Corona-Daten-Newsletter | Dienstag, 23. Februar 2021 Das große Durcheinander

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Heute im multimedialen Corona-Daten-Update: Großbritannien macht es vor – schnelles Impfen führt zu weniger Krankenhauseinweisungen. Und eine Datenanalyse zeigt: Impfen rettet Leben. Die Analyse zeigt außerdem, wie viele Leben durch die Impfungen bisher gerettet wurden. Außerdem gibt es Diskussionen um die versprochenen Schnelltests.

Mann hält Impfbuch
Bildrechte: IMAGO/Action Pictures | Grafik MDR

Einen schönen guten Abend!

Blicken Sie noch durch? Welche Regeln gelten? Wann Ihr Kind eventuell wieder zur Schule geht? Wie lange die Corona-Verordnung noch gültig ist? Wann Sie mit einer Impfung dran sind? Wann werden neue Impftermine freigeschaltet? Bekommen Sie FFP2-Masken oder Schnelltests?

Ich versuche auch täglich durchzublicken. Heute ist es wieder etwas schwieriger. Aufgefallen ist mir das vorhin: Meine Kollegin Julia Heundorf die Sie auch aus dem Newsletter-Team kennen, hat mir nämlich eine Nachricht geschrieben. Sie hat mich gebeten, den Newsletter vom vergangenen Donnerstag noch einmal aufzugreifen.

Dort hatte Julia Ihnen nämlich geschrieben, dass es ab Anfang März kostenlose Schnelltests für alle geben würde. Das wird nun doch nicht passieren. Zumindest nicht so schnell. Es seien zu viele Fragen noch nicht geklärt, hat das Corona-Bundeskabinett beschlossen und damit Spahns Ankündigung aus der vergangenen Woche kassiert. Ein Durcheinander. Und ein weiteres Ärgernis. Warum – das fasst der Radiobeitrag von Volker Schaffranke gut zusammen. Darin ärgert sich Michael Müller, Berlins Regierender Bürgermeister und Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz, ziemlich über die Bundesregierung. 

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Und ich finde das ist ein Problem: Die Kommunikation (zwei Meldungen von heute: Hamburg will die Maskenpflicht verschärfen; Bayern die Baumärkte öffnen. Nächste Woche gibt es ein neues Bund-Länder-Treffen).

Das andere ist die Organisation: Da bekleckert sich Deutschland gerade absolut nicht mit Ruhm. 

Darum soll es heute also gehen. Bevor wir uns gemeinsam ärgern: Quasi zum Durchatmen ein Tagesschau-Video, das gut erklärt, wie die Schnelltests eigentlich funtionieren.

Organisieren wie die Briten

Dort hat Premierminister Boris Johnson angekündigt, bis Ende Juni alle Beschränkungen aufzuheben. Im Abstand von mindestens fünf Wochen solle es Lockerungen geben, immer abhängig von den Inzidenz-Zahlen, den Impferfolgen und der Entwicklung der Corona-Mutationen. Zuerst die Schulen, dann der Handel.

Vor allem die Impfkampagne in Großbritannien ist beeindruckend: Die Kolleginnen und Kollegen der "Zeit" zeigen das eindrucksvoll in ihren Tabellen. Danach hat Deutschland etwa 6,28 Prozent der Menschen eine Impfdosis verabreicht. Großbritannien 27,03 Prozent. Die Impfungen dort haben 19 Tage früher als in Deutschland begonnen, weil der Impfstoff mit einer Notzulassung auf den Markt kam.

Eine Analyse aus Schottland hat mittlerweile ergeben, dass schon nach der ersten Impfung mit dem Impfstoff von AstraZeneca das Risiko eines Krankenhausaufenthaltes um bis zu 94 Prozent zurückging.

Die Übersicht der "Zeit" zeigt auch, dass der Anteil der gelieferten und verimpften Impfdosen in Deutschland enorm variiert: zwischen 60 (Hessen) und 82 (Rheinland-Pfalz). Das heißt, Rheinland-Pfalz hat ein schnelleres Tempo, den gelieferten Impfstoff zu verimpfen als andere Bundesländer. In Sachsen sind 69, in Sachsen-Anhalt 66 und in Thüringen 75 Prozent des gelieferten Impfstoffs verimpft. Das sagen zumindest die Zahlen.

Ich verstehe nicht, woran das liegt. Kann Ihnen aber zwei Radiointerviews bei MDR AKTUELL von heute emfehlen: das Interview mit dem ehemaligen England-Korrespondenten der Zeitung "Die Welt" Thomas Kielinger, der die Impfkamagne in Großbritannien aus eigenem Erleben erklärt, und das Interview mit Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper.

Kielinger sagt auch, dass die Impfungen in Großbritannien so erfolgreich laufen würden, hätte auch mit der hohen Zahl der Toten zu tun. Vor dem Impfstart am 8. Dezember waren in Großbritannien bereits 100.000 Menschen gestorben.

Bis heute sind in Deutschland 68.318 Menschen gestorben.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind heute bundesweit 3.883 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 9:00 Uhr). Im Vergleich zum Dienstag vor einer Woche ist die Zahl der gemeldeten Neuinfizierten um etwas mehr als 300 gestiegen.

Die meisten Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag gab es heute in Nordrhein-Westfalen (+627), Niedersachsen (+457) und Bayern (+412). Die niedrigsten Werte wurden aus Bremen (+33) und Mecklenburg-Vorpommern (+71) gemeldet.

Die höchsten 7-Tage-Inzidenzen laut RKI verzeichnen Thüringen (120) und Sachsen-Anhalt (87).

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Sozialministerien und Landkreise aus unseren drei Bundesländern. (Die Werte weichen in der Regel von denen des RKI ab, weil sie etwas aktueller sind.)

Sachsen

  • Aktive Fälle: 6.900 ↘ (-217 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 221 (-5), davon 119 (-2) beatmet
  • Intensivbetten: 1.148 belegt, 346 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 7.589 (+30)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 177.450 (+650)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 191.939 (+463)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 5.153 ↘ (-265 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 134 (-1), davon 77 (+2) beatmet
  • Intensivbetten: 640 belegt, 68 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 2.830 (+21)
  • Genesene Patienten: 66.450 (+461)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 74.433 (+217)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 3.590 ↗ (+10 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 101 (-5), davon 59 (-4) beatmet
  • Intensivbetten: 721 belegt, 115 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 2.366 (+33)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 53.237 (+201)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 59.193 (+243)

84 Menschen sind in Mittdeutschland in den vergangenen 24 Stunden im Zusammenhang mit COVID-19 gestorben.

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Impfungen retten Leben

Wenn ich also die Zahlen der "Zeit" von oben oder auch die vom ZDF richtig interpretiere, könnten wir in Deutschland zügiger impfen.

Und wenn ich dann noch die die Datenanalyse des RBB daneben lege, dann lässt das nur einen Schluss zu: Impfungen retten Leben.

  • Der Kollege vom RBB sagt, in Sachsen seien durch eine vollständige Impfung bislang schätzungsweise 2.500 Menschenleben gerettet worden, in Sachsen-Anhalt 1.700 und in Thüringen 2.200.

Weil die Sterblichkeit vom Alter abhängt, vergleicht er auch den Anteil der Impfungen, die gemäß Alter (und nicht z.B. wegen des Berufs) durchgeführt wurden.

  • Das Kriterium Alter spielte in Sachsen bei 27,2 Prozent, in Sachsen-Anhalt bei 35,1 Prozent und in Thüringen bei 43,1 der Impfungen eine Rolle (Spitzenwert: Berlin mit 72,1 Prozent).

Auch wenn es eine Rest-Unsicherheit gibt: Diese enormen Abweichungen finde ich merkwürdig.

Beeindruckt hat mich aber die Berechnung, wie viele Menschen geimpft werden müssen, um ein Leben zu retten.

Grob gesagt muss man ungefähr zehn Menschen über 80 Jahre impfen, um ein Menschenleben zu retten. Bei den Jüngeren müssen etwa 200 Menschen geimpft werden, um eines zu retten.

In der Datenanalyse gibt der Kollege auch für jedes Bundesland an, wie viele Menschen schätzungweise an Covid-19 sterben würde, wenn man nichts unternehmen würde. Spannende Daten, finde ich.

Noch zwei schnelle Radiobeiträge, die mir heute im Ohr geblieben sind. Und danach noch ein ganz besonders spektakulärer Hör-Tipp.

So klingt der Mars

Weltraumfan bin ich schon lange. Und ich habe neulich auch die Landung der NASA-Sonde "Perseverance" (deutsch: Ausdauer) auf dem Mars live im Internet verfolgt. (Naja "live": die Übertragung vom Mars bis zur Erde dauert elf Minuten.)

Und weil es alles ein wenig länger dauert, veröffentlicht die NASA Bilder, Videos und Sound nach und nach, ganz multimedial. Gestern Abend zum Beispiel: Die allerersten Geräusche vom Mars.

So klingt der Wind auf dem Mars.

(Achja: das Bild ist das erste Farbfoto von "Perseverance" vom Mars und wurde heute veröffentlicht. Nicht allzu viel los auf dem Mars.)

Also: Träumen Sie von windigen fernen Welten, die wir besuchen können, und helfen Sie mit, diese Welt besser zu machen!

Alles Gute.

Marcel Roth

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 19. Februar 2021 | 11:00 Uhr

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