Corona-Daten-Update 20.04.2020 So viele Menschen sind durch Vorerkrankungen besonders gefährdet

Manuel Mohr
Bildrechte: BR/Philipp Kimmelzwinger

Bei einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus sind Menschen mit Vorerkrankungen besonders gefährdet für einen schweren Krankheitsverlauf. Wie viele Betroffene es in Ihrem Stadt- oder Landkreis gibt, das und mehr im täglichen Corona-Daten-Update.

Kunden tragen Schutzmasken bei ihrem Einkauf in einem Supermarkt.
Je nach Region sind bis zu 44 Prozent der Bevölkerung bei einer Covid-19-Erkrankung besonders gefährdet für einen schweren Krankheitsverlauf. Bildrechte: MDR/dpa

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Wussten Sie? Etwa jeder vierte Mensch in Deutschland hat im Falle einer Covid-19-Erkrankung ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Das geht aus einer kürzlich veröffentlichten Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor. Demnach liegt bei rund 21,9 Millionen Einwohnern mindestens eine Vorerkrankung vor, die laut Robert Koch-Institut (RKI) mit schweren Krankheitsverläufen einhergehen.

Zu den Vorerkrankungen gehören:

  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems (z. B. koronare Herzerkrankung und Blut- hochdruck),
  • Erkrankungen der Lunge (z. B. Asthma, chronische Bronchitis),
  • Lebererkrankungen,
  • Diabetes mellitus,
  • Krebserkrankungen und
  • geschwächtes Immunsystem (z. B. aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht, oder durch Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr schwächen, wie z. B. Cortison).

Das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf nimmt mit zunehmendem Lebensalter deutlich zu. Während bei den unter 20-Jährigen nur etwas mehr drei Prozent mindestens eine der Vorerkrankungen aufweisen, sind es bei den über 80-Jährigen rund 80 Prozent. Knapp zwei Drittel der insgesamt 21,9 Millionen Betroffenen mit mindestens einer Vorerkrankung sind 60 Jahre alt oder älter.

Große regionale Unterschiede

Der Anteil der Bevölkerung mit mindestens einer Vorerkrankung variiert zwischen den Bundesländern. Die höchsten Anteile haben Sachsen-Anhalt (35,1 Prozent), Thüringen (34,5 Prozent) und Sachsen (32,8 Prozent). Die niedrigsten Werte hingegen weisen Hamburg (21,4 Prozent), Berlin (22,2 Prozent) und Baden-Württemberg (23,1 Prozent) auf. Die Unterschiede werden auch auf der Ebene der Stadt- und Landkreise sichtbar.

So leben in den Universitätsstädten Heidelberg (13,9 Prozent), Freiburg im Breisgau (16,1 Prozent) oder Münster (17,1 Prozent) vergleichsweise wenige Einwohner mit Vorerkrankungen. Dagegen liegen in Mansfeld-Südharz (43,5 Prozent, Sachsen-Anhalt), Suhl (42,9 Prozent) oder Sonneberg (42,1 Prozent, beides Thüringen) die Anteile bis zu dreimal so hoch.

Die drei wichtigsten Ergebnisse der Studie können Sie in den folgenden Grafiken (über "weiter" und "zurück") nachlesen:

Die Studie basiert auf AOK-Abrechnungsdaten von rund 26 Millionen AOK-Versicherten aus dem Jahr 2018. Betrachtet wurden ambulante und stationäre Behandlungen sowie ambulante Arzneimitteltherapien. Die so gewonnenen Daten wurden alters- und geschlechtsspezifisch auf die Bevölkerung hochgerechnet.

Aktuellere Daten, beispielsweise für das Jahr 2019, lagen noch nicht vor. Laut den Autoren der Studie sei jedoch bekannt, dass Krankheitsraten insbesondere bei chronischen Erkrankungen nur geringfügigen jährlichen Änderungen unterliegen.

Wie sich die aktuellen Corona-Fallzahlen über das Wochenende entwickelt haben, können Sie, wie gewohnt, den folgenden Kapiteln entnehmen.

Daten-Update Sachsen-Anhalt

  • Gesamtzahl der Infektionen: 1.387 (+16 zum Vortag)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 924 (+27)
  • Todesfälle im Covid-19-Zusammenhang: 32 (+2)

Daten-Update Sachsen

  • Gesamtzahl der Infektionen: 4.333 (+32 zum Vortag)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 2.850 (+50)
  • Todesfälle im Covid-19-Zusammenhang: 119 (+6)

Daten-Update Thüringen

  • Gesamtzahl der Infektionen: 1.827 (+25 zum Vortag)
  • Genesenen Patienten laut offiziellen Meldungen: 854 (+61)
  • Todesfälle im Covid-19-Zusammenhang: 60 (+5)

Daten-Update Deutschland

  • Gesamtzahl der Infektionen: 141.672 (+ 1.775 zum Vortag)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 91.500 (+3.500)
  • Todesfälle im Covid-19-Zusammenhang: 4.404 (+110)

Was wir anhand von Corona-Daten wissen

Wie werden Corona-Fälle überhaupt gezählt?

Ein Arzt oder ein Labor stellt mittels eines Testverfahrens (zum Beispiel Rachenabstrich) bei einem Patienten die Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 fest. Ein positives Testergebnis muss dem jeweils zuständigen Gesundheitsamt innerhalb von 24 Stunden gemäß Meldepflichtverordnung mitgeteilt werden.

Die so eingehenden Fälle werden von den zuständigen Gesundheitsämtern elektronisch an die zuständigen Landesbehörden und von dort spätestens am nächsten Arbeitstag ans Robert-Koch-Institut (RKI) übermittelt. Nach und nach tauchen neue Corona-Infektionen entlang dieser Meldekette zuerst in den Statistiken der lokalen Behörden und etwas später dann in denen der regionalen und bundesweiten Meldestellen auf.

Warum unterscheiden sich die Fallzahlen je nach Quelle?

Durch die eben beschriebene Meldekette kann es bei der Übermittlung zu einem Zeitverzug von einigen Stunden bis hin zu einigen Tagen kommen. Vorsicht also, wenn Sie beispielsweise die Angaben einer Landesbehörde am selben Tag noch mit den RKI-Zahlen für das gleiche Bundesland vergleichen.

Oder wenn die Angaben eines Landkreises höher sind als die der Landesbehörden. Schnell ist man da beim berühmten Vergleich von Äpfeln und Birnen. Das Vorgehen aller Institutionen ist legitim und durchaus nachvollziehbar, führt aber immer wieder dazu, dass in der Öffentlichkeit verschiedene Zahlen kursieren.

Welche Daten nutzen wir für das tägliche Corona-Daten-Update?

Um Sie möglichst umfangreich zu informieren, nutzen wir verschiedene Quellen. Bei der aktuellen Lage aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen greifen wir auf die jeweils neuesten landesweiten Zahlen zurück, die den MDR-Redaktionen in Magdeburg, Dresden und Erfurt am frühen Abend vorliegen.

In Sachsen-Anhalt sind das die Daten des Sozialministeriums, die zwei Mal pro Tag aktualisiert werden. Aus Sachsen stammen die Zahlen ebenfalls vom dortigen Sozialministerium und werden immer mittags aktualisiert. Da die Thüringer Landesregierung bereits immer am Vormittag das einzige Update des Tages veröffentlicht, erheben unsere Kollegen von MDR THÜRINGEN bis zum Abend selbst neue Fallzahlen, die einzelne Landkreise und Städte im Tagesverlauf veröffentlichen.

Um die Entwicklung der Corona-Daten auf Landes- und Kreisebene von Beginn an zu zeigen, verwenden wir ausschließlich Daten des RKI. Diese werden zwar nur einmal täglich aktualisiert, dafür aber aufgrund des Meldeverfahrens immer einheitlich. Sie sind deshalb für Vergleiche und das Betrachten von zeitlichen Entwicklungen gut geeignet.

Das RKI ist ebenfalls unsere Quelle für die deutschlandweiten Zahlen, die weltweiten stammen von der Johns-Hopkins-Universität (JHU) aus den USA. Mithilfe dieser Quellen ist es uns möglich, Ihnen einerseits sehr aktuelle Fallzahlen auf Bundesland- und Kreisebene und andererseits längerfristige Trends und Entwicklungen zu zeigen.

Welche Rolle spielen Alter und Geschlecht bei Corona-Infektionen und -Todesfällen?

Das Durchschnittsalter eines Infizierten in Deutschland liegt momentan bei knapp unter 50 Jahren. Die Altersgruppe der 35- bis 59-Jährigen ist bislang am häufigsten von Infektionen betroffen. Allerdings: Über 80 Prozent aller bislang in Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion Verstorbenen waren über 70 Jahre alt. Auch wenn nur etwa jeder zehnte Infizierte über 70 ist, so sind beinahe 9 von 10 Verstorbenen über 70 – und damit besonders gefährdet.

Das Verhältnis bei den Infektionsfällen ist zwischen Männern und Frauen fast ausgeglichen. Bei den Verstorbenen hingegen sind die Mehrheit Männern – und das, obwohl je älter die Menschen in Deutschland werden, der Anteil der Frauen umso höher ist. Männer im hohen Alter sind also – obwohl es sie seltener gibt – häufiger unter den Verstorbenen.

Warum ist bei Corona-Fällen auch immer die Einwohnerzahl wichtig?

Einwohnerzahlen sind wichtig, weil sie reine, absolute Fallzahlen in Bezug zur Bevölkerung setzen und Daten damit besser vergleichbar machen. Ein Beispiel dazu aus der Kriminologie: 2018 wurden in Berlin etwa 30.000 Fahrräder als gestohlen gemeldet. In Halle waren es hingegen nur rund 3.600. In absoluten Zahlen waren Berliner also weitaus stärker betroffen. Berücksichtigt man nun aber die verschiedenen Einwohnerzahlen – relativiert also die Fallzahlen – ergibt sich ein anderes Bild: Auf 100.000 Einwohner kommen demnach rund 1.500 Fälle in Halle und etwa 830 in Berlin.

Mithilfe dieser sogenannten Häufigkeitszahl ist es uns möglich, die Corona-Fallzahlen aus verschiedenen großen Städten, Landkreisen und Bundesländern besser miteinander vergleichen und Rückschlüsse auf die Lage vor Ort ziehen zu können. Deshalb sind Fallzahlen bezogen auf 100.000 Einwohner auch immer Bestandteil unserer Daten-Updates.

Wie stark sind Krankenhäuser mit Corona-Patienten ausgelastet?

Alle Maßnahmen – wie etwa Kita- und Schulschließungen oder Kontaktbeschränkungen – haben zum Ziel, dass sich möglichst wenige Menschen zeitgleich mit dem neuartigen Coronavirus anstecken und folglich nicht zu viele Infizierte gleichzeitig auf Intensivstationen behandelt werden müssen. Momentan wird deshalb ein bundesweites Intensivregister aufgebaut, in das Kliniken ihre intensivmedizinischen Kapazitäten und die intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Fälle eintragen.

Auch wenn gegenwärtig noch nicht alle Krankenhäuser an der Datenerhebung mitwirken, zeigen die Zahlen unserer Meinung nach ein aktuelles und realistisches Bild über die Lage in den Kliniken. Und bislang sind glücklicherweise die Kliniken noch nicht an ihre Grenzen gestoßen und können alle Covid-19-Patienten ausreichend versorgen.

Was wir anhand von Corona-Daten nicht wissen

Wie viele Menschen sind wirklich infiziert?

Aus unseren Daten-Quellen wird ersichtlich, in wie vielen Fällen ein Corona-Test positiv ausgefallen ist – sei es pro Landkreis, Bundesland oder bundesweit. Was sich daraus nicht ablesen lässt, ist die tatsächliche Anzahl der Infizierten. Warum?

  1. Weil im Gegensatz zur Infektion eine Genesung nicht meldepflichtig ist. Zu welchem Zeitpunkt ein Infizierter wieder vollständig gesund ist, wird also nicht exakt erhoben. Zwar gibt es Schätzungen, in die verschiedene Krankheitsverläufe eingerechnet sind, aber es sind und bleiben Schätzungen.
  2. Nicht jeder Infizierte wird auch getestet. Bei vielen Betroffenen treten nach der Infektion keine oder nur sehr milde Symptome auf. Wie hoch die sogenannte Dunkelziffer der Nicht-Getesteten ist, ist momentan noch zu wenig erforscht.

Wie entwickelt sich die Epedmie weiter?

Anhand der bisherigen Entwicklung ist es für uns nicht möglich, basierend auf den öffentlichen Daten den weiteren Verlauf der Corona-Epidemie vorherzusagen. Was wir können, ist die bisherige Entwicklung und den aktuellen Stand zu beschreiben.

Woran sind Covid-19-Patienten wirklich gestorben?

Mit zunehmendem Alter und der Zahl der Vorerkrankungen steigt für Covid-19-Patienten das Risiko für schwere und tödliche Krankheitsverläufe. Dabei wird aus den öffentlich zugänglichen Daten nicht ersichtlich, inwieweit eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus die alleinige Todesursache war oder nicht.


Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Zum Schluss empfehlen wir Ihnen noch unseren Newsletter zum Thema: In unserem Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihr Postfach. Hier geht es zur Anmeldung.

Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
Bildrechte: MDR | Grafik Florian Leue/Martin Paul

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Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20. April 2020 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

ElBuffo vor 27 Wochen

Überzeugt mich überhaupt nicht bei einem Durchschnittsalter von über 80 bei den MIT Corona Gestorbenen.
Dass sich die Kinder auf Spielplätzen, in Schulen und Kitas gegenseitig anstecken, setzt erstmal voraus, dass überhaupt eins infiziert ist. Nicht mal 1% der Infizierten ist unter 20 Jahre alt. Das können Sie mal mit der Anzahl der aktuell in Sachsen-Anhalt Infizierten Multiplizieren. Dann müsste auch noch nachgewiesen werden, dass da eine besonders hohe Ansteckungswahrscheinlichkeit besteht. Alle Studien weisen bisher genau in die andere Richtung.
Und natürlich besteht beim Einkaufen überhaupt keine Gefahr, wenn dann die Risikogruppe in Massen mehrmals im Tag durch die Läden tingelt. Die können sich ja nicht gegenseitig anstecken.
Die von Ihnen hier fabulierte Infektionskette besteht so nicht. Es hilft der Risikogruppe also in keiner Weise, wenn Spielplätze gesperrt sind. Wegen 4 Kindern, die sich bei Erwachsenen angesteckt haben, sollen alle Spielplätze gesperrt bleiben. Macht Sinn.

bebber vor 27 Wochen

Angst ist ein guter Schutz vor Gefahren, aber Angst lähmt auch.Die 2.Form ist jetzt zu beobachten.Lähmt beim Denken, lähmt wieder auf sich selbst aufzupassen.Ich passe auf mich auf.Eigentlich ganz einfach.Funktioniert scheinbar nicht.Wird darum soviel Angst vebreitet, statt aufzumuntern?Sollen wir gelähmt bleiben?Nicht mehr denken?

carola vor 27 Wochen

Warum sind Schulen, Kitas, Spielplätze so gefährlich? Richtig....viele Kinder auf einem Haufen, die sich gegenseitig anstecken...wo gegen diese Kinder hin? Richtig nach Hause. Wen stecken sie dort an? Vater und Mutter. Gehen wir davon aus, dass die heutige Elterngeneration 30+ ist, ist deren Elterngeneration 55+ also inmitten der Risikogruppe I - die Gruppe 55+ ist die Sandwich-Generation, die sich sowohl um Enkel als auch Eltern zu kümmern hat. Insofern kann man sich die Infektionskette ohne viele Kenntnisse mit ein bisschen gesundem Nachdenken ausrechnen. 1 infiziertes Kind kann dann eben uU. direkt an einem Tag Mutter, Vater, Oma, Opa, Uroma und Uropa anstecken. Mutter, Vater, Oma, Opa sind aber auch noch berufstätig.........you know 😉.

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