Plattenbauten, aufgenommen in Stendal
Bis 2035 wird unter anderem der Kreis Stendal einer Studie nach mehr als jeden fünften der heutigen Einwohner verlieren. Bildrechte: imago/photothek

Innovation, Bevölkerung, Arbeitsmarkt Studie bescheinigt Sachsen-Anhalt schlechteste Zukunftschancen

Sachsen-Anhalt könnte bis 2035 massiv Einwohner verlieren. Grund dafür ist laut einer neuen Studie der Mangel an Innovationen, Forschungsgeldern und neuen Jobs. Während Halle und Magdeburg vergleichsweise gut abschneiden, soll es andere Regionen besonders hart treffen.

Plattenbauten, aufgenommen in Stendal
Bis 2035 wird unter anderem der Kreis Stendal einer Studie nach mehr als jeden fünften der heutigen Einwohner verlieren. Bildrechte: imago/photothek

"Kein anderes Bundesland hat seit der Wende mehr Einwohner verloren. Dieser Trend setzt sich fort, allein die beiden Großstädte Halle und Magdeburg stabilisieren sich."

Das ist ein Ergebnis der am Freitag veröffentlichten Studie "Die demografische Lage der Nation – Wie zukunftsfähig Deutschlands Regionen sind". Mit Blick auf die neuen Bundesländer und insbesondere Sachsen-Anhalt fällt die Prognose ernüchternd aus. Demnach soll in sechs Landkreisen und in Dessau-Roßlau bald mehr als jeder fünfte der heutigen Einwohner fehlen:

Wirtschaftliche Dynamik fehlt

Das gemeinnützige "Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung", der Herausgeber der Studie, befasst sich mit demographischen Veränderungen weltweit. Für Sachsen-Anhalt sieht die Prognose wenig vielversprechend aus. Denn trotz mehrerer Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist Sachsen-Anhalt – gemessen an den angemeldeten Patenten – das am wenigsten innovative Bundesland.

Über das Berlin-Institut

Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung ist eine unabhängige Einrichtung, die sich mit Fragen regionaler und globaler demografischer Veränderungen beschäftigt. Das Institut wurde 2000 als gemeinnützige Stiftung gegründet und hat nach eigenen Angaben die Aufgabe, das Bewusstsein für den demografischen Wandel zu schärfen, nachhaltige Entwicklung zu fördern und neue Ideen in die Politik einzubringen. Zudem soll es Konzepte zur Lösung demografischer und entwicklungspolitischer Probleme erarbeiten.

Dieser Mangel an Innovationen bremst wiederum die wirtschaftliche Entwicklung Sachsen-Anhalts. Das Bruttoinlandsprodukt im Land wuchs zwischen 2013 und 2017 langsamer als der Bundesdurchschnitt, der Zuwachs an neuen Stellen ebenso. In manchen Regionen ist die Zahl der Arbeitsplätze von 2008 bis 2015 sogar gesunken.

Keine Perspektive für junge Menschen

Fehlende wirtschaftliche Anreize im Land führen dazu, dass junge und gut ausgebildete Nachwuchskräfte Sachsen-Anhalt verlassen. Mit einem Durchschnittsalter von mehr als 47 Jahren ist Sachsen-Anhalt das Bundesland mit den ältesten Einwohnern. Zwar können die Universitätsstädte Halle und Magdeburg noch Einwohnergewinne verzeichnen, im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten jedoch auf niedrigem Niveau.

Dessau-Roßlau hingegen wird bis 2035 massiv Einwohner verlieren. Laut Prognose sind es dann nicht mehr 82.000, sondern nur noch rund 65.000. Vergleichsweise gut steht noch der Landkreis Börde da, allerdings weniger wegen der ertragreichen Böden, sondern vielmehr wegen der Nähe zu den Automobilherstellern in Wolfsburg und Braunschweig, die den Einwohnern hierzulande Beschäftigung und Einkommen sichern.

Keine Besserung in Sicht

Die Macher der Studie weisen zwar darauf hin, dass Sachsen-Anhalt nur dann den Anschluss nicht weiter verlieren wird, wenn sich neue Unternehmen ansiedeln und damit Arbeitsplätze für junge, gut ausgebildete Leute schaffen. Wie das funktionieren soll, geht aus der Studie aber nicht hervor.

Eine ähnliche, in den Ergebnissen aber nicht ganz so extreme Prognose zur Bevölkerungsentwicklung hat das Statistische Landesamt vor wenigen Jahren erstellt. Demnach würden – basierend auf den Einwohnerzahlen aus dem Jahr 2014 – im Jahr 2030 Halle und Magdeburg noch zwei bis drei Prozent mehr Einwohner haben. Alle anderen Regionen würden zwischen 12 und 19 Prozent ihrer Einwohner einbüßen.

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 05. April 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. April 2019, 15:45 Uhr

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29 Kommentare

06.04.2019 21:39 Dorfbewohner 29

“Hans Frieder Leistner 10

...Als Bayern vor 50 Jahren noch vorwiegend von der Landwirtschaft lebte, hat man Industrieansiedlungen gefördert. Warum klappt das in der Mitte Deutschlands nicht?”

Weil die westlichen Industriepotentiale mit Vollauslastung und Erweiterung komplett den Gesamtdeutschen Absatzmarkt abdecken können, was denn sonst. Keiner produziert für die Stange(...um sein Produkt irgendwo unverkauft einzulagern).

Stichwort: 100% Auslastung, 30% Umsatzsteigerung...

06.04.2019 20:57 F. 28

Es muss sich niemand wundern, schließlich wurden seit 1990 Millionen Fachkräfte vom Osten in den Westen gelockt.
05.04.2019 15:16 gerd
Darum stand im Magdeburg auch die Schwerindustrie (SKET, MAW, SKL, Karl Marx Werk)und südlich von Halle die Chemieindustrie!

06.04.2019 19:24 Janine 27

Ja so ist das halt, wenn eine Region der Vergangenheit hinterher trauert statt die Zukunft mutig mit innovativen Konzepten anzugehen. Der Trend geht nun mal zur Verstädterung der Gesellschaft und das hat Folgen für das Land. Bei nicht einmal 3% Bevölkerungsanteil bezogen auf den Bund kann Sachsen-Anhalt sicher nicht erwarten, dass die restlichen Bundesländer über den Proporz hinaus Finanzmittel für Sachsen-Anhalt locker machen.

Selbst mit der Pflege der überalternden Bevölkerung wird es schwer werden, denn diese wird inzwischen oft auch von ausländischen Kräften geleistet. Ein Bundesland, dass ist dem Ruf steht fremdenfeindlich zu sein, wird dadurch nicht unbedingt attraktiver für Menschen und Firmen aus dem Ausland.

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