Die gesperrte Auffahrt zur Bundesautobahn 14 in Richtung Stendal und Schwerin bei Colbitz (Sachsen-Anhalt)
Im Streit um Umweltauflagen für die A14 haben sich Sachsen-Anhalt und der BUND geeinigt. Es soll keine weiteren Klagen geben. Bildrechte: dpa

Mehr Geld für Natur- und Lärmschutz Sachsen-Anhalt erkauft sich Frieden im A14-Streit

Die geplante A14-Nordverlängerung hat eine weitere wichtige Hürde genommen. Nun haben Land und BUND auch für die verbliebenen Bauabschnitte ihren juristischen Streit beigelegt. Der Kompromiss sieht zusätzliches Geld vor, das in Natur- und Lärmschutz fließen soll. Die A14-Anrainer werden erst noch entscheiden, was aus ihrer Klage wird.

Die gesperrte Auffahrt zur Bundesautobahn 14 in Richtung Stendal und Schwerin bei Colbitz (Sachsen-Anhalt)
Im Streit um Umweltauflagen für die A14 haben sich Sachsen-Anhalt und der BUND geeinigt. Es soll keine weiteren Klagen geben. Bildrechte: dpa

Beim Bau der A14-Nordverlängerung durch die Altmark haben das Land Sachsen-Anhalt und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ihren Streit beigelegt. Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) sagte am Dienstag, es gebe einen Kompromiss für alle noch zu bauenden Abschnitte, den das Kabinett auch schon abgesegnet habe.

BUND verzichtet auf weitere Klagen

Thomas Webel steht vor Autobahnhinweisschildern
Minister Webel glaubt an die A14-Nordverlängerung bis 2025. Bildrechte: dpa

Demnach will das Land weitere 8,6 Millionen Euro für in Bau und Planung investieren, damit zusätzliche Flächen für den Arten- und Habitatschutz, Trassenbegrünungen und Lärmschutzbauten entstehen können. Im Gegenzug nehme der BUND dafür eine laufende Klage gegen die Elbquerung an der Landesgrenze zu Brandenburg zurück und verzichte zudem auf weitere Klagen. Nach den Worten Webels haben beide Seiten Vertrauen und Verständnis füreinander entwickelt. Niemand stehe als Verlierer da. Auf die Frage, wann die A14-Nordverlängerung somit fertiggestellt werden könnte, sagte der Minister: "Wenn wir für alle Abschnitte Baurecht bekommen, also in diesem Jahr noch für den Abschnitt Lüderitz-Stendal Mitte, und im nächsten Jahr für die anderen beiden Abschnitte, dann denke ich, 2025 ist realistisch."

Der Vergleich im Detail:

• ca. 500 Meter Lärmschutzwand für Mose
• Verlängerung des Lärmschutzwalls bei Röthenburg um 200 Meter
• 300 Meter längere Lärmschutzwände bei Märsche
• 150.000 Euro schwerer Landesfonds für Schallschutzmaßnahmen der Orte Jersleben, Samswegen, Döbbelin, Tornau, Schernikau, Billerbeck, Schlieksdorf, Drüsedau, Vielbaum
• 125 Hektar Überflutungsfläche und Auenlebensräume zwischen Seehausen und Wittenberge durch Deichrückverlegung
• 60 Hektar für Arten- und Habitatschutz zwischen Dahlenwarsleben und Wolmirstedt sowie Lüderitz und Seehausen

Ralf Mayer, der Landesvorsitzende des BUND Sachsen-Anhalt, lobte die erkämpften Verbesserungen für Anwohner und Natur. "Wir konnten für die Menschen vor Ort zusätzliche Schutzmaßnahmen durchsetzen, die über den gesetzlichen Anspruch hinausgehen", so Mayer in einer Mitteilung.

Unser ursprüngliches Ziel – statt einer Autobahn nur die bestehende B 189 zu erweitern – ist auf dem Rechtsweg nicht durchsetzbar.

Ralf Mayer, der Landesvorsitzende des BUND Sachsen-Anhalt

Zuletzt hatten das Land und der BUND im Dezember 2016 eine Einigung erzielt. Seinerzeit ging es um den 15 Kilometer langen Bauabschnitt zwischen Tangerhütte und Lüderitz. Ein Vergleich vor dem Bundesverwaltungsgericht sicherte zusätzliche Maßnahmen für Lärm- und Naturschutz zu. Knapp zwei Jahre später begann dann der Bau. Für die fünf verbliebenen Abschnitte mit einer Länge von insgesamt 70 Kilometern wollte das Land dem BUND entgegenkommen, dieser wiederum auf Klagen verzichten. Das scheiterte.

Klage der Anrainer noch anhängig

Geplante Nordverlängerung der A 14 Magdeburg - Schwerin
Der A14-Lückenschluss betrifft drei Bundesländer. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gegen den Weiterbau der A14 zwischen Vielbaum und der Elbmitte bei Wittenberge sind nun noch die Klagen der Verbandsgemeinde Seehausen und der Hansestadt Seehausen beim Bundesverwaltungsgericht anhängig. Sie waren gemeinsam mit der des BUND eingereicht worden. Hintergrund sind auch hier Forderungen nach besserem Lärmschutz. Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth (CDU) reagierte am Dienstag überrascht auf den zwischen BUND und Land erzielten Kompromiss. Kloth sagte MDR SACHSEN-ANHALT, auch mit der Verbandsgemeinde und der Stadt Seehausen liege eine Vereinbarung im Entwurf vor. "Natürlich kann ich jetzt schon sagen, dass aus meiner Sicht die Verhandlungen erfolgreich waren und das Land entsprechende Zugeständnisse gemacht hat."“ Der Verbandsgemeinderat werde aber erst am 13. August entscheiden. Die Stadtratssitzung der Hansestadt werde später stattfinden.

Eine Autobahn für Mensch und Tier

Fahrbahnen auf Autobahn-Baustelle
Südlich von Colbitz ist ein Teil der A14 bereits fertig – nördlich von Colbitz wird noch gebaut. Bildrechte: MDR/Andreas Müller

Die A14 soll nach der Verlängerung einmal vom Raum Dresden über Leipzig und Magdeburg bis Wismar zur Ostsee reichen. Die Kosten des Lückenschlusses zwischen Magdeburg und Schwerin werden mit knapp 1,6 Milliarden Euro beziffert, dafür entfallen auf den Trassenteil in Sachsen-Anhalt laut Verkehrsministerium rund 970 Millionen Euro. In Mecklenburg-Vorpommern ist die neue Trasse fertig, in Brandenburg nahezu. Die Nordverlängerung wird wegen zahlreicher Umweltschutzmaßnahmen, die für viel juristischen Streit gesorgt hatten, auch als "grünste Autobahn Deutschlands" bezeichnet. Tiere, wie Rehe, Fledermäuse und Amphibien, sollen mit mehr als 70 Brücken und Unterführungen auf dem Gebiet Sachsen-Anhalts geschützt werden. Allein im fertigen A14-Abschnit Wolmirstedt-Colbitz floss laut Verkehrsministerium rund ein Viertel der Gesamtbausumme in Naturschutzmaßnahmen.

Die Etappen der A14-Nordverlängerung
Abschnitt Länge Stand
Magdeburg-Wolmirstedt 11,5 km Planfeststellungsverfahren läuft
Wolmirstedt-Colbitz 5,7 km Verkehr rollt seit 2014
Colbitz-Tangerhütte 8,5 km in Bau seit 16.08.2017
Tangerhütte-Lüderitz 14,8 km in Bau seit 27.08.2018
Lüderitz-Stendal Mitte 12,9 km Planfeststellungsverfahren läuft
Stendal Mitte-Osterburg 18,2 km Baurecht
Osterburg-Seehausen Nord 16,8 km Planfeststellungsverfahren läuft
Seehausen Nord-Wittenberge 8,8 km Baurecht

MDRklärt zu den Bauabschnitten (Datenstand: August 2018)

Quelle: MDR/ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 06. August 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. August 2019, 21:35 Uhr

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3 Kommentare

07.08.2019 11:09 WH56 3

Ich hör die Botschaft wohl nur sollten auch mal Taten folgen.
Andere Länder waren da schneller bzw. sind schon fertig.
Aber vielleicht brauchen jetzt HAL und MD doch eine Verbindung zur Ostsee, dann könnte es was werden.

07.08.2019 10:02 Rosi 2

Es werden doch nicht zum ersten Mal Autobahnen gebaut. Und die Ämter wissen doch eigentlich auch, dass Umweltrichtlinien einzuhalten sind.Das ist immer ein Theater.Durch die Verzögerungen werden die Projekte immer wieder teurer.Es geht dabei um Steuergelder.

07.08.2019 06:15 Mirko Jutrzenka 1

7.8.2019 habe heute früh Kipper ohne Ende gesehen.
Ich glaube das sie Beton aufbringen.

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