Interview mit Nachwuchs-Koordinator der Bahn "Der perfekte Bewerber ist freundlich und kommunikativ"

275 freie Stellen will die Bahn in Sachsen-Anhalt noch in diesem Jahr besetzen, darunter auch Ausbildungsplätze. Außerdem sollen Quereinsteiger eine Chance kriegen. Und: Die klassische Bewerbung könnte bei der Bahn bald ausgedient haben. Über die alten und neuen Möglichkeiten hat MDR SACHSEN-ANHALT mit dem Nachwuchskräfte-Gesamtkoordinator der DB Regio Südost, René Voigtmann, gesprochen.

René Voigtmann, Nachwuchskräfte-Gesamtkoordinator DB Regio Südost
René Voigtmann betreut seit Jahren den Nachwuchs bei der Bahn in Mitteldeutschland. Er ist Nachwuchskräfte-Gesamtkoordinator bei der DB Regio Südost. Bildrechte: MDR/André Plaul

MDR SACHSEN-ANHALT: Die Bahn hat noch 70 verschiedene Ausbildungsplätze in diesem Jahr frei. Was sagen Sie jungen Menschen, die genau jetzt einen Ausbildungsplatz suchen?

René Voigtmann: Der Kaufmann und die Kauffrau für Verkehrsservice ist sozusagen mein kleines Baby. Wir sind auch innerhalb der Regio AG der Bahn die einzige Region, die sich diese Ausbildung noch leistet. Die anderen Regionen sind schon auf Schnell-Umschulungen umgestiegen, was ich persönlich sehr schade finde. Denn gerade über diese Zeit hier wird eine sehr starke Loyalität zum Unternehmen aufgebaut, was man auch den Kunden widerspiegeln kann. Am Anfang hatten wir noch die Befürchtung, dass viele Azubis zum Fernverkehr abdriften, weil es vielleicht cooler ist, einen ICE zu fahren. Aber das ist gar nicht eingetroffen. Unsere Azubis bleiben gern bei Regio.

Die Bahn will noch in diesem Jahr das formale Bewerbungsschreiben für Azubis abschaffen. Welchen Vorteil soll das bringen?

Wir haben uns als Bahn ein Stück weit der modernen Welt geöffnet und gehen jetzt ziemlich viele neue Wege. Wir hatten bis vor zwei Jahren ein unheimlich langes Auswahlprozedere von drei bis sechs Monaten. Das passt nicht mehr. Andere Firmen sind da wesentlich effektiver unterwegs. Ein neuer Weg für uns in diesem Jahr sind Speed-Datings, wo die Bewerber zu einem kurzen Interview vorbeikommen und gleich gesagt kriegen: Du bist der perfekte Mann für unsere Berufsausbildung.

Neue Wege bedeuten auch viele Möglichkeiten für Interessenten, sich zu bewerben. Welcher ist der Königsweg?

Grundsätzlich über unser Online-Portal. Das hängt mit unserem Rekrutierungsprogramm zusammen. Dann ist der Zeitraum ziemlich kurz, um schnell eine Antwort zu bekommen und in die weiteren Auswahlschritte zu kommen. Wir verschließen uns aber auch nicht gegen die klassische Papierbewerbung. Da sind alle Kanäle offen, wenn man sagt: Ich möchte Azubi bei der Deutschen Bahn AG werden.

Sie haben viele Azubis kommen und gehen gesehen. Welcher Typ muss man sein, um perfekt zur Bahn zu passen?

Man merkt es schon im Vorstellungsgespräch: Offenheit ist wichtig. Dann die Frage: Wie kommuniziert derjenige? Wenn diese beiden Komponenten, freundliche Ausstrahlung und eine kommunikative Art, im Vorstellungsgespräch zu Tage kommen, ist es eigentlich schon perfekt.

Bei der aktuellen Joboffensive spricht die Bahn auch gezielt Studienabbrecher, Über-50-Jährige und Soldaten an. Man könnte meinen, die Bahn wird bei der Mitarbeiterauswahl beliebig. Was entgegnen Sie?

Ausbildungsoffensive Bahn-Azubis unterwegs mit dem Juniorzug
Am und im Zug warten zahlreiche Aufgaben. Bildrechte: MDR/André Plaul

Wir haben starke Unterschiede in den Altersscheiben. Und wenn wir jetzt anfangen, wieder nur Leute zwischen 20 und 30 Jahren einzustellen, dann haben wir in 30 Jahren wieder dasselbe Problem. Deshalb ist es unser Ziel, dass wir alle Altersscheiben abdecken. Das heißt, dass wir mit der beruflichen Erstausbildung die jungen Leute ranziehen. Und die mittleren Altersscheiben decken wir dann mit der Funktionsausbildung ab, um eine durchgehend gute Altersstruktur herstellen zu können.

Was können Ü-50-Jährige, Soldaten und andere Quereinsteiger dem Unternehmen bringen?

Sie haben unheimlich viel Lebenserfahrung, die in diesem Job auch sehr wichtig ist. Ein Soldat beispielsweise weiß, wie man mit Krisensituationen umgeht. Solche Situationen haben wir sehr häufig bei der Bahn. Außerdem: Jeder Mitarbeiter, der einmal draußen in der freien Wirtschaft gearbeitet hat, der schätzt auch das, was die Bahn ihren Mitarbeitern an Sozialleistungen gewährt. Dementsprechend hoch ist dann auch die Motivation. 

Welche Möglichkeiten haben denn Quereinsteiger, um schnell ins Unternehmen zu kommen?

Die zweite Säule neben der Berufsausbildung ist für uns die Funktionsausbildung, wo wir gezielt Menschen ansprechen, die schon eine andere abgeschlossene Berufsausbildung haben. Das ist auch die Grundvoraussetzung für den Quereinstieg. Wer gut und schnell Geld verdienen möchte, für den ist das eine gute Variante.

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Bildrechte: MDR/André Plaul

Quelle: MDR/ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 04. Juni 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juni 2018, 06:14 Uhr

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