers zu den Räumen und dem Personal einer Apotheke müssten sie sich nicht halten. Münch weist daruf hin, dass fast jeder irgendwann Leistungen mit persönlicher Beratung benötige. Deshalb sei es gut, wenn dann eine Apotheke vor Ort helfen könne, so der Präsident der Apothekerkammer.

Ob Notdienst, individuelle Rezeptur, Notfallarzneimittel oder dringendes Antibiotikum, und alles mit persönlicher Beratung – fast jeder benötigt solche Leistungen irgendwann.

Jens-Andreas Münch, Präsident der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt

Apotheken in Sachsen-Anhalt

Die Zahl der Apotheken im Land ist rückläufig. Waren es 2009 noch 618 Apotheken, sind es aktuell 588 (Stand Dezember 2018).

Als Lösung für das Nachfolger-Problem wird zunehmend die Gründung von Filialen gesehen. Apotheker dürften bis zu drei Filialen haben. Ende 2017 waren 23 Prozent der Apotheken Filialapotheken. Mehrheitlich handelte es sich um vormals inhabergeführte Apotheken.

Quelle: Apothekerkammer Sachsen-Anhalt

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 09. Februar 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2019, 11:58 Uhr

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6 Kommentare

11.02.2019 10:06 Landapotheker 6

Die Probleme für die Landbevölkerung werden langsam grösser. Wenn die starken Jahrgänge in Rente gehen wird es zu einem Versorgungsnotstand im Gesundheitswesen kommen. Keine Landapotheken mehr, keine Landarztpraxen und auch die Krankenhäuser, Pflegedienste, Hebammen etc. werden sich aus der Fläche verabschieden. Ein populistischer Gesundheitsminister, eine SPD die nur noch mit sich selbst beschäftigt ist, eine komplett ahnungslose AFD und Grüne, die mit Vorurteilen vor allem Apothekern begegnen, so sieht die Zukunft in strukturschwachen Regionen sehr düster aus. Hier muss dringend mal Sacharbeit geleistet werden.

10.02.2019 17:32 maheba 5

Bei mir zuhause -Kleinstadt mit 5000 Einwohnern - drei Apotheken. Bisschen viel denke ich mal.

09.02.2019 20:12 Horst 4

1.)
Versandapotheken sind nicht wirklich gefragt - Quatsch
und nicht auf die Post warten muss ist aber der größte Vorteil - Wenn man bis zur letzten Tabeltte wartet, macht das schon "Sinn", ist aber überhaupt nicht nötig, da man innerhalb drei/vier Tagen seine Medikamente zu Hause hat!
3.)
Wenn's Kind schreit ist es doch etwas ganz anderes, als wenn man eine Pakung RR-Tabletten braucht! Nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.