Soldaten stehen vor abgestorbenen Bäumen
Viele Bäume sind im Harz von Borkenkäfern befallen, die Bundeswehr versucht die Plage einzudämmen. Bildrechte: dpa

60 Soldaten vor Ort Bye, bye Borkenkäfer! Bundeswehr-Einsatz im Harz gestartet

Der Borkenkäfer stellt eine Gefahr für die Harzer Wälder dar – jetzt wird mit Hilfe der Bundeswehr gegen das Insekt vorgegangen. Sollte der Plan scheitern, wird eine weitere Borkenkäfer-Plage fürs Frühjahr befürchtet.

Soldaten stehen vor abgestorbenen Bäumen
Viele Bäume sind im Harz von Borkenkäfern befallen, die Bundeswehr versucht die Plage einzudämmen. Bildrechte: dpa

Die Bundeswehr ist im Harz im Einsatz gegen die Borkenkäfer. Seit Dienstagmorgen sind insgesamt 60 Soldaten in kommunalen Waldgebieten in Harzgerode und Wernigerode unterwegs, wie ein Sprecher des Landeskommandos sagt. Sie sollen gemeinsam mit Forstexperten betroffene Fichten markieren und fällen. Die Bundeswehr soll bis Mitte Oktober in privaten und kommunalen Wäldern im Ostharz, im Raum Zerbst und im Kreis Wittenberg helfen, die Plage einzudämmen.

Dafür ist das Team in Quedlinburg einquartiert. Das Land muss für die Unterbringung und Verpflegung der Soldaten aufkommen. Denn: Das Militär ist auf Bitten Sachsen-Anhalts im Einsatz. Das Land hatte ein entsprechendes Unterstützungsangebot der Bundesregierung angenommen. Wie teuer der Einsatz wird, will bisher niemand offiziell beziffern. Niedersachsen schlug die Hilfe hingegen aus und bekämpft den Borkenkäfer im Westharz mit eigenen Kräften.

Ausnahmeort: Nationalpark Harz

Der Schädling konnte sich nach schweren Sturmschäden Anfang 2018 und anhaltender Trockenheit in vielen reinen Fichtenwäldern rasant ausbreiten. Denn Borkenkäfer befallen nur kranke und geschwächte Bäume. Und davon gibt es auch im Nationalpark Harz einige, wie sein Leiter Andreas Pusch weiß. Er erklärt, was die Insekten in den Bäumen machen: "Das Weibchen legt einen Muttergang an, frisst sich unter der Rinde fort, legt links und rechts die Eier ab. Aus diesen Eiern schlüpfen Larven, die fressen sich zur Seite raus."

Auch wenn das Problem klar ist und in den anderen Harzer Wäldern mit Hilfe der Bundeswehr angegangen wird, bildet der Nationalpark eine Ausnahme. Hier werden keine Soldaten arbeiten, sondern die Natur wird sich selbst überlassen. Andreas Pusch: "Der Wald ist und bleibt lebendig. Auch hier, wo der Eindruck der toten Bäume überwiegt, wird sich innerhalb weniger Jahre Nachwuchs einstellen. Wir werden erleben, wie der Wald sich selbst regeneriert."

Um den Nationalpark herum gibt es allerdings eine mehrere hundert Meter breite Schneise, in der Schadholz weggeräumt wird. Ministerpräsident Rainer Haseloff erklärt das so: "Damit der Borkenkäfer nicht auf den Privatwald übergreift." Ziel aller Bemühungen von Forstwirten, Bundeswehr und Waldbesitzern ist, möglichst viele befallene Bäume aus dem Wald zu holen. Gelingt das nicht, gibt es nächstes Frühjahr gleich die nächste Plage. Davon geht beispielsweise Sachsen-Anhalts Landesforst aus. So gab es in diesem Jahr bereits drei unterschiedliche Borkenkäfer-Generationen, normal seien zwei. Der Grund: Viele Borkenkäfer aus dem Vorjahr haben überlebt. Das könnte auch jetzt wieder passieren.

Bundeswehr hilft auch in Sachsen, Thüringen ist in Gesprächen

Nicht nur Sachsen-Anhalt hat ein Borkenkäfer-Problem. In Sachsen sind derzeit ebenfalls Bundeswehrsoldaten im Einsatz. Dort hat das Land seine Offensive ausgebaut, Fördergelder für geschädigte Waldbesitzer in Höhe von mindestens 130.000 Euro genehmigt und zusätzliche Hilfe vom Technischen Hilfswerk (THW) angefordert. Ob solche zusätzlichen Maßnahmen auch in Sachsen-Anhalt getroffen werden, ist aktuell noch nicht bekannt. Bisher steht nur fest, dass ab kommender Woche das Team auf 75 Soldaten aufgestockt werden soll, bis zum Ende des Einsatzes könnten es 100 sein.

Fünf bis sechs Millionen Fichten könnten laut Schätzungen dem Borkenkäfer in Thüringen zum Opfer fallen. Das Land ist sich dieses Ausmaßes bewusst und sei in Gesprächen mit der Bundeswehr. Ein offizielles Hilfeersuchen gebe es bisher aber nicht, so ein Bundeswehrsprecher. Allerdings gibt es hier auch ein Problem, erklärt er weiter: Eine personelle Unterstützung sei nur eingeschränkt möglich, da viele in Thüringen stationierte Soldaten derzeit im Auslandseinsatz seien.

Quelle: dpa, MDR/jd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 24. September 2019 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. September 2019, 16:05 Uhr

2 Kommentare

W.Merseburger vor 6 Wochen

Irgend etwas stimmt bei den oben im Artikel gezeigten Bildern (Fotos) nicht. Ich sehe eine große Menge von abgestorbenen Fichten im "normalen" Wald. Dagegen überwiegt ein optimistisches Grün im Bild vom Nationalpark, wobei die abgestorbenen Fichten weitgehend am linken Bildrand "plaziert" wurden. Das gegenwärtige Waldsterben in einigen deutschen Regionen ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und die Lösung muss mit Verstand und Vernunft angegangen werden. Deshalb sollte man mit Bildern nicht vorhandene Unterschiede künstlich erzeugen.

Querdenker vor 7 Wochen

Wir könnten unsere Ernährung auch auf Borkenkäfer umstellen. Sie sollen angeblich nach Pinienkernen schmecken.

siehe „welt Wie wäre es mit Müsli mit Cranberries und Grillen?“

Zitat: „Borkenkäfer schmecken wie Pinienkerne“

Mehr aus Sachsen-Anhalt