Corona-Daten-Update 01.04.2020 Corona-Fallzahlen steigen weiter, regional aber unterschiedlich schnell

In welchen Kreisen und Städten die Fallzahlen in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen sind und wie viele Corona-Tests deutschlandlweit pro Woche durchgeführt werden, das und mehr im täglichen Corona-Daten-Update.

Fridolin Amadeus Nasdala, Oberarzt, in der Intensiv- und Notfallmedizin und Anna Kampmann, Stationsleiterin Intensivpflege bereiten auf der Intensivstation des Corona-Zentrum am Marienhospital ein Patientenbett vor
Damit Krankenhäuser auf weiterhin alle Corona-Patienten versorgen können, sollten sich alle Menschen an die bestehenden Kontaktbeschränkungen halten und damit die Verbreitung des neuartigen Coronavirus' verlangsamen. Bildrechte: dpa

Letztes Update: 19.32 Uhr

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates, in der wir uns die Entwicklung der Fallzahlen auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte genauer anschauen möchten. Denn zwar steigt die Gesamtzahl der Infektionen mit dem Coronavirus überall in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, allerdings mit unterschiedlicher Geschwindigkeit.

Vorweg gleich die wichtigste Erkenntnis unserer Betrachtung: Uns werden wieder einmal sehr schnell die Grenzen der momentan verfügbaren Daten aufgezeigt. Denn zwischen der Meldung eines neuen Infektionsfalls durch Arzt oder Labor ans jeweilige Gesundheitsamt und der Übermittlung an die Landesbehörde und schließlich an das Robert-Koch-Institut (RKI) können einige Tage vergehen. Dies konnten wir besonders an den vergangenen zwei Wochenenden beobachten.

Die Fallmeldungen gehen dann erst mit einigen Tagen Verzug in die RKI-Statistik ein. Teilweise sind die beim RKI abrufbaren Daten einzelner Landkreise vier oder mehr Tage alt. Sie finden die Zahlen aus Ihrer Region dennoch an den gewohnten Stellen dieses Updates. Wir weisen aber noch einmal darauf hin: Durch etwaige Meldeverzögerungen sind einige Daten nicht auf dem aktuellsten Stand und können sich daher in den kommenden Tagen noch ändern.

Die aktuelle Lage in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt ist die Gesamtzahl der Corona-Infektionen auf 806 gestiegen, 54 mehr als am Dienstag. Acht infizierte Menschen sind bislang gestorben, 73 Patienten werden momentan im Krankenhaus behandelt. Nach Schätzungen des Sozialministeriums sind inzwischen 257 Infizierte im Land wieder genesen.

Überall im Land sind die Fallzahlen in den vergangenen Tagen gestiegen. Besonders aufgefallen ist uns dabei der Landkreis Wittenberg. Hier wird jetzt mit einigen Tagen Verzug sichtbar, dass in der vergangenen Woche in Jessen innerhalb kurzer Zeit zahlreiche neue Infektionen registriert wurden. Die Stadt steht deshalb seit vergangenen Donnerstag unter Quarantäne.

Im Landkreis Mansfeld-Südharz hingegen wurden bislang vergleichsweise wenig Infektionen festgestellt. Wie sich die Fallzahlen in Ihrer Region entwickelt haben, können Sie der folgenden Grafik-Galerie entnehmen.

Historie der Corona-Fallzahlen in Sachsen-Anhalt und den Regionen:

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Bis Mittwoch haben sich in Sachsen insgesamt 2.245 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Das sind 161 Fälle mehr als am Dienstag. Die Zahl der Menschen, die in Zusammenhang mit einer Infektion gestorben sind, liegt inzwischen bei 18. Damit stieg die Zahl der Toten innerhalb von 24 Stunden um fünf.

Die Entwicklung der Infektionsfälle in Sachsens Landeshauptstadt Dresden hat in den zurückliegenden Tagen – immer bezugnehmend auf Angaben des RKI – zwei verschiedene Phasen durchlaufen. Während an einigen Tagen deutliche Zuwächse gemeldet wurden, sind in den vergangenen Tagen deutlich weniger Fälle dazugekommen. Ähnliches haben wir in anderen Regionen beobachtet, die Daten geben aber noch keine gesicherte Auskunft darüber, ob sich die Ausbreitung der Epedemie verlangsamt hat oder nicht.

Historie der Corona-Fallzahlen in Sachsen und den Regionen:

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In Thüringen ist die Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle am Mittwochabend (18.30 Uhr) auf 920 gestiegen, 77 mehr als am Dienstag. Acht Todesfälle stehen bislang in Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion.

Bei der Entwicklung der Fallzahlen in die Regionen fällt der Landkreis Hildburghausen auf. Er gehörte zu einem der letzten Kreise deutschlandweit, in denen zunächst keine Coronavirus-Infektion nachgewiesen wurde. Und im Vergleich zu anderen Regionen in Thüringen ist die bislang bekannte Infektionszahl immer noch vergleichsweise niedrig.

Im Saale-Orla-Kreis hingegen kamen in den vergangenen Tagen verhältnismäßig viele Fälle dazu. Wie sich die Daten in Ihrer Region entwickelt haben, können Sie wie gehabt den folgenden Grafiken entnehmen.

Historie der Corona-Fallzahlen in Thüringen und den Regionen:

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In den vergangenen Tagen haben uns Leserinnen und Leser nach einer Analyse der Verdopplungszeit gefragt. Gemeint ist damit die Zeitspanne, innerhalb der sich die Zahl der Corona-Infizierten jeweils verdoppelt. Von einem Abflauen der Corona-Epidemie könnte man dann sprechen, wenn die Verdopplungszeit größer wird – also zum Beispiel von vier auf fünf oder sechs steigt.

Unsere Kollegen von MDR THÜRINGEN haben solche Berechnungen bereits in ihre Berichterstattung aufgenommen. Wir möchten in den nächsten Tagen an dieser Stelle näher darauf eingehen und zudem noch eine weitere statistische Kenngröße vorstellen, mit der sich das Ausmaß der Corona-Epedmie bestimmen lassen kann.

Worauf Sie bei allen Corona-Fallzahlen achten sollten:

  • Achten Sie bei veröffentlichten Fallzahlen immer darauf, woher sie stammen und zu welcher Uhrzeit die Daten erhoben wurden.
  • Vergegenwärtigen Sie sich, dass lokale und regionale Quellen immer schneller sind als überregionale oder bundesweite. Diese wiederum erheben ihre Daten in regelmäßigen, festen Abständen – sind damit also besser für Vergleiche geeignet.
  • Behalten Sie das im Hinterkopf, verlieren Sie nie den Überblick.

Die Corona-Lage in Deutschland

In Deutschland ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) die Zahl der bestätigten Infektionen auf 67.366 gestiegen – das sind 5.453 mehr als am Dienstag. Insgesamt sind den Angaben zufolge bislang 732 Menschen in Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Die Zahl der Todesopfer stieg damit innerhalb eines Tages um 149. Mittlerweile wieder gesund sind nach RKI-Schätzungen etwa 18.700 Menschen:

Wie immer gilt: Daten des RKI können aufgrund des Meldeverzugs abweichend von Quellen auf lokaler und regionaler Ebene sein.

Bereits seit Dienstag weist das RKI keine besonders betroffenen Gebiete in Deutschland mehr aus. Zur Begründung heißt es auf der Internetseite: "In vielen Landkreisen gibt es Ausbrüche mit zum Teil großen Fallzahlen." Zuvor war lange Zeit der Landkreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen als besonderes Riskiogebiet aufgeführt.

Im Corona-Situationsbericht vom Mittwoch konnten wir aufschlussreiche Informationen finden, zu denen wir in den vergangenen Tagen schon oft gefragt wurden. Es geht um die Zahl der Corona-Tests in Deutschland. Das RKI schreibt dazu:

Um zu ermitteln, wie viele Labortestungen bezüglich SARS-CoV-2 pro Kalenderwoche in Deutschland durchgeführt werden und wie viele Tests positiv bzw. negativ ausfallen, hat das RKI eine deutschlandweite Laborabfrage gestartet. Ergänzt wird diese Erfassung durch 3 weitere Datenerhebungen vom Netzwerk für respiratorische Viren (RespVir), dem nationalen Netzwerk zur Surveillance der Antibiotikaresistenz in Deutschland (ARS) und dem Interessenverband der akkreditierten medizinischen Labore in Deutschland (ALM e.V).

RKI-Situationsbericht 01.04.2020

Weiter heißt es vom RKI, die Rückmeldungen der Labore hätte ergeben, dass seit Beginn der Erfassung bis einschließlich Kalenderwoche 13 (23.3.-29.3.2020) bisher 918.460 Proben getestet wurden, davon 64.906 positiv auf SARS-CoV-2:

Der Anteil der positiven Teste lag in den vergangenen drei Wochen zwischen 5,9 und 8,7 Prozent. Da Labore die Tests noch nachmelden können, ist es möglich, dass sich diese Zahlen in den kommenden Tagen noch leicht verändern.

Corona-Situation weltweit

Schauen wir uns die Situation in den USA noch einmal genauer an, denn die Zahlen dort sind dramatisch: Laut Johns-Hopkins-Universität sind bisher insgesamt rund 190.000 Infektionen mit SARS-CoV2 registriert worden (Stand: 01.04., 19.00 Uhr) – so viel wie in keinem anderen Land. Das Robert-Koch-Institut zieht aus dieser Entwicklung in den USA auch Konsequenzen und listet folgende US-Bundesstaaten nun als Risikogebiet: Kalifornien, Washington, New York und New Jersey.

Frankreich und Spanien gelten nun ebenfalls als Risikogebiete. China, der Ursprungsort der Pandemie und lange Zeit das Land mit den meisten Corona-Opfern, findet sich nicht mehr auf der Liste der Risikogebiete. Wie sich die Zahl der Infektions-, Todes- und Genesungsfällen in den am meisten betroffenen Ländern entwickelt hat, können Sie wie gehabt in den folgenden drei Grafiken nachlesen:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.


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Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 01. April 2020 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

artep vor 29 Wochen

Können Sie bitte nochmal genau erklären, warum kinder nicht auf spielplätze dürfen, wenn doch der Kontakt zu den grosseltern schon lange abgebrochen ist. Bin selber Oma und wenn es den Kindern zugute kommt, bleibe ich auch weiter allein Zuhause. Bitte öffnen Sie die spielplätze, dass ist grausam. Wer von den Kindern nun auch noch Bußgelder einkassiert, ist in meinen Augen ein r.

MDR-Team vor 29 Wochen

Danke für den Kommentar. Dass die Zahlen der Infizierten auch die geschätzte Zahl der Genesenen enthält, machen wir an verschiedenen Stellen transparent und erklären im folgenden Beitrag warum: https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/mdrklaert-deshalb-werden-auch-genesene-patienten-bei-den-corona-faellen-mitgezaehlt-100.html

Rico Marbach vor 29 Wochen

Ich finde die sehr persönlich gehaltenen Belehrungen an die Bevölkerung von SPD-Politikern und von CDU-lern die Fr. Merkel nahe stehen unerträglich. Es ist nicht die Zeit für Absolutismus; die selbsternannten Moralisten kotzen mich an und ich verwende sonst n. solche Worte, Es ist die Zeit des Abwägens - aber wir wissen ja, das Fr. Merkel dies nicht kann und die Int. der eigenen Bevölkerung nicht im Vordergrund stehen. Der notw. Gesundheitsschutz darf nicht allein stehen - die Deutschen haben einen Bundestag gewählt, keine Virologenregierung. Freiheitsrechte, wirtschaftl. Int./der Erhalt der über Jahrzehnte erarbeiteten Werte (was sich jeder geschaffen hat) müssen berücksichtigt werden. Es sollte bekannt gemacht werden, dass in der veröffentlichten Zahl der Infizierten auch die Genesenen enthalten sind.
Ältere sollten weiter geschützt. lokale Infektionsherde unter Quarantäne gestellt werden; vorh. Ressourcen für diej. verwendet werden, die das dt. Gesundheitssyst. finanziert haben.

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