Datenanalyse zur Coronavirus-Pandemie Rückgang der Corona-Fallzahlen gerät immer mehr ins Stocken

Manuel Mohr
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In den vergangenen Tagen stagnierte vielerorts die 7-Tage-Inzidenz. Welche Gründe es dafür gibt und warum wir wohlmöglich erneut an einem Fallzahl-Wendepunkt stehen, das und mehr im aktuellen Corona-Daten-Update.

Bei einem jungen Mann wird von einem medizinischen Mitarbeiter in voller Schutzkleidung ein Corona-Test mittels Nasenabstrich durchgeführt. Im Vordergrund steht der Text "Corona-Daten-Update".
Zuletzt stieg die Zahl der positiven Corona-Tests wieder leicht an. Bildrechte: IMAGO / Xinhua

Die aktuelle Lage

Guten Tag zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Im Vergleich zu den Vorwochen hat sich der Rückgang der Fallzahlen je nach Region zuletzt nur schleppend fortgesetzt oder ist sogar komplett zum Erliegen gekommen. Deutschlandweit ist die 7-Tage-Inzidenz seit Wochenbeginn kaum weiter gesunken. In Sachsen-Anhalt stieg sie sogar wieder leicht an:

Die 7-Tage-Inzidenz ist momentan eine der wichtigsten Kennzahlen in der Corona-Pandemie. Der Wert verdeutlicht, wie stark Corona-Infektionen innerhalb der Bevölkerung in einer bestimmten Region verbreitet sind. Dazu wird die Summe aller neuen Corona-Fälle innerhalb von sieben Tagen auf 100.000 Einwohner umgerechnet. Damit lässt sich auch das Infektionsgeschehen in verschiedenen Regionen vergleichen.

Auch in den meisten Regionen Sachsen-Anhalts sind die 7-Tage-Inzidenzen zuletzt wieder leicht gestiegen, einzige Ausnahme ist momentan noch der Landkreis Stendal:

Intensivfälle weiter rückläufig

Aufgrund der bis zuletzt sinkenden Fallzahlen hat sich die Lage auf den Intensivstationen ein wenig verbessert. Deutschlandweit wurden am vergangenen Wochenende noch etwa 3.450 Menschen aufgrund einer COVID-19-Erkrankung intensivmedizinisch behandelt. Mittlerweile ist der Wert auf rund 3.100 gesunken. Ein vergleichbares Bild zeigt sich auch in Sachsen-Anhalt, wo die Zahl der Intensivfälle erstmals seit Mitte Dezember wieder unter 100 gefallen ist:

RKI: Mutationen sorgen für stagnierende Fallzahlen

Am Freitag erklärte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, dass die Corona-Infektionszahlen aktuell auf einem Niveau stagnieren, das "immer noch zu hoch" sei. Und warnte gleichzeitig davor, dass dies womöglich ein Wendepunkt sei. Grund dafür sei, dass sich die zunächst in Großbritannien entdeckte Virus-Mutation "B.1.1.7" immer weiter in Deutschland ausbreite.

Der Anteil unter den neuen Infektionen liege jetzt schon bei knapp 25 Prozent und werde sich weiter ausbreiten. Die Bekämpfung der Pandemie sei so noch schwieriger. Daher würde jede unbedachte Lockerung die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus beschleunigen und Deutschland in der Pandemie-Bekämpfung zurückwerfen. "Dann stehen wir in ein paar Wochen genau wieder an dem Punkt, wo wir Weihnachten waren."

In Sachsen-Anhalt sind nach Angaben des Sozialministeriums bislang 64 Corona-Fälle mit einer der aktuell im Fokus stehenden Mutationen offiziell registriert wurden. Hauptsächlich handelte es sich dabei um die B.1.1.7-Variante, die auch deutschlandweit am verbreiteten ist.

Ebenfalls zur Vorsicht mahnte am Freitag auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und verwies erneut auf das Impfangebot, das nach schleppendem Start in den kommenden Wochen weiter Fahrt aufnehmen sollen. Zudem soll auch das Angebot für Schnell- und Selbsttests deutlich ausgeweitet werden.

Kleine Stellschrauben schneller als große Maßnahmen

Für den Leiter des Instituts für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Uniklinikum Magdeburg, Prof. Achim Kaasch, sind neben den "großen Maßnahmen" wie Impfen und Schnelltests in der aktuellen Situation auch die "kleinen Stellschrauben" wichtig. Auf Twitter sprach er sich dafür aus, die aktuelle Teststrategie anzupassen und wieder mehr Menschen zu testen:

MDR SACHSEN-ANHALT sagte Kaasch, dass die "großen Maßnahmen" immer mit einem gewissen zeitlichen Vorlauf verbunden seien. Durch die jetzt aufkommenden neuen Virus-Varianten müssten Infektionsketten daher effektiver unterbrochen werden, um das Infektionsgeschehen weiter zurückdrängen zu können.

"Wichtig ist mir, dass wir uns der Lücken im System bewusst werden und auch kleine Verbesserungen machen. Beim aktuellen Handlungsdruck können wir nicht auf die großen Maßnahmen warten. Gerade in einem Land wie Sachsen-Anhalt, das nicht so große Ressourcen hat, müssen die kleinen Maßnahmen optimiert werden."

Prof. Achim Kaasch Leiter des Instituts für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Uniklinikum Magdeburg

Kaasch zufolge müsse alles daran gesetzt werden, um eine dritte Infektionswelle zu verhindern. Die Mischung einer Corona-müden Bevölkerung mit sich rasch ausbreitenden Virusvarianten sei brandgefährlich.

Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Deutschland finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

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Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
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MDR, Manuel Mohr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 19. Februar 2021 | 17:00 Uhr

9 Kommentare

Ritter Runkel vor 7 Tagen

Deutschland war mal ein Land, in dem der Bürger Rechte hatte, die nicht zur Diskussion standen.
Seit einem Jahr haben wir statt Bürgerrechten irgendwelche Regeln, die sich nahezu im Wochentakt ändern.
Ursprünglich hieß es, geht nur darum, das Gesundheitssystem und vor allem die Intensivstationen vor der Überlastung zu schützen, wovon wir weit entfernt sind. Dann hat man die Verdoppelungszahlen, den R-Faktor, die Inzidenz, das Sequenzieren, die Mutationen erfunden - alles moving targets.
Es fehlt jetzt eigentlich nur noch die Absage von Wahlen - wegen der Gesundheit natürlich.
Und jeder, der das dann nicht gut findet, ist im besten Fall ein "Covidiot".

Ritter Runkel vor 7 Tagen

Testzahlen erscheinen nicht selten erst Tage später im Meldesystem.
Unregelmäßigkeiten in der Vergangenheit haben gezeigt, dass vieles, wenn überhaupt, erst mit deutlicher zeitlicher Verzögerung den Weg ins Meldesystem findet.

Heimatloser vor 7 Tagen

Ritter Runkel,
in was für eine Welt leben wir? Denke Sie mal nach.Allein das ist eine Antwort
auf ihren Kommentar.Es hilft kein Jammern und Klagen.Die Möglichkeit etwas zu
ändern ist uns nicht gegeben.Was bleibt? Leiden und hoffen.Und dies sehr wahrscheinlich länger als angenommen.Begreifen Sie doch.Die Welt-Politik hat sich verändert.Nur nicht zum Nutzen der Menschheit auf dieser Welt.Wir werden
sicher noch etliche n-Erfahrungen hinnehmen müssen.
Ihren Kommentar ordner ich positiv ein.
Guten Abend

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