Bislang keine Verbote Corona- Besuchsregeln in Krankenhäusern und Heimen können sich täglich ändern

Kevin Poweska
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Die Corona-Infektionszahlen steigen, auch in Sachsen-Anhalt. Nachdem im Frühjahr Krankenhäuser und Pflegeheime für Besucher geschlossen worden waren, kommt bei vielen Angehörigen die Frage auf: Droht wieder ein Besuchsverbot? MDR SACHSEN-ANHALT hat mit einigen Trägern von Krankenhäusern und Pflegeheimen gesprochen.

Ein Schild weist den Weg in den Besucherbereich des DRK Pflege- und Betreuungszentrums "Tor zur Altstadt".
Durch die steigenden Corona-Infektionszahlen kann es auch zu Besuchsverboten in Krankenhäusern und Heimen kommen. Bildrechte: dpa

Besuchsverbote in Krankenhäusern und Pflegeheimen hat es bereits während des Frühjahr-Lockdowns der Corona-Pandemie gegeben. Aktuell steigen die Corona-Zahlen auch in Sachsen-Anhalt wieder an – zum Teil auf Werte, die höher sind, als bei der ersten Coronawelle. Laut Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerium sind aktuell keine landesweiten Beschränkungen bei Besuchen in Heimen und Krankenhäusern geplant. Aber: "Einschränkungen aufgrund des Hausrechts sind möglich", erklärt Ministeriumssprecherin Ute Albersmann MDR SACHSEN-ANHALT auf Anfrage.

Besuchsverbot in Seehausen

Im Landkreis Stendal hat seit Montag das Diakoniekrankenhaus in Seehausen ein Besuchsverbot ausgesprochen. Der Grund: Steigende Corona-Infektionen in der Region. Stand Dienstag gab es im Landkreis zwar nur 13,5 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen, aber in der Region rund um Seehausen, die sonst von Corona bislang weitesgehend verschont geblieben wäre, seien vermehrt Coronainfektionen aufgetreten, erklärt Maria Theis, Geschäftsführerin der Klinik. Es hätte zum Beispiel ein Kürbisfest in der Nähe mit positiven Fällen gegeben und auch eine Kita in der Region sei wegen Corona geschlossen worden. "Wir wollten damit auf Nummer sicher gehen und haben uns die Entscheidung gut überlegt", erklärt die Geschäftsführerin. Theis wisse, dass sie damit für Kritik sorgen werde, dennoch wolle die Klinik diesen Weg gehen. "Wir wissen leider nicht immer, wer in unser Haus kommt", sagt Theis und erzählt von einer zweiten Eingangstür, die eigentlich zu ist, von Patienten zum Teil aber aufgemacht werde.

Das tut uns ja auch leid, dass die Menschen im Krankenhaus keinen Besuch mehr bekommen können. Wenn sich die Situation beruhigt, werden wir das umgehend wieder ändern.

Maria Theis, Geschäftsführerin des Diakoniekrankenhaus in Seehausen

Das Besuchsverbot diene dem Schutz der Patienten und Mitarbeiter, sagt Theis. "Wir sind ein kleines Haus und können uns Mitarbeiter in Quarantäne nicht leisten, erklärt sie. Die Dauer des Besuchsverbots sei erst einmal für zwei Wochen angesetzt. Wenn sich die Lage bis dahin verbessere, solle das Verbot wieder aufgehoben werden.

Uniklinik Halle muss Besuchsregelung eventuell anpassen

Aktuell gibt es im Universitätsklinikum Halle die Regel, dass ein Patient täglich maximal einen Besucher für eine Stunde empfangen darf. Die vier Krankenhäuser in Halle und die Universitätsklinik haben seit Mitte März trägerübergreifend einen gemeinsamen Corona-Krisenstab und beraten regelmäßig die aktuelle Corona-Lage. Im März hatten sie ein Besuchsverbot von rund elf Wochen beschlossen. In dieser Zeit gab es einzig für Partner werdender Mütter, Angehörige von Patienten auf Palliativstationen oder andere besondere Fälle Ausnahmeregelungen.

Ein Mann im Anzug und mit Brille schaut vor einer Wand stehend in die Kamera
Thomas Moesta weiß um die Verantwortung der Uniklinik in Halle. Bildrechte: Universitätsmedizin Halle

Das Universitätsklinikum Halle sieht sich für die kommende Zeit gut gewappnet: "Wir sind für eine zweite Coronawelle gut vorbereitet. Wir stimmen uns regelmäßig eng mit den vier lokalen Krankenhäusern sowie mit dem Pandemiestab der Stadt Halle ab", erklärt Thomas Moesta, Ärztlicher Direktor und Vorsitzender des Klinikumvorstands. Die Universitätsmedizin verfüge als einzige in Halle über spezielle Beatmungsmöglichkeiten für die Behandlung von schwer erkrankten Covid-19-Patienten. Laut Moesta kann es durch diese Tatsache möglicherweise zu Änderungen und Anpassungen der Besucherregelung im Verlauf der nächsten Wochen kommen. "Aber diesen Entwicklungen möchte ich nicht vorgreifen. Diese Entscheidungen werden wir gemeinsam auf Basis solider Zahlen und Fakten im Pandemiestab mit der Stadt Halle und den anderen Krankenhäusern vor Ort treffen", so Moesta.

Ameos-Kliniken reagieren situativ

Bei den sechs Ameos-Kliniken in Sachsen-Anhalt gibt es aktuell kein Besuchsverbot. Allerdings gilt auch hier allgemein die Regel: ein Patient, ein Besucher, eine Stunde pro Tag. Der Regionalgeschäftsführer von Ameos-Ost, Frank-Ulrich Wiener, erklärte im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT, dass die Besucherregelungen von der aktuellen Infektionslage abhängig seien.

Frank-Ulrich Wiener vor Schreibtisch
Die Ameos-Kliniken sind in engen Kontakt mit dem Gesundheitsamt. Bildrechte: MDR/Christian Uhlisch

"Wir haben eine Expertenkommissionen, die die Lage täglich neu beurteilt", sagte Wiener. Sie stehe stets im Austausch mit dem Salzlandkreis stehe, ihr gehörten alle ärztlichen Direktoren der Kliniken und ein Infektiologe an. "Die Kommission telefoniert regelmäßig – je nach Infektionslage ein bis zwei Mal täglich", so Wiener. Ein Besuchsverbot würde eng mit dem Gesundheitsamt abgesprochen werden. Als möglichen Grund für ein Besuchsverbot nannte Wiener beispielhaft einen Infektionsfall in einer Klinik, der zur Schließung eines ganzen Bereichs führe.

In der Vergangenheit habe es bislang nur vereinzelt Einschränkungen in den jeweiligen Standorten gegeben. "In Staßfurt hatten wir für fünf Tage ein komplettes Besuchsverbot, weil wir dort die Infektionsketten bei einem Patienten nachverfolgt haben", erklärte der Regionalgeschäftsführer. Ameos habe die Testergebnisse der betroffenen Personen zuerst abgewartet und erst dann wieder Besucher zugelassen. Ähnliche Fälle habe es auch in Aschersleben und Schönebeck gegeben.

Wenn es zu einem Fehlverhalten bei den Besuchern kommt, dann wird die Klinik für kurze Zeit geschlossen, um alles Notwendige zu klären.

Frank-Ulrich Wiener, Ameos

Sorgen macht Frank-Ulrich Wiener das Verhalten "einiger weniger Besucher", die sich nicht an die Hygiene-Regeln in den Klinken hielten. Besucher müssen sich in Listen eintragen, Mund-Nasen-Schutz tragen sowie die Hände desinfizieren. "Es kann dazu kommen, dass alle darunter leiden müssen, weil uneinsichtige Personen mit uns über die Maßnahmen diskutieren wollen und diese einfach nicht einhalten", so Wiener. Bisher habe es nur Einzelfälle gegeben. Diese hatten Besuchsverbot zur Folge.

AWO-Pflegeeinrichtungen mit individuellen Lösungen

In den Einrichtungen des AWO-Landesverbands gibt es im Moment kein Besuchsverbot. Wie Katrin Köppe, Geschäftsführerin der AWO Soziale Dienste Sachsen-Anhalt sagte, gilt weiter die strikte Einhaltung der Hygieneregelungen.

Wir tun alles dafür um eine Lockdown-Situation mit Besuchsverboten in unseren Einrichtungen  zu vermeiden – insbesondere aufgrund der Vereinsamung der Bewohner.

Katrin Köppe, AWO Soziale Dienste Sachsen-Anhalt
Altenheim
Bei der AWO kommen auch sogenannte Besucherlotsen zum Einsatz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Geschäftsführerin erklärte, dass es im Moment spezielle Besuchszeiten gebe. Im Einzelfall seien aber Abweichungen möglich. In einer Magdeburger Einrichtung dürfen demnach zwei Besucher gleichzeitig kommen, jedoch mit der Bedingung die Kontaktdaten zu hinterlassen.

Die Einrichtungen würden die Situation zum Teil auch individuell lösen. "Eine Bernburger Einrichtung hat wegen der Pandemie die Stelle des Besucherlotsen eingerichtet", so Köppe. Dabei handele es sich um Personal, das die Besuche durchplane und auch zugleich Ansprechpartner für Besucher sei, zum Beispiel bei Hygienefragen.

Kevin Poweska
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Über den Autor Kevin Poweska arbeitet trimedial im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT. Aktuell ist er im fünften Semester seines Bachelor-Studiengangs Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Während seines Studiums absolvierte er bereits ein Praktikum bei der Braunschweiger Zeitung. In seiner Freizeit ist Kevin gerne sportlich aktiv: Seine Hauptambitionen liegen in den Sportarten Basketball, Tennis und Fußball - aber auch da probiert er sich gerne immer wieder neu aus. Zudem ist er journalistisch sportlich voll dabei: Kevin führt einen Blog zu den Deutschen Tennisherren und steht dabei mit den Spielern für Postgame-Interviews in regem Kontakt.

Quelle: MDR/pow

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 22. Oktober 2020 | 19:00 Uhr

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