Macher ziehen Bilanz Ein halbes Jahr Projekt Friedensstraße – was bleibt?

Ein halbes Jahr lang haben wir aus den Friedensstraßen des Landes berichtet. Ohne Zeitdruck haben wir zugehört, uns eingelassen und auf spannende Geschichten gehofft. Folge für Folge sind so einmalige Einblicke in das Leben der Menschen dort entstanden. Zeit für eine Bilanz.

Katrin Hartig
Bildrechte: Katrin Hartig

von Katrin Hartig, MDR SACHSEN-ANHALT

"Willkommen in Escht!", so wurden wir als Redaktion bei unserem ersten Besuch in der Friedensstraße in Langeneichstädt vor einem halben Jahr begrüßt. Das war im Spätsommer vergangenen Jahres. Da zeigten wir vorab die erste Folge der Friedensstraße. "Das sagt man hier so. Wir haben einen ganz eigenen Dialekt."  Und der hat es in sich. Während wir Autoren kaum ein Wort verstehen, sagt schmunzelnd, dialektfrei und selbstbewusst der dortige Bürgermeister Lutz Kloss: "Wir sagen aber auch: Willkommen in LE!!"

Ein halbes Jahr lang, vom Sommer bis Winter, vom Süden bis zum Norden, vom Westen bis zum Osten, haben wir Menschen in den Friedensstraßen besucht. Über 1.600 Friedensstraßen, Friedenstraßen und Straßen des Friedens gibt es in Deutschland. Besonders viele Straßen mit diesem Namen liegen im Osten der Republik.

Das Bundesland mit den meisten Straßen mit dem Wort Frieden ist Sachsen-Anhalt. Das Anliegen unseres Projektes "Leben in der Friedensstraße" war es, zu erfahren, was die Leute bewegt. Wie meistern sie ihr Leben? Wofür setzen sie sich ein?

Die wohl wichtigste Erkenntnis für uns als Macher: Durch die vielen Menschen, die uns ihr Vertrauen geschenkt haben, ist unser Anliegen aufgegangen. Auch wenn viele Statistiken Negativtrends ausmachen, wie die über stundenlanges Pendeln, fehlende Fachkräfte, lange Wege, um die Dinge des Alltag zu erledigen, stellen wir fest: Die Menschen im Land gestalten ihr Leben. Von ihnen hängt es ab, ob der Ort eine Zukunft hat. Und diese "Anpacker" gibt es reichlich. Wir erlebten wenig Jammern, dafür viel Zupacken. Und die Menschen freuen sich, wenn genau das durch den MDR sichtbar wird.

Toll, dass Sie zu uns kommen. Endlich sieht die Welt, dass es uns gibt. Zu uns verirrt sich die Politik immer nur in Wahlkampfzeiten.

Reaktionen von Anwohnern

Und wir erleben in allen Orten, wie lebenswert das Leben auf dem Land ist. Wenn der Zusammenhalt stimmt. Je mehr Engagement, umso mehr Bindung zum Ort und ein zufriedeneres Lebensgefühl. Das spüren wir an allen sieben Orten. "Wichtig ist aber auch, dass es noch eine Schule und einen Kindergarten im Ort gibt. Dafür gehen wir auch mal auf die Straße", erzählt uns Bürgermeister Eberhard Heintze aus Westerhausen.

Raus zu den Menschen, einfach so …

Gelernt haben wir als MDR-Autoren, dass mutig sein belohnt wird. So ganz ohne Ziel, offen für die Themen der Leute, raus in die zunächst zufällig ausgewählten Friedensstraßen gehen und darauf vertrauen, dass wir auf ein Willkommen stoßen und auf Geschichten.

Zuhören ohne Druck

Bestätigt hat sich auch, dass man physisch präsent sein muss, sichtbar sein muss und dass es Zeit braucht. Dann kann man Zuhören. Das wiederum setzt voraus, dass die Menschen von dem, was sie bewegt, auch erzählen wollen. Und das tun sie gern. Nur so konnten lebendige 60 Minuten entstehen, ohne Experten, ohne Politiker von weit weg.

Willkommen zurück!

Erreicht haben wir mit dem Projekt, dass der MDR Thema war in allen Orten und zwar ein gutes halbes Jahr. Mit unserem Versprechen wiederzukommen. Und genau deshalb war zur Voraufführung des Abschluss-Filmes wieder der ganze Saal mit knapp einhundert Langeneichstädtern gut gefüllt: "Kommen Sie gern wieder, wenn die Kita endlich saniert ist. Bei uns ist immer was los in Escht. Und wo Sie das wichtigste erfahren, wissen Sie ja längst. Bei mir beim Bäcker, dem Lebensmittelpunkt", lächelt zum Abschied Bäckerin Sybille Schreiber und verschwindet am Ende der Friedensstraße.

Langeneichstädt Neugierige sehen Preview von "Leben in der Friedensstraße"

Publikum bei der "Friedensstraße"-Preview in Langeneichstädt.
Im Bürgerhaus "Zur Warte" in Langeneichstädt sind am Samstagnachmittag fast alle Stühle besetzt. Bildrechte: MDR/Katrin Hartig
Publikum bei der "Friedensstraße"-Preview in Langeneichstädt.
Im Bürgerhaus "Zur Warte" in Langeneichstädt sind am Samstagnachmittag fast alle Stühle besetzt. Bildrechte: MDR/Katrin Hartig
Familie Schreiber aus Langeneichstädt bei der "Friedensstraße"-Preview.
100 Besucher sind gekommen, um die Preview des Films "Leben in der Friedensstraße" zu sehen. Bildrechte: MDR/ Katrin Hartig
Das Publikum guckt die Dokumentation zu "Friedensstraße" in Langeneichstädt.
Die Langeneichstädter sind neugierig, was in der 60-minütigen Dokumentation entstanden ist. Manche Familien sind mit vier Generationen gekommen. Bildrechte: MDR/Katrin Hartig
Besucherinnen bei der "Friedensstraße"-Preview in Langeneichstädt.
Auch das Leben der Familie Schreiber, die in der Friedensstraße in Langeneichstädt eine Fleischerei betreibt, wird im Film gezeigt. Bildrechte: MDR/ Katrin Hartig
Der Bürgermeister von Langeneichstädt , Lutz Kloss, und Maik Reichel bei der "Friedensstraße"-Preview.
Der Bürgermeister von Langeneichstädt, Lutz Kloss, und der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, Maik Reichel, wollen die Preview nicht verpassen. Bildrechte: MDR/ Katrin Hartig
Autor Matthias Werner mit Produzent Olaf Jacobs und MDR-Redaktionsleiterin Ines Lorenz bei der "Friedensstraße"-Preview in Langeneichstädt.
Vor Ort war auch der Autor der Reportage, Matthias Werner, und der Produzent, Olaf Jacobs. Mit ihnen konnten die Besucher im Anschluss an den Film ins Gespräch kommen.

Dieses Thema im Programm:
MDR FERNSEHEN | 01. Mai 2019 | 17:50 Uhr
Quelle: MDR/sp
Bildrechte: MDR/Katrin Hartig
Alle (6) Bilder anzeigen
Katrin Hartig
Bildrechte: Katrin Hartig

Über die Autorin Katrin Hartig arbeitet seit 1995 für Mitteldeutschen Rundfunk, zunächst als Autorin für Sachsen-Anhalt Heute in Magdeburg, später als Chef vom Dienst. Seit 2002 produziert und verantwortet sie im Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt lange Dokumentationen. Bis 2016 leitete sie die die Sendung "Fakt ist!" aus Magdeburg. Seit 2012 ist sie außerdem Redaktionsleiterin des Journalistischen Hintergrunds und produziert und betreut die Formate "Exakt - Die Story" sowie "Der Osten- entdecke wo du lebst". In ihrer Freizeit engagiert sie sich für Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Sachsen-Anhalt.

Mehr zum Thema

Bitte das Bild im Tagesordner einstellen, danke Quelle/Rechte: MDR/Matthias Werner Alttext: Mann und Frau hinter Fleischtheke
Mann und Frau hinter Fleischtheke Bildrechte: MDR/Matthias Werner

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 01. Mai 2019 | 17:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. April 2019, 18:11 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

Mehr aus Sachsen-Anhalt

Alle Videos unserer Reihe