Personalbedarf steigt Unternehmen finden keine Busfahrer

Ein Dienstwagen mit 500 PS und arbeiten, wo andere Urlaub machen – so wirbt die Branche um Fahrer. Dennoch wird es für Firmen schwieriger, neues Personal zu finden. Die Arbeitsagentur sieht dafür in Sachsen-Anhalt gleich mehrere Gründe.

Ein Busfahrer in seinem Cockpit.
Busunternehmen suchen immer häufiger neue Fahrer. Bildrechte: MDR/Katrin Funke

Die Busunternehmen in Deutschland haben zunehmend Probleme, noch Fahrer zu finden. In vielen Regionen gibt es für offene Stellen keine geeigneten Bewerber mehr. Zudem sind viele der bundesweit rund 103.000 Busfahrer schon vergleichsweise alt. Auch in Sachsen-Anhalt wird es immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden. Die Arbeitsagentur nennt dafür gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT folgende Indikatoren:

Der Bedarf steigt: In der Statistik der Arbeitsagentur werden Busfahrer nicht allein erfasst, sondern gemeinsam mit den Straßenbahnfahrern. Seit Jahren steigt in dieser Kategorie die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stetig an. Waren 2013 noch 2.950 Frauen und Männer in diesem Segment gemeldet, waren es 2017 schon über 300 mehr (3.263). Zudem waren im Dezember 2017 zwar 54 Bus- und Straßenbahnfahrer arbeitslos gemeldet, dem gegenüber standen dagegen aber auch 140 offene Arbeitsstellen. Für die Arbeitsagentur ein klares Anzeichen dafür, dass es in der Wirtschaft einen wachsenden Bedarf an Fahrern gibt.

Busfahrer werden immer älter: Sachsen-Anhalts Bus- und Straßenbahnfahrer sind überdurchschnittlich alt. Mehr als jeder Dritte (35 Prozent) der momentan noch aktiven Fahrer ist über 55 Jahre alt. Betrachtet man alle Beschäftigten in Sachsen-Anhalt, so liegt der Wert nur bei 23 Prozent. Dieser Trend besteht seit Jahren, viele Busfahrer erreichen also in den kommenden Jahren das Rentenalter.

Auf der anderen Seiten fehlt der Nachwuchs. Busfahrer, die in Rente gehen, können nicht sofort durch jüngere Kollegen ersetzt werden. Demzufolge dauert die Neubesetzung immer länger: 2015 vergingen im Schnitt 100 Tage, bis eine Bus- oder Straßenbahnfahrer-Stelle besetzt war, 2017 waren es schon 113 Tage. Damit sind die sogenannten "Vakanzzeiten" – also der Zeitraum, in der eine Arbeitsstelle nach einem Abgang wieder neu besetzt werden kann – insgesamt immer noch niedriger als der Durchschnitt in Sachsen-Anhalt. Dennoch deutet diese Entwicklung darauf hin, dass es zunehmend schwieriger wird, geeignetes Personal zu finden.

Große Konkurrenz für Busunternehmen

Karl Hülsmann, Präsident des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer, erklärte, dass die Branche zwar mit einer verantwortungsvollen Tätigkeit, Abwechslungsreichtum und einem sicheren Arbeitsplatz um neue Fahrer wirbt, es aber "auch bequemere Arbeiten" gibt. Zudem könnten die Kosten für einen Busführerschein in Höhe von 8.000 bis 10.000 Euro Interessenten abschrecken.

Tilman Wagenknecht vom Verband der Omnisbusunternehmer Sachsen-Anhalt ergänzt, jahrezehntelang konnte die Branche z.B. von der Bundeswehr neue Fahrer rekrutieren. Das sei jetzt nicht mehr möglich. "Auch ist die Konkurrenz zur Industrie sehr groß", so Wagenknecht. Ausländische Fahrer könnten eine Lösung für das Problem sein. Aber: "Die Sprachbarriere ist natürlich extrem. Es sind keine Lkw-Fahrer. Die Fahrer müssen mit Menschen umgehen, sie müssen Ortskenntnis besitzen und zuverlässig sein. Bis man einen Fahrer soweit hat, vergeht schon einige Zeit", sagt Wagenknecht.

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Quelle: dpa, MDR/mm/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 11. Januar 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2018, 19:08 Uhr

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8 Kommentare

12.01.2018 09:37 Lachner 8

Ich habe vor der Wende in einem Verkehrsbetrieb gearbeitet. Da war Busfahrer sein ein stolz machender Job. Und heute? In jeder Ecke müffelt es anders, abgesehen von Gewalt teilweise. Die Fahrer brauchten nicht kassieren usw. Und jetzt? Man stellt hauptsächlich Frauen ein. Warum wohl? Und wie in allen Branchen gibt es keine Leute. Dem demografischen Wandel geschuldet, der seit über 20 Jahren durch's Land geht und bekannt ist.

12.01.2018 09:32 Bingo 7

Wer ordendlich zahlt, findet auch Busfahrer .So einfach ist das.

11.01.2018 23:26 wilfried Polack 6

Wer will den schon mit einen Zeitarbeitsvertrag arbeiten. Stellt die Leute fest ein, dann bekommen die Busunternehmen auch Fahrer.

11.01.2018 22:53 Sammy4 5

Der Ruf eielt der Branche voraus. Ich selber bin Busfahrerin und habe den Beruf an den Nagel gehängt. Dienste , die ein Familienleben nicht zulassen . Von sozialem mal ganz abgesehen . Dazu kommt die schlechte Bezahlung. Sicherlich vom Bundesland abhängig,aber gibt es Firmen,wo man für den Mindestlohn arbeiten geht . Das heißt,190 bis 200 Stunden Lenkzeit. Ich vergass,dazu kommen noch gut 50 Stunden Dienstzeit ,die werden natürlich nicht bezahlt.

11.01.2018 22:35 Baldur von Ascanien 4

Zit."Ausländische Fahrer könnten eine Lösung für das Problem sein. "

Aha, und woher haben die 10tsd Euro, oder wird das wieder "gefördert", über Steuergelder?

11.01.2018 22:23 Anonym 3

Ich bin Busfahrer.
AZ: 4-8 Uhr und 17-21 Uhr !!!
Stundenlohn : 8,84 € Brutto Steuerklasse IV

Noch Fragen ????
Seid froh, wenn ihr heil zur Arbeit und wieder nach Hause kommt !
Die Krönung sind dann Fahrgäste mit Promille wie Netto = 2,4 Promille und 2,4 T€ Netto !!!

11.01.2018 21:32 Geismar4 2

Was verdient ein Busfahrer denn so?

Wenn man vorher erstmal einen Führerschein im Wert von bis zu 10.000 Euro machen muss?

11.01.2018 21:17 Verweigert Euch alle 1

Das Problem ist hausgemacht.
In anderen Branchen werden die Nachwuchskräfte im eigenen Betrieb - und AUF KOSTEN des Betriebs -ausgebildet und herangezogen.
Im Busgewerbe scheint das keine gängige Praxis zu sein. Die warten auf "fertige" Leute und zahlen denen dann auch noch Hungerlöhne.