Corona-Daten-Update 27.03.2020 So ist die Corona-Lage direkt in Ihrer Region

Manuel Mohr
Bildrechte: BR/Philipp Kimmelzwinger

Ob Frauen oder Männer in Ihrem Landkreis oder Ihrer Stadt momentan öfter von einer Coronavirus-Infektion betroffen sind und wie sich die einzelnen Altersgruppen voneinandern unterscheiden, das und mehr im täglichen Corona-Daten-Update.

Ein Verkehrsschild als Virenwarnung.
Auch in den kommden Tagen gilt es, sich vor dem Anstecken mit dem neuartigen Coronavirus zu schützen. Bildrechte: MDR/imago images/Ralph Peters

Letztes Update: 19.08 Uhr

Sachsen-Anhalt | Sachsen | Thüringen: Die aktuelle Lage

Guten Abend zum neuesten Corona-Daten-Update. In Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen ergibt sich aus den aktuellen Daten am Freitagabend folgende Corona-Lage:

Bitte beachten Sie, dass die Daten in der Karte, die zum Veröffentlichungszeitpunkt aktuellsten sind. Diese wurden nicht zwangsläufig zur gleichen Uhrzeit erhoben und stammen aus verschiedenen Quellen, die Sie den folgenden Hinweisen entnehmen können.

Hinweise zur Karte

Aus Sachsen-Anhalt stammen die Zahlen vom Sozialministerium. Die Daten des Freistaats Sachsen stammen ebenfalls vom dortigen Sozialministerium. In Sachsen wird bei der Veröffentlichung zwischen elektronisch übermittelten Fällen und den Fällen inklusive Vorabmeldungen unterschieden. In unserer Karte haben wir uns dafür entschieden, die Fälle inklusive der Vorabmeldungen zu veröffentlichen, da so ein Vergleich mit Sachsen-Anhalt und Thüringen besser möglich ist.

In Thüringen wiederum veröffentlicht die Landesregierung einmal täglich neue Fallzahlen. Meine Kollegen von MDR THÜRINGEN werten laufend aktuelle Meldungen aus den Landkreisen und kreisfreien Städten aus, sodass ihre Angaben aktueller und damit auch höher als die des Landes sind. In der Karte verwende ich daher die recherchierten und geprüften Daten meiner Thüringer Kollegen.

Die Gesamtzahl der bestätigten Corona-Infektionen in Sachsen-Anhalt stieg am Freitag auf 561 – 61 mehr als am Donnerstag. Infolge einer Häufung von neuen Fällen innerhalb kürzester Zeit stehen seit Donnerstagmorgen im Landkreis Wittenberg zwei Stadtteile von Jessen (Elster) bis 10. April unter Quarantäne.

Neu für mich war am Freitag, dass das Sozialministerium neuerdings neben den Fallzahlen auch eine Schätzung der genesenen Patienten ausgibt. Demnach können 85 Personen als genesen geschätzt werden. Diese Angaben liegen laut Ministerium einer Formel zugrunde, in der leichte und schwere Krankheitsverläufe mit unterschiedlichen Genesungszeiten berücksichtigt werden.

Aus Sachsen wurde im Tagesverlauf ein neunten Todesfall eines an dem Coronavirus erkrankten Patienten bekannt. Auch die Zahl der Corona-Patienten nahm weiter zu. Mittlerweile wurde bei 1.505 Menschen eine Infektion nachgewiesen, 230 mehr als am Donnerstag. Zu den Todesfällen sagte die sächsische Gesundheitsministerin Petra Köpping bei einer Pressekonferenz: "Das sind alles Menschen, die hoch betagt sind und deswegen bestätigt sich das, dass gerade ältere Menschen aufpassen und sich schützen müssen."

In Thüringen haben sich in einem Seniorenheim in Triptis (Saale-Orla-Kreis) gleich zehn Bewohner und elf Mitarbeiter mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Bereits am Donnerstag wurde die Einrichtung, in der 66 Senioren leben, unter Quarantäne gestellt. Die Gesamtzahl der Infizierten stieg bis zum Abend auf 644, das sind 67 mehr als am Donnerstag. Die Thüringer Landesregierung schätzt die Zahl der Corona-Genesenden gegenwärtig auf 110.

Wie sich – basierend auf den einmal täglich aktualisierten Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) – die Fallzahlen in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen seit Bekanntwerden der ersten Fälle entwickelt haben, können Sie aus den folgenden zwei Grafiken entnehmen.

Neu in dieser Zusammenstellung ist eine Karte mit den aktuellen Fallzahlen in Relation zur Einwohnerzahl für alle Regionen. Damit bekommen Sie einen noch besseren Einblick zur momentan Lage in Ihrer Heimat. Mit einem Klick auf einen Landkreis sehen Sie übrigens auch die Alters- und Geschlechterverteilung der bislang Infizierten:

Was mir an den Zahlen bezogen auf 100.000 Einwohnern besonders aufgefallen ist: Im ostthüringischen Landkreis Greiz – gegenwärtig die Region mit der höchsten Fallzahl pro 100.000 Einwohner – ist die Mehrheit der Infizierten weiblich. Ganz besonders in der Altersgruppe der 35- bis 59-Jährigen. Deutschlandweit hingegen sind 55 Prozent aller Infizierten männlich. Bei meinen Kollegen von MDR THÜRINGEN lese ich in diesem Zusammenhang, dass als Ausgangspunkt für viele Infektionen im Landkreis Greiz im Wesentlichen zwei große Familienfeiern gelten.

Ebenfalls stutzig macht mich die Tatsache, dass der Landkreis mit der zweithöchsten Fallzahl pro 100.000 Einwohner ausgerechnet der Landkreis Zwickau ist. Auf sächsischer Seite grenzt dieser direkt an den Landkrei Greiz an. Ob das Zufall ist oder ob es einen Zusammenhang gibt, ist momentan aber noch unbekannt.

Worauf Sie bei allen Corona-Fallzahlen achten sollten:

  • Achten Sie bei veröffentlichten Fallzahlen immer darauf, woher sie stammen und zu welcher Uhrzeit die Daten erhoben wurden.
  • Vergegenwärtigen Sie sich, dass lokale und regionale Quellen immer schneller sind als überregionale oder bundesweite. Diese wiederum erheben ihre Daten in regelmäßigen, festen Abständen – sind damit also besser für Vergleiche geeignet.
  • Behalten Sie das im Hinterkopf, verlieren Sie nie den Überblick.

Ein abgesperrte Hauptstraße und ein Polizeiauto mit Audio
Coronavirus: 8.000 Einwohner in Jessen im Landkreis Wittenberg unter Quarantäne Bildrechte: Telenewsnetwork,colourbox, Florian Leue,

Die Corona-Lage in Deutschland

Die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus ist deutschlandweit erneut deutlich angestiegen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind bis Mitternacht über 42.288 Infektionen gemeldet worden – 5.780 Fälle mehr als am Donnerstag. Bundesweit sind bislang 253 Menschen infolge einer Coronavirus-Infektion gestorben. Die Zahl der Toten stieg innerhalb von 24 Stunden um 55 an. Alle weiteren Informationen finden Sie wie gewohnt in den folgenden vier Grafiken:

Wie immer gilt: Daten des RKI können aufgrund des Meldeverzugs abweichend von Quellen auf lokaler und regionaler Ebene sein.

Corona-Situation weltweit

Den Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) zufolge waren bis zum frühen Abend weltweit über 555.000 Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus bekannt. Innerhalb nur weniger Tage haben die Vereinigten Staaten China als Land mit den bislang meisten gemeldeten Infektionen abgelöst. Aus welchen Ländern die Forscher der JHU darüber hinaus die meisten Todes- und Genesungsfälle ermittelt haben, können Sie wie immer in den folgenden drei Grafiken nachlesen:

Die Corona-Krise wirkt sich auch auf den weltweiten Flugverkehr aus. Vielerorts sind Flguhäfen ganz oder teilweise geschlossen, viele Flugzeuge bleiben am Boden. Das zeigt sich auch im Vergleich der Flugzahlen von flightradar24, einem Onlinedienst zur Echtzeit-Darstellung von Flugzeugen:

Am Montag geht es an dieser Stelle weiter mit dem nächsten Corona-Daten-Update. Wenn Sie sich bis dahin weiter über den aktuellen Stand in Ihrer Region informieren möchten, empfehle ich Ihnen die fortlaufende Berichterstattung von MDR AKTUELL, MDR SACHSEN-ANHALT, MDR SACHSEN und MDR THÜRINGEN sowie die neue Ausgabe des Podcasts "Was bleibt". In dieser spricht mein Kollege und Podcast-Host Julien Bremer über Orte unter Quarantäne, jede Menge Daten und den neuen Alltag von KassiererInnen – unter anderem auch mit mir.

Generelle Einschätzung der Daten Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.


Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Wir haben einen neuen Newsletter gestartet: Ihr Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Was am Tag wichtig war, was für Sie morgen wichtig wird – montags bis freitags um 20 Uhr. Hier geht es zur Anmeldung.

Manuel Mohr
Bildrechte: BR/Philipp Kimmelzwinger

Über den Autor Manuel Mohr arbeitet seit 2017 als Datenjournalist in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Sein Aufgabenschwerpunkt liegt in der Recherche und Analyse von Daten und Statistiken, aus denen Geschichten für Online, Radio und Fernsehen entstehen.

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. März 2020 | 18:00 Uhr

4 Kommentare

nasowasaberauch vor 9 Wochen

Kaum ist eine Woche mit Beschränkungen um und schon fangen Teile der Bevölkerung und die Medien an nach Lockerungen zu fragen. Geduld ist nicht gerade unsere Tugend. Noch steigen die Zahlen und es wir wohl noch min 14 Tage dauern, bis eine Tendenz sich abzeichnet. Und an die Politik gerichtet: Wir waren entgegen den Verlautbarungen z.B. von Herrn Spahn nicht vorbereitet (Masken+Schutzbekleidung), der Föderalismus ist auf diesem Problemfeld kein Vorteil und deshalb wurde auch zu spät reagiert.

Hempi vor 9 Wochen

Ist ja positiv das nun auch mal die wieder genesenen Patienten mit angeführt werden. Wenn man heute von mehr als 50000 Infizierten in Deutschland laut Johns Hopkins University CSSE spricht, dann blendet man die knapp 8000 wieder genesenen plus leider auch Toten aus. Also hat man aktuell keine 50000 Infizierten in Deutschland.

pkeszler vor 9 Wochen

In Deutschland sind die Coronafälle besonders viel, wo die höchste Industrieproduktion ist, in Bayern, in Nordrhein-Westfalen und in Baden-Württemberg. Da wurde wohl am Gesundheitswesen und besonders an den Schutzausrüstungen des Krankenhauspersonals am meisten gespart?

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