Corona-Daten-Update 03.04.2020 Was wir anhand der Corona-Daten wissen – und was nicht

Trotz einer Vielzahl von Quellen können uns die Corona-Daten nicht auf alle Fragen eine Antwort liefern. Warum das so ist und was uns jetzt trotzdem Hoffnung macht, das und mehr im täglichen Corona-Daten-Update.

Eine Ärztin hält das Wattestäbchen eines Coronavirus-Tests in der Hand
Was uns die allgemeinen Fallzahlen verraten: die Zahl der positiven Corona-Tests. Nicht aber die Zahl der tatsächlichen Infizierten in der Bevölkerung. Bildrechte: MDR/imago images/Frank Sorge

Letztes Update: 19.24 Uhr

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Seit mittlerweile drei Wochen informieren wir Sie immer am Abend über die neuesten Daten-Entwicklungen in der Corona-Krise. Uns erreichen dabei täglich von Nutzerinnen und Nutzern Anregungen, Fragen und Hinweise. Dafür sind wir Ihnen sehr dankbar. Wir möchten an dieser Stelle deshalb die Gelegenheit nutzen, um zu erklären, was wir in den vergangenen drei Wochen alles über Corona-Daten gelernt haben und welche Fragen uns diesbezüglich immer wieder erreichen.

Wir möchten Ihnen erläutern, warum wir welche Quellen nutzen und was für Erkenntnisse wir daraus ziehen können. Mindestens genauso wichtig ist es für uns aber auch, Ihnen zu zeigen, was wir alles nicht aus den öffentlich verfügbaren Corona-Daten ablesen können. Und natürlich: Gibt es Entwicklungen in den Zahlen, die uns Hoffnung machen? Das alles finden Sie im weiteren Verlauf dieses Textes, zunächst blicken wir aber wie gewohnt nach Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen.

Daten-Update Sachsen-Anhalt

Die aktuelle Lage (Stand 15.18 Uhr):

  • Gesamtzahl der Infektionen: 898 (+ 60 zum Vortag)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 325 (+34)
  • Todesfälle im Covid-19-Zusammenhang: 11 (+0)

So haben sich die Corona-Fallzahlen in Sachsen-Anhalt und den Regionen bislang entwickelt:

Über die Buttons "weiter" und "zurück" können Sie zwischen den Grafiken hin und her wechseln.

Daten-Update Sachsen

Die aktuelle Lage (Stand 13.00 Uhr):

  • Gesamtzahl der Infektionen: 2.646 (+235)
  • Todesfälle im Covid-19-Zusammenhang: 25 (+6)

So haben sich die Corona-Fallzahlen in Sachsen und den Regionen bislang entwickelt:

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Daten-Update Thüringen

Die aktuelle Lage (Stand 18.00 Uhr):

  • Gesamtzahl der Infektionen: 1.090 (+93 zum Vortag)
  • Genesene Patienten laut offizieller Meldungen: 201 (+72)
  • Todesfälle im Covid-19-Zusammenhang: 11 (+2)

So haben sich die Corona-Fallzahlen in Thüringen und den Regionen bislang entwickelt:

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Wie ist die Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen?

Mit Stand Freitag, 03.04.2020 ist die Lage wie folgt:

In jedem der drei Bundesländer sind bereits mehr als zehn Menschen in Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion verstorben. Die tägliche Zahl der Neuinfektionen schwankt von Tag zu Tag, steigt momentan aber nicht durchweg immer weiter an. Im bundesweiten Vergleich ist die Zahl der Infektionen pro 100.000 Einwohner unter dem bundesweiten Durchschnitt.

Regional betrachtet gibt teils erhebliche Unterschiede. Besonders betroffen sind aktuell die Landkreise Greiz, Wittenberg und Zwickau sowie die Städte Halle und Jena. Deutlich weniger Fälle registriert wurden bislang in den Landkreisen Hildburghausen, Nordsachsen und Mansfeld-Südharz.

Aufgrund der immer noch dynamischen Entwicklungen ist diese Einschätzung allerdings eine Momentaufnahme, die sich innerhalb weniger Tage auch wieder ändern könnte.

Wie werden Corona-Fälle überhaupt gezählt?

Ein Arzt oder ein Labor stellt mittels eines Testverfahrens (zum Beispiel Rachenabstrich) bei einem Patienten die Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 fest. Ein positives Testergebnis muss dem jeweils zuständigen Gesundheitsamt innerhalb von 24 Stunden gemäß Meldepflichtverordnung mitgeteilt werden.

Die so eingehenden Fälle werden von den zuständigen Gesundheitsämtern elektronisch an die zuständigen Landesbehörden und von dort spätestens am nächsten Arbeitstag ans Robert-Koch-Institut (RKI) übermittelt. Nach und nach tauchen neue Corona-Infektionen entlang dieser Meldekette zuerst in den Statistiken der lokalen Behörden und etwas später dann in denen der regionalen und bundesweiten Meldestellen auf.

Warum unterscheiden sich die Fallzahlen je nach Quelle?

Durch die eben beschriebene Meldekette kann es bei der Übermittlung zu einem Zeitverzug von einigen Stunden bis hin zu einigen Tagen kommen. Vorsicht also, wenn Sie beispielsweise die Angaben einer Landesbehörde am selben Tag noch mit den RKI-Zahlen für das gleiche Bundesland vergleichen.

Oder wenn die Angaben eines Landkreises höher sind als die der Landesbehörden. Schnell ist man da beim berühmten Vergleich von Äpfeln und Birnen. Das Vorgehen aller Institutionen ist legitim und durchaus nachvollziehbar, führt aber immer wieder dazu, dass in der Öffentlichkeit verschiedene Zahlen kursieren.

Welche Daten nutzen wir für das tägliche Corona-Daten-Update?

Um Sie möglichst umfangreich zu informieren, nutzen wir verschiedene Quellen. Bei der aktuellen Lage aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen greifen wir auf die jeweils neuesten landesweiten Zahlen zurück, die den MDR-Redaktionen in Magdeburg, Dresden und Erfurt am frühen Abend vorliegen.

In Sachsen-Anhalt sind das die Daten des Sozialministeriums, die zwei Mal pro Tag aktualisiert werden. Aus Sachsen stammen die Zahlen ebenfalls vom dortigen Sozialministerium und werden immer mittags aktualisiert. Da die Thüringer Landesregierung bereits immer am Vormittag das einzige Update des Tages veröffentlicht, erheben unsere Kollegen von MDR THÜRINGEN bis zum Abend selbst neue Fallzahlen, die einzelne Landkreise und Städte im Tagesverlauf veröffentlichen.

Um die Entwicklung der Corona-Daten auf Landes- und Kreisebene von Beginn an zu zeigen, verwenden wir ausschließlich Daten des RKI. Diese werden zwar nur einmal täglich aktualisiert, dafür aber aufgrund des Meldeverfahrens immer einheitlich. Sie sind deshalb für Vergleiche und das Betrachten von zeitlichen Entwicklungen gut geeignet.

Das RKI ist ebenfalls unsere Quelle für die deutschlandweiten Zahlen, die weltweiten stammen von der Johns-Hopkins-Universität (JHU) aus den USA. Mithilfe dieser Quellen ist es uns möglich, Ihnen einerseits sehr aktuelle Fallzahlen auf Bundesland- und Kreisebene und andererseits längerfristige Trends und Entwicklungen zu zeigen.

Welche Rolle spielen Alter und Geschlecht bei Corona-Infektionen und -Todesfällen?

Das Durchschnittsalter eines Infizierten in Deutschland liegt momentan bei knapp unter 50 Jahren. Die Altersgruppe der 35- bis 59-Jährigen ist bislang am häufigsten von Infektionen betroffen. Allerdings: Über 80 Prozent aller bislang in Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion Verstorbenen waren über 70 Jahre alt. Auch wenn nur etwa jeder zehnte Infizierte über 70 ist, so sind beinahe 9 von 10 Verstorbenen über 70 – und damit besonders gefährdet.

Das Verhältnis bei den Infektionsfällen ist zwischen Männern und Frauen fast ausgeglichen. Bei den Verstorbenen hingegen sind die Mehrheit Männern – und das, obwohl je älter die Menschen in Deutschland werden, der Anteil der Frauen umso höher ist. Männer im hohen Alter sind also – obwohl es sie seltener gibt – häufiger unter den Verstorbenen.

Warum ist bei Corona-Fällen auch immer die Einwohnerzahl wichtig?

Einwohnerzahlen sind wichtig, weil sie reine, absolute Fallzahlen in Bezug zur Bevölkerung setzen und Daten damit besser vergleichbar machen. Ein Beispiel dazu aus der Kriminologie: 2018 wurden in Berlin etwa 30.000 Fahrräder als gestohlen gemeldet. In Halle waren es hingegen nur rund 3.600. In absoluten Zahlen waren Berliner also weitaus stärker betroffen. Berücksichtigt man nun aber die verschiedenen Einwohnerzahlen – relativiert also die Fallzahlen – ergibt sich ein anderes Bild: Auf 100.000 Einwohner kommen demnach rund 1.500 Fälle in Halle und etwa 830 in Berlin.

Mithilfe dieser sogenannten Häufigkeitszahl ist es uns möglich, die Corona-Fallzahlen aus verschiedenen großen Städten, Landkreisen und Bundesländern besser miteinander vergleichen und Rückschlüsse auf die Lage vor Ort ziehen zu können. Deshalb sind Fallzahlen bezogen auf 100.000 Einwohner auch immer Bestandteil unserer Daten-Updates.

Wie stark sind Krankenhäuser mit Corona-Patienten ausgelastet?

Alle Maßnahmen – wie etwa Kita- und Schulschließungen oder Kontaktbeschränkungen – haben zum Ziel, dass sich möglichst wenige Menschen zeitgleich mit dem neuartigen Coronavirus anstecken und folglich nicht zu viele Infizierte gleichzeitig auf Intensivstationen behandelt werden müssen. Momentan wird deshalb ein bundesweites Intensivregister aufgebaut, in das Kliniken ihre intensivmedizinischen Kapazitäten und die intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Fälle eintragen.

Auch wenn gegenwärtig noch nicht alle Krankenhäuser an der Datenerhebung mitwirken, zeigen die Zahlen unserer Meinung nach ein aktuelles und realistisches Bild über die Lage in den Kliniken. Und bislang sind glücklicherweise die Kliniken noch nicht an ihre Grenzen gestoßen und können alle Covid-19-Patienten ausreichend versorgen.

Wie viele Menschen sind wirklich infiziert?

Aus unseren Daten-Quellen wird ersichtlich, in wie vielen Fällen ein Corona-Test positiv ausgefallen ist – sei es pro Landkreis, Bundesland oder bundesweit. Was sich daraus nicht ablesen lässt, ist die tatsächliche Anzahl der Infizierten. Warum?

  1. Weil im Gegensatz zur Infektion eine Genesung nicht meldepflichtig ist. Zu welchem Zeitpunkt ein Infizierter wieder vollständig gesund ist, wird also nicht exakt erhoben. Zwar gibt es Schätzungen, in die verschiedene Krankheitsverläufe eingerechnet sind, aber es sind und bleiben Schätzungen.
  2. Nicht jeder Infizierte wird auch getestet. Bei vielen Betroffenen treten nach der Infektion keine oder nur sehr milde Symptome auf. Wie hoch die sogenannte Dunkelziffer der Nicht-Getesteten ist, ist momentan noch zu wenig erforscht.

Wie entwickelt sich die Epedmie weiter?

Anhand der bisherigen Entwicklung ist es für uns nicht möglich, basierend auf den öffentlichen Daten den weiteren Verlauf der Corona-Epidemie vorherzusagen. Was wir können, ist die bisherige Entwicklung und den aktuellen Stand zu beschreiben.

Woran sind Covid-19-Patienten wirklich gestorben?

Mit zunehmendem Alter und der Zahl der Vorerkrankungen steigt für Covid-19-Patienten das Risiko für schwere und tödliche Krankheitsverläufe. Dabei wird aus den öffentlich zugänglichen Daten nicht ersichtlich, inwieweit eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus die alleinige Todesursache war oder nicht.

Was in den Daten Hoffnung macht

Aus vielen Anfragen an uns lesen wir auch immer wieder den Wunsch nach etwas Positivem heraus. Und tatsächlich klang in der RKI-Pressekonferenz am Freitag so etwas wie Hoffnung durch – wenn auch sehr vorsichtig. Zwar betonte RKI-Chef Lothar Wieler zunächst, dass wir noch Wochen und Monate mit dem Coronavirus in unserer Gesellschaft zu kämpfen hätten, so lange es keinen Impfstoff gebe. Aber: Wieler zeigte sich leicht optimistisch, dass die Epidemie in den kommenden Tagen nachlassen könnte.

Die Einschränkungen wirken und es sei gelungen, die sogenannte Reproduktionsrate bei den Infektionen auf „1“ zu drücken. Er hoffe, dass die Zahl in den nächsten Tagen noch weiter sinke. In dem Fall geht dann über die Zeit auch die Zahl der Erkrankungen zurück. Doch was genau sagt diese Reproduktionsrate genau aus? Durch diese Zahl können Wissenschaftler abschätzen, wie viele Menschen ein einzelner Infizierter ansteckt.

Liegt diese Zahl bei 1, dann steckt ein Infizierter einen nicht geschützten Menschen an. Die Reproduktionsrate ist für Wissenschaftler so interessant, weil sie als entscheidende Stellschraube der Abwehrstrategie gilt. Denn sobald dieser Faktor auf eins sinkt, wird die Anzahl der Neuinfektionen bei dem dann erreichten Stand stabilisiert, fällt er darunter, geht diese Anzahl weiter zurück. Wir werden daher in der kommenden Woche die Reproduktionsrate für Sie weiterhin im Auge behalten.

Daten-Update Deutschland

  • Gesamtzahl der Infektionen: 79.696 (+6.174 zum Vortag)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 23.800 (+2.400)
  • Todesfälle im Covid-19-Zusammenhang: 1.017 (+145)

Wie immer gilt: Daten des RKI können aufgrund des Meldeverzugs abweichend von Quellen auf lokaler und regionaler Ebene sein.

Daten-Update Weltweit

Die Zahl der Infektionen hat am Donnerstagabend die Grenze von einer Millionen überschritten. Über 55.000 sind bislang an der Infektion gestorben:

Abschließend ein Blick nach Asien: Singapurs Umgang mit der Pandemie galt bislang als beispielhaft. Der Stadtstaat hatte die ersten Infizierten sofort isoliert, Infektionsketten minutiös nachverfolgt und alle Kontaktpersonen unter Quarantäne gestellt. So gelang es, die Fallzahlen trotz der Nähe zu China äußerst niedrig zu halten. Schulen und Geschäfte blieben zunächst offen.

Am Freitag hat sich die Regierung nun doch entschlossen, restriktivere Maßnahmen zu ergreifen und schließt ab kommender Woche alle Schulen und nicht lebensnotwendigen Geschäfte. Als Grund für die Maßnahmen wird der jüngste Anstieg in den Infektionszahlen genannt.

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.


Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Wir haben einen Newsletter gestartet: Ihr Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Was am Tag wichtig war, was für Sie morgen wichtig wird – montags bis freitags um 20 Uhr. Hier geht es zur Anmeldung.

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 03. April 2020 | 19:00 Uhr

10 Kommentare

Grosser Klaus vor 8 Wochen

Stand: 5. April 2020, 10 Uhr,
Der Freistaat Thüringen mit rund 2,1 Millionen Einwohnern hat ca. 594 akut an Covid-19 erkrankte, das sind 0,028 % der Gesamtbevölkerung.

Ralf vor 8 Wochen

Wenn die von den Medizinern erfassten Daten mathematisch betrachtet keine oder nur eine unnütze Aussage zulassen, warum werden diese Daten von den Medizinern denn dann erfasst? Etwa, weil "es schon immer so war", man aus einem Widerspruch alles (gewollte) logisch sauber ableiten kann und insbesondere Generationen von Promotionen zum Hern/Frau Dr. (Med) darauf basieren?

nasowasaberauch vor 8 Wochen

Mutti ist stolz auf die Vernunft ihrer Bürger. Deren Beweggrund ist aber nur zum Teil Vernunft, der Rest ist Respekt vor diesem Virus dessen Auswirkung im Bericht "Modi-Sars " klar vom RKI beschrieben ist. Ja, hätte man den gelesen und als Handlungsvorlage verwendet, dann wäre man in der Tat vorbereitet gewesen und genau dies wäre der gute Job gewesen, für den die Regierung Lob verdient hätte. Das nächste Virus programmiert sich schon.

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