Corona-Daten-Update 26.06.2020 Neue Daten und alte Probleme

Manuel Mohr
Bildrechte: BR/Philipp Kimmelzwinger

Neue Daten zeigen die Auslastung der Notaufnahmen während der Corona-Epidemie. Zudem steht das Robert Koch-Institut wegen fehlender Transparenz erneut in der Kritik. Alle Hintergründe dazu im neuen Corona-Daten-Update.

Illustration einer Gruppe Menschen mit Mund-Nasen-Schutz.
Mit Beginn der Corona-Maßnahmen änderte sich in Deutschland auch die Auslastung der Notaufnahmen. Bildrechte: MDR/Unsplash/United Nations COVID-19-Response

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Vor mittlerweile mehr als drei Monaten – Mitte März – liefen deutschlandweit die umfassenden Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie an. Schulen und Kitas wurden geschlossen, Ausgangsbeschränkungen eingeführt und das öffentliche Leben kam in weiten Teilen zum Erliegen. Gleichzeitig veränderte sich auch die Inanspruchnahme der Notaufnahmen in Deutschlands Krankenhäuser.

Die Anzahl der täglichen Vorstellungen sank bis Anfang April um bis zu 40 Prozent. Das geht aus dem neuen Notaufnahme-Situationsreport des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor, der gemeinsam mit weiteren Kooperationspartnern erstellt wurde.

Liniendiagramm zur relativen Abweichung von Notaufnahmevorstellungen der zehn Notaufnahmen zum Vergleichszeitraum 1.11.2019–1.3.2020 in Deutschland
Relative Abweichung von Notaufnahmevorstellungen der zehn Notaufnahmen zum Vergleichszeitraum 1.11.2019–1.3.2020, in Deutschland Bildrechte: RKI

Ab Mitte April ist wieder ein langsamer Anstieg der Notaufnahmevorstellungen zu beobachten. Und dennoch: Auch in den vergangenen Wochen liegen die Werte immer noch unter denen vom Zeitraum November 2019 bis Anfang März 2020. Nach Angaben des RKI waren ähnliche Trends auch in den USA, England und Wales sichtbar.

Momentan sind die Angaben des Notaufnahme-Situationsreports aber eher eingeschränkt aussagekräftig. Denn bislang fließen in die Analysen lediglich die Daten von zehn deutschen Notaufnahmen ein, die Teilnahme an der Studie ist freiwillig.

"Das überforderte Institut"

An dieser Stelle möchte ich kurz das Corona-Daten-Update vom 20. Mai in Erinnerung rufen. Darin ging es um einen Appell von Journalisten an das RKI, in dem sie unter anderem umfassendere und anonymisierte Angaben des Infektionsgeschehens in maschinenlesbarer Form, mehr Informationen zur Arbeit der örtlichen Gesundheitsämter sowie regionalisierte und tagesaktuelle Daten zur Anzahl der Corona-Tests forderten:

Mein Kollege Björn Schwenkter vom NDR hat jetzt noch einmal die Arbeit des RKI in Bezug auf Journalisten- und Bürgeranfragen untersucht. Mit ernüchterndem Ergebnis. So hat sich offenbar seit Beginn der Corona-Epidemie eine dreistellige Zahl unbearbeiteter Anfragen von Journalisten und Bürgern nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) angesammelt. Viele der Anfragen bleiben aufgrund personeller Engpässe unbeantwortet, Informationen werden nicht herausgegeben.

Das RKI ist dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) unterstellt. Dieses erklärte auf eine NDR-Anfrage, dass das BMG nichts von den vielen offenen Anfragen gewusst habe. Gleichwohl gebe es laut Ministerium keine Kommunikationsdefizite am RKI. Die extrem angestiegene Zahl der Anfragen und offene Personalstellen, die momentan neu besetzt werden, seien Gründe für die vielen unbeantworteten Anfragen. BMG und RKI suchen nun nach einer Lösung, konkrete Pläne wurden dem NDR allerdings nicht genannt.

Fraglich also, ob und wann die vielen Anfragen von Bürgen und Journalisten beantwortet werden. Allerdings ist auch festzuhalten, dass der eingangs erwähnte Journalisten-Appell an das RKI nicht ungehört blieb und das RKI nun ein gemeinsames Gespräch in Aussicht stellt. Den kompletten Artikel können Sie hier beim NDR nachlesen.

Daten-Update Sachsen-Anhalt

Erfreulicherweise zeigen die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in Magdeburg Wirkung. Nachdem in mehreren Familien zahlreiche neue Infektionen festgestellt und deswegen mehrere Schulen geschlossen und Wohnblocks unter Quarantäne gestellt wurden, ging die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen Tagen wieder deutlich zurück.

Von Donnerstag auf Freitag wurden nach Angaben des Sozialministeriums in Magdeburg sogar erstmals seit Anfang Juni keine Neuinfektion registriert. Alle weiteren relevanten Fallzahlen können Sie wie gewohnt den folgenden Abschnitten entnehmen.

• Gesamtzahl der Infektionen: 1.867
• Neuinfektionen seit gestern: +3
• 7-Tage-Durchschnitt der täglichen Neuinfektionen: 9

• Gesamtzahl (Schätzung) der genesenen Patienten: 1.687
• Genesene Patienten (Schätzung) seit gestern: +6
• Aktuell Infizierte (Schätzung): 122

• Todesfall-Gesamtzahl im COVID-19-Zusammenhang: 58
• Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: +0

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 4
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 3

Datenquellen für Sachsen-Anhalt:

Daten-Update Sachsen

• Gesamtzahl der Infektionen: 5.440
• Neuinfektionen seit gestern: +5
• 7-Tage-Durchschnitt der täglichen Neuinfektionen: 6

• Gesamtzahl (Schätzung) der genesenen Patienten: 5.110
• Genesene Patienten (Schätzung) seit gestern: +5
• Aktuell Infizierte (Schätzung): 107

• Todesfall-Gesamtzahl im COVID-19-Zusammenhang: 223
• Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: +0

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 37
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 12

Datenquellen für Sachsen:

Daten-Update Thüringen

• Gesamtzahl der Infektionen: 3.252
• Neuinfektionen seit gestern: +4
• 7-Tage-Durchschnitt der täglichen Neuinfektionen: 4

• Genesene Patienten laut offiziellen Meldungen: 2.901
• Genesene Patienten seit gestern: +6
• Aktuell Infizierte (Schätzung): 166

• Todesfall-Gesamtzahl im COVID-19-Zusammenhang: 185
• Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: +1

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 5
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 2

Datenquellen für Thüringen:

Daten-Update Deutschland

• Gesamtzahl der Infektionen: 192.556
• Neuinfektionen seit gestern: +477
• 7-Tage-Durchschnitt der täglichen Neuinfektionen: 575

• Gesamtzahl (Schätzung) der genesenen Patienten: 177.100
• Genesene Patienten (Schätzung) seit gestern: +300
• Aktuell Infizierte (Schätzung): 6.508

• Todesfall-Gesamtzahl im COVID-19-Zusammenhang: 8.948
Todesfälle im COVID-19-Zusammenhang seit gestern: +21

• COVID-19-Patienten auf Intensivstationen: 364
• COVID-19-Patienten, die beatmet werden müssen: 198

Datenquellen für Deutschland:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Zum Schluss empfehlen wir Ihnen noch unseren Newsletter zum Thema: In unserem Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihr Postfach. Hier geht es zur Anmeldung.

Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
Bildrechte: MDR | Grafik Florian Leue/Martin Paul

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 26. Juni 2020 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Grosser Klaus vor 12 Wochen

Es wäre sehr hilfreich, wenn die einzelnen Bundesländer zeitnah einen umfassenden Lagebericht zu den Ereignissen, Entscheidungen und Fakten der letzten Monate veröffentlichten würde. Also nicht nur Zahlen und Verordnungen, sondern mal eine gründliche Aufarbeitung, was, wann zu welchen Entscheidungen geführt hat. Etwas wo man auch nachvollziehen kann, warum es ist wie es ist. Ähnlich wie das RKI ja auch regelmäßig einen recht ausführlichen Situationsbericht herausgibt.

Grosser Klaus vor 12 Wochen

Entscheidend ist immer noch:
1. Wieviele Erkrankte gibt es?
2. Wie schwer ist die Erkrankung, wie sind die Krankheitsverläufe?
3. Wieviele Neuinfizierte, wieviele Genesene gibt es?
4. Wie hoch ist die Dunkelziffer von Neuinfizierten und von Genesenen?
5. Wie sind die Infektionswege bzw. die Infektionsketten?

artep vor 12 Wochen

Um Vergleichbarkeit zu erreichen muss man anders zählen, und zwar muss man infizierte auf 100.000 getestete zählen. Mit der zählweise des rki schafft man keine Vergleichbarkeit, da sich die Zahl der infizierten mit den Tests logischerweise erhöhen muss. Im übrigen ist das sowieso derzeit alles Unsinn, denn es geht ja darum, wieviele Menschen erkrankt sind.

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