Folgen der Infektion Wirtschaftsexperte zu Coronavirus: "Müssen Kettenreaktion verhindern"

Das Coronavirus hat die Wirtschaft in Mitteldeutschland schon infiziert. Großveranstaltungen werden abgesagt, das Hotel- und Tourismusgewerbe stöhnt. Die Hamsterkäufe in Supermärkten nehmen kein Ende. Die Deutschen bevorraten sich. Nun droht eine Kettenreaktion, erklärt Wirtschaftswissenschaftler Joachim Weimann im Interview. Die Fragen stellte Anja Petzold. 

An der Frankfurter Börse gibt es den größte Kurssturz seit dem 11. September 2001. Wie gefährlich ist das Virus für die Weltwirtschaft?

Es ist eine Situation, die all unsere Aufmerksamkeit verdient und hochgefährlich ist. Man muss sehen: Coronavirus, und das, was wir dagegen tun, heißt, das Menschen nicht mehr arbeiten können. Sie sind nicht mehr am Arbeitsplatz und können keine produktive Tätigkeit verrichten. Das hat viele indirekte Folgen. Lieferketten fallen aus, Nachfragen fallen aus. Das zieht sich wie eine Kettenreaktion durch die gesamte Weltwirtschaft.

Zudem gibt es Unternehmen, die direkt betroffen sind. Im Messebau etwa oder im Tourismus drohen riesige Ausfälle. Das kann zu Insolvenzen führen. Die Pleiten können dann auch die Banken in Schwierigkeiten bringen. Da müssen wir hart arbeiten, um diese Kettenreaktionen zu unterdrücken. Was die Bundesregierung da beschlossen hat, ist ein erster Schritt, aber noch viel zu wenig. 

Hotels und Gaststätten melden deutliche Verluste wegen des Coronavirus

Hotels und Gaststätten in Sachsen-Anhalt verzeichnen deutliche Verluste durch das neue Coronavirus. Der Präsident des zuständigen Verbands DeHoGa, Michael Schmidt, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Branche erlebe eine sehr angespannte Situation. Vor allem wegen der Absage der Buchmesse in Leipzig hätten Hotels mit zahlreichen Stornierungen zu kämpfen.

Auch langfristig würde mit ausbleibenden Tagungen eine wichtige Einnahmequellen wegbrechen. So habe der Autobauer Volkswagen entschieden, sein komplettes Tagungskonzept ruhen zu lassen. Von den Versicherungen gebe es noch keine klare Aussage, ob die durch das Virus bedingten Ausfälle erstattet werden. Für viele Unternehmen im Land werde es nun schwierig, da die finanziellen Rücklagen nicht groß genug seien. Das liege zum einen daran, dass es sich beim überwiegenden Teil der Unternehmen um kleine Einrichtungen mit maximal zehn Mitarbeitern handle. Zudem sei die Gewinnmarge in der Branche zu niedrig, um große Finanzpolster anzulegen.

Positiv sieht Schmidt nun die Entschiedung der Bundesregierung, Mitarbeiter im Gastronomiegewerbe vorerst in Kurzarbeit beschäftigen und bezahlen zu können. Insgesamt hofft Schmidt vor allem auf finanzielle Hilfen aus Land und Bund, um die Einbußen durch das neue Coronavirus zu überstehen.

Was beinhaltet das aktuelle Maßnahmenpaket genau?

Was jetzt beschlossen wurde, hilft den betroffenen Unternehmen relativ wenig. Das Kurzarbeitergeld wird erleichtert – das ist ein Mittel, das sich in der Finanzkrise sehr bewährt hat. Damals hat es uns vor großer Arbeitslosigkeit bewahrt, weil die Unternehmen ihre Belegschaften halten konnten. Das wieder einzusetzen ist richtig, aber es ist nicht genug.

Was muss aus ihrer Sicht noch getan werden?

Es muss unbedingt vermieden werden, dass es durch das Coronavirus zu Insolvenzen kommt. Im Moment kann man das nur erreichen, in dem man gezielt den Branchen hilft, die besonders betroffen sind. Ich glaube nicht, dass es etwas bringt, wenn man anfängt, über Konjunkturpakete oder ähnliches nachzudenken.

#MDRklärt Sechs wichtige Tipps, die Sie vor dem Coronavirus schützen

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, hat das Robert-Koch-Institut Tipps veröffentlicht, wie sich Bürger selbst schützen können. Atemschutzmasken werden nur für Medizinisches Personal empfohlen.

3 wichtige Tipps, die dich vor dem Coronavirus zu schützen  Menschen mit Mundschutz in Mailand
Bildrechte: imago images/Pacific Press Agency
3 wichtige Tipps, die dich vor dem Coronavirus zu schützen  Menschen mit Mundschutz in Mailand
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1. Häufiges Händewaschen mit Seife, mindestens 20 Sekunden lang
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
2. Zu hustenden/niesenden Personen 1 bis 2 Meter Abstand halten
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3. In die Ellenbeuge niesen und Husten
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4. Papiertaschentücher sofort entsorgen.
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5. Handy und Brille regelmäßig reinigen.
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6. Auf Händeschütteln verzichten.
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Quelle: MDR/mx

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT –
Das Radio wie wir | 27. Februar 2020 | 05:00 Uhr
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Auf der einen Seite sind Unternehmen von Insolvenzen bedroht, auf der anderen Seite gibt es Hamsterkäufe in den Supermärkten. Welchen Streich spielt uns da unsere Psyche?

Mit kühlem Kopf kann man diese Hamsterkäufe nicht erklären. Selbst wenn man in Quarantäne gerät, gibt es immer Nachbarn und Freunde, die einem die Lebensmittel vor die Tür stellen können. Und selbst wenn viele in Quarantäne sind, habe ich vollstes Vertrauen in das THW oder die Feuerwehr. Ich glaube, dass die Menschen einfach irgendwas tun wollen. Wenn ich einkaufe und mir den Keller vollstelle, habe ich was getan. Das verschafft vielleicht ein beruhigendes Gefühl, aber vernünftig ist es nicht.

Als Wirtschaftswissenschaftler haben Sie einen Rundumblick. Wo stehen wir in einem Jahr, was wird das Virus anrichten? Kann man da eine Prognose wagen?

Ich wage keine, weil ich nicht weiß, wie sich das Virus und die Epidemie weiter entwickeln. 

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR um 11 | 10. März 2020 | 11:00 Uhr

2 Kommentare

SusiB. vor 28 Wochen

Das frage ich mich auch schon die ganze Zeit. Unsere Politiker wissen doch schon gar nicht mehr was sie den Menschen für Zeugs erzählen sollen um die Hysterie noch mehr anzuheizen. Vielleicht wollen Diebin ganz anderen Themen ablenken. Jeder Mensch sollte sich so verhalten wie wenn die Grippewelle anrollt. Nicht andere anniesen, Hände waschen, nicht immer ins Gesicht fassen, das haben wir doch alle schon im Kindergarten gelernt. Das sind doch die alltäglichsten Rituale die man jeden Tag machen sollte.

kritischer Realist vor 28 Wochen

Woher kommt eigentlich die ganze Hysterie. Nachweislich gibt in Deutschland mehr als 200 Grippetote und ca. 120 000 Verdachtsfälle auf Infloenza, aber deshalb hat keine Institution so drastisch reagiert wie dies derzeit wegen Conora passiert. Und die Hygienehinweise sollten eigentlich auch im alltäglichen Umgang der Menschen gelten. Die teils widersprüchlichen Ausführungen von Politikern und Experten sorgen zusätzlich für Verunsicherung unter der Bevölkerung. Die blah-blah Aussagen von Merkel kann man getrost unter die Rubrik -wenig hilfreich- einstufen. Aber das ist man von ihr ja gewohnt.

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