Corona-Daten-Newsletter | Dienstag, 11. August 2020 Das Wettrennen zum Impfstoff

Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

In Russland ist ein Impfstoff gegen COVID-19 zugelassen worden. Daran gibt es jedoch Kritik: Denn es ist nicht klar, ob das Mittel überhaupt wirkt. Wie weit die Entwicklung anderer Impfstoff-Kandidaten fortgeschritten ist, lesen Sie in diesem Newsletter.

Collage für den Corona-Newsletter: Eine Hand hält einen mRNA Impfstoff
Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

Liebe Leserinnen und Leser,

vielleicht haben Sie es schon mitbekommen: Russland hat heute als erstes Land weltweit einen Impfstoff gegen das Coronavirus staatlich zugelassen. Angeblich ist auch eine Tochter des russischen Präsidenten Wladimir Putin bereits damit geimpft worden. Falls Ihnen diese Meldung bisher entgangen ist, können Sie sie hier nachlesen. 

Ein Impfstoff gegen COVID-19: Darauf wartet gerade die ganze Welt. Aber wie Sie sicher merken, bin ich wegen dieser Meldung aus Russland nicht gerade super euphorisch. Der Grund dafür: Es ist nicht klar, ob der Impfstoff überhaupt wirkt und tatsächlich für Menschen sicher ist. 

Denn das russische Vakzin ist im Rahmen einer Studie erst an wenigen Personen getestet worden – und die Studienergebnisse liegen noch nicht vor. Einen Impfstoff in einem so frühen Entwicklungsstadium zuzulassen, ohne Ergebnisse großer klinischer Studien abzuwarten, widerspricht international geltenden Richtlinien. Wissenschaftler aus dem Ausland und aus Russland selbst kritisieren daher die Zulassung des russischen Mittels als übereilt.

Es gibt allerdings eine ganze Reihe weiterer Impfstoff-Kandidaten. Auch diese befinden sich noch in der vorgeschriebenen Testphase – sind in dieser aber schon deutlich weiter als das gerade zugelassene russische Vakzin. In diesem Newsletter geht es darum, welche Länder im Wettrennen um einen COVID-19-Impfstoff vorn liegen.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Doch zuerst der Blick auf die Daten: Für ganz Deutschland sind heute vom Robert Koch-Institut (RKI) knapp unter 1.000 Neuinfektionen gemeldet worden, genauer 966 neue Fälle. Davon entfällt mit 413 neuen Infektionen der mit Abstand größte Teil auf Nordrhein-Westfalen. Jeweils etwa 100 neue Fälle sind in Baden-Württemberg (105 Neuinfektionen) und Bayern (98 Neuinfektionen) registriert worden.

Und so haben sich die Zahlen in Mitteldeutschland entwickelt:

Sachsen

  • Aktive Fälle: 146 ↗ (+8 zum Vortag)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 226 (+0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 5.300 (+5)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 5.672 (+13)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 90 ↗ (+6 zum Vortag)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 190 (+0)
  • Zahl der genesenen Patienten: 3.178 (+7)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 3.458 (+13)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 88 ↗ (+5 zum Vortag)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 64 (+0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 1.926 (+3)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 2.078 (+8)

Auf dem Weg zu einem Impfstof

Um die Zulassung eines Impfstoff gegen das Coronavirus. Russland hat heute einen Impfstoff staatlich zugelassen – sich dabei aber nicht an die eigentlich geltenden Zulassungsrichtlinien gehalten. 

Denn bis ein Impfstoff auf den Markt gebracht hat, muss er eigentlich mehrere Testphasen durchlaufen. Diesen Prozess stelle ich ihnen vor. Außerdem geht es darum, welche Impfstoff-Kandidaten in diesem Prozess schon recht weit sind. Zu diesem Thema gibt es auch einen Schwerpunkt vom NDR.

Warum ist es wichtig, wer im Impfstoff-Rennen vorn liegt?

Weil einige Staaten mit Impfstoff-Entwicklern schon jetzt Vereinbarungen geschlossen haben, dass sie einen bestimmten Anteil des Impfstoffs erhalten, sobald dieser zugelassen ist. Die Länder sichern sich also Vorverkaufsrechte. Die Bürger der Staaten, die auf den "richtigen" Impfstoff-Entwickler gesetzt haben, würden also zuerst versorgt.

Solche Deals können sich natürlich nur reiche Länder leisten. Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor "Impfstoff-Nationalismus": Kein Land sei sicher vor dem Virus, solange nicht alle sicher seien.

Wie läuft die Impfstoff-Zulassung ab?

Ein Impfstoff-Kandidat gegen das Coronavirus muss mehrere Phasen durchlaufen, bevor er auf den Markt kommt.

  • Phase I: Der Impfstoff wird an 60 bis 80 gesunden Probanden getestet. Es geht darum, herauszufinden, ob der Impfstoff sicher und verträglich für Menschen ist.
  • Phase II: Der Impfstoff wird an 100 bis 500 Erkrankten getestet. Es geht darum, die passende Dosierung zu finden und ob der Impfstoff die gewünschte Immunantwort hervorruft.
  • Phase III: Der Impfstoff wird an Tausenden Erkrankten getestet. Hier geht es um die Prüfung der Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen.
  • Phase IV: Die zuständige Zulassungsbehörde prüft die vorangegangenen Impfstoff-Studien. Auf Basis dieser Prüfung wird über eine Zulassung entschieden. Nach der Impfstoff-Zulassung beginnt die Produktion in großen Mengen.


Normalerweise dauert dieser Prozess mehrere Jahre. Weil wir aber mitten in der Corona-Pandemie stecken, geht es in diesem Fall mit dem Impfstoff deutlich schneller. Etwa ein Jahr wird die Entwicklung aber trotzdem dauern.

In welchen Phasen stecken die Impfstoff-Kandidaten?

Fünf Impfstoff-Projekte befinden sich bereits in Phase III, also der letzten klinischen Testphase vor der Zulassung. Darunter ist auch ein Kandidat, der vom deutschen Unternehmen Biontech entwickelt wurde.

Außerdem ganz weit vorangeschritten sind zwei Impfstoffe aus China, ein Impfstoff aus den USA und einer aus dem Vereinigten Königreich. Weitere zehn potenzielle Mittel befinden sich darüber hinaus schon in der Phase II. Von welchen Ländern sie entwickelt werden, können Sie diesem ZDF-Artikel entnehmen:

Um den Impfstoff aus Russland – bzw. die Zweifel an ebendiesem – geht es übrigens auch in der heutigen Folge des MDR-Podcasts mit dem Virologen Alexander Kekulé:

Gratis-Coronatest: Das sind die Bedingungen

Für Reiserückkehrer aus Risikogebieten sind Coronatests seit Samstag Pflicht. Kosten entstehen den Rückkehrern dadurch nicht, wenn der Test innerhalb von 72 Stunden nach der Ankunft in Deutschland erfolgt. Das finden nicht alle fair.

Auch, wenn Sie nicht verpflichtet sind, sich auf Corona zu testen, können die Testkosten unter bestimmten Umständen von den Krankenkassen für Sie übernommen werden. Die Vorraussetzungen für eine Kostenübernahme hat mein Kollege Max Schörm in einer Galerie für Sie zusammengetragen:

Was heute außerdem los war

Probanden für Konzert-Studie gesucht

Haben Sie am Samstag, den 22. August noch nichts vor und Lust auf etwas Konzert-Feeling in Leipzig? Dann habe ich hier vielleicht was für Sie: Die Uni Halle will untersuchen, wie hoch das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus bei Großveranstaltungen in geschlossenen Räumen ist. Ziel der Studie ist, herauszufinden, unter welchen Bedingungen Konzerte trotz der Corona-Pandemie stattfinden können. Ein ziemlich tolles Ziel, finde ich.

Dafür wird ein Konzert mit 4.000 Besuchern (in diesem Fall: Probanden) simuliert. Um das Ganze möglichst realitätsnah zu gestalten, tritt selbstverständlich ein Künstler auf: Tim Bendzko. Laut Studienleiter werden noch Probanden gesucht. Eintritt zahlen müssen Sie nicht, Fahrtkosten werden allerdings nicht erstattet. 

Weitere Infos zu der Studie und zur Registrierung als Proband finden Sie hier.

Das war es für heute von mir. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend – bis morgen!

Maria Hendrischke

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Quelle: MDR/mh

3 Kommentare

Copper vor 7 Wochen

Die Produktion und Zulassung des Schweinegrippeimpfstoffes Celvapan oder Pandemrix war viel schneller. Hat sich auch niemand beschwert und selbst das Paul-Ehrlich-Institut hat die Sicherheit beteuert. Nicht mal, nachdem im Nachhinein sehr viele Nebenwirkungen bekannt geworden sind und die Länder dem Impfstoff literweise vernichtet haben während die Pharmakonzerne Milliarden verdient haben. Ich dachte wir wollen die Pandemie schnell in den Griff bekommen, welche nicht mal so eine Pseudopandemie wie die Schweinegrippe ist. Aber jetzt wo der Russe vielleicht das Rennen macht, ists auch wieder nicht recht. Man bekommt fast den Eindruck das man Corona lieber noch ne Weile behalten möchte oder man einfach eine beleidigte Leberwurst spielt.

August vor 7 Wochen

Wer glaubt das Corona in Absehbarer Zeit überwunden ist oder alles ein Fake ist sollte sich den Britischen Kanal Corona Info ansehen dort wird der Weltweite Verlauf aufgezeigt in Ländern gegliedert eine art Corona Börse.
Das Leben was wir bis jetzt führten wird sich grundsätzlich Ändern und es Trifft jeden egal was er glaubt zu wissen und ob er sich an Regeln hält. Das Virus kennt keine Religion oder Politsche Einstellung oder gar Jung oder Alt. Und wer es übersteht ist noch längst nicht geheilt sondern schiebt das unausweichliche nur auf. Und die Impfung bietet sicherlich auch keinen 100 Prozentigen Schutz und 10 Jahre Zeit bis zur seriösen Zulassung eines Impfstoffes das ist eine Lange Zeit.
Da wird uns das nähste folgevirus schon erfeuen dank Globalisierung ergal aus welchen Winkel der Welt.

Dynamo vor 7 Wochen

Das haben die russischen Wissenschaftler "das Rennen um den Impfstoff" gegen den Corona-Virus gewonnen. Meinen Glückwunsch haben sie. Was kommt nun von den "Mächtigen" der USA und Deutschlands ? Erst mal schmollen sie. Dann hetzen beide gegen die russischen Wissenschaftler. Die USA und Deutschland können nicht verlieren. Warum kann man Russland nicht zu seinem Erfolg gratulieren. Beim Sport wären das die hässlichsten Verlierer. Es ist schon klar, verlieren ist immer ärgerlich. Aber es können nicht alle gleichzeitig gewinnen. Wenn es Sieger gibt, gibt es logischer auch Verlierer. Warum kapieren das die "Mächtigen der USA und Deutschland nicht". Gut, beide sind Anwärter für den "schlechtesten Verlierer des Jahres 2020". 11.08.2020, 21:08

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