Corona-Daten-Update 05.06.2020 Darum könnte es zu einer zweiten Corona-Infektionswelle kommen

Manuel Mohr
Bildrechte: BR/Philipp Kimmelzwinger

Laut Robert Koch-Institut ist ein erneuter Anstieg der momentan niedrigen Corona-Infektionszahlen nicht ausgeschlossen. Warum das so ist, erfahren Sie im wöchentlichen Corona-Daten-Update.

Illustration eines Corona-Infizierten, der auf der Straße weitere Passanten ansteckt.
Die Mehrheit der Bevölkerung ist noch nicht immun gegen das neuartige Coronavirus. Bildrechte: MDR/Unsplash/United Nations COVID-19-Response

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Der Blick auf die momentan Infektionszahlen in Deutschland stimmt grundsätzlich erst einmal positiv. Bundesweit wurden in den vergangenen sieben Tagen rund 400 neue Infektionen pro Tag registriert. Damit ist dieser Wert im Vergleich zur Vorwoche erneut leicht gesunken. Doch nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) bedeutet das keinesfalls, dass die Pandemie in Deutschland bereits überstanden ist.

Begründung: Bislang war nur ein kleiner Teil der Bevölkerung mit dem neuartigen Coroanvirus SARS-CoV-2 infiziert. Diese Menschen sind zwar wahrscheinlich – und zumindest für eine gewisse Zeit – gegen das Virus immun, die überwiegende Mehrheit der Menschen hierzulande hat hingegen noch immer keinen Immunschutz gegen das Virus. Es müsse daher damit gerechnet werden, dass die Fallzahlen wieder ansteigen und es zu einer zweiten COVID-19-Welle kommen könne.

Wie genau dieser "kleine Teil der Bevölkerung" aussieht, zeigt ein Blick auf die bisher bekannten Fallzahlen im Verhältnis zur Bevölkerung. Ein Beispiel: In Sachsen-Anhalt gab es bislang 1.717 Corona-Infizierte. Bei einer Einwohnerzahl von etwa 2,197 Millionen entspricht das einem Anteil von weniger als 0,1 Prozent:

Selbstverständlich beziehen sich diese Werte nur auf bekannte Infektionsfälle. Wie hoch die Dunkelziffer der unerkannt Infizierten – und damit auch Immunen – ist, kann momentan noch nicht seriös gesagt werden.

Viele Faktoren können zweite Welle beeinflussen

Wann eine mögliche zweite Infektionswelle in Deutschland beginnen könne und wie stark diese ist, lässt sich nach Angaben des RKI nicht vorhersagen. Dies hänge auch von viele Faktoren ab. Dazu gehören unter anderem die Aufrechterhaltung und Einhaltung von Infektionsschutzmaßnahmen, das möglichst rasche Erkennen von neuen Infektionsfällen und deren Kontaktpersonen und der Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs.

Offen ist momentan ebenfalls, ob das neuartige Coronavirus saisonalen Schwankungen unterliegt. Denn viele Viren, die akute Atemwegserkrankungen verursachen, verbreiten sich laut RKI im Sommer schlechter. Grund dafür sind unter anderem höhere Temperaturen, UV-Strahlung und die Tatsache, dass man weniger Zeit dicht gedrängt in Räumen verbringt. Bei anderen Coronaviren – etwa solchen, die Schnupfen auslösen – wurde solche saisonalen Unterschiede aber bereits beobachtet.

Wie sich die Corona-Fallzahlen in Ihrer Region entwickelt haben, können Sie wie gewohnt den folgenden Abschnitten entnehmen.

Daten-Update Sachsen-Anhalt

• Gesamtzahl der Infektionen: 1.717
• Neuinfektionen seit gestern: +5
• 7-Tage-Durchschnitt der täglichen Neuinfektionen: 3

• Gesamtzahl (Schätzung) der genesenen Patienten: 1.611
• Genesene Patienten (Schätzung) seit gestern: +1
• Aktuell Infizierte (Schätzung): 51

• Todesfall-Gesamtzahl im COVID-19-Zusammenhang: 55
• Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: +0

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 9
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 7

Datenquellen für Sachsen-Anhalt:

Daten-Update Sachsen

• Gesamtzahl der Infektionen: 5.322
• Neuinfektionen seit gestern: +8
• 7-Tage-Durchschnitt der täglichen Neuinfektionen: 4

• Gesamtzahl (Schätzung) der genesenen Patienten: 4.960
• Genesene Patienten (Schätzung) seit gestern: +10
• Aktuell Infizierte (Schätzung): 146

• Todesfall-Gesamtzahl im COVID-19-Zusammenhang: 216
• Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: +2

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 33
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 14

Datenquellen für Sachsen:

Daten-Update Thüringen

• Gesamtzahl der Infektionen: 3.095
• Neuinfektionen seit gestern: +16
• 7-Tage-Durchschnitt der täglichen Neuinfektionen: 15

• Genesene Patienten laut offiziellen Meldungen: 2.531
• Genesene Patienten seit gestern: +43
• Aktuell Infizierte (Schätzung): 389

• Todesfall-Gesamtzahl im COVID-19-Zusammenhang: 175
• Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: +3

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 16
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 6

Datenquellen für Thüringen:

Daten-Update Deutschland

• Gesamtzahl der Infektionen: 183.271
• Neuinfektionen seit gestern: +507
• 7-Tage-Durchschnitt der täglichen Neuinfektionen: 402

• Gesamtzahl (Schätzung) der genesenen Patienten: 168.500
• Genesene Patienten (Schätzung) seit gestern: +700
• Aktuell Infizierte (Schätzung): 6.158

• Todesfall-Gesamtzahl im COVID-19-Zusammenhang: 8.613
Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: +32

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 592
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 341

Datenquellen für Deutschland:

Was wir anhand von Corona-Daten wissen

Wie werden Corona-Fälle überhaupt gezählt?

Ein Arzt oder ein Labor stellt mittels eines Testverfahrens (zum Beispiel Rachenabstrich) bei einem Patienten die Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 fest. Ein positives Testergebnis muss dem jeweils zuständigen Gesundheitsamt innerhalb von 24 Stunden gemäß Meldepflichtverordnung mitgeteilt werden.

Die so eingehenden Fälle werden von den zuständigen Gesundheitsämtern elektronisch an die zuständigen Landesbehörden und von dort spätestens am nächsten Arbeitstag ans Robert-Koch-Institut (RKI) übermittelt. Nach und nach tauchen neue Corona-Infektionen entlang dieser Meldekette zuerst in den Statistiken der lokalen Behörden und etwas später dann in denen der regionalen und bundesweiten Meldestellen auf.

Warum unterscheiden sich die Fallzahlen je nach Quelle?

Durch die eben beschriebene Meldekette kann es bei der Übermittlung zu einem Zeitverzug von einigen Stunden bis hin zu einigen Tagen kommen. Vorsicht also, wenn Sie beispielsweise die Angaben einer Landesbehörde am selben Tag noch mit den RKI-Zahlen für das gleiche Bundesland vergleichen.

Oder wenn die Angaben eines Landkreises höher sind als die der Landesbehörden. Schnell ist man da beim berühmten Vergleich von Äpfeln und Birnen. Das Vorgehen aller Institutionen ist legitim und durchaus nachvollziehbar, führt aber immer wieder dazu, dass in der Öffentlichkeit verschiedene Zahlen kursieren.

Welche Daten nutzen wir für das tägliche Corona-Daten-Update?

Um Sie möglichst umfangreich zu informieren, nutzen wir verschiedene Quellen. Bei der aktuellen Lage aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen greifen wir auf die jeweils neuesten landesweiten Zahlen zurück, die den MDR-Redaktionen in Magdeburg, Dresden und Erfurt am frühen Abend vorliegen.

In Sachsen-Anhalt sind das die Daten des Sozialministeriums, die zwei Mal pro Tag aktualisiert werden. Aus Sachsen stammen die Zahlen ebenfalls vom dortigen Sozialministerium und werden immer mittags aktualisiert. Da die Thüringer Landesregierung bereits immer am Vormittag das einzige Update des Tages veröffentlicht, erheben unsere Kollegen von MDR THÜRINGEN bis zum Abend selbst neue Fallzahlen, die einzelne Landkreise und Städte im Tagesverlauf veröffentlichen.

Um die Entwicklung der Corona-Daten auf Landes- und Kreisebene von Beginn an zu zeigen, verwenden wir ausschließlich Daten des RKI. Diese werden zwar nur einmal täglich aktualisiert, dafür aber aufgrund des Meldeverfahrens immer einheitlich. Sie sind deshalb für Vergleiche und das Betrachten von zeitlichen Entwicklungen gut geeignet.

Das RKI ist ebenfalls unsere Quelle für die deutschlandweiten Zahlen, die weltweiten stammen von der Johns-Hopkins-Universität (JHU) aus den USA. Mithilfe dieser Quellen ist es uns möglich, Ihnen einerseits sehr aktuelle Fallzahlen auf Bundesland- und Kreisebene und andererseits längerfristige Trends und Entwicklungen zu zeigen.

Welche Rolle spielen Alter und Geschlecht bei Corona-Infektionen und -Todesfällen?

Das Durchschnittsalter eines Infizierten in Deutschland liegt momentan bei knapp unter 50 Jahren. Die Altersgruppe der 35- bis 59-Jährigen ist bislang am häufigsten von Infektionen betroffen. Allerdings: Über 80 Prozent aller bislang in Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion Verstorbenen waren über 70 Jahre alt. Auch wenn nur etwa jeder zehnte Infizierte über 70 ist, so sind beinahe 9 von 10 Verstorbenen über 70 – und damit besonders gefährdet.

Das Verhältnis bei den Infektionsfällen ist zwischen Männern und Frauen fast ausgeglichen. Bei den Verstorbenen hingegen sind die Mehrheit Männer – und das, obwohl je älter die Menschen in Deutschland werden, der Anteil der Frauen umso höher ist. Männer im hohen Alter sind also – obwohl es sie seltener gibt – häufiger unter den Verstorbenen.

Warum ist bei Corona-Fällen auch immer die Einwohnerzahl wichtig?

Einwohnerzahlen sind wichtig, weil sie reine, absolute Fallzahlen in Bezug zur Bevölkerung setzen und Daten damit besser vergleichbar machen. Ein Beispiel dazu aus der Kriminologie: 2018 wurden in Berlin etwa 30.000 Fahrräder als gestohlen gemeldet. In Halle waren es hingegen nur rund 3.600. In absoluten Zahlen waren Berliner also weitaus stärker betroffen. Berücksichtigt man nun aber die verschiedenen Einwohnerzahlen – relativiert also die Fallzahlen – ergibt sich ein anderes Bild: Auf 100.000 Einwohner kommen demnach rund 1.500 Fälle in Halle und etwa 830 in Berlin.

Mithilfe dieser sogenannten Häufigkeitszahl ist es uns möglich, die Corona-Fallzahlen aus verschiedenen großen Städten, Landkreisen und Bundesländern besser miteinander vergleichen und Rückschlüsse auf die Lage vor Ort ziehen zu können. Deshalb sind Fallzahlen bezogen auf 100.000 Einwohner auch immer Bestandteil unserer Daten-Updates.

Wie stark sind Krankenhäuser mit Corona-Patienten ausgelastet?

Alle Maßnahmen – wie etwa Kita- und Schulschließungen oder Kontaktbeschränkungen – haben zum Ziel, dass sich möglichst wenige Menschen zeitgleich mit dem neuartigen Coronavirus anstecken und folglich nicht zu viele Infizierte gleichzeitig auf Intensivstationen behandelt werden müssen. Momentan wird deshalb ein bundesweites Intensivregister aufgebaut, in das Kliniken ihre intensivmedizinischen Kapazitäten und die intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Fälle eintragen.

Auch wenn gegenwärtig noch nicht alle Krankenhäuser an der Datenerhebung mitwirken, zeigen die Zahlen unserer Meinung nach ein aktuelles und realistisches Bild über die Lage in den Kliniken. Und bislang sind glücklicherweise die Kliniken noch nicht an ihre Grenzen gestoßen und können alle Covid-19-Patienten ausreichend versorgen.

Was wir anhand von Corona-Daten nicht wissen

Wie viele Menschen sind wirklich infiziert?

Aus unseren Daten-Quellen wird ersichtlich, in wie vielen Fällen ein Corona-Test positiv ausgefallen ist – sei es pro Landkreis, Bundesland oder bundesweit. Was sich daraus nicht ablesen lässt, ist die tatsächliche Anzahl der Infizierten. Warum?

  1. Weil im Gegensatz zur Infektion eine Genesung nicht meldepflichtig ist. Zu welchem Zeitpunkt ein Infizierter wieder vollständig gesund ist, wird also nicht exakt erhoben. Zwar gibt es Schätzungen, in die verschiedene Krankheitsverläufe eingerechnet sind, aber es sind und bleiben Schätzungen.
  2. Nicht jeder Infizierte wird auch getestet. Bei vielen Betroffenen treten nach der Infektion keine oder nur sehr milde Symptome auf. Wie hoch die sogenannte Dunkelziffer der Nicht-Getesteten ist, ist momentan noch zu wenig erforscht.

Wie entwickelt sich die Epidmie weiter?

Anhand der bisherigen Entwicklung ist es für uns nicht möglich, basierend auf den öffentlichen Daten den weiteren Verlauf der Corona-Epidemie vorherzusagen. Was wir können, ist die bisherige Entwicklung und den aktuellen Stand zu beschreiben.

Woran sind Covid-19-Patienten wirklich gestorben?

Mit zunehmendem Alter und der Zahl der Vorerkrankungen steigt für Covid-19-Patienten das Risiko für schwere und tödliche Krankheitsverläufe. Dabei wird aus den öffentlich zugänglichen Daten nicht ersichtlich, inwieweit eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus die alleinige Todesursache war oder nicht.


Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Zum Schluss empfehlen wir Ihnen noch unseren Newsletter zum Thema: In unserem Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihr Postfach. Hier geht es zur Anmeldung.

Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
Bildrechte: MDR | Grafik Florian Leue/Martin Paul

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 05. Juni 2020 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Grosser Klaus vor 15 Wochen

Die Datenlage ist auch nach zirka vier Monaten des Ausbruches von Covid-19 sehr schlecht.
Es stellt sich also nicht die Frage, ob man den Analysen glauben kann,
diese Analysen gibt es schlichtweg nicht.
Ausgenommen die sehr gute Heinsberg-Studie von Hendrik Streeck.

Grosser Klaus vor 15 Wochen

Es wäre sehr hilfreich, wenn die einzelnen Bundesländer zeitnah einen umfassenden Lagebericht zu den Ereignissen, Entscheidungen und Fakten der letzten Monate veröffentlichten würde. Also nicht nur Zahlen und Verordnungen, sondern mal eine gründliche Aufarbeitung, was, wann zu welchen Entscheidungen geführt hat. Etwas wo man auch nachvollziehen kann, warum es ist wie es ist. Ähnlich wie das RKI ja auch regelmäßig einen recht ausführlichen Situationsbericht herausgibt.

Rotti vor 15 Wochen

Es kommen jedes Jahr Grippewellen und gehen auch wieder.
Obwohl ich mich nicht impfen lasse, war ich bisher nicht betroffen.
Nun werde ich das hier auch so machen, wie bei der Grippewelle.
Ruhig bleiben, wenn ich mich krank fühle, zum Arzt gehen, erkältete Menschen meiden.
Und als Christ habe ich Gottvertrauen. Das ist gut so. Der steht nämlich nie zur Wahl.

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