Datenanalyse zur Coronavirus-Pandemie Corona-Fallzahlen stehen vor richtungsweisender Woche

Manuel Mohr
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Momentan sind die Corona-Fallzahlen wegen der Feiertage nur bedingt aussagekräftig. Mit jedem weiteren Tag wird nun aber deutlicher, in welche Richtung sich das Infektionsgeschehen über Weihnachten und den Jahreswechsel entwickelt hat. Wie die Lage in Ihrer Region ist, das und mehr im aktuellen Corona-Daten-Update.

Auf dem Foto zu sehen ist ein medizinischer Mitarbeiter, der in seiner OP-Kleidung auf einem Flur hockt. Der Hintergrund ist sehr dunkel, der Mann selbst wird vom Sonnenlicht durch ein Fenster angestrahlt. Im Vordergrund steht der Schriftzug "Corona-Daten-Update".
In den kommenen Tagen wird deutlich, wie sich das Infektionsgeschehen nach Weihnachten und Silvester weiterentwickeln wird. Bildrechte: MDR/Unsplash/mullyaddi

Die aktuelle Lage

Guten Abend zur ersten Ausgabe des Corona-Daten-Updates im Jahr 2021. Das Infektionsgeschehen rund um das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 zu beschreiben, ist angesichts der aktuellen Datenlage nur bedingt möglich. Denn zuletzt schwankte die tägliche Zahl der neu gemeldeten Corona-Fälle sehr stark. Grund dafür ist, dass seit Weihnachten – so die Annahme des Robert Koch-Instituts (RKI) – weniger Personen einen Arzt aufgesucht haben und damit auch weniger Corona-Tests durchgeführt werden konnten.

Das wiederum würde dann zu weniger Meldungen an die Gesundheitsämter führen. Diese Annahme findet sich in der wöchentlichen Zahl der durchgeführten Corona-Tests wieder. Waren es Mitte Dezember in der Kalenderwoche (KW) 51 noch über 1,6 Millionen Tests deutschlandweit, halbierte sich die Zahl bis zur KW 53 (28.12.2020 – 03.01.2021):

Wie sich das Infektionsgeschehen also über Weihnachten und den Jahreswechsel in Deutschland und damit auch in Sachsen-Anhalt weiterentwickelt hat, wird frühestens in der kommenden Woche richtig deutlich. Erst dann sind Test- und Meldesystem wieder auf Vorweihnachtsniveau und die daraus hervorgehenden Fallzahlen wieder voll aussagekräftig.

Situation nach wie vor angespannt

Mit den eingangs genannten Einschränkungen im Hinterkopf stellt sich die Situation in Sachsen-Anhalt momentan wie folgt dar: Die 7-Tage-Inzidenz – also die Zahl der neuen Fälle auf 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche – liegt mit rund 190 immer noch deutlich über dem deutschlandweiten Schnitt von 136,5. Regional betrachtet sind die Werte momentan im Landkreis Mansfeld-Südharz sowie der Stadt Halle am höchsten:

Ziel der aktuellen Eindämmungsmaßnahmen ist nach wie vor, diese Werte flächendeckend auf unter 50 zu drücken, damit das Infektionsgeschehen wieder nachvollziehbar und beherrschbar wird. Liegen die Werte in einer Region für fünf oder mehr Tage über dem Wert von 200, so sind neuerdings Einschränkungen des Bewegungsradius auf 15 Kilometer um den Wohnort zu erlassen.

Die Zahl der Menschen, die aufgrund eines schweren COVID-19-Verlaufs intensivmedizinisch behandelt werden müssen, ist seit dem Jahreswechsel sowohl deutschlandweit als auch in Sachsen und Thüringen leicht gesunken. In Sachsen-Anhalt ist diese Entwicklung erst seit Mitte der Woche zu beobachten, sodass noch unklar ist, ob sich der Trend der anderen Länder auch hier zeigen wird.

Deutlich gestiegen hingegen ist die Zahl der Sterbefälle in COVID-19-Zusammenhang. Allein im Zeitraum vom 17. bis 31. Dezember starben mehr Menschen an oder mit einer Infektion als im Zeitraum Ende März bis Mitte Dezember.

Laut Statistischem Landesamt Sachsen-Anhalt starben nach bisherigen Meldungseingängen im November 6 Prozent mehr Personen als im Durchschnitt der Vorjahresmonate 2016 bis 2019. Im Dezember 2020 waren es nach bisherigem Stand sogar 20 Prozent mehr. Damit wurde im Dezember die höchste Übersterblichkeit im Pandemiejahr 2020 erreicht.

Noch weiter Weg bis zur Herdenimmunität

Bei der Ende Dezember angelaufenen Impfkampagne steht Sachsen-Anhalt momentan vergleichsweise gut da. Bezogen auf die Einwohnergröße liegt der Anteil derjenigen, die bereits die erste von zwei Impfdosen erhalten haben, deutlich über dem deutschlandweiten Durchschnitt:

Bis allerdings große Teile der Bevölkerung einen vollständigen Impfschutz haben, wird es noch eine Weile dauern. Denn bis die sogenannte Herdenimmunität eintritt, also genügend Menschen immun sind und sich der Virus nicht mehr so schnell ausbreiten kann, müssen Schätzungen zufolge 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung zweifach geimpft werden. In Sachsen-Anhalt wären das 1,3 bis 1,5 Millionen Menschen und entsprechend 2,6 bis 3 Millionen Impfdosen.

Am 25. Januar beraten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder über die aktuellen Eindämmungsmaßnahmen und das weitere Vorgehen. Die Datenlage sollte bis dahin wieder die Aussagekraft der Vorweihnachtszeit erreicht haben.

Mobilität über Weihnachten gesunken

Ein Hoffnungsschimmer für sinkende Fallzahlen und erste vorsichtige Lockerungen ab Februar könnte in der jüngsten Auswertung von Mobilitätsdaten stecken. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte, haben die Regelungen zur Kontaktreduzierung das Verhalten an Weihnachten und Silvester maßgeblich verändert. Die Mobilität der Bevölkerung an den Weihnachtstagen 2020 ist demnach deutschlandweit durchschnittlich um 14,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Das geht aus einer Sonderauswertung anonymisierter Mobilfunkdaten hervor.

Im folgenden Video können Sie die Eckdaten der neuesten Auswertung sowie die Einschätzung des RKI dazu sehen und nachvollziehen:

Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Deutschland finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Zum Schluss empfehlen wir Ihnen noch unseren Newsletter zum Thema: In unserem Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen, was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihr Postfach. Hier geht es zur Anmeldung.

Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
Bildrechte: MDR | Grafik Florian Leue/Martin Paul

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 08. Januar 2021 | 19:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Sachsen-Anhalt