Corona-Daten-Newsletter | Mittwoch, 2. Dezember 2020 Psychologischer Kniff gegen "Corona-Müdigkeit"

Fabian Frenzel
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Heute im Newsletter: Was kann man gegen die "Corona-Müdigkeit" tun? Immer und überall das selbe Thema. Das kann zu einem Gefühl der Gleichgültigkeit führen. Dagegen gibt es einen kleinen psychologischen Kniff.

schlafender Weihnachtsmann
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Liebe Leserinnen und Leser,

ich muss gestehen, ich bin ein bisschen müde. Ich verrate Ihnen aber erst weiter unten, warum. Gut. Eigentlich verrät Ihnen der Titel des Newsletters ja schon, warum.

Heute werde ich Ihnen einen kompliziert klingenden Trick vorstellen, der aber sehr einfach auszuführen ist. Außerdem sind Sie gefragt. Ich stelle Ihnen eine Frage und ich würde mich freuen, wenn Sie sie beantworten.

Aber genug der Vorrede, schauen wir auf die Zahlen.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Im Vergleich zum Wochenende steigen die Zahlen etwas an. Heute wurden vom Robert Koch-Institut (RKI) insgesamt 17.270 positive Corona-Testergebnisse gemeldet. Die meisten Fälle entfielen dabei auf Bayern (3.970) und Nordrhein-Westfalen (3.621). Die wenigsten meldete Mecklenburg-Vorpommern (65).

Und das sind die heutigen Werte in unseren Bundesländern Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt:

Sachsen

  • Aktive Fälle: 21.722 ↗ (+806 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 409 (+20), davon 242 beatmet (+4)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 1.104 (+43)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 38.210 (+1.280)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 61.036 (+2.129)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 6.111 ↗ (+186 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 88 (+3), davon 35 beatmet (-1)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 393 (+16)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 11.709 (+319)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 18.213 (+521)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 4.577 ↗ (+225 zum Vortag)
  • Intensivpatienten: 57 (+4), davon 24 beatmet (+1)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 190 (+9)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 8.594 (+299)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 13.361 (+534)

Tipps gegen "Corona-Müdigkeit"

Möglicherweise geht es Ihnen ja wie mir: Ich kann das Thema "Corona" eigentlich nicht mehr hören. Okay, als Journalist ist das ein spannendes Thema. Aber selbst im privaten Bereich gibt es kaum noch etwas anderes, über das gesprochen wird. Und selbst wenn nicht, irgendwann landet man doch wieder bei Corona. 

Einerseits ist das okay. Denn "geteiltes Leid ist halbes Leid", sagt man ja so schön und so ein Austausch der Gedanken und Gefühle hat auch etwas Befreiendes. Aber dann wird es – mir zumindest – oft irgendwann zu viel. Wenn es Ihnen genauso geht, dann leiden Sie auch "Corona-Müdigkeit".

Der Forscher Hannes Zacher von der Uni Leipzig erklärt die Müdigkeit damit, dass die "Abwechslung fehlt. Und das zehrt an der Energie". Diese Eintönigkeit verursache eine gewisse Apathie und Gefühlslosigkeit. 

Professor Hannes Zacher
Professor Hannes Zacher Bildrechte: Swen Reichhold/Universität Leipzig

Dazu kommt dann laut Zacher noch, dass wir unsere Akkus nicht wie gewohnt aufladen können. Das machen viele normalerweise im Urlaub, mit Sport oder bei kulturellen Veranstaltungen. Das alles geht im Moment nicht oder nur sehr eingeschränkt.

Und uns fehlt eine gewisse Perspekive, sagt Zacher. Das Nachdenken über die Zukunft, beeinflusse auch das Wohlbefinden. "Wenn eine gewisse Perspektive fehlt […] dann drückt das natürlich auch auf die Stimmung", erklärt Zacher.

Doch es gibt eine Strategie, mit der wir uns aus unserer Müdigkeit herausholen können: die Selektions-, Optimierungs- und Kompensationsstrategie. Ein langes kompliziertes Wort für eine eigentlich ganz einfache Hilfestellung. 

Das müssen wir machen:

Selektieren

Bei der Selektion müssen wir überlegen, was uns wichtig ist und welche Ziele wir abschreiben sollten. Das klingt erst einmal hart, kann aber helfen. So wäre laut Zacher ein Winterurlaub in Österreich im Moment zum Beispiel ein Ziel, das eher unrealistisch ist. Deswegen dieses Ziel am besten ad acta legen und ihm nicht lange nachtrauern. Stattdessen sofort neue Ziele festlegen und diese priorisieren. Das könnte zum Beispiel sein, dass man das Weihnachtsfest für sich persönlich schön gestalten möchte. Dieses Ziel ist nicht weit weg und realistisch.

Optimieren

Jetzt müssen wir unser Ziel optimieren. Das heißt, wir kratzen unsere Energie zusammen und stecken sie in unsere neuen Ziele. Ich könnte also sagen, dass ich in den Weihnachtsferien und an den Feiertagen etwas zusammen mit meinem engsten Familienkreis unternehmen möchte.

Kompensieren

Schließlich kompensieren wir unser Ziel. Wir nutzen Hilfe und Hilfsmittel, um es zu erreichen. Ich könnte also zum Beispiel überlegen, welche Filme ich mir an den Feiertagen mit meiner Familie ansehen möchte oder wo ich mit ihnen am besten lang spazieren könnte.

Insgesamt klingt diese Strategie sehr theoretisch. Wenn ich sie aber an dem Weihnachtsbeispiel durchspiele, verstehe ich den Sinn dahinter. Wir sollen uns realistische Ziele setzen – zu Dingen, an denen wir Spaß und Freude haben – und darauf unsere Energie und Freude verwenden. Die Psychologen um Hannes Zacher an der Uni Leipzig konnten in ihrer Forschung nachweisen, dass diese Strategie tatsächlich das Wohlbefinden steigert.

Meine Frage an Sie: Leiden Sie auch an "Corona-Müdigkeit" und was tun Sie dagegen? Wie finden Sie die Strategie der Psychologen aus Leipzig? Schreiben Sie uns gerne eine Mail an corona-newsletter@mdr.de. Dann können wir morgen Ihre besten Ideen gegen die Müdigkeit gemeinsam im Newsletter teilen.

Was außerdem los war

Von diesen Nachrichten sollten Sie heute zumindest einmal etwas gehört haben.

  • Die britische Aufsichtsbehörde für Arzneimittel hat nach Angaben des Mainzer Pharma-Unternehmens Biontech eine Notfallzulassung für deren Corona-Impfstoff erteilt. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Damit bekommen die Briten früher grünes Licht für einen Corona-Impfstoff als die EU und die USA. Großbritannien könnte sogar schon nächste Woche mit ersten Impfungen beginnen.

  • Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat einen härteren Lockdown ab Januar angekündigt. Falls die Corona-Infektionszahlen bis Weihnachten nicht sinken, werden wir nach Weihnachten die Kindergärten nicht mehr öffnen können, sagte Kretschmer am Mittwoch. Die Schulen würden dann länger geschlossen bleiben und man müsse darüber sprechen, ob die Geschäfte für eine gewisse Zeit lang geschlossen blieben, so der Ministerpräsident. Ich drücke uns die Daumen, dass uns das erspart bleibt.

  • Im Kreis Hildburghausen in Thüringen sind am Dienstag 900 Kinder und Erwachsene auf eine Corona-Infektion getestet worden. Nach Angaben von Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) wurden dabei sechs Infizierte ermittelt: drei Kinder und drei Mitarbeiter von Schulen und Kindergärten. Der Andrang für die freiwilligen Corona-Tests ist eher verhalten – zum Bedauern von Landrat Thomas Müller (CDU). Ziel sei, dass sich bis Freitag etwa 3.000 Kinder und Erwachsene an dem Corona-Massentest beteiligen. Das Land erhofft sich Erkenntnisse darüber, ob Kindergärten und Schulen Corona-Hotspots sind – oder relativ sichere Orte.

  • Bis Ende Januar soll es keinen Spielbetrieb in Thüringer Theatern geben. Das gab Thüringens Kulturminister Benjamin Hoff (Linke) am Dienstag bekannt. Angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens und der Prognose der weiteren Infektionsentwicklung sei eine Öffnung vor dem 31. Januar 2021 nicht zu erwarten.

Strategie im Selbst-Test

Ich habe die Corona-Müdigkeits-Strategie übrigens heute direkt angewendet. Ich habe selektiert und mir überlegt, mich virtuell mit Freunden zu treffen. Optimiert habe ich, indem ich gesagt habe, dass ich gerne eine Art Spieleabend machen möchte. Und ich habe kompensiert, indem wir entschieden haben, online zusammen zu pokern. Da freue ich mich jetzt drauf und wünsche Ihnen einen schönen Abend – und mir ein gutes Blatt.

Morgen begrüßt Sie hier Luca Deutschländer. Die "lebende Schreibmaschine der Redaktion" wird Ihnen den Rest der Woche alles Wichtige zusammenfassen.

Ihr Feedback an uns: Sie haben eine Frage, wollen uns loben oder Feedback geben? Schreiben Sie uns an corona-newsletter@mdr.de

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Quelle: MDR/jh

1 Kommentar

Generation 55 vor 6 Wochen

nix da müde - oder sind wirklich welche krank

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