Corona-Daten-Update 13.04.2020 Rund die Hälfte aller Corona-Patienten ist wieder gesund

Manuel Mohr
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Wie viele Infizierte in Ihrer Region wieder genesen sind und warum die jüngst mehrfach gesunkene Zahl der Neuinfektionen noch mit Vorsicht zu genießen ist, das und mehr im täglichen Corona-Daten-Update.

Zwei ein Einweg-Handschuhe gehüllte Hände berühren sich.
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Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates am Ostermontag. Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) zufolge sind deutschlandweit mittlerweile etwa die Hälfte aller Menschen, die sich in den vergangenen Wochen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hatten, wieder genesen. In Sachsen-Anhalt und Thüringen ergibt sich aus den Daten ein ähnliches Bild, in Sachsen fast.

Allerdings sind auch diese Daten nicht ohne Einschränkungen. So sind Genesungsfälle – anders als Infektionen – nicht meldepflichtig. Patienten müssen sich also beispielsweise nicht erneut bei ihrem Hausarzt oder dem Gesundheitsamt melden, wenn sie Covid-19 überstanden haben. Laut RKI gelten Infizierte als genesen, wenn sie – ohne Krankenhausaufenthalt – frühestens 14 Tage nach Symptombeginn für mehr als 48 Stunden symptomfrei sind.

Mit einem Krankenhausaufenthalt hingegen müssen Infizierte zusätzlich zwei Mal innerhalb von 24 Stunden negativ auf Corona getestet worden sein. Sie gelten dann frühestens 14 Tage nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus als wieder gesund. Darüber hinaus ist aber nach wie vor unklar, wie viele Menschen unerkannt mit dem Virus infiziert waren und in bislang keiner Statistik auftauchen.

Das wollen Wissenschaftler des RKI nun in mehreren Studien herausfinden. Sie wollen untersuchen, ob sich im Blut der Studienteilnehmer Antikörper gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 nachweisen lassen. Dies wäre ein sicherer Hinweis auf eine überstandene Infektion. Das RKI startet dazu in Kürze Untersuchungen an Blutspendern und Menschen in einigen COVID-19-Ausbruchsgebieten. Längerfristig ist eine bundesweite repräsentative Studie geplant.

Wie sich die akuten Fallzahlen am Osterwochenende entwickelt haben, können Sie wie gewohnt den folgenden Abschnitten entnehmen.

Daten-Update Sachsen-Anhalt

Die aktuelle Lage (Stand 13.26 Uhr):

  • Gesamtzahl der Infektionen: 1.210 (+15 zum Vortag)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 629 (+16)
  • Todesfälle im Covid-19-Zusammenhang: 25 (+1)

In Sachsen-Anhalt sind den Schätzungen nach mittlerweile 629 Patienten wieder gesund. Bei einer Gesamtzahl von aktuell 1.210 Infektionen sind das etwas mehr als die Hälfte aller Infizierten.

So haben sich die Corona-Fallzahlen in Sachsen-Anhalt und den Regionen bislang entwickelt:

Daten-Update Sachsen

Die aktuelle Lage (Stand 13.30 Uhr):

  • Gesamtzahl der Infektionen: 3.802 (+38 zum Vortag)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 1.880 (+110)
  • Todesfälle im Covid-19-Zusammenhang: 69 (+1)

In Sachsen wurde die Zahl der genesenen Patienten auf 1.880 geschätzt. Anteilig an der Zahl aller Infektionen (3.802) ist das fast die Hälfte aller Infizierten.

So haben sich die Corona-Fallzahlen in Sachsen und den Regionen bislang entwickelt:

Daten-Update Thüringen

Die aktuelle Lage (Stand 18.00 Uhr):

  • Gesamtzahl der Infektionen: 1.524 (+36 zum Vortag)
  • Genesene Patienten laut offiziellen Meldungen aus Stadt- und Landkreisen: 516 (+46)
  • Schätzung der genesenen Patienten Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz: 890 (+40)
  • Todesfälle im Covid-19-Zusammenhang: 30 (+4)

In Thüringen existieren zwei verschiedene Angaben zur Zahl der Genesenen. Die erste wird täglich von der Thüringer Landesregierung veröffentlicht und ist eine Schätzung. Danach sind bis Montagvormittag 890 Infizierte wieder gesund – weit mehr als die Hälfte aller jemals Infizierten. Die zweite Zahl ergibt sich aus offiziellen Meldungen der Stadt- und Landkreise. Demnach sind bislang 516 Infizierte wieder genesen. Allerdings veröffentlichen nicht alle Regionen regelmäßig neue Zahlen.

So haben sich die Corona-Fallzahlen in Thüringen und den Regionen bislang entwickelt:

Daten-Update Deutschland

  • Gesamtzahl der Infektionen: 123.016 (+2.537 zum Vortag)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 64.300 (+4.000)
  • Todesfälle im Covid-19-Zusammenhang: 2.799 (+126)
  • Reproduktionszahl R: 1,2 (Intervall: 1,0 – 1,6)

Nach Schätzungen des RKI sind 64.300 Personen von ihrer Infektion genesen. Das ist etwas mehr als die Hälfte aller Infizierten. Ein genaues Datum der Genesung liegt für die meisten Fälle nicht vor. Daher wird ein Algorithmus zur Schätzung der Anzahl der Genesenen verwendet.

Bei den Verstorbenen handelt sich um 59 Prozent Männer und 41 Prozent Frauen. Von den Todesfällen waren 86 Prozent der Personen 70 Jahre und älter. Im Unterschied dazu beträgt der Anteil der über 70-Jährigen an der Gesamtzahl der übermittelten Corona-Fälle nur 17 Prozent.

Am Ostermontag beteiligten sich 766 Klinikstandorte am bundesweiten Intensivregister zur Ermittlung der Auslastung der Intensivstationen. Derzeit werden vermutlich immer noch weniger als die Hälfte der tatsächlich verfügbaren Betten in der Erhebung berücksichtigt. Insgesamt wurden bislang 19.820 Intensivbetten registriert, wovon 11.513 (58 Prozent) belegt sind. 8.307 Betten sind aktuell frei.

Die Steigerungsrate bei den bundesweit gemeldeten Neuinfektionen sank zum vierten Mal in Folge. Auf den ersten Blick ist das eine sehr gute Nachricht. Beachtet werden muss an dieser Stelle aber, dass es bei den RKI-Zahlen immer wieder zu Verzögerungen in der Übermittlung kommt. Deshalb muss noch abgewartet werden, wie viele Infektionen infolge des zurückliegenden Osterwochenendes und der Feiertage in den kommenden Tagen nachgemeldet werden.

Zu den Daten des RKI haben kürzlich auch Forscher der Goethe-Universität Frankfurt und der Technischen Universität Darmstadt eine neue Studie veröffentlicht. Demnach würden die Daten nach Veröffentlichung – bedingt durch Meldeverzüge – über Tage hinweg deutlich nach oben korrigiert. Zudem würden an Wochenenden 40 Prozent zu wenige Fälle gemeldet. Diese zeitlichen Verzögerungen erschwerten es laut den Forschern, geeignete politische Entscheidungen zu treffen, um die sozialen, humanitären und ökonomischen Folgen der Corona-Krise zu begrenzen. 

Daten-Update weltweit

Was wir anhand von Corona-Daten wissen

Wie werden Corona-Fälle überhaupt gezählt?

Ein Arzt oder ein Labor stellt mittels eines Testverfahrens (zum Beispiel Rachenabstrich) bei einem Patienten die Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 fest. Ein positives Testergebnis muss dem jeweils zuständigen Gesundheitsamt innerhalb von 24 Stunden gemäß Meldepflichtverordnung mitgeteilt werden.

Die so eingehenden Fälle werden von den zuständigen Gesundheitsämtern elektronisch an die zuständigen Landesbehörden und von dort spätestens am nächsten Arbeitstag ans Robert-Koch-Institut (RKI) übermittelt. Nach und nach tauchen neue Corona-Infektionen entlang dieser Meldekette zuerst in den Statistiken der lokalen Behörden und etwas später dann in denen der regionalen und bundesweiten Meldestellen auf.

Warum unterscheiden sich die Fallzahlen je nach Quelle?

Durch die eben beschriebene Meldekette kann es bei der Übermittlung zu einem Zeitverzug von einigen Stunden bis hin zu einigen Tagen kommen. Vorsicht also, wenn Sie beispielsweise die Angaben einer Landesbehörde am selben Tag noch mit den RKI-Zahlen für das gleiche Bundesland vergleichen.

Oder wenn die Angaben eines Landkreises höher sind als die der Landesbehörden. Schnell ist man da beim berühmten Vergleich von Äpfeln und Birnen. Das Vorgehen aller Institutionen ist legitim und durchaus nachvollziehbar, führt aber immer wieder dazu, dass in der Öffentlichkeit verschiedene Zahlen kursieren.

Welche Daten nutzen wir für das tägliche Corona-Daten-Update?

Um Sie möglichst umfangreich zu informieren, nutzen wir verschiedene Quellen. Bei der aktuellen Lage aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen greifen wir auf die jeweils neuesten landesweiten Zahlen zurück, die den MDR-Redaktionen in Magdeburg, Dresden und Erfurt am frühen Abend vorliegen.

In Sachsen-Anhalt sind das die Daten des Sozialministeriums, die zwei Mal pro Tag aktualisiert werden. Aus Sachsen stammen die Zahlen ebenfalls vom dortigen Sozialministerium und werden immer mittags aktualisiert. Da die Thüringer Landesregierung bereits immer am Vormittag das einzige Update des Tages veröffentlicht, erheben unsere Kollegen von MDR THÜRINGEN bis zum Abend selbst neue Fallzahlen, die einzelne Landkreise und Städte im Tagesverlauf veröffentlichen.

Um die Entwicklung der Corona-Daten auf Landes- und Kreisebene von Beginn an zu zeigen, verwenden wir ausschließlich Daten des RKI. Diese werden zwar nur einmal täglich aktualisiert, dafür aber aufgrund des Meldeverfahrens immer einheitlich. Sie sind deshalb für Vergleiche und das Betrachten von zeitlichen Entwicklungen gut geeignet.

Das RKI ist ebenfalls unsere Quelle für die deutschlandweiten Zahlen, die weltweiten stammen von der Johns-Hopkins-Universität (JHU) aus den USA. Mithilfe dieser Quellen ist es uns möglich, Ihnen einerseits sehr aktuelle Fallzahlen auf Bundesland- und Kreisebene und andererseits längerfristige Trends und Entwicklungen zu zeigen.

Welche Rolle spielen Alter und Geschlecht bei Corona-Infektionen und -Todesfällen?

Das Durchschnittsalter eines Infizierten in Deutschland liegt momentan bei knapp unter 50 Jahren. Die Altersgruppe der 35- bis 59-Jährigen ist bislang am häufigsten von Infektionen betroffen. Allerdings: Über 80 Prozent aller bislang in Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion Verstorbenen waren über 70 Jahre alt. Auch wenn nur etwa jeder zehnte Infizierte über 70 ist, so sind beinahe 9 von 10 Verstorbenen über 70 – und damit besonders gefährdet.

Das Verhältnis bei den Infektionsfällen ist zwischen Männern und Frauen fast ausgeglichen. Bei den Verstorbenen hingegen sind die Mehrheit Männern – und das, obwohl je älter die Menschen in Deutschland werden, der Anteil der Frauen umso höher ist. Männer im hohen Alter sind also – obwohl es sie seltener gibt – häufiger unter den Verstorbenen.

Warum ist bei Corona-Fällen auch immer die Einwohnerzahl wichtig?

Einwohnerzahlen sind wichtig, weil sie reine, absolute Fallzahlen in Bezug zur Bevölkerung setzen und Daten damit besser vergleichbar machen. Ein Beispiel dazu aus der Kriminologie: 2018 wurden in Berlin etwa 30.000 Fahrräder als gestohlen gemeldet. In Halle waren es hingegen nur rund 3.600. In absoluten Zahlen waren Berliner also weitaus stärker betroffen. Berücksichtigt man nun aber die verschiedenen Einwohnerzahlen – relativiert also die Fallzahlen – ergibt sich ein anderes Bild: Auf 100.000 Einwohner kommen demnach rund 1.500 Fälle in Halle und etwa 830 in Berlin.

Mithilfe dieser sogenannten Häufigkeitszahl ist es uns möglich, die Corona-Fallzahlen aus verschiedenen großen Städten, Landkreisen und Bundesländern besser miteinander vergleichen und Rückschlüsse auf die Lage vor Ort ziehen zu können. Deshalb sind Fallzahlen bezogen auf 100.000 Einwohner auch immer Bestandteil unserer Daten-Updates.

Wie stark sind Krankenhäuser mit Corona-Patienten ausgelastet?

Alle Maßnahmen – wie etwa Kita- und Schulschließungen oder Kontaktbeschränkungen – haben zum Ziel, dass sich möglichst wenige Menschen zeitgleich mit dem neuartigen Coronavirus anstecken und folglich nicht zu viele Infizierte gleichzeitig auf Intensivstationen behandelt werden müssen. Momentan wird deshalb ein bundesweites Intensivregister aufgebaut, in das Kliniken ihre intensivmedizinischen Kapazitäten und die intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Fälle eintragen.

Auch wenn gegenwärtig noch nicht alle Krankenhäuser an der Datenerhebung mitwirken, zeigen die Zahlen unserer Meinung nach ein aktuelles und realistisches Bild über die Lage in den Kliniken. Und bislang sind glücklicherweise die Kliniken noch nicht an ihre Grenzen gestoßen und können alle Covid-19-Patienten ausreichend versorgen.

Was wir anhand von Corona-Daten nicht wissen

Wie viele Menschen sind wirklich infiziert?

Aus unseren Daten-Quellen wird ersichtlich, in wie vielen Fällen ein Corona-Test positiv ausgefallen ist – sei es pro Landkreis, Bundesland oder bundesweit. Was sich daraus nicht ablesen lässt, ist die tatsächliche Anzahl der Infizierten. Warum?

  1. Weil im Gegensatz zur Infektion eine Genesung nicht meldepflichtig ist. Zu welchem Zeitpunkt ein Infizierter wieder vollständig gesund ist, wird also nicht exakt erhoben. Zwar gibt es Schätzungen, in die verschiedene Krankheitsverläufe eingerechnet sind, aber es sind und bleiben Schätzungen.
  2. Nicht jeder Infizierte wird auch getestet. Bei vielen Betroffenen treten nach der Infektion keine oder nur sehr milde Symptome auf. Wie hoch die sogenannte Dunkelziffer der Nicht-Getesteten ist, ist momentan noch zu wenig erforscht.

Wie entwickelt sich die Epedmie weiter?

Anhand der bisherigen Entwicklung ist es für uns nicht möglich, basierend auf den öffentlichen Daten den weiteren Verlauf der Corona-Epidemie vorherzusagen. Was wir können, ist die bisherige Entwicklung und den aktuellen Stand zu beschreiben.

Woran sind Covid-19-Patienten wirklich gestorben?

Mit zunehmendem Alter und der Zahl der Vorerkrankungen steigt für Covid-19-Patienten das Risiko für schwere und tödliche Krankheitsverläufe. Dabei wird aus den öffentlich zugänglichen Daten nicht ersichtlich, inwieweit eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus die alleinige Todesursache war oder nicht.


Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.


Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Zum Schluss empfehlen wir Ihnen noch unseren Newsletter zum Thema: In unserem Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen, was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihr Postfach. Hier geht es zur Anmeldung.

Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
Bildrechte: MDR | Grafik Florian Leue/Martin Paul

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13. April 2020 | 19:00 Uhr

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