Datenanalyse zur Coronavirus-Pandemie Intensivbetten in den Kreisen immer stärker ausgelastet

Kevin Poweska
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Im Kyffhäuserkreis sind etwa drei Viertel alle Intensivbetten frei – in den meisten anderen Kreisen Sachsen-Anhalt, Sachsens und Thüringens sieht die Situation aber anders aus. Das ist ein Thema im aktuellen Corona-Daten-Update.

Zwei Menschen stehen in Kitteln um einen Patienten herum. Vor ihnen liegt ein Patient der an medizinische Geräte angeschlossen ist auf dem Tisch.
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Die aktuelle Lage

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Nach den hohen Infektionszahlen im Vergleich zum letzten Wochenende sind die täglichen Neuinfektionen in Deutschland bis Mittwoch wieder etwas zurückgegangen. Am Donnerstag und Freitag gab es dann wieder einen deutlichen Anstieg. Und so meldete das Robert Koch-Institut (RKI) am Freitag einen neuen Höchstwert – mehr als 23.500 Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag.

Hohe Auslastung der Intensivbetten

Die steigenden Infektionszahlen bedeuten aber auch gleicheitig eine wachsende intensivmedizinische Auslastung der Kliniken. Am 20. November sind die Intensivbetten bundesweit in 14 Landkreise voll belegt. Aber in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist die Situation sehr unterschiedlich. Während im thüringischen Landkreis Greiz die Auslastung bei 100 Prozent liegt, sind im Kyffhäuserkreis etwa drei Viertel der Intensivbetten frei.

Woran das liegen kann, erläutert ein Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) MDR SACHSEN-ANHALT. Die hohe Auslastung einzelner Landkreise könne unter anderem an der Kapazität einzelner Krankenhäuser liegen. Der Landkreis Greiz hat beispielsweise lediglich zwölf Intensivbetten zur Verfügung, zurzeit aber keinen einzigen Covid-Intensivpatienten.

Durch tagesaktuelle Ereignisse könne es vorkommen, dass einige Krankenhäuser dadurch schnell ausgelastet sind, so der DKG-Sprecher. Deshalb benötige man diesem starken Infektionsgeschehen einige freie Kapazitäten. "Genau darauf war das gesamte Handeln der letzten Monate ausgelegt – und das ist auch deutschlandweit gut gelungen", meint der DKG-Sprecher.

Wenn die Intensivbetten in einem Landkreis belegt sind, dann verlegt man die Patienten. Das ist und war so üblich – auch schon vor Corona.

Deutsche Krankenhausgesellschaft

In diesem Jahr sehe die Regelversorgung aber anders aus als in den Jahren zuvor, erklärt der DKG-Sprecher. Unter anderem merke man das daran, dass in Regionen mit hohen Inzidenzen schon jetzt verschiebbare Behandlungen ausgesetzt werden, um Personal freizusetzen.

Normalerweise seien die Kliniken zu Zeiten vor Corona zu etwa 70 bis 80 Prozent ausgelastet gewesen. "Niemand hatte versucht die Intensivbetten auf 100 Prozent zu berechnen", meint ein DKG-Sprecher. Damit sei automatisch Platz für eine Notfallreserve in den Kliniken geschaffen worden.

Info zu den Grafiken

Die erste Grafik zeigt die Auslastung der Intensivbetten in den Kreisen von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die zweite Grafik stellt den Anteil der Corona-Patienten der belegten Intensivbetten in den Kreisen von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen im Verhältnis zur Gesamtheit aller Intensivbetten dar. Die dritte Grafik zeigt die Auslastung der Intensivbetten in allen Kreisen Deutschlands.

In Deutschland stehen laut der DKG insgesamt 28.000 Intensivbetten mit einer Beatmungsmöglichkeit zur Verfügung. Ein Sprecher erklärt, dass eine weitere Reserve von 11.000 Betten innerhalb von sieben Tagen bereit gestellt werden könnte. Zu bedenken sei, dass Corona-Intensivpatienten sehr aufwendig betreut werden müssen. Aus Sicht der DKG wird deswegen deutlich mehr Pflegepersonal benötigt als im Normalfall.

Die Bedeutung der Positivquote

Dass die Auslastung der Intensivbetten so hoch ist, hängt auch mit der steigenden Positivquote der Corona-Tests zusammen. Dabei ist die Teststrategie wichtig. Mehr Tests führen unter anderem auch zu mehr positiven Ergebnissen in der absoluten Menge. Das war vor allem in der Zeit von Juni bis Mitte September zu sehen. Die prozentuale Quote der positiven Test blieb in dieser Zeit annähernd auf einem Niveau – etwa bei einem Prozent.

"Wird weniger spezifisch getestet, also auch nicht symptomatische Personen und Personen, die keinen Kontakt zu einem COVID-19-Fall hatten oder aus Regionen mit einer niedrigen Inzidenz kommen, sinkt die Positivquote", erklärt das RKI. So ist laut RKI auch die Situation im Frühsommer gewesen. Durch eine konsequente Nachverfolgung seien Infektionsketten schnell erkannt und unterbrochen worden.

Seit einigen Wochen ist es aber so, dass der prozentuale Anteil von positiven Coronatests deutlich ansteigt.

Je höher die Positivquote ist, desto höher wird die Anzahl unentdeckter Infizierter (die sogenannte Dunkelziffer) in einer Population geschätzt.

Robert Koch-Institut (RKI)

Lag die Quote eines positiven Coronatests Anfang September (KW 37) noch bei 0,86 Prozent, so war sie in der vergangenen Woche (KW 46) bei 9 Prozent. Nur im Frühjahr war der Wert in einer Kalenderwoche minimal höher.

Das RKi erläutert, durch anhaltend hohe Infektionszahlen sei eine genaue Nachverfolgung wie im Sommer aktuell nicht mehr möglich. Das Virus könne unerkannt weitergegeben werden, weil nicht alle Infizierten auch Symptome zeigen würden. "Am 11. November wurde als Reaktion auf die Überlastung der Labore eine Änderung der Testkriterien mit dem Fokus auf schwer symptomatische und Personen mit Kontakt zu einem bestätigten Fall veröffentlicht", erklärt das Robert Koch-Institut. Dies ist ein Indiz dafür, dass die Positivquote in nächster Zeit nicht gleich wieder sinken wird.

Corona-Daten-Update für Sachsen-Anhalt

Datenquellen für Sachsen-Anhalt:

Datenquellen für Sachsen:

Corona-Daten-Update für Thüringen

Corona-Daten-Update für Deutschland und weltweit

• Aktuell Infizierte (Schätzung): 286.834
• Gesamtzahl (Schätzung) der genesenen Patienten: 579.100
• Genesene Patienten (Schätzung) seit gestern: +16.400

• Gesamtzahl der Infektionen: 879.564
• Neuinfektionen seit gestern: +23.648

• Todesfall-Gesamtzahl im COVID-19-Zusammenhang: 13.630
• Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: +260

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 3.617
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 2.103

Datenquellen für Deutschland:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Zum Schluss empfehlen wir Ihnen noch unseren Newsletter zum Thema: In unserem Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihr Postfach. Hier geht es zur Anmeldung.

Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
Bildrechte: MDR | Grafik Florian Leue/Martin Paul

Quelle: MDR/pow

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20. November 2020 | 19:00 Uhr

29 Kommentare

MDR-Team vor 7 Tagen

Das haben wir Ihnen doch nun schon mehrfach erklärt. Der Artikel ist vom Freitag, die Zahlen sind von diesem Zeitpunkt bzw. die Grafiken im Text beziehen sich auf Quellen, die wir nennen. Bestimmte Zahlen werden mit Verzug gemeldet. Wir beginnen uns im Kreis zu drehen.

Wir betonen nochmal: Wir geben ihren Hinweis weiter. Besten Dank.

Ritter Runkel vor 7 Tagen


Die aktuellen Weimarer Zahlen

Corona: Drei weitere Infektionen in Weimar

Die aktuellen Weimarer Zahlen (Stand: 22.11.2020, 16:30 Uhr):

Zahl der seit Beginn der Pandemie positiv Getesteten: 410 (Veränderung zum Vortag: +3)
Zahl der Genesenen: 353 (+12)
Zahl der aktuell Infizierten: 56 (-9)
Zahl der stationär in Kliniken Behandelten: 1 (0)
Zahl der Verstorbenen: 1 (0)
Personen in Quarantäne: 303 (-30)
7-Tage-Inzidenz: 61,45/100.000 Einwohner (Vortag: 65,84)

Bei zwei Neuinfektionen ist die Ansteckungsursache unbekannt. Eine Neuinfektion erfolgte bei einer Patientin in einem Klinikum außerhalb Weimars.

Wieso meldet MDR-Thüringen Online folgende Zahlen:
Kreisfreie Stadt Weimar
410 infizierte Personen
- -285 aktiv
- 694 genesen
- 1 verstorben

Ritter Runkel vor 7 Tagen

Sorry, aber ich glaube ich nicht daran, denn so oft wurden vom MDR einfach die Zahlen der Gesundheitsämter unkritisch übernommen, ohne Vergleichszahlen zu sehen!

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