Corona-Daten-Update 02.04.2020 So stark ist die Krankenhaus-Auslastung mit Corona-Patienten

Wie eine bundesweite Datenbank Auskunft über freie Intensivbetten geben soll und was sich daraus für Kliniken in Ihrer Region ablesen lässt, das und mehr im täglichen Corona-Daten-Update.

Krankenschwester Cornelia Möller prüft ein Beatmungsgeräte in einem Zimmer der Intensivstation in der Helios-Klinik.
Wie stark die Intensivstationen der einzelnen Kliniken ausgelastet sind, soll mit einer neuen Datenbank tagesaktuell ermittelt werden. Bildrechte: dpa

Letztes Update: 19.34 Uhr

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates, dieses Mal insbesondere mit dem Blick auf die intensivmedizinischen Kapazitäten der Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Warum das unserer Meinung nach wichtig ist?

Weil alle Maßnahmen – wie etwa Kita- und Schulschließungen sowie die Kontaktbeschränkungen – zum Ziel haben, dass sich möglichst wenige Menschen zeitgleich mit dem neuartigen Coronavirus anstecken und folglich nicht zu viele Infizierte gleichzeitig auf Intensivstationen behandelt werden müssen.

Um aber überhaupt einen möglichst vollständigen Überblick zu haben, welches Krankenhaus wie viele Intensivbetten hat und wie viele davon frei oder belegt sind, hat die deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) und der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) in den vergangenen Tagen das sogenannte DIVI-Intensivregister aufgebaut:

In diese Datenbank können Kliniken ihre intensivmedizinischen Kapazitäten und die intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Fälle eintragen. Mit Stand 02.04.2020 beteiligen sich deutschlandweit 975 Kliniken oder Abteilungen an der Datenerhebung – das sind über 80 Prozent aller Einrichtungen mit Intensiv-Abteilungen. Demnach wurden 29.290 Intensivbetten registriert, wovon 11.500 belegt sind. Davon wiederum sind allerdings nur 2.139 Covid-19-Patienten.

9.020 Intensivbetten sind aktuell frei, insgesamt 8.770 Betten könnten binnen 24 Stunden neu belegt werden. Auch wenn damit gegenwärtig noch nicht alle Krankenhäuser an der Datenerhebung mitwirken, zeigen die Zahlen unserer Meinung nach ein aktuelles und realistisches Bild über die Lage in den Kliniken. Zudem dient das Register den Kliniken, die bereits ausgelastet sind, um ihre Patienten auch auf andere Krankenhäuser zu verteilen.

In der Folge wollen wir die aktuelle Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen näher beleuchten.

Corona-Daten aus Sachsen-Anhalt

Die aktuelle Lage (Stand 15.21 Uhr):

  • Gesamtzahl der Infektionen: 838 (+ 32 zum Vortag)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 291
  • Todesfälle im Covid-19-Zusammenhang: 11 (+ 3)

Am Donnerstag sind Angaben zu 31 Kliniken mit Intensivbereichen in Sachsen-Anhalt im DIVI-Intensivregister sichtbar. Aktuell sind danach 319 Intensivbetten frei und 340 belegt. 243 weitere Betten könnten in den nächsten 24 Stunden zusätzlich noch bereit gestellt werden. Einzige Einschränkung: Die Meldungen einzelner Häuser sind bereits zwei oder mehr Wochen alt, die große Mehrheit hat aber zuletzt im Laufe des Donnerstags aktuelle Angaben übermittelt.

Was wir noch aus der Datenbank gelernt haben: Die freien, belegten und zusätzlichen Betten werden in drei verschiedene Kategorien unterteilt:

  1. ICU low care: Intensivbetten ohne invasive Beatmungsmöglichkeit (Monitoring, Überwachung, ggf. nicht-invasive Beatmung möglich)
  2. ICU high care: Intensivbetten mit invasiver Beatmungsmöglichkeit (Beatmungsbetten)
  3. ECMO: eine Maschine übernimmt teilweise oder vollständig die Atemfunktion von Patienten

In Kategorie 1 und 2 sind in Sachsen-Anhalt momentan jeweils etwa die Hälfte aller Betten frei, in Kategorie 3 sogar alle. Wichtig dabei: In den allermeisten belegten Betten (ca. 95 Prozent) liegen keine Covid-19-Patienten. Denn laut DIVI-Register werden momentan nur 18 Coronavirus-Infizierte intensivmedizinisch behandelt, davon müssen 10 beatmet werden.

Die meisten Patienten werden momentan aus den Intensivstationen in Halle und Merseburg gemeldet – Kliniken in Magdeburg, Dessau und der Altmark hingegen haben heute keine Covid-19-Intensivfälle an das Register übermittelt. Insgesamt wird sichtbar, dass die Intensivstationen im Land zwar eine gewisse Auslastung haben, diese bislang aber glücklicherweise kaum auf schwere Covid-19-Krankheitsverläufe zurück zu führen ist.

So haben sich die Corona-Fallzahlen in Sachsen-Anhalt und den Regionen bislang entwickelt:

Über die Buttons "weiter" und "zurück" können Sie zwischen den Grafiken hin und her wechseln.

Corona-Daten aus Sachsen

Die aktuelle Lage (Stand 13.00 Uhr):

  • Gesamtzahl der Infektionen: 2.411 (+ 166 zum Vortag)
  • Todesfälle im Covid-19-Zusammenhang: 19 (+ 1)

Aus Sachsen sind am Donnerstag Daten zu insgesamt 50 Krankenhäusern im Intensivregister abrufbar. Hier zeigt sich ein ähnliches Bild wie in Sachsen-Anhalt: Wenige Klinken haben letztmals vor etwa zwei Wochen ihre Daten übermittelt, die allermeisten zuletzt am Donnerstag.

Danach sind momentan 518 Intensivbetten frei, 592 belegt und weitere 567 könnten innerhalb von 24 Stunden bereitgestellt werden. Laut den Klinik-Meldungen befinden sich 43 Covid-19-Patienten momentan in intensivmedizinischer Behandlung, 32 davon müssen beatmet werden.

Damit sind in Sachsen etwa sieben Prozent der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt. Insgesamt ist die Lage für das sächsische Gesundheitssystem laut DIVI-Register momentan aber noch nicht angespannt.

So haben sich die Corona-Fallzahlen in Sachsen und den Regionen bislang entwickelt:

Über die Buttons "weiter" und "zurück" können Sie zwischen den Grafiken hin und her wechseln.

Corona-Daten aus Thüringen

Die aktuelle Lage (Stand 18.00 Uhr):

  • Gesamtzahl der Infektionen: 997 (+ 77 zum Vortag)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 115
  • Todesfälle im Covid-19-Zusammenhang: 9 (+ 1)

Im DIVI-Intensivregister waren am Donnerstag Angaben zu 24 Kliniken aus Thüringen zu finden. Die Daten sind im Vergleich zu Sachsen-Anhalt und Sachsen noch aktueller und fast ausnahmslos nicht älter als 24 Stunden. Demnach waren 372 Intensivbetten frei, 316 belegt und weitere 428 innerhalb eines Tages zusätzlich verfügbar.

Von den laut Datenbank 28 Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behanldung mussten fast alle (24) beatmet werden. Jedoch sind auch hier bei weitem zum Glück noch nicht alle Kapazitäten ausgeschöpft.

So haben sich die Corona-Fallzahlen in Thüringen und den Regionen bislang entwickelt:

Über die Buttons "weiter" und "zurück" können Sie zwischen den Grafiken hin und her wechseln.

Worauf Sie bei allen Corona-Fallzahlen achten sollten:

  • Achten Sie bei veröffentlichten Fallzahlen immer darauf, woher sie stammen und zu welcher Uhrzeit die Daten erhoben wurden.
  • Vergegenwärtigen Sie sich, dass lokale und regionale Quellen immer schneller sind als überregionale oder bundesweite. Diese wiederum erheben ihre Daten in regelmäßigen, festen Abständen – sind damit also besser für Vergleiche geeignet.
  • Behalten Sie das im Hinterkopf, verlieren Sie nie den Überblick.

Zwischenfazit zum DIVI-Intensivregister

Neben der Zahl der täglichen Neuinfektionen sind die Daten aus den Intensivstationen in den kommenden Tagen und Wochen ein sehr wichtiger Gradmesser. Anhand der Angaben können wir tagesaktuell ablesen, wie stark die Auslastung auf den Intensivstationen ist und inwiefern die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Epedemie das Gesundheitssystem auch weiterhin vor einem Kollaps bewahren.

In den nächsten Tagen soll das Register umgestaltet werden. Wie genau, das wissen wir nicht. Wir behalten die Angaben aber selbstverständlich für Sie im Auge und werden die neuen Daten regelmäßig in künftigen Corona-Daten-Updates integrieren. Was aus unserer Sicht dabei auch wichtig ist: Alle Kliniken mit Intensivstationen sollten nach Möglichkeit jeden Tag ihren aktuellen Patientenzahlen und Bettenkapazitäten übermitteln. Denn sollten einzelne Kliniken an ihr Limit kommen, ist es für das Wohl der Patienten enorm wichtig, schnell eine Alternative zu finden.

Corona-Daten aus Deutschland

  • Gesamtzahl der Infektionen: 73.522 (+6.156 zum Vortrag)
  • Schätzung der genesenen Patienten: ca. 21.400
  • Todesfälle im Covid-19-Zusammenhang: 872 (+140)
  • 86% der Todesfälle sind 70 Jahre oder älter

Wie immer gilt: Daten des RKI können aufgrund des Meldeverzugs abweichend von Quellen auf lokaler und regionaler Ebene sein.

Corona-Daten weltweit

Die Zahl der Corona-Opfer in den USA steigt ebenfalls weiter drastisch an, mittlerweile kamen dort mehr als 5.300 Menschen ums Leben (Stand 19.00 Uhr):

In Großbritannien starben bislang mehr als 2.900 Menschen infolge einer Corona-Infektion. Nun beruft das Land zunächst sechs Monate 3000 Reservisten ein. Sie sollen unter anderem das Gesundheitssystem NHS medizinisch und logistisch unterstützen, teilt das Verteidigungsministerium mit.

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.


Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Wir haben einen neuen Newsletter gestartet: Ihr Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Was am Tag wichtig war, was für Sie morgen wichtig wird – montags bis freitags um 20 Uhr. Hier geht es zur Anmeldung.

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 02. April 2020 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Grosser Klaus vor 7 Wochen

Die Zahlenspielereien des MDR Sachsen-Anhalt bringen hier nichts, denn ihre Zahlen sie stammen nicht aus einer einzigen Quelle und die Zahlen werden oftmals mehrmals am Tag und zu unterschiedlichen Zeiten erhoben.
Gesundheitsämter als Datenquelle zu nutzen ist nicht zielführend. Das Gesundheitsamt in Jena ist dafür ein schlechtes Beispiel, denn sie geben nicht die tatsächlichen Zahlen weiter.

Zum Beispiel:

Quelle MDR THÜRINGEN:

Jena
Thüringen

128 bestätigte Fälle
6 genesen
1 gestorben

Stand: 2. April 2020, 18.00 Uhr


Quelle ZEIT:

Jena
Thüringen

133 bestätigte Fälle
5 genesen
1 gestorben

Stand: 2. April 2020, keine Uhrzeit

Quelle Stadt Jena:

Jena
Thüringen

133 bestätigte Fälle
24 genesen
1 gestorben

Stand: 2. April 2020, sogenannte Abendlage keine Uhrzeit

Quelle Land Thüringen:

Jena
Thüringen

117 bestätigte Fälle
5 genesen Stand 25. März, 10.00 Uhr, da Jena die Genesenen nicht mehr meldet
1 gestorben

Stand: 2. April 2020, 10.00 Uhr

MDR-Team vor 7 Wochen

Im folgenden Artikel können Sie nachlesen, warum Corona statistisch deutlich tödlicher ist als die Grippe: https://www.mdr.de/wissen/grippe-erkaeltung-ansteckung-fieber-arztbesuch-sachsen-anhalt-thueringen-100.html Wir freuen uns über kritische Diskussionen zu unseren Beiträgen und bitten Sie deshalb kenntlich zu machen, woher Sie Ihre Informationen und Zahlen nehmen.

festazitus vor 7 Wochen

Covid-19 bestimmt zur Zeit unseren Alltag, trotzdem ist und bleibt Covid-19 eine Art Influenzavirus. In der Vergangenheit hat sich fast jeder Influenzavirus auf 10-15% der Bevölkerung verbreitet, das ist vollkommen normal! Das bedeutet das bei etwa 10 Millionen Bundesbürgern über kurz oder lang dieser Virus nachweisbar sein wird. Die Meisten werden von dieser Infektion nichts mitbekommen. Covid-19 Erkrankte zeigen normale Grippesymptome, auch die Sterblichkeitsrate liegt im normalen Grippebereich. Täglich sterben in Deutschland etwa 2900 Menschen. Wenn bei 10% dieser 2900 Gestorbenen ein Nachweis erbringt das Covid-19 auf den Schleimhäuten vorhanden ist (so wie viele andere Grippeerreger auch) werden diese 290 Toten als Covid-19 Opfer geführt, ob Covid-19 wirklich die Todesursache war, das interessiert niemanden.

Durch eine verantwortungsvollere und vor allem zurückhaltendere Interpretation der vorliegenden Zahlen hätte man viel Schaden von unserem Land abwenden können.

Mehr aus Sachsen-Anhalt