MDR-Meinungsbarometer zur Corona-Krise Mehrheit sieht Corona als Chance, um die Wirtschaft zu ändern

Umweltschutz statt Wirtschaftswachstum. Beim Meinungsbarometer mdrFRAGT stimmte die Mehrheit dafür, wirtschaftlich einiges umzukrempeln. Aus den Antworten der mdrFRAGT-Gemeinschaft ergeben sich auch konkrete Vorschläge.

Blick über den Container Terminal Tollerort im Hamburg Hafen
Die Mehrheit der mdrFRAGT-Gemeinschaft spricht sich für eine Neujustierung der Wirtschaftspolitik aus. Bildrechte: dpa

Das weltweite Wirtschaftswachstum ist durch die andauernde Corona-Pandemie in den vergangenen Monaten spürbar eingebrochen. Ebenso das deutsche Bruttoinlandsprodukt. Um die Wirtschaft am Laufen zu halten, wurden milliardenschwere Finanzierungsprogramme aufgelegt, um Klein- und Mittelständische, aber auch Großkonzerne vor der Insolvenz zu bewahren.

Auf die Frage, wie diese Finanzierung vorrangig erfolgen soll, antworten 61 Prozent der Befragungs-Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Sachsen-Anhalt, dass der Staat dafür Unternehmen und Reiche stärker besteuern solle. 22 Prozent sprachen sich hingegen für einen neuen Solidaritätszuschlag aus.

Das ist mdrFRAGT

Um Teil der mdrFRAGT-Gemeinschaft zu werden, registrierten sich die Befragten zunächst bei mdrFRAGT. Die Ergebnisse der Befragungen sind nicht repräsentativ, werden aber statistisch nach soziodemografischen Merkmalen wie Bildung, Alter oder Beruf gewichtet. So ergeben sie ein breites Stimmungsbild der Menschen in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen.

Mehr Regulierung und wirtschaftliche Neuorientierung

Die "Soziale Marktwirtschaft" der Bundesrepublik lebt davon, zwischen freiem Markt und sozialorientierter Regulierung abzuwägen. Bei mdrFRAGT konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer angeben, in welchen Bereichen sie sich mehr staatliche Regulierung wünschen würden, ob sie zufrieden sind oder pauschal weniger Regulierung gut finden (Mehrfachauswahl möglich). Lediglich 16 Prozent waren zufrieden oder wollten weniger Regulierung.

Die Mehrheit hingegen sprach sich dafür aus, dass der Staat im Gesundheitsbereich stärker regulieren solle, jeder zweite Befragte wünschte sich zudem mehr Regulierung auf dem Wohnungsmarkt. Der auch schon vor der Corona-Pandemie offenkundige Mangel an Pflegekräften sollte nach Meinung fast aller Befragten (91 Prozent) durch eine bessere Bezahlung der Pflegeberufe gelöst werden.

Generell zeigt sich die Mehrheit der Befragten aus Sachsen-Anhalt dafür offen, die Corona-Krise für eine wirtschaftliche Neuordnung zu nutzen und vom Hauptziel Wirtschaftswachstum weg zu kommen. 71 Prozent der Befragen sind demnach der Meinung, dass vor allem nachhaltiger gewirtschaftet werden sollte und dabei Umwelt- und Klimaschutz von zentraler Bedeutung seien.

1990 und 2020: Zeiten des Umbruchs

Letztlich bleibt die Frage, ob mit den stärker geforderten wirtschaftlichen Regulierungen nicht eine der wichtigsten Errungenschaften der Wende aufgegeben werde: die wirtschaftliche Freiheit. Auch das war Thema der aktuellen mdrFragt-Befragung. Ergebnis: Nur für 24 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Sachsen-Anhalt war die wirtschaftliche Freiheit die wichtigste Errungenschaft. Etwas mehr stimmten für Reisefreiheit (29 Prozent) sowie für die Presse-und Meinungsfreiheit (26 Prozent).

30 Jahre Einheit, 30 Jahre Freiheit, eine Menge Erfolge im Kleinen und im Großen. Im Herbst 2020 wollten die neuen Länder feiern. Doch nun stellt das Jahr 2020 mit der Corona-Krise einen erneuten Umbruch dar. Ein Einschnitt für die gesamte Gesellschaft. Welche Parallelen die Menschen in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen zwischen den Umbrüchen damals und heute sehen und wie sie – damals und heute – Lösungen für ihre Nöte suchen, das erzählt der 60-minütige Dokumentarfilm "1990/2020 Zeiten des Umbruchs" am 09.09.2020 um 20.15 Uhr im MDR FERNSEHEN und schon jetzt in der Mediathek:

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN: 1990/2020 Zeiten des Umbruchs | 09. September 2020 | 20:15 Uhr

5 Kommentare

Eulenspiegel vor 2 Wochen

Also ich denke der Markt ist frei. Es wird schließlich niemanden vorgeschrieben was er zu schaffen hat. Die Rahmenbedingungen bestimmt aber die Politik. Schließlich sind wir ja keine Wirtschaftsdiktatur. Die bestimmenden Kräfte in der Wirtschaft werden ja nicht gewählt. Die Politik wird vom Folk gewählt. Deswegen muss in einer Demokratie die Politik der Primus über der Wirtschaft sein.
Ja wir leben in einer Zeit des Umbruchs und dieser will koordiniert und gesteuert sein. Das kann nur die Politik.
Korona schafft uns zwar z.Z gewaltige Probleme langfristig wir werden aber sehen das langfristig daraus ein riesiger Schuss nach vorne wird.

Uwe B vor 2 Wochen

Wieder einmal eine schlampig gemachte Umfrage! Zwei wichtige Dinge, die durch Corana an Bedeutung gewonnen haben, aber auch schon vorher wichtig waren, fehlen einfach: Digitalisierung und IT-Sicherheit. Digitalisierung zu propagieren ohne Sicherheit zu bedenken, ist nicht nur dumm, es ist kriminell fahrlässig. zudem ist es ein Gefährdung des Datenschutzes. Letzterer ist nun wirklich die wichtigste Errungenschaft der Wende.

Atheist vor 2 Wochen

Schon vor Corona haben Grüne Ideologie zu Planwirtschaft geführt,
Mindestlohn also VEB Lohn, Strukturwandel also das der Staat vorschreibt was, wer, wo ..produziert werden darf...
Wir sind auf den besten Weg der sozialistischen zentralistischen EU.
Hätten wir schon mal!

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