Datenanalyse zur Coronavirus-Epidemie Corona-Fallzahlen steigen weiter an, doch je nach Region unterschiedlich stark

Manuel Mohr
Bildrechte: BR/Philipp Kimmelzwinger

Deutschlandweit steigen die Corona-Fallzahlen immer rasanter an. Welche Städte und Landkreise von diesem dynamischen Infektionsgeschehen größtenteils noch nicht betroffen sind, das und mehr im Corona-Daten-Update.

Nahaufnahme eines Corona-Teststäbchen, das von zwei Händen in Schutzhandschuhen aus der Verpackung gelöst wird.
Deutschlandweit stieg die Zahl der positiven Coronatests in den vergangenen Tagen deutlich an. Bildrechte: MDR/Unsplash/mufid majnun

Die aktuelle Lage

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. In den vergangenen Tagen ist deutschlandweit die Zahl der täglich gemeldeten Corona-Fälle deutlich angestiegen. Allein von Donnerstag zu Freitag wurden über 7.300 neue Infektionen registriert. Die Werte liegen damit sogar über den Spitzenwerten aus der Anfangsphase der Pandemie in Deutschland. Allerdings gilt es zu beachten, dass die Teststrategie seitdem mehrfach angepasst wurde und wöchentlich mehr Tests durchgeführt werden, weshalb die Zahlen nicht uneingeschränkt vergleichbar sind.

Wichtig ist daher auch der Blick auf die Zahl der positiven Corona-Tests unter allen durchgeführten Tests. Seit Mitte August werden in Deutschland wöchentlich rund 1,1 Millionen Tests durchgeführt. Während davon zunächst nur etwa 8.000 bis 9.000 positiv waren (Positivrate: 0,74 – 0,84 Prozent), stieg deren Anzahl zuletzt auf 29.000 an (Positivrate: 2,48 Prozent). Unter vergleichbaren Testbedingungen wurden in den vergangenen Wochen also deutlich mehr Infektionen festgestellt:

Grafik zum Durchklicken: Zahl der Tests, Zahl der positiven Test, Positivrate

Die Zahl der täglich gemeldeten Todesfälle, die mit einer COVID–19-Erkrankung in Verbindung stehen, sowie die Zahl der Corona-Intensivpatienten ist in den vergangenen Tagen bundesweit deutlich gestiegen. Zudem stecken sich nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wieder vermehrt ältere Menschen an. Deshalb wird angenommen, dass die Anzahl der schweren Fälle und Todesfälle zunehmen wird. Darüber hinaus werden wieder vermehrt COVID–19-bedingte Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen gemeldet.

So stark unterscheidet sich das regionale Infektionsgeschehen

In Berlin und Bremen ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) bereits seit Ende September ein starker Anstieg der sogenannten 7-Tage-Inzidenz zu beobachten. Deutlich erhöht sind die Werte aktuell ebenfalls in Hessen, Nordrhein-Westfalen und im Saarland. In den meisten Regionen handelt es sich um ein diffuses Geschehen mit vermehrten Ausbrüchen in Zusammenhang mit privaten Feiern im Familien- und Freundeskreis.

Was ist die 7-Tages-Inzidenz?

Der Wert der 7-Tages-Inzidenz gibt an, wie viele neue Corona-Infizierte je 100.000 Einwohner es in den jeweils vergangenen sieben Tagen gab. So lässt sich nachvollziehen, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt hat. Für die 7-Tages-Inzidenz gibt es zwei Schwellenwerte: Der erste liegt bei 35, der zweite bei 50. Was passiert, wenn eine Region die Werte erreicht, entscheiden das Robert Koch-Institut und Politikerinnen und Politiker. Während der Schwellenwert von 35 eher eine Art Warnwert ist, können ab dem Wert von 50 Politikerinnen und Politiker Maßnahmen ergreifen.

Deutlich moderater ist die Situation – aktuell noch – in Sachsen-Anhalt. Während am Freitagmorgen deutschlandweit der Inzidenzwert aller Bundesländer auf durchschnittlich 34 stieg, lag er in Sachsen-Anhalt bei 8. Doch auch hier gibt es je nach Region deutliche Unterschiede. Während Anhalt-Bitterfeld, der Salzlandkreis, Mansfeld-Südharz und der Altmarkkreis Salzwedel zu den Landkreisen mit den deutschlandweit niedrigsten Inzidenzen gehören, ist das Infektionsgeschehen in Halle und Dessau-Roßlau mit Werten knapp unter 20 deutlich erhöht. Grund dafür waren unter anderem Infektionsfälle von Reiserückkehrern aus dem Schwarzwald sowie Ost- und Südeuropa.

Darüber hinaus gab es neue Corona-Fälle unter Schüler und Lehrern. Am Freitagnachmittag wurden allerdings gleich 77 neue Corona-Fälle in Sachsen-Anhalt bekannt, die meisten davon in Halle (27) und Magdeburg (14). Die 7-Tage-Inzidenzen der beiden Städte werden demnach ab morgen deutlich höher liege als bisher. In den übrigen Regionen gab es hingegen nur vereinzelte oder sogar gar keine neuen Fallmeldungen.

Auch in Sachsen und Thüringen ist ein erhöhtes, aber regional differenziertes Infektionsgeschehen zu beobachten. In Sachsen liegt der Erzgebirgskreis seit Tagen über dem kritischen Wert von 50 neuen Infektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen, die Stadt Zwickau liegt wieder knapp darunter. In Thüringen ist nach RKI-Angaben der Kreis Sömmerda knapp unterhalb der Grenze. Die Stadt Weimar hingegen verzeichnet zuletzt keine neuen Corona-Fälle, die Inzidenz lag am Freitag damit bei 0.

Wie sich die übrigen Fallzahlen entwickelt haben, können Sie wie gewohnt den folgenden Abschnitten entnehmen.

Daten-Update Sachsen-Anhalt

• Aktuell Infizierte (Schätzung): 442
• Gesamtzahl (Schätzung) der genesenen Patienten: 2.624
• Genesene Patienten (Schätzung) seit gestern: +20

• Gesamtzahl der Infektionen: 3.137
• Neuinfektionen seit gestern: +77

• Todesfall-Gesamtzahl im COVID-19-Zusammenhang: 71
• Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: +0

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 11
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 5

Datenquellen für Sachsen-Anhalt:

Was bleibt – der MDR SACHSEN-ANHALT Wochenrückblick

Ein zweigeteiltes Bild. Auf der linken Seite sind mehrere jüngere Menschen zu sehen, die um einen Sarg mit einer Discokugel stehen. Auf der rechten Seite sind spielende Kinder im Sandkasten zu erkennen.
Bildrechte: MDR/ Guido Hensch / dpa
Ein zweigeteiltes Bild. Auf der linken Seite sind unzählige gelbe Fässer in einem Tagebau zu sehen und auf der rechten Seite sind zahlreiche Masken auf einem Haufen erkennbar.
Bildrechte: imago images/Dean Pictures
Alle anzeigen (73)

Daten-Update Sachsen

• Aktuell Infizierte (Schätzung): 2.359
• Gesamtzahl (Schätzung) der genesenen Patienten: 7.200
• Genesene Patienten (Schätzung) seit gestern: 80

• Gesamtzahl der Infektionen: 9.819
• Neuinfektionen seit gestern: 406

• Todesfall-Gesamtzahl im COVID-19-Zusammenhang: 260
• Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: 3

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 45
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 25

Datenquellen für Sachsen:

Daten-Update Thüringen

• Aktuell Infizierte (Schätzung): 539
• Genesene Patienten laut offiziellen Meldungen: 4032
• Genesene Patienten seit gestern: 53

• Gesamtzahl der Infektionen: 4769
• Neuinfektionen seit gestern: 90

• Todesfall-Gesamtzahl im COVID-19-Zusammenhang: 198
• Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: 2

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 14
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 4

Datenquellen für Thüringen:

Daten-Update Deutschland und weltweit

• Aktuell Infizierte (Schätzung): 51.223
• Gesamtzahl (Schätzung) der genesenen Patienten: 287.600
• Genesene Patienten (Schätzung) seit gestern: +3.000

• Gesamtzahl der Infektionen: 348.557
• Neuinfektionen seit gestern: +7.334

• Todesfall-Gesamtzahl im COVID-19-Zusammenhang: 9.734
• Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: +24

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 689
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 341

Datenquellen für Deutschland:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Zum Schluss empfehlen wir Ihnen noch unseren Newsletter zum Thema: In unserem Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihr Postfach. Hier geht es zur Anmeldung.

Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
Bildrechte: MDR | Grafik Florian Leue/Martin Paul

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 16. Oktober 2020 | 19:00 Uhr

6 Kommentare

Grosser Klaus vor 5 Tagen

Entscheidend ist immer noch:
1. Wieviele Erkrankte gibt es?
2. Wie schwer ist die Erkrankung, wie sind die Krankheitsverläufe?
3. Wieviele Neuinfizierte, wieviele Genesene gibt es?
4. Wie hoch ist die Dunkelziffer von Neuinfizierten und von Genesenen?
5. Wie sind die Infektionswege bzw. die Infektionsketten?
Angst und Panik sind nun mal ein schlechter Ratgeber.

Grosser Klaus vor 6 Tagen

Ja und? Wenn nur wenige erkranken und fast niemand stirbt, dann ist das eben so. Wenn so viele Tests gemacht werden, dann steigen eben die bekannt gewordenen Fälle. Das bedeutet nicht unbedingt eine Gefahr. Aber wenn das RKI keine vernünftigen Studien hat, dann bleibt es eben bei diesen sinnlosen Warnungen. So bleibt die Corona-Politik schädlich!

Grosser Klaus vor 6 Tagen

Es ist sehr zu begrüßen, dass unverhältnismäßige Maßnahmen von den Gerichten kassiert werden. Wenn wir schon keine Demokratie mehr sind, dann wenigstens ein Rechtsstaat.

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