Klage der Verbandsgemeinde Seehausen A14-Ausbau könnte sich erneut verzögern

Die Nordverlängerung der Autobahn 14 droht zur unendlichen Geschichte zu werden. Nach einer Klage der Verbandsgemeinde Seehausen könnte sich der Ausbau erneut verzögern. In dem Streit geht es um Schallschutzmauern.

Die gesperrte Auffahrt zur Bundesautobahn 14 in Richtung Stendal und Schwerin, 2015
Mit der Nordverlängerung der A14 könnte es noch etwas länger dauern. Bildrechte: dpa

Der Bau der Autobahn 14 im Norden Sachsen-Anhalts wird sich möglichweise erneut verzögern. Der Grund: Nach der Stadt Seehausen will nun auch die Verbandsgemeinde Seehausen im Landkreis Stendal gegen den Planfeststellungsbeschluss klagen. Bürgermeister Rüdiger Kloth (CDU) sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Donnerstag, man plane den Gang vor das Bundesverwaltungsgericht.

Es gehe aber nicht darum, die Autobahn generell zu verhindern. Das Ziel seien Nachbesserungen an den Ausbauplänen. Die Bedenken aus Verwaltung, Kommunalpolitik und künftigen Anliegern seien regelrecht abgebügelt worden – mit nicht nachvollziehbarer Begründung . So sei zum Schallschutz eine reflektierende Wand geplant. Gefordert habe man aber eine Schall absorbierende, also aufnehmende Wand.

Nicht die erste Verzögerung

Die Debatte bezieht sich auf den Abschnitt zwischen Vielbaum und Elbmitte. Es ist der nördlichste Teil der Autobahn 14 in Sachsen-Anhalt. Das Verkehrsministerium in Magdeburg bedauert die geplante Klage. Ministeriumssprecher Peter Mennicke sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Donnerstag, jede Klage bedeute Zeitverzögerung und das sei sehr bedauerlich – vor allem für die überwiegende Zahl der Altmärker, die auf die Fertigstellung der Nordverlängerung warteten.

Auch Chris Schulenburg, der Kreisvorsitzende der CDU Stendal, spricht sich gegen die Klage aus. Sie lähme die Entwicklung von Sachsen-Anhalt. Die CDU wolle nach der Verbandsgemeinderatswahl in Seehausen einen Antrag einbringen, die Klage zurückzuziehen.

Chris Schulenburg
CDU-Landtagsabgeordneter Chris Schulenburg will die Klage der Verbandsgemeinde zurückziehen. Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Das Votum des Verbandsgemeinderates Seehausen gegen den Bau der A14 zu klagen, ist eine völlige Fehlentscheidung. Der wirtschaftliche Aufschwung im ländlichen Raum steht auf dem Spiel, das kostet Arbeitsplätze, die wir aber dringend brauchen.

Chris Schulenburg | CDU-Abgeordneter

Ursprünglich sollte die Nordverlängerung der A14 schon 2015 fertig sein. 2017 war dann die Rede vom Bauende 2022. Klagen von Umweltschützern hatten den Bau der A14-Nordverlängerung  vor allem in Sachsen-Anhalt mehrfach verzögert. Die Umweltschutzorganisation BUND sah Naturschutzgebiete entlang der Elbe gefährdet.

Die grünste Autobahn Deutschlands

Unternehmer hatten schon 2017 Zweifel, dass die Nordverlängerung bis 2022 fertig sein würde.

Wenn das tatsächlich bis 2022 fertig sein sollte, dann müsste jetzt ein reibungsloser Ablauf daher. Und diesen sehe ich nicht. Gerade die Vergangenheit hat ja gezeigt, dass das nicht alles so reibungslos geht.

Marco Mitschke | Geschäftsführer Porr Colbitz

Doch auch 2018 sprachen sowohl Projektleiter Steffen Kauert als auch Verkehrsminister Thomas Webel noch von einem Bauende 2022. Ob das mit der neuen Klage von Seehausen noch möglich wäre, ist unklar.

Nach Aussagen von Verkehrsminister Thomas Webel wird die neue A14 die „grünste Autobahn Deutschlands“. Unter anderem soll eine Wildbrücke für Tiere und eine weitere Grünbrücke entstehen. Als Ausgleich für die gefällten Bäume, die der Erweiterung im Weg standen, entsteht in einem Waldstück bei Jävenitz ein Moor. Mehrere Ameisenstaaten wurden umgesiedelt.

Quelle: MDR/aso

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 09. Mai 2019 | 11:00 Uhr

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9 Kommentare

11.05.2019 13:48 Magdeburger 9

@ Altmärkerin: Und eine 4-spurige B189 macht keinen Lärm? Es geht hier doch um Schallschutz! Was ich aber nicht verstehe, wenn die Autobahn weiter und weiter verzögert wird, dann donnern doch die LKW länger durch Seehausen und weitere Orte. Komische Logik......

11.05.2019 07:47 Altmärkerin 8

Liebe Diskutanten, Autobahnen haben in der Vergangenheit keine Arbeitsplätze geschaffen sondern Durchgangsverkehr. Um schneller mit dem Auto irgendwohin zu kommen hilft mir genauso eine 4-spurige 189. Nur weil die Gelder aus einem anderen Topf kommen, wird hier lieber eine Autobahn gebaut, die den Nahverkehr und den Tourismus (Arbeitsplätze!) behindert. Absorbierende versus reflektierender Schallschutz ist übrigens für Anwohner ein sehr wichtiges Detail.

10.05.2019 21:03 Sonne 148 7

Also langsam zweifle ich am Verstand der Menschen. Die Altmark beschwert sich, sie sei abgehängt, aber torpediert dieses Ptojekt!? Diese Autobahn ist längst
überfällig und wann merkt man das endlich??? Jeder der sich regelmäßig über B189, B188 etc. quälen muss, sollte es doch langsam mal begriffen haben. Denken hier bitte nur im Schritttempo... Was soll das eigentlich? Lärmschutz? Ich lebe in einem Haus, welches 1 m neben der Straße steht und eine Umleitungsstrecke für die B189 ist, wo ja ständig irgendwas passiert. Ab 4:00 morgens Auto an Auto und LKW an LKW. Da kräht kein Hahn nach "Lärmschutz".
Es ist ein Trauerspiel!

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