Arbeitsmarkt Aus diesen Berufsgruppen stammen die meisten Arbeitslosen

Manuel Mohr
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Aus einigen Berufszweigen stammen deutlich mehr Arbeitslose als aus anderen. MDR SACHSEN-ANHALT erklärt, warum das so ist, wie komplex die Berufslandschaft hierzulande ist und aus welchen Gründen viele Stellen lange unbesetzt bleiben.

Zwei von der Arbeit verschmutze Hände.
Die Berufslandschaft ist vielfältig und komplex. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/unsplash/Jesse Orrico

Die Berufslandschaft in Deutschland ist vielfältig und stetig im Wandel. Viele ehemals wichtige Produktions- und Fertigungsberufe sind in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten praktisch bedeutungslos geworden. Dafür sind viele Dienstleistungsberufe neu entstanden. Im Jahr 2011 hat die Bundesagentur für Arbeit deshalb nach dreijähriger Entwicklungsphase die knapp eintausend A4-Seiten umfassende "Klassifikation der Berufe" veröffentlicht. Diese Zusammenstellung soll die Berufslandschaft in Deutschland möglichst realitätsnah abbilden.

Anhand dieser Berufsübersicht ist aus der Arbeitsmarkt-Statistik ablesbar, aus welchen Berufszweigen sich die arbeitslosen Frauen und Männer zusammensetzen. In den vergangenen drei Jahren kamen in Sachsen-Anhalt und Thüringen die meisten Arbeitslosen aus dem Bereich Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit. Das geht aus aktuellen Daten der "Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen" der Bundesagentur für Arbeit hervor. Weitere Segmente, in denen sich viele Arbeitslose wiederfanden, waren demnach die Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung sowie Kaufmännische Dienstleistungen, Warenhandel, Vertrieb, Hotel und Tourismus.

Über "weiter" und "zurück" können Sie zwischen Daten aus Sachsen-Anhalt und Thüringen hin und her wechseln.

Was genau bedeutet "arbeitslos"?

Arbeitslose sind Personen, die:

• vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen oder nur eine weniger als 15 Stunden wöchentlich umfassende Beschäftigung ausüben,

• eine versicherungspflichtige, mindestens 15 Stunden wöchentlich umfassende Beschäftigung suchen,

• den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters zur Verfügung stehen, also arbeiten dürfen, arbeitsfähig und -bereit sind,

• in der Bundesrepublik Deutschland wohnen,

• nicht jünger als 15 Jahre sind und die Altersgrenze für den Renteneintritt noch nicht erreicht haben,

• sich persönlich bei einer Agentur für Arbeit oder einem Jobcenter arbeitslos gemeldet haben.

Berufslandschaft vielfältig und komplex

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sind die Berufsbereiche mit den meisten Arbeitslosen auch diejenigen, in denen die meisten Menschen Sachsen-Anhalt und Thüringen arbeiten. So sind beispielsweise im Berufsbereich "Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung" sämtliche Berufe versammelt, die im produzierenden Gewerbe eine Rolle spielen: vom Bergbau bis hin zur Lebensmittelherstellung. Herauszufinden, welche einzelnen Berufe tatsächlich wie häufig unter den Arbeitslosen zu finden sind, wäre eine mögliche, aber äußerst komplizierte Angelegenheit.

Der Grund dafür: Die "Klassifikation der Berufe" ist sehr detailliert und umfangreich. Berufe werden dort zunächst anhand der Ähnlichkeit der Tätigkeiten in mehreren Schritten (1. Berufsbereich, 2. Berufshauptgruppe, 3. Berufsgruppe, 4. Berufsuntergruppe) gruppiert und anschließend anhand der Komplexität der auszuübenden Tätigkeit unterschieden (5. Berufsgattung mit bis zu vier verschiedenen Komplexitätsgraden). Ein Beispiel zur Veranschaulichung zeigt das. Der klassische Beruf Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau wird in der "Klassifikation der Berufe" wie folgt hergeleitet:

1. Berufsbereich

  • Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit

2. Berufshauptgruppe

  • Schutz-, Sicherheits- und Überwachungsberufe

3. Berufsgruppe

  • Objekt-, Personen-, Brandschutz, Arbeitssicherheit

4. Berufsuntergruppe

  • Berufe im Brandschutz

5. Berufsgattung mit bis zu vier verschiedenen Komplexitätsgraden

  • Berufsfeuerwehrmann/-frau (Fachlich ausgerichtete Tätigkeit)
  • Werkfeuerwehrtechniker/in (Komplexe Spezialistentätigkeiten)
  • Brandschutzingenieur/in (Hoch komplexe Tätigkeiten)

Gegenwärtig existieren allein 700 Berufsuntergruppen und knapp 1.300 Berufsgattungen. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird in der Arbeitsmarkt-Statistik deshalb in der Regel auf die Berufsbereiche zurückgegriffen.

Stellen lange unbesetzt

Was in der Arbeitsmarkt-Statistik für Sachsen-Anhalt und Thüringen noch auffällt: In den Berufsbereichen mit vielen Arbeitslosen gibt es gleichzeitig auch zahlreiche unbesetzte Stellen. Der Regionaldirektion der Arbeitsagentur zufolge ist das zunächst erst einmal nicht ungewöhnlich. Denn während einige Menschen sich arbeitslos melden und innerhalb kurzer Zeit wieder vermittelt werden, benötigen andere zunächst eine Qualifizierung oder andere Maßnahme, um eine neue Stelle zu finden. Freie Stellen können somit nicht immer sofort wieder besetzt werden. Zudem ist es oftmals auch so, dass Stellen und Bewerber – auch wenn sie aus dem gleichen Berufsbereich stammen – nicht zusammenpassen.

Denn: Über 80 Prozent der offenen Stellen sind solche für Fachkräfte und Spezialisten. Der Anteil von Fachkräften und Spezialisten unter den Arbeitslosen beträgt hingegen nur etwa 40 Prozent. Die Folge ist ein sogenanntes "qualifikatorisches Mismatch". Bedeutet: es gibt zu wenige Fachkräfte für zu viele entsprechende Stellen. Darüber hinaus gibt es noch ein "regionales Mismatch". So kann eine freie Stelle in Stendal oder Nordhausen angeboten werden, der dazu eigentlich passende Arbeitslose aber in Naumburg oder Suhl wohnen. Infolgedessen bleiben Stellen in Berufszweigen, die ohnehin schon einem Fachkräftemangel ausgesetzt sind, lange vakant – also unbesetzt.

In folgender Grafik sind die 10 Berufsgruppen mit den momentan längsten Vakanzzeiten aufgeführt. Über "weiter" und "zurück" können Sie zwischen Daten aus Sachsen-Anhalt und Thüringen hin und her wechseln.

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 31. Juli 2020 | 10:00 Uhr

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