Corona-Daten-Update 29.05.2020 Kaum noch neue Corona-Infektionen in Sachsen-Anhalt

Manuel Mohr
Bildrechte: BR/Philipp Kimmelzwinger

In dieser Woche sind die Corona-Fallzahlen weiter gesunken. Wie genau die Corona-Lage in Ihrer Region ist, das und mehr im wöchentlichen Corona-Daten-Update.

Illustration eines Corona-Tests eines Arztes an einem Patienten.
Deutschlandweit ist das Corona-Infektionsgeschehen mit wenigen Ausnahmen momentan rückläufig. Bildrechte: MDR/Unsplash/United Nations COVID-19-Response

Guten Abend zur neuen Ausgabe des Corona-Daten-Updates mit den neuesten Entwicklungen. Aus Datensicht kann ich Ihnen an dieser Stelle gleich eine Reihe von positiven Entwicklungen präsentieren, auf die ich jeweils kurz eingehen möchte.

Beginnen wir mit der täglichen Zahl der neuen Infektionen. In den vergangenen sieben Tagen wurden deutschlandweit täglich zwischen 300 und 750 neue Corona-Fälle registriert, durchschnittlich waren es rund 460. In der Woche davor lag dieser Durchschnittswert noch bei 580.

In Sachsen-Anhalt ist das Infektionsgeschehen fast vollständig zum Erliegen gekommen. In den zurückliegenden sieben Tagen wurden insgesamt nur noch 11 neue Infektionen registriert, das sind rund 1,6 pro Tag. Damit sind die durchschnittlichen Neuinfektionen pro Tag bereits seit Anfang Mai im einstelligen Bereich. Im Landkreis Jerichower Land wurde zuletzt einen Monat lang sogar gar keine neue Infektionen nachgewiesen.

Eine Konsequenz der sinkenden Neuinfektionen ist auch die Tatsache, dass die vor einigen Wochen beschlossene Neuinfektions-Obergrenze (50 Fälle pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche) momentan – mit wenigen Ausnahmen – von allen kreisfreien Städten und Landkreisen nicht überschritten wird.

Neue Infektions-Obergrenze in Sachsen-Anhalt

Bei den Regionen mit aktuell erhöhtem Infektionsgeschehen ist das Ausbruchsgeschehen meistens auf einen konkreten Anlass zurückzuführen, beispielsweise auf einer geschlossenen Gesellschaft in einem wiedereröffneten Restaurant im Landkreis Leer. Nach wie vor treten zudem Ausbrüche in fleischverarbeitenden Betrieben auf, die zum Teil zu Schließungen der Produktion geführt haben.

In Sachsen-Anhalt wurde zudem jüngst angekündigt, dass die Obergrenze auf 10 Fälle pro 100.000 Einwohner gesenkt wird. Spätestens bei Überschreiten dieser Grenze werden zwischen Gesundheitsamt, dem Landesamt für Verbraucherschutz und dem Sozialministerium Eindämmungsmaßnahmen für die betroffene Region abgestimmt und eingeleitet.

Erfreulich ist auch die Tatsache, dass bundesweit immer weniger COVID-19-Patienten auf einer Intensivstation behandelt und zum Teil auch beatmet werden müssen:

Wie sich die weiteren Infektionszahlen entwickelt haben, können Sie wie gewohnt den folgenden Abschnitten entnehmen.

Daten-Update Sachsen-Anhalt

• Gesamtzahl der Infektionen: 1.704
• Neuinfektionen seit gestern: +1
• 7-Tage-Durchschnitt der täglichen Neuinfektionen: 2

• Gesamtzahl (Schätzung) der genesenen Patienten: 1.596
• Genesene Patienten (Schätzung) seit gestern: +5
• Aktuell Infizierte (Schätzung): 53

• Todesfall-Gesamtzahl im COVID-19-Zusammenhang: 55
• Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: +/-0

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 6
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 6

Datenquellen für Sachsen-Anhalt:

Daten-Update Sachsen

• Gesamtzahl der Infektionen: 5.290
• Neuinfektionen seit gestern: +7
• 7-Tage-Durchschnitt der täglichen Neuinfektionen: 11

• Gesamtzahl (Schätzung) der genesenen Patienten: 4.830
• Genesene Patienten (Schätzung) seit gestern: +20
• Aktuell Infizierte (Schätzung): 247

• Todesfall-Gesamtzahl im COVID-19-Zusammenhang: 213
• Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: +2

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 37
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 14

Datenquellen für Sachsen:

Daten-Update Thüringen

• Gesamtzahl der Infektionen: 3.010
• Neuinfektionen seit gestern: +38
• 7-Tage-Durchschnitt der täglichen Neuinfektionen: 21

• Genesene Patienten laut offiziellen Meldungen: 2.370
• Genesene Patienten seit gestern: +162
• Aktuell Infizierte (Schätzung): 478

• Todesfall-Gesamtzahl im COVID-19-Zusammenhang: 162
• Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: +1

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 20
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 6

Datenquellen für Thüringen:

Daten-Update Deutschland

• Gesamtzahl der Infektionen: 180.458
• Neuinfektionen seit gestern: +741
• 7-Tage-Durchschnitt der täglichen Neuinfektionen: 464

• Gesamtzahl (Schätzung) der genesenen Patienten: 164.100
• Genesene Patienten (Schätzung) seit gestern: +900
• Aktuell Infizierte (Schätzung): 7.908

• Gesamtzahl der Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang: 8.450
Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: +39

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 730
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 425

Datenquellen für Deutschland:

Was wir anhand von Corona-Daten wissen

Wie werden Corona-Fälle überhaupt gezählt?

Ein Arzt oder ein Labor stellt mittels eines Testverfahrens (zum Beispiel Rachenabstrich) bei einem Patienten die Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 fest. Ein positives Testergebnis muss dem jeweils zuständigen Gesundheitsamt innerhalb von 24 Stunden gemäß Meldepflichtverordnung mitgeteilt werden.

Die so eingehenden Fälle werden von den zuständigen Gesundheitsämtern elektronisch an die zuständigen Landesbehörden und von dort spätestens am nächsten Arbeitstag ans Robert-Koch-Institut (RKI) übermittelt. Nach und nach tauchen neue Corona-Infektionen entlang dieser Meldekette zuerst in den Statistiken der lokalen Behörden und etwas später dann in denen der regionalen und bundesweiten Meldestellen auf.

Warum unterscheiden sich die Fallzahlen je nach Quelle?

Durch die eben beschriebene Meldekette kann es bei der Übermittlung zu einem Zeitverzug von einigen Stunden bis hin zu einigen Tagen kommen. Vorsicht also, wenn Sie beispielsweise die Angaben einer Landesbehörde am selben Tag noch mit den RKI-Zahlen für das gleiche Bundesland vergleichen.

Oder wenn die Angaben eines Landkreises höher sind als die der Landesbehörden. Schnell ist man da beim berühmten Vergleich von Äpfeln und Birnen. Das Vorgehen aller Institutionen ist legitim und durchaus nachvollziehbar, führt aber immer wieder dazu, dass in der Öffentlichkeit verschiedene Zahlen kursieren.

Welche Daten nutzen wir für das tägliche Corona-Daten-Update?

Um Sie möglichst umfangreich zu informieren, nutzen wir verschiedene Quellen. Bei der aktuellen Lage aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen greifen wir auf die jeweils neuesten landesweiten Zahlen zurück, die den MDR-Redaktionen in Magdeburg, Dresden und Erfurt am frühen Abend vorliegen.

In Sachsen-Anhalt sind das die Daten des Sozialministeriums, die zwei Mal pro Tag aktualisiert werden. Aus Sachsen stammen die Zahlen ebenfalls vom dortigen Sozialministerium und werden immer mittags aktualisiert. Da die Thüringer Landesregierung bereits immer am Vormittag das einzige Update des Tages veröffentlicht, erheben unsere Kollegen von MDR THÜRINGEN bis zum Abend selbst neue Fallzahlen, die einzelne Landkreise und Städte im Tagesverlauf veröffentlichen.

Um die Entwicklung der Corona-Daten auf Landes- und Kreisebene von Beginn an zu zeigen, verwenden wir ausschließlich Daten des RKI. Diese werden zwar nur einmal täglich aktualisiert, dafür aber aufgrund des Meldeverfahrens immer einheitlich. Sie sind deshalb für Vergleiche und das Betrachten von zeitlichen Entwicklungen gut geeignet.

Das RKI ist ebenfalls unsere Quelle für die deutschlandweiten Zahlen, die weltweiten stammen von der Johns-Hopkins-Universität (JHU) aus den USA. Mithilfe dieser Quellen ist es uns möglich, Ihnen einerseits sehr aktuelle Fallzahlen auf Bundesland- und Kreisebene und andererseits längerfristige Trends und Entwicklungen zu zeigen.

Welche Rolle spielen Alter und Geschlecht bei Corona-Infektionen und -Todesfällen?

Das Durchschnittsalter eines Infizierten in Deutschland liegt momentan bei knapp unter 50 Jahren. Die Altersgruppe der 35- bis 59-Jährigen ist bislang am häufigsten von Infektionen betroffen. Allerdings: Über 80 Prozent aller bislang in Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion Verstorbenen waren über 70 Jahre alt. Auch wenn nur etwa jeder zehnte Infizierte über 70 ist, so sind beinahe 9 von 10 Verstorbenen über 70 – und damit besonders gefährdet.

Das Verhältnis bei den Infektionsfällen ist zwischen Männern und Frauen fast ausgeglichen. Bei den Verstorbenen hingegen sind die Mehrheit Männer – und das, obwohl je älter die Menschen in Deutschland werden, der Anteil der Frauen umso höher ist. Männer im hohen Alter sind also – obwohl es sie seltener gibt – häufiger unter den Verstorbenen.

Warum ist bei Corona-Fällen auch immer die Einwohnerzahl wichtig?

Einwohnerzahlen sind wichtig, weil sie reine, absolute Fallzahlen in Bezug zur Bevölkerung setzen und Daten damit besser vergleichbar machen. Ein Beispiel dazu aus der Kriminologie: 2018 wurden in Berlin etwa 30.000 Fahrräder als gestohlen gemeldet. In Halle waren es hingegen nur rund 3.600. In absoluten Zahlen waren Berliner also weitaus stärker betroffen. Berücksichtigt man nun aber die verschiedenen Einwohnerzahlen – relativiert also die Fallzahlen – ergibt sich ein anderes Bild: Auf 100.000 Einwohner kommen demnach rund 1.500 Fälle in Halle und etwa 830 in Berlin.

Mithilfe dieser sogenannten Häufigkeitszahl ist es uns möglich, die Corona-Fallzahlen aus verschiedenen großen Städten, Landkreisen und Bundesländern besser miteinander vergleichen und Rückschlüsse auf die Lage vor Ort ziehen zu können. Deshalb sind Fallzahlen bezogen auf 100.000 Einwohner auch immer Bestandteil unserer Daten-Updates.

Wie stark sind Krankenhäuser mit Corona-Patienten ausgelastet?

Alle Maßnahmen – wie etwa Kita- und Schulschließungen oder Kontaktbeschränkungen – haben zum Ziel, dass sich möglichst wenige Menschen zeitgleich mit dem neuartigen Coronavirus anstecken und folglich nicht zu viele Infizierte gleichzeitig auf Intensivstationen behandelt werden müssen. Momentan wird deshalb ein bundesweites Intensivregister aufgebaut, in das Kliniken ihre intensivmedizinischen Kapazitäten und die intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Fälle eintragen.

Auch wenn gegenwärtig noch nicht alle Krankenhäuser an der Datenerhebung mitwirken, zeigen die Zahlen unserer Meinung nach ein aktuelles und realistisches Bild über die Lage in den Kliniken. Und bislang sind glücklicherweise die Kliniken noch nicht an ihre Grenzen gestoßen und können alle Covid-19-Patienten ausreichend versorgen.

Was wir anhand von Corona-Daten nicht wissen

Wie viele Menschen sind wirklich infiziert?

Aus unseren Daten-Quellen wird ersichtlich, in wie vielen Fällen ein Corona-Test positiv ausgefallen ist – sei es pro Landkreis, Bundesland oder bundesweit. Was sich daraus nicht ablesen lässt, ist die tatsächliche Anzahl der Infizierten. Warum?

  1. Weil im Gegensatz zur Infektion eine Genesung nicht meldepflichtig ist. Zu welchem Zeitpunkt ein Infizierter wieder vollständig gesund ist, wird also nicht exakt erhoben. Zwar gibt es Schätzungen, in die verschiedene Krankheitsverläufe eingerechnet sind, aber es sind und bleiben Schätzungen.
  2. Nicht jeder Infizierte wird auch getestet. Bei vielen Betroffenen treten nach der Infektion keine oder nur sehr milde Symptome auf. Wie hoch die sogenannte Dunkelziffer der Nicht-Getesteten ist, ist momentan noch zu wenig erforscht.

Wie entwickelt sich die Epidmie weiter?

Anhand der bisherigen Entwicklung ist es für uns nicht möglich, basierend auf den öffentlichen Daten den weiteren Verlauf der Corona-Epidemie vorherzusagen. Was wir können, ist die bisherige Entwicklung und den aktuellen Stand zu beschreiben.

Woran sind Covid-19-Patienten wirklich gestorben?

Mit zunehmendem Alter und der Zahl der Vorerkrankungen steigt für Covid-19-Patienten das Risiko für schwere und tödliche Krankheitsverläufe. Dabei wird aus den öffentlich zugänglichen Daten nicht ersichtlich, inwieweit eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus die alleinige Todesursache war oder nicht.


Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Zum Schluss empfehlen wir Ihnen noch unseren Newsletter zum Thema: In unserem Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihr Postfach. Hier geht es zur Anmeldung.

Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
Bildrechte: MDR | Grafik Florian Leue/Martin Paul

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 29. Mai 2020 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

jackblack vor 20 Wochen

Bei der geringen Quote werden Pflegeheime immer noch behandelt wie ein Hochsicherheitstrakt im Gefängnis, meine Mutter ( 99 ) möchte gern mal einen Spaziergang machen, aber ALLES verboten.

Anhaltiner vor 20 Wochen

In Sachsen-Anhalt wurde zudem jüngst angekündigt, dass die Obergrenze auf 10 Fälle pro 100.000 Einwohner gesenkt wird. Spätestens bei Überschreiten dieser Grenze werden zwischen Gesundheitsamt, dem Landesamt für Verbraucherschutz und dem Sozialministerium Eindämmungsmaßnahmen für die betroffene Region abgestimmt und eingeleitet. Sachsen Anhalt hatte weniger Covidfälle als Bayern Covidtote aber die Maskenpflicht bleibt bestehen-Wir haben eben einen selbstbewussten Haseloff.

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