Corona-Daten-Update 31.03.2020 Warum bei Corona-Fällen auch immer die Einwohnerzahl wichtig ist

Warum wir beim Betrachten von Corona-Fallzahlen auch immer Einwohnerzahlen berücksichtigen sollten und welchen Anteil ältere Menschen bei den Corona-Todesfällen ausmachen, das und mehr im täglichen Corona-Daten-Update.

Ein Corona-Abstrich-Test mit dem Corona-Daten-Update-Logo
Mit einem Corona-Abstrich-Test kann festgestellt werden, ob ein Patinent sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hat. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Letztes Update: 19.57 Uhr

Der Unterschied zwischen absoluten und relativen Fallzahlen

Willkommen zu einer neuen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Nachdem am Montag die meiste Arbeitszeit in das Erstellen und Implementieren neuer Grafiken geflossen ist, möchten wir im Update am Dienstag wieder mehr in die Daten schauen, um für Sie relevante Informationen zu finden. Konkret möchten wir in diesem Update die relativen Fallzahlen thematisieren.

In den vergangenen Daten-Updates sind die relativen Fallzahlen – genau genommen die Gesamtzahl der Infektionen in Relation zur Bevölkerung – zwar schon öfter aufgetaucht. Wir möchten an dieser Stelle aber die Gelegenheit nutzen, noch einen genaueren Blick darauf zu werfen. Warum ist das unserer Meinung nach wichtig für Sie?

Es ist wichtig, weil die Fallzahl in Bezug zur Bevölkerung hilft, Daten besser vergleichen zu können. Gewissermaßen "relativiert" sie die absoluten Daten. Ein Beispiel dazu aus der Kriminologie: 2018 wurden in Berlin etwa 30.000 Fahrräder als gestohlen gemeldet. In Halle waren es hingegen nur rund 3.600. In absoluten Zahlen waren Berliner also weitaus stärker betroffen. Berücksichtigt man nun aber die verschiedenen Einwohnerzahlen – relativiert also die Fallzahlen – ergibt sich ein anderes Bild: Auf 100.000 Einwohner kommen demnach rund 1.500 Fälle in Halle und etwa 830 in Berlin.

Mithilfe dieser sogenannten Häufigkeitszahl ist es uns möglich, die Corona-Fallzahlen aus verschiedenen großen Städten, Landkreisen und Bundesländern besser miteinander vergleichen und Rückschlüsse auf die Lage vor Ort ziehen zu können. Wie verhält es sich demnach also in Ihrer Region?

Die aktuelle Lage in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der nachgewiesenen Infektionen weiter gestiegen. Laut Sozialministerium sind bis zum Dienstagnachmittag 752 Menschen positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Das sind 70 mehr als am Montag. Acht infizierte Menschen sind bislang gestorben, 62 Patienten würden gegenwärtig im Krankenhaus behandelt. Die gute Nachricht: Nach Schätzungen des Ministeriums sind inzwischen 221 Infizierte im Land wieder genesen.

Die meisten Infektionen (absolut) in Sachsen-Anhalt werden momentan aus Halle gemeldet, mit Abstand gefolgt vom Landkreis Wittenberg und der Landeshauptstadt Magdeburg, die fast gleiche Werte vermelden. Betrachten wir jetzt allerdings diese Fallzahlen unter Berücksichtigung der jeweiligen Einwohnerzahl (relativ), ist es der Landkreis Witterberg, der den höchsten Wert aufweist (rund 64 Fälle pro 100.000 Einwohner).

Höher noch als die Stadt Halle (57) und fast doppelt so hoch wie Magdeburg (33), obwohl diese ja nach absoluten Fallzahlen noch gleich auf war mit dem Landkreis Wittenberg. Dieses Beispiel verdeutlicht, warum neben den oftmals vermeldeten (absoluten) Fallzahlen auch immer das Einbeziehen der jeweiligen Bezugsgröße – in diesem Fall die Einwohnerzahl – wichtig ist. In Grafik 2 der folgenden Grafik-Galerie haben wir Ihnen die aktuellen Werte aller Landkreise und kreisfreien Städten visualisiert:

Historie der Corona-Fallzahlen in Sachsen-Anhalt und den Regionen:

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Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Fälle ist in Sachsen auf 2.084 gestiegen. Im Vergleich zu Montag stieg die Anzahl der Infizierten um 154. Inzwischen gibt es in der Statistik der sächsischen Regierung 13 Todesopfer, zwei mehr als am Vortag. Bei den Verstorbenen handele es sich um Menschen, die älter als 74 Jahre waren.

Sowohl bei den absoluten als auch bei den relativen Fallzahlen weist der Landkreis Zwickau momentan die höchsten Werte aus. Interessant ist der Vergleich zwischen der Stadt Leipzig und dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Zwar meldete Leipzig bislang etwa doppelt so viele Infektionen wie der Landkreis, dafür hat Leipzig aber auch mehr als die doppelte Einwohnerzahl.

Folglich ist der Anteil der Infizierten im Vergleich zur gesamten Bevölkerung im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge höher (rund 61 auf 100.000 Einwohner) als in der Messestadt (knapp 51 auf 100.000 Einwohner). Die aktuellen Werte aller Regionen können Sie aus Grafik 3 der folgenden Grafik-Galerie entnehmen.

Historie der Corona-Fallzahlen in Sachsen und den Regionen:

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In Thüringen sind bisher sechs Menschen gestorben, die an Covid-19 erkrankt waren. Bis Dienstagnachmittag wurden für ganz Thüringen 843 bestätigte Coronavorus-Fälle aus den einzelnen Landkreis und Städten gemeldet, 47 mehr als am Montag. Allein in der Landeshauptstadt Erfurt befinden sich momentan über 800 Menschen in Quarantäne.

Sowohl in absoluten Zahlen als auch bezogen auf die jeweilige Einwohnerzahl ist der Landkreis Greiz weiterhin am schwersten betroffen. Gleichzeitig zeigen sich aufgrund der Landkreis-Struktur in Thüringen auch die Grenzen der Betrachtung bezogen auf 100.000 Einwohner: Aktuell gibt es im Freistaat 17 Landkreise und sechs kreisfreie Städte. Die Mehrzahl von ihnen hat weniger als 100.000 Einwohner. Berechnungen mit dieser Bezugsgröße können in diesen Fällen auch in die Irre führen.

Ein Beispiel: Aus der kreisfreien Stadt Suhl wurde bis einschließlich gestern sieben Coronavirus-Fälle elektronisch an das Robert-Koch-Institut (RKI) übermittelt. Suhl hat aber nur knapp 35.000 Einwohner, der auf 100.000 Einwohner gerechnete Wert liegt demzufolge bei 20. Ohne Kenntnis über die Einwohnerzahl sind also auch diese relativen Werte immer mehr ein gewissen Vorsicht zu genießen.

Alternativ könnte an dieser Stelle auch der Wert auf 10.000 Einwohner berechnet werden – allerdings müsste man das dann auch bei Vergleichen mit Regionen aus anderen Bundesländern ebenfalls tun, um nicht wieder beim berühmten Vergleich von Äpfel und Birnen zu sein.

Historie der Corona-Fallzahlen in Thüringen und den Regionen:

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Worauf Sie bei allen Corona-Fallzahlen achten sollten:

  • Achten Sie bei veröffentlichten Fallzahlen immer darauf, woher sie stammen und zu welcher Uhrzeit die Daten erhoben wurden.
  • Vergegenwärtigen Sie sich, dass lokale und regionale Quellen immer schneller sind als überregionale oder bundesweite. Diese wiederum erheben ihre Daten in regelmäßigen, festen Abständen – sind damit also besser für Vergleiche geeignet.
  • Behalten Sie das im Hinterkopf, verlieren Sie nie den Überblick.

Die Corona-Lage in Deutschland

Von Montag auf Dienstag wurden nach RKI-Angaben 4.615 Neuinfizierte registriert – jetzt sind es deutschlandweit 61.913 Fälle. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung stieg auf 583 – 128 mehr als am Vortag.

In Grafik 2 der folgenden Grafik-Galerie finden Sie die Häufigkeitszahlen aller Bundesländer. Den höchsten Wert hat nach wie vor Hamburg (120 Fälle auf 100.000 Einwohner). Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen liegen allesamt unter dem bundesweiten Durchschnittswert von 74 Fällen pro 100.000 Einwohner:

Wie immer gilt: Daten des RKI können aufgrund des Meldeverzugs abweichend von Quellen auf lokaler und regionaler Ebene sein.

Der Chef des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, ging in einer Pressekonferenz am Dienstagvormittag näher auf die Todesfälle ein, die bislang im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung an das RKI gemeldet wurden. Wieler betonte, dass prinzipiell Menschen aller Altersgruppen erkranken können. Jedoch steige mit dem Alter sowie der Zahl der Vorerkrankungen das Risiko für schwere und tödliche Krankheitsverläufe. Sichtbar wird das, wenn wir uns die Altersstruktur der bislang Verstorbenen vor Augen führen:

87 Prozent aller Verstorbenen – so RKI-Chef Wieler – waren über 70 Jahre alt, das Durchschnittsalter der Verstorbenen liegt bei 80 Jahren. Im Gegensatz dazu liegt das durchschnittliche Alter eines Infizierten bei 47 Jahren, die Altersgruppe der 35- bis 59-Jährigen ist zudem mit Abstand am häufigsten von Infektionen betroffen. Schlussfolgerung: Auch wenn nur etwa jeder zehnte Infizierte über 70 ist, so sind beinahe 9 von 10 Verstorbenen über 70 – und damit besonders gefährdet.

Was uns darüber hinaus in den Daten auffällt: Das Verhältnis bei den Infektionsfällen ist zwischen Männern (52 Prozent) und Frauen (48%) fast ausgeglichen. Bei den Verstorbenen sind es hingegen häufiger Männer (66 Prozent) als Frauen (34 Prozent). Einfach erklärbar wäre das, wenn der Anteil der Männer über 70 in der Bevölkerung höher wäre als der Frauenanteil. Es verhält sich aber genau umgekehrt: Je älter die Menschen in Deutschland sind, umso höher ist der Anteil der Frauen. Männer im hohen Alter sind also – obwohl es sie seltener gibt – häufiger unter den Verstorbenen.

Weil gerade ältere Menschen anfällig für das neuartige Coronavirus sind, befürchten Experten wie der Virologe Alexander Kekulé, dass Pflegeheime zu "Corona-Hotspots" werden. Allein in der stationären Pflege werden in Deutschland laut Bundesgesundheitsministerium rund 800.000 Menschen betreut – und praktisch alle gehören zur Risikogruppe.

Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich aus den RKI-Fallzahlen übrigens noch nicht eindeutig ablesen, inwiefern die regionalen und bundesweiten Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Epedemie bereits Wirkung zeigen. Was aber zumindest ein wenig Hoffnung macht: Nach Schätzungen des RKI haben deutschlandweit bereits etwa 16.000 Infizierte die Erkrankung überstanden und sind wieder gesund.

Corona-Situation weltweit

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.


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Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 31. März 2020 | 16:00 Uhr

4 Kommentare

Mediator vor 8 Wochen

Entschuldigung, aber ihr Ton ist meiner Meinung nach ziemlich daneben! Unser Land sieht sich mit einer Krise konfrontiert, in der man doch tunlichst peinliches und vor allem unsubstanzielle Regierungsschelte lassen sollte.

Momentan geht es um die Bewältigung der Krise und wenn wir hoffentlich als Gesellschaft durch kluges Handeln tausende von Menschenleben gerettet haben werden, DANN kann man sich Gedanken über die Kosten machen. Ganz nebenbei finde ich ihren durchklingende Sozialeid gegenüber Rentnern, denen ja alles angeblich bezahlt wird, ziemlich daneben, aber leider typisch für Leute die wie sie Sündenböcke suchen statt sich an Lösungen zu beteiligen.

An Covid-19 kann übrigens jeder in unserem Land erkraken und auch junge gesunde Menschen sind bereits gestorben. Seien sie froh, dass wir Fachleute in Regierung und Verwaltung haben, die mit sehr viel Sachverstand und Fingerspitzengefühl über Maßnahmen entscheiden.

ElBuffo vor 8 Wochen

Die Zahlen sprechen ja dann doch eine eindeutige Sprache, gerade wenn man sie in Relation setzt. Das lässt für die Zeit nach Ostern hoffen, dass nicht mehr Kinder und die arbeitsfähige Bevölkerung weggesperrt wird, sondern die Risikogruppen. Die haben j nebenbei ganz selbstverständlich den Anspruch, dass ihnen die anderen den Lebensunterhalt, Pflege und medizinische Versorgung vollumfänglich bezahlen.
Und die ganzen anderen Blankozusagen der Regierung wollen ja auch noch irgendwie erwirtschaftet werden. Im Gegensatz zu manchem Berufsfunktionär ist das ja nicht der Staat, sondern eben die arbeitende Bevölkerung, die dafür zuständig ist.
Vielleicht sollte die Risikogruppe nur noch zwischen 9 und 13 Uhr einkaufen gehen und danach aus der Öffentlichkeit verschwinden.

MDR-Team vor 8 Wochen

Danke für das Feedback und die netten Worte. Im Absatz zur aktuellen Lage in Sachsen-Anhalt finden Sie direkt unter der Karte den Hinweis zur Zahl der genesenen Personen in Sachsen-Anhalt. Es handelt sich um eine Schätzung.

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