Arbeitslosigkeit Sechs Fakten über den Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt

Manuel Mohr
Bildrechte: BR/Philipp Kimmelzwinger

In welcher Region ist die Arbeitslosigkeit am höchsten? Sind Frauen oder Männer häufiger ohne Job? Wie ist die Bezahlung im Vergleich zu anderen Bundesländern? Teil 2 unseres Schwerpunkts zum Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt.

Zwei Frauen stehen an einem Whiteboard und besprechen ein Projekt.
Frauen sind in Sachsen-Anhalt seltener arbeitslos als Männer. Das ist ein Fakt, den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/unsplash/youxventures

1. Die aktuelle Lage

Im Juli waren in Sachsen-Anhalt rund 89.600 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet (Arbeitslosenquote: 8,0 Prozent). Das waren 900 Arbeitslose weniger als im Juni, aber auch gut 10.700 Menschen mehr als vor einem Jahr. Der "Corona-Effekt" – also die Zahl der Arbeitslosen, die aufgrund der Folgen der Corona-Pandemie zwischen März und Juli ihre Arbeit verloren haben, nicht vermittelt werden konnten oder eine Qualifizierungsmaßnahme nicht antreten konnten – liegt aktuell bei 17.300.

Was genau bedeutet "arbeitslos"?

Arbeitslose sind Personen, die:

• vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen oder nur eine weniger als 15 Stunden wöchentlich umfassende Beschäftigung ausüben,

• eine versicherungspflichtige, mindestens 15 Stunden wöchentlich umfassende Beschäftigung suchen,

• den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters zur Verfügung stehen, also arbeiten dürfen, arbeitsfähig und -bereit sind,

• in der Bundesrepublik Deutschland wohnen,

• nicht jünger als 15 Jahre sind und die Altersgrenze für den Renteneintritt noch nicht erreicht haben,

• sich persönlich bei einer Agentur für Arbeit oder einem Jobcenter arbeitslos gemeldet haben.

2. Jeder dritte Arbeitslose ist länger ohne Job

Als Langzeitarbeitslose gelten alle Frauen und Männer, die zu einem jeweiligen Stichtag ein Jahr und länger arbeitslos gemeldet waren. Besonders von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind Menschen mit sogenannten "Vermittlungshemmnissen". Dazu zählen beispielsweise fehlende oder geringe Qualifikation, sprachliche Defizite und gesundheitliche Einschränkungen. In Sachsen-Anhalt war im Juli 2020 jeder dritte Arbeitslose (33 Prozent) bereits länger als 12 Monate ohne Job.

Besonders ausgeprägt ist die Langzeitarbeitslosigkeit in Sachsen-Anhalt in der Altersgruppe "55 Jahre und älter". Insgesamt ist jedoch ein positiver Trend aus der Arbeitsmarktstatistik ablesbar: So lag der Anteil der Langzeitarbeitslosen im Jahr 2008 noch bei rund 42 Prozent.

3. Große regionale Unterschiede

Hinter der – auf ganz Sachsen-Anhalt bezogenen – Arbeitslosenquote von 8,0 Prozent verbergen sich regional aufgeschlüsselt Unterschiede. Die niedrigsten Arbeitslosenquoten haben in den vergangenen Jahren durchweg die Landkreise Börde und Harz aufgewiesen. Am höchsten hingegen ist die Arbeitslosigkeit im Landkreis Mansfeld-Südharz sowie neuerdings auch in Halle und Magdeburg:

4. Frauen seltener arbeitslos

Von den rund 90.000 gemeldeten Arbeitslosen in Sachsen-Anhalt waren 43 Prozent Frauen und 57 Prozent Männer. In den vergangenen 12 Monaten ist die Differenz zwischen den Geschlechtern aber größer geworden: Während bei den Frauen knapp 3.300 Arbeitslose hinzukamen, waren es bei den Männern mit rund 7.400 Arbeitslosen mehr als doppelt so viele.

5. Weniger Lohn und Gehalt als anderswo

Bezogen auf alle sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten betrug das mittlere Bruttomonatsentgelt im Jahr 2019 bei den Frauen rund 3.400 Euro, bei den Männern knapp 3.500 Euro. Dieser Wert bedeutet, dass die Hälfte aller Vollzeitbeschäftigten – inklusive Urlaubs- und Weihnachtsgelder, Überstundenvergütungen und weitere Gratifikationen – pro Monat mehr als diesen errechneten Wert bekommen, die andere Hälfte weniger. Im Vergleich der Bundesländer verdienen Frauen und Männer in Sachsen-Anhalt damit weniger als in den meisten anderen Regionen Deutschlands:

6. Aus diesen Berufsgruppen stammen die meisten Arbeitslosen

In den vergangenen drei Jahren kamen in Sachsen-Anhalt die meisten Arbeitslosen aus dem Bereich "Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit". Das geht aus aktuellen Daten der "Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen" der Bundesagentur für Arbeit hervor. Weitere Segmente, in denen sich viele Arbeitslose wiederfanden, waren demnach die "Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung" sowie "Kaufmännische Dienstleistungen, Warenhandel, Vertrieb, Hotel und Tourismus".

Warum das so ist, wie komplex die Berufslandschaft hierzulande ist und aus welchen Gründen viele Stellen lange unbesetzt bleiben, können Sie hier nachlesen:

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Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 31. Juli 2020 | 10:00 Uhr

2 Kommentare

Kelte vom Oechsenberg vor 6 Wochen

Werter Lothar Thomas. Es sei die Frage gestattet, ist bei allen Unzulänglichkeiten, der "OSSI" nicht teilweise selber Schuld? Was erwarten Sie? Sollte Frau Merkel die Löhne in Persona für ganz Deutschland festsetzen? Da wird gemeckert und diskutiert über Löhne, Urlaubstage, betriebliche Beteiligung etc. Hat sich der "OSSI" nicht größtenteils selber aus der gewerkschaftlichen Solidarität zurückgezogen? Es gibt da schon etliche Beispiele, wo gewerkschaftliche Arbeit zu ordentlichen Tarifen, zu altersgerechter Arbeitszeit, zu erhöhtem Urlaubsanspruch, zu betrieblicher Gesundheitsvorsorge etc. führen können. Fazit: Wer sich nicht organisiert und nicht kämpft, der sollte auch nicht mehr als Almosen erwarten. Es könnte natürlich auch sein, daß der Beitrag zu einer Gewerkschaft, dem Einzelnen zu hoch erscheint. Übrigens. Man kann denselbigen auch noch steuerlich geltend machen.

Lothar Thomas vor 6 Wochen

T R A U R I G , T R A U R I G , T R A U R I G

Selbst im 30-sten Jahr nach der Wiedervereinigung versucht man den OSTEN klein zu machen.

Da werden immer noch keine gleichen Löhne für die gleiche Arbeit gezahlt.

Der angebliche Unterschied in der Effektivität der Arbeit in Ost und West hat sich in sehr vielen Bereichen doch längst zu Gunsten des Ostens gewandelt, aber es wird einfach nicht honoriert.

Soll DAS ewig so weitergehen?

Aber die "dummen Ossis" mit denen kann man es ja machen.

Ausbeuten bis auf's Blut und dann ab in die Arbeitslosigkeit.

Der angebliche soziale Aspekt dieser Marktwirtschaft ist längst schon KAPUTT gemacht worden.

Wir sind doch längst schon wieder auf die Stufe des brutalen "Manchester-Kapitalismus" zurück gefallen.

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