Bildungsstudie unter Viertklässlern Mathe top, Zuhören flop

Die Viertklässler in Sachsen-Anhalt hören schlecht zu, können aber umso besser rechnen. Während sie beim Zuhören im deutschlandweiten Vergleich auf dem drittletzten Platz landen, erreichen die Schüler in Mathematik den dritten. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Studie des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB). Sie wurde am Freitag in Berlin bei der Kultusministerkonferenz vorgestellt.

Viertklässler aus Sachsen-Anhalt hören im Unterricht deutlich schlechter zu als Gleichaltrige in anderen Bundesländern. Zu dem Ergebnis kam eine Studie des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB). Um das Zuhören zu testen, wurde den Schülern ein Text vorgelesen, zu dem ihnen anschließend Fragen gestellt wurden. Der Studie zufolge erreichten in dem Test nicht einmal zwei Drittel der Viertklässler den Regelstandard (61,4 Prozent). Nur in Bremen ist der Wert noch niedriger. Der bundesweite Wert liegt bei gut 68 Prozent. 13,2 Prozent der Viertklässler in Sachsen-Anhalt erreichen beim Zuhören nicht einmal den vom Institut festgelegten Mindeststandard.

Deutlich besser sieht es in Mathematik aus: Dort erreichen laut Bildungsbericht in Sachsen-Anhalt mehr Viertklässler den Regelstandard als bundesweit. Während der Bundesdurchschnitt bei 62,2 Prozent liegt, schaffen in Sachsen-Anhalt 67,2 Prozent der Schüler den Regelstandard. Damit liegt Sachsen-Anhalt hinter Bayern und Sachsen.

Im Kompetenzbereich Lesen landete Sachsen-Anhalt auf dem fünften Platz. Im Bereich Rechtschreibung reichte es nur für den bundesweit neunten: Mehr als jeder fünfte Schüler verfehlte hier den Mindeststandard. Die Werte der Optimalstandards, so die Autoren der Studie, seien in Sachsen-Anhalt beim Lesen, Zuhören und in Mathematik signifikant gesunken.

Tullner: Qualität der Schulbildung im Blick behalten

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Konsequenz aus der Studie sei, dass das Land die Qualität von Schule nicht aus dem Blick verlieren dürfe. "Wir reden ja über Unterrichtsversorgung. Unterricht fällt aus."

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU)
Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Qualitätsaspekte, die durch diese Studie wieder in die Öffentlichkeit geraten, sind ein wichtiger Punkt, den wir noch einmal stärker in den Blick nehmen müssen.

Marco Tullner (CDU), Bildungsminister von Sachsen-Anhalt

Der Befund, dass die Ergebnisse zurückgegangen sind, "muss uns natürlich auch motivieren, hier besser zu werden".

Viertklässler erzielen deutschlandweit schlechtere Ergebnisse

Bundesweit haben sich die Viertklässler in Mathematik, Rechtschreibung und beim Zuhören verschlechtert. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Susanne Eisenmann, sagte, die Studie zeige den großen Handlungsbedarf in den Kernfächern Deutsch und Mathematik. Seit der Vorgänger-Studie aus dem Jahr 2011 hat sich der Anteil der Viertklässler mit Migrationshintergrund auf 34 Prozent erhöht.

Insgesamt hatten an der Studie bundesweit rund 30.000 Schüler teilgenommen. Das IQB soll nach eigenen Angaben unter anderem die schulische Bildung in Deutschland verbessern. Zur Qualitätsentwicklung legt das Institut Bildungsstandards fest. Sie geben vor, welche Kompetenzen Schüler bis zu bestimmten Zeitpunkten in ihrer Schullaufbahn erworben haben sollen.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13.10.2017 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13.10.2017 | 16:00 Uhr

Quelle: MDR/mh

Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2017, 18:29 Uhr

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2 Kommentare

14.10.2017 10:07 Beton 2

Vor der Diskussion der "Qualitätsaspekte" steht die Sicherstellung der Quantitätsaspekte. Wenn mangels Personal überhaupt kein Unterricht stattfindet, sondern mit Behelfskräften die Zeit mit Beschäftigungseinheiten überbrückt wird, dann braucht über Qualitätsanforderungen überhaupt nicht diskutiert werden. Der Minister sollte sich daher erstmal um eine flächendeckende vollumfägliche Unterrichtsversorgung kümmern, damit hat er die verbleibende Legislaturperiode genug zu tun.

13.10.2017 21:18 Niederbrueller 1

Warum denn zuhören, wenn rundherum nur dumm gebruellt wird?