Forderung Corona-Krise: Sorgen bei Sicherheitsdiensten

Sie bewachen nachts die Shoppingcenter und Industrieanlagen und passen derzeit auf, dass im Supermarkt nicht zu viele Kunden sind – die Mitarbeiter vom Sicherheitsdienst. Jedoch nicht alle von ihnen zählen zu den systemrelevanten Berufen und haben damit nicht die entsprechenden Privilegien.

Sicherheitsdienst Security
Sicherheitsleute stehen derzeit vor etlichen Gebäuden. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Die Corona-Krise hat die Sicherheitsfirmen in Sachsen-Anhalt unterschiedliche Auswirkungen. Das sagte die Sprecherin des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft, Silke Wollmann, MDR SACHSEN-ANHALT. Die Firmen seien unterschiedlich aufgestellt, sagte sie. Einige könnten freigesetztes Personal schnell wieder anderswo einsetzen, in Supermärkten etwa oder in Shoppingcentern, weil diese ohne Kundenkontakt nun auch stärker bewacht werden müssten.

Andere Firmen treffe die Krise härter – etwa die, die sich vor allem auf Veranstaltungen spezialisiert hätten. "Derzeit gibt es ja weder Konzerte noch Sportveranstaltungen", sagt Wollmann. Diese Firmen hätten jetzt sicher größere Schwierigkeiten. Hinzu komme ein hoher Krankenstand. Er liegt laut Wollmann derzeit bei knapp unter 30 Prozent. Das könnten einige Firmen gut abfedern, andere weniger.

Sicherheitsdienst zählt nicht immer zu systemrelevanten Berufen

Ein großes Problem sei, dass die Sicherheitsleute nicht in allen Bundesländern zu den systemrelevanten Berufen zählten. Wenn das so wäre, hätten die Mitarbeiter zum Beispiel Anspruch auf Notbetreuung in Kita oder Schule.

In Sachsen-Anhalt gehören nach Angaben des Sozialministeriums Angestellte in Sicherheitsfirmen nicht automatisch zu den unentbehrlichen Schlüsselpersonen. Da beispielsweise Diskotheken geschlossen sind, seien etwa Türsteher derzeit ohnehin nicht im Einsatz. Anders verhalte es sich bei Sicherheitsfirmen, die Standort der Pharmazeutischen Industrie bewachen. So heißt es aus dem Sozialministerium weiter: "Diese Mitarbeiter von Sicherheitsfirmen können entsprechend als Unterstützungsbereich der pharmazeutischen Versorgung eingeordnet werden, wodurch auch die Beschäftigten der Sicherheitsfirma als unentbehrliche Schlüsselpersonen zu bewerten sind."

Forderung auch von Securitas

Auch Bernd Weiler, der Sprecher der Firma Securitas, unterstützt die Forderung, dass Sicherheitsleute zu den systemrelevanten Berufen zählen sollten. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dann würden die Firmen auch besser versorgt werden mit Desinfektionsmitteln, Handschuhen und Mundschutzen. Sein Unternehmen habe rechtzeitig Handschuhe bestellt. In dieser Woche seien endlich 1.000 Stück gekommen. So langsam laufe es wieder, meint Weiler.

Nach Weilers Angaben gibt es derzeit eine erhöhte Nachfrage von Banken und Lebensmittelmärkten. Da könnten viele Firmen ihr Personal dementsprechend umschichten. Neueinstellungen seien meist nicht nötig, da viele Bereiche weggebrochen seien, etwa an Flughäfen oder weil zum Teil ganze Bürogebäude nicht mehr gesichert werden müssten.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 05. April 2020 | 17:00 Uhr

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