Herbstbelebung am Arbeitsmarkt Zahl der Arbeitslosen in Sachsen-Anhalt wieder leicht gesunken

Trotz der andauernden Corona-Pandemie und ihren weitreichenden wirtschaftlichen Folgen ist die Arbeitslosigkeit in Sachsen-Anhalt etwas gesunken. Regional betrachtet gibt es allerdings nach wie vor deutliche Unterschiede.

Ein Mann mit Kopfhörern sitzt in einem Raum an einem großen Fenster und schaut auf einen PC-Bildschirm. Im Hintergrund geht die Sonne auf.
Ob Homeoffice oder direkt an der Arbeitsstätte: In Sachsen-Anhalt haben wieder mehr Menschen einen Job, die Zahl der Arbeitslosen ging etwas zurück. Bildrechte: MDR/unsplash/simon abrams

86.200 Frauen und Männer waren im September in Sachsen-Anhalt arbeitslos gemeldet. Damit sank die Arbeitslosenzahl im Vergleich zum August um etwa 4.500. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 7,7 Prozent – 0,4 Prozentpunkte niedriger als noch im August. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es im September 2020 allerdings noch immer noch rund 10.500 Arbeitslose mehr, vor allem in Halle und Magdeburg.

Wie die Lage in Ihrer Region ist und wie sich die Arbeitslosenquote in den vergangenen Monaten deutschlandweit entwickelt hat, können Sie den folgenden Grafiken entnehmen:

Der "Corona-Effekt", also die Zahl der Arbeitslosen, die aufgrund der Folgen der Corona-Pandemie ihre Arbeit verloren haben, nicht vermittelt werden konnten oder eine Qualifizierungsmaßnahme nicht antreten konnten, lag nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit im September bei etwa 17.000.

"Herbstbelebung" am Arbeitsmarkt

"Der Arbeitsmarkt hat sich im September weiter stabilisiert und normalisiert sich zunehmend. Er folgt dem saisontypischen Muster, welches wir auch in "normalen Jahren" beobachten. Im Zuge der Herbstbelebung besetzen Arbeitgeber typischerweise nach der Sommerpause neue Stellen, junge Menschen finden eine Ausbildungsstelle oder starten in ihren ersten Job nach der Lehre", sagt Markus Behrens, Geschäftsführer der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen.

Im Unterschied zu "normalen" Herbstmonaten bewege sich die Arbeitslosigkeit derzeit aber weiterhin auf einem höheren Niveau. Dafür sei aber der sogenannte Belebungseffekt etwas stärker als im September vergangenen Jahres. Nach Angaben der Arbeitsagentur könne das auf einen Nachholeffekt bei Einstellungen nach der akuten Corona-Krise zurückzuführen sein.

MDRklärt Unterbeschäftigung Darum ist die Zahl der Arbeitslosen zu niedrig

Auf der Suche nach den echten Arbeitslosenzahlen: Jeden Monat veröffentlicht die Arbeitsagentur aktuelle Zahlen. Aber wer gilt als arbeitslos? Und was ist Unterbeschäftigung?

Was ist Arbeitslosigkeit und was ist Unterbeschäftigung
Deshalb gibt es mehr Arbeitslose, als die offiziellen Zahlen verraten Bildrechte: imago/imagebroker | Grafik MDRklärt
Was ist Arbeitslosigkeit und was ist Unterbeschäftigung
Deshalb gibt es mehr Arbeitslose, als die offiziellen Zahlen verraten Bildrechte: imago/imagebroker | Grafik MDRklärt
Grafik Arbeitslosenzahlen und Unterbeschäftigung Deutschland Juli 2020
Nicht jeder, der keine oder zu wenig Arbeit hat, wird als arbeitslos gezählt und in der Statistik so genannt. Sie werden von der Arbeitsagentur aber trotzdem veröffentlicht – als unterbeschäftigt. Bildrechte: MDRklärt | Grafik Martin Paul
Grafik Arbeitslosenzahlen und Unterbeschäftigung Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen Juli 2020
In Sachsen und Thüringen sind rund 78 Prozent arbeitslos. 22 Prozent wurden als unterbeschäftigt aufgeführt (ohne Kurzarbeit, die sonst mitgezählt wird). In Sachsen-Anhalt waren rund 72 Prozent arbeitslos und 28 unterbeschäftigt (Stand 07/2020). Bildrechte: MDRklärt | Grafik Martin Paul
Was ist Arbeitslosigkeit nach Paragraf 16 SGB III
Wer gilt als arbeitslos? Alle Personen nach Paragraf 16 SGB III. An Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik Teilnehmende gelten als nicht arbeitslos. Bildrechte: MDRklärt | Grafik Martin Paul
Was ist Unterbeschäftigung und wer gilt nicht als arbeitslos?
Wer gilt weiter nicht als arbeitslos? Arbeitslose im weiteren Sinn, Unterbeschäftigte im engeren Sinn (nah am Arbeitslosenstatus) und Unterbeschäftigte fern der Arbeitslosigkeit (nach Konzept der Arbeitsagentur) Bildrechte: MDRklärt | Grafik Martin Paul
Texttafel: "Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert"
Mehr Erklärgrafiken und -videos finden Sie auf Instagram unter @mdrklaert Bildrechte: MDR/Max Schörm
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Jüngere Menschen hätten es zudem in diesem Jahr schwerer, in die Ausbildung oder in eine Beschäftigung zu starten. Es bleibe jetzt abzuwarten, ob es mit den staatlichen Stabilisierungsmaßnahmen gelingt, die Folgen für den Arbeitsmarkt weiterhin abzumildern und den Markt mittelfristig zu stabilisieren und normalisieren.

Weniger Stellenanzeigen als zu Jahresbeginn

Eine weitere Folge von Corona: Die Zahl der Online-Stellenanzeigen in Sachsen-Anhalt ist in den vergangenen Monaten spürbar gesunken. Das geht aus einer Analyse des niederländischen Softwareunternehmens Textkernel hervor. Das Unternehmen durchforstet fortlaufend automatisiert das Internet nach neuen Stellenangeboten – auch im deutschsprachigen Raum – und ordnet die Anzeigen nach Kriterien wie Beruf, Ausbildung, Ort und Firmenname ein.

Ergebnis: Waren im März noch über 80.000 Stellenangebote verfügbar, sind es mittlerweile nur noch rund 60.000:

Hinweis: Bei den Zahlen handelt es sich um die Anzahl der Online-Anzeigen, nicht die Anzahl freier Stellen, da eine Stelle mehrfach ausgeschrieben werden kann.

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 30. September 2020 | 10:00 Uhr

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